UOKG: Gewollter Eklat eines Stalinopfers?

Am 30. Mai steht Lothar Scholz vor dem Potsdamer Amtsgericht. Scholz, ehemaliger HJ-Führer, Stalinopfer und „verdienstvoller Zeitzeuge“, soll die Leiterin einer Ausstellung in Potsdam angegriffen haben. Hintergrund des Konflikts: Angeblich verharmlose die Ausstellung die sowjetische Repressionspolitik in der SBZ und der DDR. Das Gerichtsverfahren wegen der Attacke bringt Scholz, der lange Jahre Vorstandsmitglied der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) war, offenbar mit der Justiz unter Stalin in Verbindung.

Von Martin Jander*

Das Logo der UOKG (Screenshot)
Das Logo der UOKG (Screenshot)

Seit nun schon mehr als einem Jahr führt die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), ein Dachverband von DDR-Opfergruppen und traditionell rechtskonservativen Vereinigungen, wie zum Beispiel dem Bund der Vertriebenen (BdV), eine massive Kampagne gegen eine neue Dauerausstellung im ehemaligen KGB Gefängnis in Potsdam. Der Dachverband und seine Mitgliedsverbände werden mit erheblichen Summen von der Stiftung Aufarbeitung, die zur Unterstützung von Projekten der DDR-Aufarbeitung gegründet wurde, unterstützt.

 Die Vorwürfe die die UOKG und die mit ihr gemeinsam streitenden Gruppen erheben, sind in den meisten Fällen an den Haaren herbeigezogen. Peter Jochen Winters, früher Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und ihr langjähriger Korrespondent in der DDR, schrieb in einem Essay: „Viele Besucher der Ausstellung und Leser des Katalogs können die Vorwürfe der Vertreter und angeblichen Sympathisanten der betagten Opfer nicht nachvollziehen.“[1]

 „Terror-Verharmlosung“

Es geht in der Kampagne der UOKG vor allem darum, die Ausstellungsmacher und die Direktion der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Prof. Günter Morsch, der angeblichen „Terror-Verharmlosung“ und der unwürdigen Präsentation von Opfern der DDR und der Sowjetunion öffentlich anzuklagen. Der Konflikt ist lediglich der bislang letzte in einer langen Kette ähnlicher Auseinandersetzungen, die der Verband dazu nutzt, die Extremismustheorie geschichtspolitisch zu zementieren.[2]

Höhepunkt dieser mit viel Begleitmusik auch von einschlägig interessierten Historikern wie z. B. Hubertus Knabe und der früheren DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld unterstützten Kampagne war eine mutmaßliche körperliche Attacke eines ehemaligen Vorstandsmitgliedes der UOKG, Lothar Scholz, auf die Leiterin der Ausstellung in der Leistikowstraße in Potsdam, Dr. Ines Reich, am 23. März 2012.

Laut Informationen der Polizei packte Scholz Reich an der Schulter, umfasste „ihren Hals“ und „wollte sie schlagen“. Er drohte, „die Gedenkstätte in die Luft zu jagen“ und Ines Reich „verbrennen“[3] zu lassen. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Martin Gorholt, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur von Brandenburg, erstatteten Anzeige und Anfang des Monats April 2013 erhielt Lothar Scholz einen Strafbefehl über 900.- €uro zugestellt.

Über die Heftigkeit des Angriffs besteht unter den Beteiligten keine Einigkeit. Lothar Scholz behauptete später, er habe Ines Reich lediglich „unsanft zur Seite“[4] geschoben. Die UOKG erklärte in einer Stellungnahme, der 83-jährige Zeitzeuge sei gerade erst von einer Krankheit genesen, er sei nur einmalig „ausgerastet“. Die Organisation signalisierte damit offenbar, man dürfe Lothar Scholz, der 1947 wegen angeblicher Spionage zu Haft in einem Arbeitslager der Sowjetunion verurteilt wurde, seinen Zornesausbruch nicht übel nehmen.

 „Ich wollte den Eklat“

Ob freilich Lothar Scholz nur einmalig „ausgerastet“ ist und der Grund dafür in den ihn seit seiner achtjährigen Lagerhaft in der Sowjetunion quälenden Traumata besteht, ist vorerst lediglich eine Behauptung. Auch eine ganz andere Version der Geschichte ist denkbar, sogar wahrscheinlich.  Unmittelbar nach dem mutmaßlichen Angriff schickte der Rentner, der mittlerweile eine Weinhandlung betreibt, ein Fax an die „liebste Frau Reich“, aus dem die Märkische Allgemeine vom 17. April 2012 zitierte. Er teilte der Gedenkstättenleitern in dem Schreiben triumphierend mit: „Ich wollte den Eklat und jetzt habe ich ihn.“[5]

Nimmt man diese Äußerung ernst, dann erscheint es immerhin möglich, dass der 83-jährige Scholz den Effekt einer Anzeige geradezu herbeigesehnt hat. Was für einen Eindruck wird es schließlich machen, wenn ein älterer Herr, gezeichnet von Lagerhaft in Sibirien, von einer Gedenkstättenleitung vor Gericht gezerrt wird? Dass Lothar Scholz und der ihn stützende Verband sich einen solchen Effekt herbeiwünschen könnten, lässt sich auch daraus schließen, dass der Rentner gegen die Bezahlung des ihm zugegangenen Strafbefehls Widerspruch eingelegt und auch noch ein paar Argumente nachgeschoben hat.

Eine stillschweigende Begleichung des Strafbefehls hat Lothar Scholz nicht etwa unter Hinweis auf seine möglicherweise nicht üppige Rente abgelehnt, sondern, wie er den Potsdamer Neuesten Nachrichten erklärte, weil er sich durch „das Urteil in Abwesenheit“[6] an seine 1947 in Moskau erfolgte Verurteilung zu 15 Jahren Zwangsarbeit im berüchtigten Lager Workuta erinnert fühle. „Wie sich die Bilder gleichen“, äußerte Scholz gegenüber der Zeitung. Die Hauptverhandlung wird nun am 30. Mai im Potsdamer Amtsgericht stattfinden.

Lothar Scholz, der sich bis heute für den tätlichen Angriff auf Ines Reich nicht entschuldigt hat, setzt offensichtlich die Justiz der Bundesrepublik mit der der Sowjetunion unter Stalin gleich.

 Rechtsradikale Verlagsanstalten

So überraschend ist dies nicht. Er tourt, neben der Arbeit in seiner Weinhandlung, u. a. vermittelt vom koordinierenden „Zeitzeugenbüro“ des Bundes an der Gedenkstätte Hohenschönhausen, als Zeitzeuge durch die Bundesrepublik.[7] Neben seiner Zeitzeugenschaft in Sachen stalinistischen Terrors trägt er dabei offenbar auch noch ganz andere Dinge vor. Er ist Autor zweier Bücher, die unter den Titeln „Im Namen von Marx–Engels–Lenin– Stalin – Eine Jugend in sowjetischen Straflagern“ und „Der verratene Idealismus – Ein Junge im Banne des Nationalsozialismus“ in den rechtsradikalen Verlagsanstalten Berg am Starnberger See und Druffel & Vowinckel Verlag in den Jahren 2000 und 2004 erschienen sind.[8]

Der Inhalt dieser beiden Bücher lässt sich gerafft nur schwer wiedergeben. Direkt nationalsozialistische Propaganda stellen sie nicht dar, weit davon entfernt sind sie jedoch auch nicht. Lothar Scholz reproduziert in seiner Darstellung die Erlebniswelt eines ideologisch vollständig überzeugten jugendlichen Führers der Hitler-Jugend ohne Distanz. Er selbst fasst am Ende des Buches über seine Zeit als Kriegsfreiwilliger zusammen, was er dem Leser mit dem Buch erklären will: „Es schien wirklich so zu sein, daß der Bolschewismus und das ´Weltjudentum` (Goebbels-Ausdruck) unsere Vernichtung wollten, ob es die amerikanischen Juden waren wie Kaufmann oder Morgenthau oder die sowjetischen wie Ilja Ehrenburg, der offen zur Schändung und Tötung der deutschen Frauen aufrief.“[9] Klarer kann man das nationalsozialistische Verschwörungsdenken nicht ausdrücken.

In mancher Passage lässt Scholz durchblicken, dass er während des Nationalsozialismus und danach einige freundliche Russen und Juden kennen gelernt habe, in der Regel jedoch seien sie genau so gewesen, wie man es ihm in der Zeit des Nationalsozialismus erklärt habe, gemein, hinterhältig und unzivilisiert.

Am Ende seines Buches über seine Zeit als HJ-Führer und Kriegsfreiwilliger schreibt Scholz, seine Schrift solle daran erinnern, „daß es keine Kollektivschuld gibt, daß es nie eine Nation ist, ein ganzes Volk, die Amerikaner, die Russen, auch nicht die Deutschen, sondern immer bestimmte Menschen, die Verbrechen begehen. Und sie soll die heute so selbstgerechten Gutmenschen ein bischen nachdenklicher machen, nicht mit zweierlei Maß zu messen, bei der Wahrheit zu bleiben. Wer ohne Schuld ist werfe den ersten Stein. Eines hat sich merkwürdigerweise weltweit fest eingebürgert, selbst oder hauptsächlich auch bei uns: Die alleinige deutsche Schuld, bis ins dritte und vierte Glied. Sorgen wir Überlebenden für eine bessere Welt.“[10]

 Krieg gegen finstere kommunistische Mächte?

Lothar Scholz sieht sich offenbar als früherer HJ-Führer und Überlebender sowjetischer Straflager heute in der Pflicht, darauf hinzuweisen, dass nicht nur die Deutschen Verbrechen begangen haben, sondern auch Kommunisten. Er begreift die bevorstehende Auseinandersetzung vor Gericht offenbar als eine Art ideologischen Krieg gegen finstere kommunistische Mächte, als die er offenbar die Vertreter der Gedenkstätte und, soweit zu hören, auch diejenigen identifiziert, die ihm einen Strafbefehl zukommen ließen.

KGB-Gefängnis Potsdam Leistikowstrasse Zellentrakt (Foto: kilima8)
KGB-Gefängnis Potsdam Leistikowstrasse Zellentrakt (Foto: kilima8)

Er will mutmaßlich mit seiner nicht in Abrede gestellten körperlichen Attacke und seinem Bestehen auf einer Gerichtsverhandlung zur Inszenierung eines Bildes beitragen, in der angeblich grausame, hinterhältige und den kommunistischen Terror verharmlosende Repräsentanten der Gedenkstätte und der Justiz, einen alten, gebrechlichen, die Menschlichkeit in Person darstellenden Überlebenden sowjetischer Straflager verurteilen, der nur von seinem Recht Gebrauch mache, auf den Terror der Roten Armee bei der Befreiung Deutschlands 1945 hinzuweisen. Lothar Scholz befindet sich offenbar immer noch im Krieg.

Dass Lothar Scholz, liest man seine Bücher, ein Ex-HJ-Führer ist, der seinen alten Ansichten nur sehr oberflächlich abgeschworen hat, ist die eine Seite der Geschichte. Man könnte fast darüber hinweg sehen, wäre der Mann nicht offenbar von einer Angriffs-Mission beflügelt. Dass Scholz mit seiner Taktik der Provokation gegen die Gedenkstättenleitung in Potsdam vom Verband UOKG unterstützt wird, das ist die andere Seite dieser Geschichte. Richard Buchner, Regionalvertreter der UOKG in Brandenburg, erklärte den Potsdamer Neuesten Nachriten erst kürzlich, es habe sich bei der Attacke vom 23. März 2012 um „das einmalige Ausrasten eines 83-Jährigen“ gehandelt. Scholz sei „ein überaus verdienstvoller Zeitzeuge.“[11] In ihre Kampagne zur geschichtspolitischen Untermauerung der Extremismustheorie passt das Stalinopfer Scholz gut. Ob der ausrastende ehemalige HJ-Führer auch so gut dazu passt?

Link: Erklärungen der UOKG gegen Links- und Rechtsextremismus

Inzwischen hat sich der Vorsitzende der UOKG, Rainer Wagner, gegenüber Frau Ines Reich (Gedenkstätte Leistikowstrasse, Potsdam) und Günter Morsch (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) in einem persönlichen Schreiben vom Januar 2013 für die körperliche Attacke von Lothar Scholz entschuldigt. Er erklärte darin, das Ex-Vorstandsmitglied Lothar Scholz habe damals nicht im Auftrage der Organisation gehandelt, er könne nicht für die UOKG sprechen. Öffentlich ist diese Entschuldigung bislang jedoch nicht verbreitet worden.

Die UOKG wehrt sich wortreich gegen Behauptungen, sie unterhalte irgendwelche Beziehungen zu rechtslastigen Vereinigungen und Einzelpersonen. Ex-Vorstandsmitglied Lothar Scholz wird möglicherweise am 30. Mai um 10.30 Uhr vor dem Potsdamer Amtsgericht das Gegenteil demonstrieren.

Siehe auch: Opferverband UOKG: Aufrechnen statt Aufarbeiten

*Martin Jander arbeit als freier Autor und Journalist in Berlin und unterricht in den Berlin Programmen der new york university (nyu), der stanford university und an der universität köln.


[1] Zitiert nach: Peter Jochen Winters, Der Streit um die Leistikowstrasse in Potsdam, in: Wolfgang Benz (Hrsg), Ein Kampf um Deutungshoheit, Berlin 2013, S. 63.

[2] Vgl. hierzu meinen Beitrag „Opferverband UOKG: Aufrechnen statt Aufarbeiten“ vom 29. November 2012 bei publikative.org:  http://www.publikative.org/?p=32652

[3] Zitiert nach: Guido Berg, Kritik an Kampagne gegen Reich, in: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 28. März 2012.

[4] Zitiert nach: Zeitzeuge bestreitet Angriff, in: Märkische Allgemeine vom 28. März 2012.

[5] Zitiert nach: Frank Kallensee, Potsdamer Historikerstreit, in: Märkische Allgemeine vom 17. April 2012.

[6] Zitiert nach: Guido Berg, Angriff auf Leistikowstraßen-Leiterin: Strafbefehl gegen Stalinopfer, in: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 10. April 2013.

[7] Vgl. hierzu: http://www.zeitzeugenbuero.de/index.php?id=detail&zzp=218 (abgerufen am 29. April 2013)

[8] Vgl. hierzu: Lothar Scholz, Im Namen von Marx–Engels–Lenin– Stalin – Eine Jugend in sowjetischen Straflagern , Starnberg 2000; ders., Der verratene Idealismus – Ein Junge im Banne des Nationalsozialismus, Stegen 2004.

[9] Zitiert nach: Lothar Scholz, Der verratene Idealismus – Ein Junge im Banne des Nationalsozialismus, Stegen 2004, S. 300.

[10] Zitiert nach: Lothar Scholz, Der verratene Idealismus – Ein Junge im Banne des Nationalsozialismus, Stegen 2004, S. 306/7.

[11] Zitiert nach: Guido Berg, Angriff auf Leistikowstraßen-Leiterin: Strafbefehl gegen Stalinopfer, in: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 10. April 2013.

 

10 thoughts on “UOKG: Gewollter Eklat eines Stalinopfers?

  1. Ach „Patrik Martin Jansing“, Ihr habt den „HJ-Führer“ sooft herausgestellt, daß einem Bange wird, wie Eure journalistischen Sohnemänner dereinst meinen Berufsstand bewerten werden, wenn wir mittreden mal wollen.

  2. Sehr geehrter Herr Pionierleiter, Sie scheinen zu glauben, dass ein Pionierleiter in der DDR dasselbe angestellt hat wie ein HJ-Führer in der Nazi-Zeit. Lesen sie einfach die Bücher von Lothar Scholz und Sie werden sehen, dass das nicht stimmt. Das soll natürlich nicht heißen, dass es an Pionierleitern der DDR nichts zu kritisieren gäbe. Da ist viel Platz für journalistische und wissenschaftliche Recherche.

  3. @ Pionierleiter:
    könntest du bitte weniger Drogen nehmen, bevor du in die Tasten haust. Ist ja grauenhaftes Deutsch, welches du von dir gibst^^

  4. @ Lehrer, Wenn man nicht weiter weiß, nimmt man einen „Zahlendreher“, kippt etwas Droge dabei und schon ist man im Himmel. ich weiß natürlich auch, daß das „mal“ frech hintenran gerutscht ist.

    @ Martin Jander,
    oft läßt sich das gar nicht trennen, so wie es früher durchaus nicht unüblich war, habe ich den Beruf meines Vaters ergriffen, doch bevor er eine große Pionierorganisation und später die Gesellschaft für Sport und Technik in Stralsund und Greifswald (Segler „Wilhelm Pieck“) aufgebaut hat, war er doch tatsächlich HJ-Führer (bei Kriegsende 21 Jahre alt und Martin hieß er auch).

  5. @Pionierleiter Wie schon gesagt, es empfiehlt sich z. B. das Buch von Lothar Scholz zu lesen, um zu verstehen, was diese angeblich ach so schuldlosen HJ-Jungs so getrieben haben. Möglicherweise haben Sie keine Ahnung, was ihr Vater in jungen Jahren so trieb? Vielleicht sollten Sie hier anfangen zu argumentieren?

  6. Dieses KRANKHAFTE FESTHALTEN an alten, mit dem Schöpflöffel aufgenommenen, „Idealen“ zeichnet auch heute noch so manchen „Berufsvertriebenen“ aus. Die normalen Flüchtlinge haben längst Abstand von dieser unsdinnigen Revanchepolitik genommen, sind arriviert und distanzieren sich von diesem abstoßenden Verhalten eines Herrn Scholz – so auch ich.

  7. Sehr geehrter Herr Dr. Jander,
    dass es Ihnen, wie vielen anderen linksorientierten Zeitgenossen, schwer fällt differenziert über die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft und deren Verbände zu urteilen, zeigen Ihre Angriffe auf die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG).
    Sie bauen ein UOKG-Bild auf, welches die Wirklichkeit verzerrt darstellt, und schlagen dann darauf ein. Sie könnten es aber besser wissen und auch besser beurteilen.
    – Sie wissen, dass ich persönlich wegen meines Einsatzes für das jüdische Volk und den Staat Israel in der DDR vielfältigen Repressionen ausgesetzt war.
    – Sie wissen, dass die meisten UOKG Mitglieder in der SBZ und im Unrechtsstaat DDR um demokratischer Werte Willen gelitten haben.
    – Sie wissen, dass sich die UOKG. Teilweise harten Auseinandersetzungen immer wieder einer rechtextremen Beeinflussung erwehrt hat. Ein Höhepunkt dieses Kampfes waren die Jahre 2006 bis 2008.
    – Sie wissen, dass mich persönlich ein ehemaliger Republikaner Funktionär und Unterstützer des Hitlerstellvertreters Rudolf Hess, dem seine eigenen Kinder sexuelle Übergriffe nachsagen, seit fast einem Jahr auf übelste Weise denunziert und angreift. Er setzt Gerüchte in die Welt und benutzt Verdrehungen, Verkürzungen und Entstellungen.
    – Sie wissen auch, dass ich mich persönlich für die Handgreiflichkeiten und andere menschlich nicht akzeptable Aktionen des Herrn Lothar Scholz entschuldigt habe.
    Dennoch tun Sie so als wären die UOKG eine rechtslastige Organisation, die Herrn Scholz angeblich unterstützt und sogar instrumentalisiert. Das ist eine Unterstellung der ich aufs schärfste widersprechen muss. ! Wir sind Demokraten und distanzieren uns von allen links- und rechtsextremen Aktivitäten und Positionen.
    Herr Scholz hat sich lange Zeit um die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft und für die Aussöhnung mit Russland verdient gemacht. Er ist dafür von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Alexander Putin geehrt worden. Das werden wir nicht vergessen.
    Seit einiger Zeit aber isoliert er sich immer mehr und arbeitet sogar mit erbitterten Gegnern der UOKG zusammen. Was die Ursache davon ist, kann und will ich nicht beurteilen. Scholz tritt leider mit Aussagen und Handlungen auf, die wir als UOKG weder mittragen wollen noch können. Sein tätlicher Angriff auf Frau Dr. Reich ist auch für uns nicht entschuldbar. Er ist bestenfalls aufgrund seines Alters zu verstehen, aber nicht zu rechtfertigen. Weil wir Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft sind, verurteilen wir jede Form von Gewalt, selbst wenn sie von einem früheren Vorstandsmitglied der UOKG kommt. In der letzten Zeit hat Lothar Scholz hat dem Ansehen der UOKG mit seinen Aktionen Schaden zugefügt.
    Diese Distanzierung bedeutet aber noch lange nicht, dass wir dem Konzept von Frau Dr. Reich voll zustimmen. Ich möchte aber betonen, dass es auch im Kreis der Opfer unterschiedliche Positionen zur Gedenkstätte Leistikowstrasse gibt. Wir sind keine sozialistische oder antisozialistische Einheitspartei. Mehrheitlich aber vermissen, besonders die noch lebenden Betroffene bei Frau Dr. Reich, die nötige Empathie für die Opfer des KGB /NKWD. Diese Empathie aber ist bei der Leiterin einer solchen Gedenkstätte unbedingt erforderlich. Diese fehlende Empathie empfinden ihr kritisch gegenüber stehenden Opfern des sowjetischen Nachkriegsterrors. Auch scheint sie uns teilweise im Ausstellungskonzept der Gedenkstätte bemerkbar.
    Vielen Opfern des sowjetischen Terrors kommt die jetzige Gestalt der Gedenkstätte mehr als ein KGB Museum und Erinnerungsstätte für die dort tätigen KGB-Schergen vor. Die KGB- und Gulagopfer erwarten aber mit Recht eine Gedenkstätte für ihre umgekommen Kameraden und eine Würdigung ihrer erlittenen Leiden. Eine solche Gedenkstätte könnte, durch das Schicksal der Betroffenen, bei der nachfolgenden Generation, die Liebe zur Freiheit und die Wertschätzung der Demokratie fördern. Im jetzigen, aufs engste mit dem Namen Frau Dr.Reich verbundenen Ausstellungskonzept, kommt, nach dem Eindruck vieler Zeitzeugen ,dieser Aspekt zu kurz.

    Rainer Wagner
    Bundesvorsitzender der UOKG

  8. Sehr geehrter Herr Wagner, Sie haben sich in einem persönlichen Schreiben von Lothar Scholz Aktivitäten distanziert, nicht öffentlich. Ich zitiere das. Herr Büchner hat erst kuerzlich Lothar Scholz als „verdienstvollen Zeitzeugen“ unterstützt. Dass G. Schroeder und W. Putin Herrn Scholz für seine Verdienste um die Aussoehnung von Deutschen und Russen auszeichnen, wie sie schreiben, ist deren Sache. Ich habe die beiden Bücher von Scholz gelesen und nehme sie als ziemlich rechtslastige Propaganda war. Dazu sagen Sie in ihrem Statement kein Wort. Herr Scholz hatte diese Bücher bereits veröffentlicht, bevor er stellvertretender UOKG Vorsitzender wurde. Herr Scholz ist offenbar ein „lupenreiner Demokrat“. Sie scheinen öffentliche Kritik an der rüden Kampagnenpolitik Ihres Verbandes nicht zu vertragen. Die UOKG arbeitet mit sehr vielen Unterstellungen gegenüber den Ausstellungsmachern in Potsdam. Lothar Scholz zeigt in seinen Büchern deutlich, wie diese Kritik motiviert ist.

  9. Auf der hier verlinkten uokg-Seite gegen Extremismus findet man viele Presseerklärungen mit öffentlicher Distanzierung zur NPD und gegen rechtsradikales Gedankengut. Identische Forderungen mit dem mutigen Pfarrers König, der gerade in Dresden vor Gericht gezerrt wird. Wieso wird jetzt am Beispiel dieses 84jährigen früheren Vorstandsmitglieds die gesamte Organisation als rechts dargestellt? Die UOKG und Herr Scholz spielten tatsächlich keine besondere Rolle im Potsdamer Gedenkstättenstreit. Schlecht recherchiert, Dr. Jander, setzen.

    Ausgegrenzt im neuen Reichkonzept wurde zuerst die grösste russische Menschenrechtsorganisation „Memorial“ und zwei von Zeitzeugen geleitete Potsdamer Fördervereine. Diese wollten keine Theorien aus der alten BRD infrage stellen, Dr. Jander, sondern Besucher ehrenamtlich durch den realen Ort des Schreckens des sowjetischen Geheimdienstes führen. An der Gedenkstätte leuchtete lange auch ein grosses Banner von amnesty international, dessen Potsdamer Gruppe sich bis 2007 dort traf. Alles verdrängt, leise verschwunden. Zuletzt eine verzweifelte Demo. Die Gedenkstätte wurde parteilich mit fast einer Million Euro „professionalisiert“: ehrenamtliches Engagement erscheint also heute überflüssig. Die Gesellschaft demokratisieren aber keine abhängig Beschäftigten. Das sind die Lehren aus der Geschichte.

  10. Sehr geehrter Anonymus Dresdner,

    an Ihrer Sprachkompetenz sollten Sie noch arbeiten. Einige Passagen Ihres Artikels sind unverständlich.

    Die UOKG und Lothar Scholz waren keineswegs unbedeutend für die Proteste gegen die neue Dauerausstellung im ehemaligen KGB-Gefängnis, man sieht das auf allen Fotos, bei denen die Menschen u. a. Plakate tragen, auf denen der Schriftzug UOKG enthalten ist.

    Googlen Sie zum Beispiel in der Bildersuche nach „morSCH“, dann stoßen Sie auf ein solches Foto eines sehr fragwürdogen Protestplakates der UOKG. Richard Buchner, Vorsitzender des Gedenkstättenvereins Leistikowstrasse, ist gleichzeitig Regionalvertreter der UOKG.

    Herr Lothar Scholz publizierte seine Bücher in rechtsradikalen Verlagsanstalten. Er tat das bereits bevor er stellvertretender UOKG-Vorsitzender wurde. Er macht daraus gar kein Geheimnis. Inzwischen scheint dies auch eden koordinierenden Zeitzeugenbüro des Bundes an der Gedenkstätte Hohenschönhausen klar geworden zu sein. Man hat Lothar Scholz aus denm öffentlich zugänglichen Zeitzeugenangebot herausgenommen. (Siehe: http://www.zeitzeugenbuero.de/index.php?id=detail&zzp=218) Lothar Scholz, der die Leiterin der neuen Dauerausstellung tätlich angegriffen hat, ist inzwischen vom Potsdamer Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt worden. (Siehe: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12525040/60709/Euro-Bussgeld-soll-Lothar-Scholz-zahlen-Dass-der.html)

    Sie haben Recht, die UOKG distanziert sich von allen rechts- und links-extremen Bestrebungen, hat aber in ihren Reihen jede Menge Geschichtsrevisionisten. Sie können das in meinem Aufsatz mit dem Titel „Kultur der Aufrechnung“ lesen, der in einem Band von Wolfgang Benz erschienen ist. (Siehe: http://lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/content/11090)

    Ein Protest der UOKG gegen die Anklage gegen Lothar König in Dresden ist mir nicht bekannt. Wenn Sie da eine Quelle hätten, wäre ich Ihnen für einen Hinweis dankbar. Lothar König verdient die Unterstützung aller aufrechten Demokraten. Soweit ich weiß, hat die UOKG ihn bislang nicht unterstützt.

    Gegen ein ehrenamtliches Führungsangebot von Zeitzeugen in der Gedenkstätte Leistikowstrasse kann es aus meiner Sicht keine Einwände geben. Wohl aber gegenüber den öffentlichen Unterstellungen und Angriffen, für die die UOKG und andere verantwortlich sind.

    Mit freundlichen Grüßen
    Martin Jander

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