Neonazi-Problem bei der Göttinger AfD?

AntifaschistInnen werfen einem Vorstandsmitglied der Göttinger Alternative für Deutschland (AfD) vor, ein Neonazi zu sein. Im Netz kursieren Fotos des Mannes, auf denen er einen Hitlergruß zeigt. Er selbst streitet alle Vorwürfe ab, spricht von Fotomontagen und einer Hetzkampagne.

Von Christian Röther

Jeden ersten Montag in Monat versammelt sich in der Göttinger Innenstadt die Anti-Atom-Mahnwache. Meist verläuft die überschaubare Versammlung ohne Zwischenfälle. Im Spätsommer und Herbst 2012 wurde die Mahnwache jedoch mehrfach von zwei „stadtbekannten Neonazis“ gestört, erklärte damals die Göttinger Anti-Atom-Initiative. Ein Aktivist sei körperlich angegriffen worden, als er ein Foto von den Störern machen wollte. Zu einer Anzeige kam es jedoch nicht. Auch rechte Sprüche sollen die zwei jungen Männer geäußert haben. Die Göttinger Grünen und die Linken verurteilten daraufhin die Störungen der Mahnwache. Die Polizei hingegen erklärte, ihr seien solche Vorfälle nicht bekannt und es sei auch nichts zur Anzeige gebracht worden.

Bei einem der zwei Männer soll es sich um Lennard Rudolph gehandelt haben. Im Juni 2013 erhalten die Vorfälle deshalb politische Brisanz: Der inzwischen 19 Jahre alte Rudolph ist zum stellvertretenden Vorsitzenden und zum Schatzmeister des frisch gegründeten Kreisverbandes der Alternative für Deutschland in Göttingen und Osterode gewählt worden. Das ruft die Antifaschistische Linke International (A.L.I.) auf den Plan. In einer Pressemitteilung bezeichnete sie Rudolph als Neonazi und führt als Beleg unter anderem das ihm vorgeworfene Verhalten bei den Mahnwachen an. Auf Anfrage teilt die Göttinger Antifa-Gruppe zudem mit, Rudolph hätte auch ihr gegenüber Sprüche wie „Deutschland den Deutschen“ geäußert. Weiterhin habe er vor dem Jugendzentrum Innenstadt (Juzi), einem Treffpunkt der linken Szene in Göttingen, rechte Parolen geäußert und den Hitlergruß gezeigt. Er oder sein Begleiter, der auch bei den Mahnwachen dabei gewesen sei soll, hätten zudem eine Flasche geworfen, so die A.L.I.

Hitlergruß bei Facebook

AfD Gö
Dieser Facebook Screenshot dient als Beleg für den Hitlergruß, Quelle: Indymedia.

Sie gibt als weiteres Indiz für Rudolphs neonazistische Einstellung Screenshots von Rudolphs Facebook-Seite an, die bereits seit November 2012 auf indymedia zu finden sind. Unter anderem ist Rudolph auf einem Foto zu sehen, auf dem er mitten in der Göttinger Innenstadt den Hitlergruß zeigt. Zudem soll er laut der A.L.I. den „gefällt mir“-Button beim NS-Vernichtungsgas Zyklon B, bei der NPD und den Jungen Nationaldemokraten (JN) geklickt haben. Auch soll Rudolph bei Facebook nach Angaben der A.L.I. geäußert haben, im September 2012 gemeinsam mit dem Vorsitzenden des NPD-Unterbezirks Göttingen, Marco Borrmann, Flugblätter der NPD verteilt zu haben. Bei Youtube gibt es zudem ein Profil mit Namen und Foto von Lennard Rudolph, auf dem sich bis vor Kurzem Videos des neonazistischen Liedermachers Frank Rennicke fanden.

Zusammengenommen würden diese Indizien das Bild eines 19 Jahre alten Neonazis zeichnen, der jetzt bei der Göttinger AfD die Kasse verwaltet. Der Vorstand des Kreisverbandes stellte sich in einer Pressemitteilung jedoch hinter Rudolph, weil dieser sämtliche Vorwürfe abstreitet, sie als „dreiste Lügen“ und „Hetzkampagne“ von Linken bezeichnet. Bei dem Foto mit dem Hitlergruß handle es sich um eine Montage. Zudem seien sein Facebook- und sein Youtube-Profil gehackt worden und Unbekannte hätten die rechten Inhalte dort veröffentlicht. Marco Borrmann sei ihm bislang nicht bekannt gewesen. Rudolph kündigte deshalb an, die A.L.I. wegen Rufschädigung anzeigen zu wollen, sollte diese ihre Aussagen nicht zurücknehmen.

Opfer oder Täter

Auch bei den Mahnwachen habe sich alles ganz anders verhalten. Er sei lediglich bei einer einzigen Mahnwache gewesen, erklärt Rudolph, und zwar am 3. September 2012. Angegriffen habe er dort  niemanden. „Ich bin zu keiner Zeit durch Übergriffe oder gewalttätige Provokationen jeglicher Art aufgefallen. Schon gar nicht habe ich jemals anderen Menschen Gewalt zugefügt oder angedroht“, so Rudolph wörtlich in seiner Pressemitteilung. Er habe einen Aktivisten lediglich verbal dazu aufgefordert, ihn nicht zu fotografieren. Gegenüber dem Autor erklärte er außerdem, im Oktober 2012 selbst von Linken verprügelt worden zu sein und dies zur Anzeige gebracht zu haben. Im Anschluss an das folgende Gerichtsverfahren seien die kompromittierenden Bilder ins Netz geladen worden. Rudolph erklärt weiter, er habe nie Verbindungen zur rechtsradikalen Szene gehabt, sei nie Mitglied der NPD oder der JN gewesen und lehne jeglichen Extremismus ab.

Da die vermeintlichen Taten von Rudolph bis auf den Hitlergruß nicht angezeigt worden waren, können Anfragen bei Polizei und Staatsanwaltschaft hier keine Aufklärung bringen. Nach übereinstimmenden Informationen des Autors und Aussagen Rudolphs wurde das Ermittlungsverfahren wegen des „Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ mittlerweile eingestellt. Aus Jugendschutzgründen darf die Staatsanwaltschaft hierzu keine Angaben machen, ebenso wenig wie zu möglichen anderen Straftaten Rudolphs, sollte er welche begangen haben. Die Polizei hatte hingegen in ihrer oben zitierten Pressemitteilung vom November 2012 erklärt, dass die beiden 17 und 18 Jahre alten Männer, die laut Aussagen der linken AktivistInnen die Mahnwache gestört haben sollen, in der Vergangenheit „wegen allgemeinpolizeilicher Straftaten in Erscheinung getreten“ sind. Außerdem werde gegen einen der beiden „ein Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen geführt.“ Ob es sich bei diesem Mann um Rudolph handelt, ist jedoch nicht klar, denn er bestreitet, bei der Mahnwache gewesen zu sein.

Sollten Rudolphs Aussagen stimmen, würde es sich bei der Angelegenheit um eine groß angelegte Kampagne gegen ihn handeln, aus welchen Gründen auch immer. Sollten die Vorwürfe gegen ihn jedoch wahr sein, und sei es nur teilweise, wäre das eine politische Blamage für die AfD, die sich immer wieder nach rechts abzugrenzen versucht.

Siehe auch: AfD: Zwischen Gründung und SelbstzerfleischungAfD: Alternativelose AlternativeAfD: Ideologie der Anti-IdeologenAlternative für Deutschland: Sowas kommt von sowas!Professoren als Speerspitze, Partei als Sammelbewegung

17 thoughts on “Neonazi-Problem bei der Göttinger AfD?

  1. Ein Hitlergruß ist natürlich schlimm, aber Vorverurteilung auch.
    Der Mann auf dem Bild könnte ja auch einen freundlichen Hinweis
    gegeben haben, daß z. B. eine Ampel auf Grün umgesprungen ist?
    Ist das alles geklärt? Oder doch eine Fotomontage?

    Ja was wäre, wenn die Linke nicht das rechte Feindbild hätte?
    Sie müßte glatt mit konkreten Argumenten aus der ideologisch
    zementierten antiimperialistischen Frontstellung kommen. Das gilt natürlich ebenso für das Parteienkartell in Berlin.

    Weil sie das aber nicht können, versucht man den Gegner auf Neben-
    feldern zu stellen, dort das Haar in der Suppe zu finden, auf-
    blähen und als Bedrohung hinzustellen. Alte Vietkongtaktik.

    Jetzt aber mal zu den Fakten: Im Netz hat die Afd bisher eine hervorragende Resonanz und Zustimmung erfahren und ist gut auf Kurs,
    bei den Wahlen die 5%Hürde zu nehmen. Wichtig ist natürlich noch eine gute Information der Nichtuser, die von den öffentlichen Medien ab-
    hängig sind.

    Überigens, wer hören möchte, was im Ausland wirklich über die deutsche EU-Hilfe gedacht wird, sollte mal hier hereinschauen. Deutsche Nationalhymne inclusiver: http://www.youtube.com/watch?v=IMjSVZC4drw

  2. Puh, dieser Artikel ist selbst für Publikative-Verhältnisse schwach und peinlich. Lauter Fragen, unbewiesene Verdächtigungen, Null Fakten.

    Tja, ist halt der Ausdruck der schieren Angst, das die von Ihnen unterstützte Partei wegen der AfD aus dem Bundestag fliegen wird.

    Trotzdem bleibt zu hoffen, dass dieses der letzte peinliche Tiefpunkt der Kampagne war.
    Ich denke für diesen Artikel schämt sich der eingefleischteste Linke fremd, Publikative kann sich nicht mehr lächerlicher machen.

  3. @12 (sandra):

    vielen dank für ihre engagierte bewertung und die unterstellungen.

    sie möchten ja sicherlich ernst genommen werden und liefern noch belege nach, die ihre behauptungen glaubwürdig oder wenigstens verständlich machen?

    .~.

  4. Ich drücke der AfD beide Daumen. Trotz aller Meckereien von Seiten der „etablierten“(?), verkarsteten Parteien und trotz Meckern in den deutschen Tageszeitungen: Die AfD hat innert kürzester Zeit viel geleistet – sie wird noch mehr leisten. Ihre Ziele sind genau das, was Deutschland wegen der Merkelschen Alternativlosigkeit mangelt. Sie wird bei den Bundestagswahlen reüssieren. Ich unterstütze sie.

  5. @12 (sandra):

    ähm, hallo, jemand zu hause? sie mögen bitte ihre belege und erläuterungen noch nachliefern!

    schon allein wegen ihrer eigenen stichworte: „schwach, peinlich, unbewiesene verdächtigungen, null fakten“ und so.

    nicht dass sich für sie noch jemand fremdschämen muss.

    .~.

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