Ohne Apfel in die 1. Liga. Hausverbot für NPD-Chef

Eintracht Braunschweig ist in die erste Bundesliga aufgestiegen. Gestört wurden die großen Aufstiegsfeiern durch Randale einer Gruppe von Fans und die öffentlichkeitswirksame Freude des NPD-Vorsitzenden und Eintracht-Anhängers Holger Apfel. Den möchte der Verein in der ersten Liga nun nicht mehr im Stadion sehen.

Von Nicole Selmer

Während Zehntausende Anhänger am Pfingstwochenende den Aufstieg in der Braunschweiger Innenstadt feierten, kam es nach dem letzten Spieltag auch zu Auseinandersetzungen zwischen einer größeren Gruppe und der Polizei, die nach Berichten der Braunschweiger Zeitung wegen einer Kneipenschlägerei alarmiert worden war. Teile der Auseinandersetzung wurden von einem Anwohner gefilmt.

Die Braunschweiger „Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen“, die im vergangenen Herbst mit einer Dokumentation über Verbindungen zwischen der extrem rechten und der Braunschweiger Fanszene für heftige Reaktionen gesorgt hatte, berichtet in ihrer Pressemeldung, dass hier Mitglieder der rechten Hooligangruppen „Fette Schweine/Hungerhaken“ und „Alte Kameraden“ zu erkennen wären – das als Beleg angeführte Video ist nicht mehr einsehbar. Zudem seien auf dem Fanmarsch zur Feier des Aufstiegs von einzelnen Personen antisemitische Gesänge angestimmt worden, wie die Initiative berichtet.
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Der Verein verurteilte die gewalttätigen Aktionen, ohne mögliche rechtsradikale Begleiterscheinungen zu erwähnen, und kündigte nach Identifizierung der Täter und für den Fall, „dass sie mit Eintracht Braunschweig in Verbindung stehen“, Strafen an. Auch Robin Koppelmann, Sprecher des fanszenenübergreifenden FanRats distanzierte sich von den Vorfällen und wies darauf hin, dass der weitaus größte Teil der Braunschweiger Fans friedlich sei und Anhänger „mit rechter Gesinnung […] nicht federführend“ seien.

Hausverbot für Apfel

Zumindest auf einen solchen Anhänger möchte der Verein in Zukunft verzichten: Der NPD-Vorsitzende Holger Apfel hatte auf seiner Facebook-Seite ein Bild von sich bei den Aufstiegsfeiern im Stadion – samt Rasenstück – veröffentlicht und mit seinem Mannheimer Politikerkollegen und Hool Christian Hehl für ein weiteres Bild posiert. Nach der Veröffentlichung des Aufstiegsbildes vermeldete Eintracht Braunschweig nun jedoch die Einleitung eines Haus- und Stadionverbotes gegen Holger Apfel. Rechtes Gedankengut werde „wie schon seit langer Zeit“  nicht geduldet. „Eintracht Braunschweig war weder der Stadionbesuch von Holger Apfel bei diesem Spiel noch die angesprochene Anfertigung, bzw. Veröffentlichung des Fotos bekannt.“

Holger Apfel 2011 in Bremen (Foto: Kai Budler)
Holger Apfel 2011 in Bremen (Foto: Kai Budler)

Das mag für diesen Fall stimmen, warum auch sollte der NPD-Vorsitzende seinen Spielbesuch vorher in der Geschäftsstelle anmelden? Die Sympathien von Holger Apfel für Eintracht Braunschweig sind jedoch alles andere als eine Neuigkeit, auch für den Verein. Apfel berichtete  über frühere Spielbesuche bei Facebook, hat dem Journalisten Christoph Ruf im Interview für dessen Buch „Ist doch ein geiler Verein. Reisen in die Fußballprovinz“ über das politische Aktivierungspotenzial zumindest des unterklassigen Fußballs Auskunft gegeben und trat bei Wahlkampfveranstaltungen auch mit blau-gelbem Eintracht-Schal auf. Das alles nicht im Geheimen und zweifellos mit Wissen des Vereins. Bislang hat Eintracht Braunschweig allerdings nichts gegen den NPD-Fan in seinen Reihen unternommen.

Rechtliche Prüfung

Was genau die Grundlage für das ausgesprochene Stadionverbot sein wird, ist unklar. Das Entfernen eines Rasenstücks? Die politische Gesinnung? In beiden Fällen könnten dann auch weitere Stadionverbote für andere Fans folgen. Apfel selbst kündigte auf seinem Facebook-Profil eine rechtliche Prüfung gegen die „Anti-Nazi-Keule“ nach der „Antifa-Hetze“ an. Für die Zukunft setzt der NPD-Vorsitzende auf die „vielen aufrechten Nationalen in den Eintracht-Fanreihen“. Mindestens ebenso wichtig wie der Klassenerhalt in Liga eins sollte es für Fans und Verein sein, ihn in der nächsten Saison eines Besseren zu belehren. Nicht nur für ein besseres Image.

Siehe auch: Angegriffene Identität: der „Judenklubs Tottenham HotspurAachen: Der rechte Konsens setzt sich durchDie braunen EminenzenIn basso a destra: Angriff der Nazi-Hools in RomUkraine: Ultra-Nationalisten erstmals im ParlamentBraunschweigen: Kein Mittel gegen Nazis“Die Roma müssen weg!”“Unser Spiel – Unser Stadion – Unsere Stadt”Stadien des Hasses?

7 thoughts on “Ohne Apfel in die 1. Liga. Hausverbot für NPD-Chef

  1. Ich verstehe das immer nicht, warum Nazis gegen Diskriminierung klagen. Sie sollten das doch eigentlich begrüßen.

  2. Wenn Eintracht Braunschweig im Stadion Hausrecht geniesst braucht es für ein Hausverbot keiner Grundlage, oder?

  3. Vielleicht mal das Problem an der Wurzel packen?
    Die Frage sollte erlaubt sein, wie es ein Verein innerhalb von 2 Saisons schafft, noch mal aufzusteigen. Klar ist es nicht ganz unmoeglich, doch verfuegt der Verein auch nicht ueber unvorstellbare Reichtuemer.
    Spinnt mensch den Gedanken weiter, dann steht bald das Derby gegen Hannover 96 an. Der Geschichte der Duell nach zu beurteilen, werden Krawalle und zwar noch viel Staerkere, in diesem Hass-Derby wohl passieren.
    Ausgerechnet in der Saison, wo SPD und Gruene nur wenige Monate im Amt sind. Sie werden sich dann kritischen Fragen stellen muessen und jene haesslichen Bilder sind nicht gut fuer das Image von Niedersachsen. Wer waehlt denn bitteschoen Parteien wieder, welche Randale nicht verhindern konnten?
    Bei der Frage: Welche Partei sorgt fuer Sicherheit wird uebrigens haeufig die CDU genannt und von der NPD ist bekannt, dass sie sehr hart durchgreift. Kosten fuer Polizeieinsaetze muessen bislang vom Staat getragen werden, nicht so in Schweden.
    Doch wer will schon Sicherheitsmasznahmen, also z.B. Vollueberwachung und Nacktkontrollen, was ein schwerer Eingriff in die Persoenlichkeitsrechte darstellt, denn alle werden unter Generalverdacht gestellt. Helfen wuerde es, jegliches rechtes Gedankengut aus dem Stadion zu verbannen, auch durch Aufklaerungsarbeit, weil Rechte meinen, Ziele koennen nur dann erreicht werden, wenn der Gegenueber koerperlich angegriffen wird. Ob dieser ganze Sicherheitswahn dann tatsaechlich zu weniger Gewalt fuehrt, ist auch nicht sicher und es gibt Beispiele, wo mehr Kameraueberwachung die Anzahl der Gewalttaten nicht gemindert hat.
    Deshalb lieber heute als Morgen antifaschistische Projekte staerker foerdern, solange sie zu offensiver koerperlicher Gewalt gegen Rechte klar Nein sagen.
    Hoffen wir, dass es friedlich bleibt, denn eigentlich ist es „nur“ ein Fussballspiel.

  4. Fußballbetrug: Wo ist dennn nun die Wurzel des Problems?

    Die Verbindung von Faschismus und Fußballgewalt ist ein Zustand, die dem Faschismus eher schädlich als förderlich ist.

    Schau dir doch Italien an zur Entstehung des Faschismus unter Mussolini da war doch die Verbindung der Squadristen zur Gewalt schon offensichtlich und Intellektuelle wie die Futuristen haben durch ihre Darstellungen der Ästhetik der Gewalt eine Toleranz bei weiten Teilen der konservativen Eliten und einem nennenswerten Teil der Bevölkerung für die faschistische Gewalt entstehen lassen.

    Diese Toleranz oder eine positive Ästhetik für faschistische Fußballgewalt wird ganz schwer bei konservativen Eliten oder in der Bevölkerung Wurzeln schlagen können.

    Also von daher wenn da ein paar rechte Fußballfans boxen und Holger Apfel damit wieder in Verbindung steht würde ich von einem klassischen Eigentor reden wenn ich die Entwicklung des Faschismus in einem historischen Zusammenhang betrachte …

  5. ich möchte an dieser stelle dem verein noch mal meine anerkennung in dieser sache aussprechen. ich hatte schon bedenken bei der sparsamen reaktion auf die angesprochene dokumentation damals. nach verschämt-beschämendem gestammel scheint sich nun doch die einsicht durchgesetzt zu haben, dass es besser sei, sich von nazi-hassbratzen im stadion mit ruhigen worten abzugrenzen.

    ich hoffe da auf eine konsequente haltung. wer wird schon gerne im eigenen wohnzimmer bedroht?

    womöglich haben wir der dokumentation der initiative am ende mehr zu verdanken, als anfangs vorstellbar war.

    .~.

  6. Ich finde dennoch die Sache mit dem Stadionverbot kritisch zu betrachten. Mit Extremismus Doktrin kann das schon in ein paar Monaten so aussehen, dass das Hausverbot für Apfel als Begründung für Hausverbote gegem fortschritlich handelnde Fans herangezogen werden kann.

    Zu diesem Thema ein Beitrag der Curva Nord Livorno:
    http://senzasoste.it/tifo/daspo-cori-e-dissenso-il-documento-della-curva-nord

    Mit google translate kann zumindest ein Eindruck gewonnen werden, dass die aufgrund Stadionverboten gegen faschistische Hellas Ultras wegen Schmägesängen gegen einen plötzlich verstorbenen Livorno Spieler und wegen faschistischer Gesten die Freude einiger Livorno Fans darüber bedauern und um eine Einordnung in Zusammenhänge bitten.

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