Leo Baeck Institute stellt den AUFBAU online

Im Juli 2012 hatte die Deutsche Nationalbibliothek ihr Onlineangebot mit digitalisierten mit jüdischen Blättern und Emigrantenzeitungen abgeschaltet. Nun ist zumindest die Emigrantenzeitung AUFBAU wieder online zugänglich – Dank des Leo Baeck Institute.

Von Jim G. Tobias, zuerst veröffentlicht bei haGalil.com

Nachdem die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) vor einem Jahr in einer Nacht- und Nebelaktion die digitalisierten Bestände der Sammlungen „Jüdische Periodika in NS-Deutschland“ und „Exilpresse“ vom Netz genommen hatte – darunter auch die Emigrantenzeitung AUFBAU – steht zumindest diese wichtige und einzigartige Quelle der historischen Forschung nun endlich wieder zur Verfügung.

Rückblick: 1998 startete die DNB ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft  (DFG) mit Steuergeldern finanziertes Projekt und digitalisierte jüdische Blätter, die während des Nationalsozialismus verlegt wurden sowie etwa 30 Emigrantenzeitungen der Jahrgänge 1933-1945. Seit 2004 konnten die Publikationen auf den Internetseiten der DNB kostenlos eingesehen werden. Im Juni 2012 sah die Deutsche Nationalbibliothek plötzlich rechtliche Bedenken und schaltete das Onlineangebot ab – ohne Kommentar. Heftigen Protesten von Historikern, Bibliothekaren, Archivaren und Journalisten begegnete die DNB lapidar mit dem Hinweis auf das Urheberrecht (wir berichteten).

Juristische Spitzfindigkeiten hinsichtlich des Umgangs mit den sogenannten verwaisten und vergriffenen Werken wurden gleichwohl schon vor zehn Jahren ausgiebig diskutiert und geprüft. Weder bei der DNB noch bei den Geldgebern der DFG, die das Projekt als legal und förderungswürdig einstufte, gab es Bedenken. Um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, sicherte sich die DNB noch mit folgendem Hinweis ab: „Herausgeber oder Autoren, die Rechte geltend machen möchten“, mögen sich mit etwaigen Forderungen an die Bibliothek wenden. „Die Rechte der einzelnen Autoren an ihren Werken bleiben unberührt.“ Nach Auskunft der DNB gab es in der Vergangenheit auch keinerlei Probleme mit etwaigen Rechteinhabern. Für die Digitalisierung des AUFBAU hatte die Herausgeberin, kurz vor Einstellung des Blattes, sogar noch ausdrücklich ihre Zustimmung gegeben.

Gleichwohl blieb die Deutsche Nationalbibliothek stur. Als Antwort auf das nicht nachvollziehbare Gebaren der DNB kündigte im Juli 2012 das renommierte Leo Baeck Institute (LBI) an, einzuspringen und die vom Netz genommenen AUFBAU-Jahrgänge zu digitalisieren und online zu stellen. Das US-Institut hält schon seit Längerem die kompletten Ausgaben des Blattes, von 1951 bis 2004, im Netz für Forschungszwecke bereit. Bislang ohne jegliche Probleme. Um Doppelungen zu vermeiden, hatte das LBI auf die Jahrgänge 1934 bis 1950 verzichtet, da diese schon bei der DNB einzusehen waren.

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Titelblatt der ersten Ausgabe. Repro: Leo Baeck Institute, New York.

Nun ist der AUFBAU wieder komplett im Netz verfügbar. „Um sicherzustellen, dass diese wichtige Quelle für die Forschung erhalten bleibt, hat das Leo Baeck Institute diese Jahrgänge digitalisiert,“ erklärt die US-Forschungseinrichtung und verweist darauf, dass die jetzige Rechteinhaberin, „JM Jüdische Medien Zürich“, die das Nachfolgeblatt „aufbau. Das jüdische Monatsmagazin“ herausgibt, ihre Genehmigung dazu ausdrücklich erteilt hat.

Ob und wann die restlichen, weit über 50 jüdischen Zeitungen wieder online abrufbar sein werden, ist laut DNB nicht absehbar. Fest steht nur, so Pressesprecher Stephan Jockel: „Als Bundesbehörde müssen wir uns an die Rechtsvorschriften halten.“ Dass man mit dieser Haltung jedoch gleichzeitig gegen die Förderrichtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft verstößt, will Jockel lieber nicht kommentieren.

Alle Hoffnung setzt die DNB in die Bundesregierung. Dort beschäftigen sich, mit deutscher Gründlichkeit, schon seit geraumer Zeit hochbezahlte Juristen mit dieser vermeintlich komplizierten Frage. Anfang Mai hatte das Bundeskabinett sogar einen  „Entwurf zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes“ diskutiert. „Zukünftig können verwaiste Werke in Bibliotheken, Archiven und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten digitalisiert und ins Internet gestellt werden“, erklärte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Wann dieses Gesetz allerdings in Kraft tritt, bleibt abzuwarten.

Der komplette AUFBAU (1934–2004) ist einzusehen unter:

http://archive.org/details/aufbau