Publikative-Ratgeber: Wohlleben, das Fashion-Victim

Während sich Kollege Deniz Yücel in der taz vollkommen angemessen mit dem Immobilien-Maklerin-Style von „Nazi-Braut“ Beate Zschäpe beschäftigt hat, möchte Publikative.org noch das Auftreten der anderen Angeklagten beleuchten, da dieses in den meisten Medien sträflich ignoriert wurde.

Von Patrick Gensing

Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben mit seiner Anwältin Nicole Schneiders (Quelle: Screenshot N24 Livestream)
Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben mit seiner Anwältin Nicole Schneiders (Quelle: Screenshot N24 Livestream)

Ralf Wohlleben – Nazi-Straftäter, aber Faschion-Victim? Mecki-Haarschnitt, biederes Hemd, Udo-Pastörs-Gedächtnisjäckchen. Der langjährige NPD-Funktionär konnte vor Gericht nicht durch seinen Style überzeugen. Wahrscheinlich wollte er angesichts solcher Bilder seriöser wirken, das sah aber einfach scheiße aus.

Auch sonst performte Wohlleben eher durchschnittlich, blätterte spießermäßig in den Unterlagen. Seine Szene-Anwältin Nicole Schneiders, früher ebenfalls bei der NPD, konnte die schwache Show von Wohlleben durch ihre knallroten Haare kaum kompensieren, inhaltlich sollte dies wohl eine Hommage an die Extremismus-Doktrin darstellen. Ein unwürdiges Schauspiel! Publikative-Note 4-

Holger G. – der Niedersachse von Welt tritt im schlichten Anzug auf, fällt durch seine große Statur auf, seinen Haarschnitt versteckt er leider hinter der blöden Anklageschrift, was Abzüge bei der Performance gibt. Sonst aber sympathisch im Look – und das Ganze wirkte auch authentisch. Publikative-Note 2.

Carsten S. – die Erwartungen waren hoch, umso enttäuschender dann die Show von S. Ein weiter blauer Kapuzenpullover, der an eine Mönchskutte erinnerte, versteckt den Body und das Gesicht des Düsseldorfer Ex-Nazis. So kann man kaum Sympathiepunkte bei der Jury sammeln.  Publikative-Note 5.

Andrè E. – Volltreffer! Modische Frisur, Haare im Rockabilly-Style zurückgeschleimt, cooler Backenbart, aufregende Sonnenbrille, männliches Hemd. Der Prototyp des Ostfaschos überzeugte Deutschland durch sein erfrischendes Auftreten. Der aus verschiedenen Subkulturen zusammengeklaubte Nazi-Macker-Chic ist DIE konsequente Weiterentwicklung der Fascho-Skinhead-Mode der 1990er. Publikative-Note 1.

„Verbriefte Verteidigungsrechte“

Nachdem wir Sie nun also durch einen billigen Trick in diese Meldung gezogen haben, geht es jetzt um das Inhaltliche: Der Prozess wurde vertagt. Dies ist in einem Strafprozess nicht besonders ungewöhnlich. Angela Wierig, Vertreterin der Familie Tasköprü aus Hamburg, sagte gegenüber Publikative.org, ein „befriedigendes Ergebnis für das Opfer kann nur ein rechtstaatlicher Prozess sein, der die Schuld des Täters feststellt und mit einer rechtstaatlichen Sanktion darauf reagiert“. Dieser rechtsstaatliche Prozess sehe aber auch als notwendiges Korrektiv des Verfolgungsinteresses des Staates die Verteidigung durch den Anwalt vor, so Wierig. „Wenn dann in einem solchen Verfahren von Nebenklägervertretern den Verteidigern der Vorwurf der Prozessverschleppung gemacht wird, weil diese von ihren verbrieften Verteidigungsrechten Gebrauch machen, dann ist das für jeden anständigen Juristen schlicht beschämend.“ Das Gericht habe „letztlich nur aus Sicherheitsgründen eine Vertagung angeordnet, um sich mit der gebotenen Sorgfalt mit den Befangenheitsanträgen zu befassen. Dass es in diesem Vefahren sicherlich nicht zu einem „kurzen Prozess“ kommen wird, war allen Beteiligten von Anfang an klar.“

Allerdings stellte Wierig auch fest, dass das Agieren der Verteidiger der Angeklagten teilweise an die Schmerzgrenze ging. Sie hatte daher ihrer Mandantin, der Schwester von Süleyman Tasköprü, empfohlen, den Prozessauftakt nicht zu besuchen.

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9 thoughts on “Publikative-Ratgeber: Wohlleben, das Fashion-Victim

  1. Skandal um Zschäpe ♫

    In München steht ein Landgericht,
    das tagt nur äußerst zögerlicht;
    und weil es den Termin verschiebt,
    macht es sich ziemlich unbeliebt;

    allmählich gibt es das Gefühl,
    es handelt dabei mit Kalkül –
    und mancher Kläger fragt sich bang:
    „Geht der Prozess mein Leben lang?“

    Die Richter sind ja auch nicht dumm,
    sie wissen schon genau, warum:
    es droht bekanntlich Revision –
    und ganz im Ernst: wer will die schon?

    Die Sachen sind auch kompliziert,
    Verfassungsschützer involviert;
    bei all dem ganzen braunen Dreck
    holt man sich schnell mal selbst was weg;

    so wird die Causa halt verschleppt,
    bis das Intresse abgeebbt
    und dann vermutlich eingestellt,
    bevor ein „falsches“ Urteil fällt…

    Skandal am Landgericht
    Skandal am Landgericht
    Skandal – Skandal um Zschäpe…

    http://misanthrope.blogger.de/stories/2252641/

  2. Lieber Patrick,
    sehr, sehr viele Artikel von dir sind echt lesenswert, manche, da kommt es auf das Thema an, einseitig, aber wirklich bloede sind deine Versuche irgendwie satirisch rueberzukommen.
    Schuster bleib bei deinen Leisten, denn das kannst du echt gut.

    Viele Gruesse

  3. Wilfried Schmickler: Rechtsterror – Ja wo kommt der denn auf einmal her?

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