Hausdurchsuchung im „Königreich“

Am 26. April um neun Uhr morgens war es soweit: Die Polizei durchsuchte mit mehr als 100 Beamten mindestens zwölf Räumlichkeiten, die zum sogenannten „Königreich Deutschland“ gehören sollen.

Von Martin Wassermann

Zu den Objekten gehörte unter anderem der größte Teil des angeblichen „Staatsgebietes“, das sich auf einem neun Hektar großen ehemaligen Krankenhausgelände in Wittenberg befindet. Außerdem war das zur Infrastruktur gehörende esoterische Ladengeschäft „Engelswelten“ und die „Staatskanzlei“ des Pseudo-Staates ein Ziel der Ermittlungen.

Screenshot von der Homepage des Vereins „NeuDeutschland“
Screenshot von der Homepage des Vereins „NeuDeutschland“

Die Einwohner und Unterstützer des Pseudo-Staates, die davon ausgehen, dass sie nicht den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland unterliegen, musste die Durchsuchung hilflos über sich ergehen lassen.

Reichsbürger“

Sie gehören zum Milieu der „Reichsbürger“, die dem Glauben anhängen, dass das „Deutsche Reich“ weiterhin existiert, aber handlungsunfähig sei. Die Bundesrepublik gilt ihnen nicht als Staat, sondern als Firma, die durch die Alliierten oder gar durch eine mysteriöse Verschwörung geleitet werden würde. In diesem Milieu konkurrieren zahlreiche „Reichskanzler“ und „Reichsregierungen“ um Einfluss. Viele verkaufen Nummernschilder, Führerscheine und Ausweise.

Symbolbild Polizei © gemeinfrei
Symbolbild Polizei © RS/ gemeinfrei

Auslöser für die jüngsten Razzien war eine Anzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Diese hatte dem Anführer und „obersten Souverän“ des Staates bereits im September 2010 „das unerlaubte Betreiben des Versicherungsgeschäfts untersagt“ und die „unverzügliche Abwicklung der unerlaubt betriebenen Geschäfte angeordnet“. Mit den Durchsuchungen solle nun festgestellt werden, ob der Beschuldigte trotzdem weiter tätig war, sagte Bafin-Sprecher Sven Gebauer.

Wahnwitzige Krönungszeremonie

Das „Königreich Deutschland“ ist das Projekt des verschwörungsideologischen Esoterikers Peter Fitzek. Der Vordenker hatte seine Monarchie – mit einer wahnwitzigen Zeremonie, bei der er sich zum Staatsoberhaupt krönen ließ – am 16. September 2012 in Wittenberg ausrufen lassen. Vor etwa 500 Teilnehmern war Fitzek in ein Königskostüm geschlüpft, auch wenn er bislang nur als „oberster Souverän“ des neu gegründeten Scheinstaates auftritt:

Fitztek und seine Anhänger träumen davon, dass sich irgendwann ganz Deutschland der Vision vom „Königreich“ anschließt. In naher Zukunft möchte man sich außerdem über „die derzeit bestehenden Grenzen der Bundesrepublik hinaus“ verbreiten. So soll ihr monarchistischer Ständestaat, in dem einfachen „Staatsvolk“ jede „Wahlberechtigung“ entzogen wird, dafür sorgen, „dass das Deutsche Reich als Staat wieder hergestellt werden kann“.

Bereits heute bietet der Scheinstaat eine eigene Versicherung und eine Kranken-, und Rentenkasse an. Zur Parallelwelt gehört auch eine eigene Staatsbank, auf die die Anhänger ihr Erspartes anlegen sollen. Dort dürfte bereits in der angestrebten neuen Währung, der „Neue Deutschen Mark“ gerechnet werden. Diese Geschäftstätigkeiten dürfte der Grund für die Durchsuchungen gewesen sein.

Screenshot von der Homepage des Vereins „NeuDeutschland“
Screenshot von der Homepage des Vereins „NeuDeutschland“

Außerdem kursieren Nummernschilder und Pseudo-Ausweise, die die Träumer vom „Reich“ auf den Veranstaltungen der Gruppierung erwerben können. Kritikern wird unterdessen mit einem eigens eingerichteten „Reichsstandgericht“ gedroht, das alle vermeintlichen Bedrohungen „eliminieren“ soll.

Zu den Seminaren des messianisch auftretenden Vordenkers, der glaubt, dass ihn Gott nach Wittenberg gesandt hätte, pilgerten in den vergangenen Monaten tausende Menschen. Sie zahlten immense Anmeldegebühren, um sich von Peter Fitzek in stundenlangen Monologen über wunderliche Begebenheiten aufklären zu lassen. So behauptete Fitzek zum Beispiel, dass er durch „Erzengel“ ausgebildet worden wäre.

Der Traum vom Reich

Die Durchsuchungen werden die Betreiber des Scheinstaates nicht davon abhalten, weiterhin aktiv zu sein. In einer Erklärung kündigten sie an, dass nun „erst richtig losgelegt“ werden würde. Es dürfte also auch in naher Zukunft Seminare und Veranstaltungen geben. Mit den Ergebnissen der Durchsuchungen könnte es aber auch zu Prozessen kommen, die die Handlungsunfähigkeit des „Königreiches“ entscheidend einschränken dürften. So könnte der Traum vom „Reich“ schneller ausgeträumt sein, als es sich Fitzek und seine Anhänger erhofft haben.

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Siehe auch: Der König von DeutschlandFreie Fahrt für freie Reichsbürger!“Fürstentum Germania” residiert im SchlossAlle Meldungen zu Reichsbürgern

7 thoughts on “Hausdurchsuchung im „Königreich“

  1. Martin Wassermann lebt!
    Danke für den guten Artikel, war schon auf Entzug, da man das Reflexion-Blog nicht mehr erreichen kann. Wo soll man sich denn sonst über Braunesoteriker, Verschwörungsnazis und rumdeutschelnde Rechtspopulisten informieren?
    Gibt es ein neues Blog oder muss man sich deine neuen Artikel im Internet zusammensammeln?

    -Ein Fan und täglicher Aufrufer des alten Blogs

  2. Kann ich nachvollziehen, dass sich manche aus Merkelistan wegträumen will. Die einen werden dann zum Spinner, die anderen wählen die AfD.

  3. Zitat: „Die Bundesrepublik gilt ihnen nicht als Staat, sondern als Firma …“ Dem würde in der Realität doch auch niemand widersprechen!

    Ürigens denke ich, dass die ganze Angelegenheit dieses (offenbar pr-mäßig genialen) Fitzek gegen das Grundgesetz verstößt, denn er unternimmt es, die FdGO faktisch zu beseitigen – und da trifft sich dieser Spinner mit den gefährlichen Halunken der rechten und linken Flügel. Naja, bei den „Reichs-Deutschen“ gilt: Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

  4. JAJAJa, wer etwas verkauft was er nicht verkaufen darf der wird immer Ärger Kriegen.

    Die sich diesen Schwachsinn, auch noch gekauft(spreche von den KFZ-Zeichen) die haben jetzt leider Pech.

  5. Witzig finde ich, dass diese selbsternannten Reichsbürger häufig glauben, dem vermeintlichen Nichtstaat oder der angeblichen Firma Bundesrepublik Deutschland keine Steuern zahlen zu müssen und an die Gesetze nicht gebunden zu sein, gleichzeitig aber alle möglichen Leistungen des Nichtstaats in Anspruch nehmen. Als ob ein bestehengebliebenes Deutsches Reich keine Steuern erheben würde und keine Gesetze hätte, die zu befolgen wären. Die wären vielleicht in (gern auch wichtigen) Details anders, aber grundsätzlich wäre es genau dasselbe.

    Ich sehe diese Reichsbürgerbewegung irgendwo in dem Dreieck zwischen (esoterischer) Verwirrung, notorischer Quertreiberei und Betrügerei. Ein Auge drauf werfen und denen nichts durchgehen lassen dürfte der richtige Umgang sein, gelegentlich kann auch ein bisschen Auslachen angebracht sein.

  6. Sagt mal hört ihr dem Mann überhaupt mal zu?
    So einen unsachlichen und voreingenommen Artikel hat die Welt noch nicht gesehen!
    Peter Fitzek versucht doch kein „bestehendes Deutsches Reich“ wieder zu „neuem Glanz, Reichtum und Macht zu führen“! Es steht eine vollkommene Neuordnung des bestehenden Systems der BRD, welches sich ganz im Gegensatz dazu auf Manipulation der Bevölkerung, Ausbeutung und daraus resultierender Macht aufbaut, im Mittelpunkt des Beschlusses, einen neuen Staat, ‚ein Königreich‘ – kein „neues nationalsozialistisches Imperium“ (so ein Schwachsinn!), auf die Beine zu stellen.
    Wenn ihr euch auch nur im Ansatz mit den wissenschaftlich Erwiesenen und latenten Glaubenssätzen auseinandergesetzt hättet, so würde euch sicher die Bezeichnung als Gott auch nicht so lächerlich fundamentalistisch erscheinen.
    Ich will hier niemanden von irgendwas überzeugen, aber jeder Mensch hat ein natürlichen Anspruch auf ‚Freiheit‘ und diese in ganzheitlichem Sinne, d.h. zum Wohle aller, ausleben zu dürfen. Niemand wird gezwungen oder dazu gedrängt dort mitzumachen.
    Seid mir nicht böse, aber wer so einen Artikel schreibt, hat seinen Kopf ziemlich Tief im Sand vergraben und ist leider meines Erachtens nach nur zu bedauern.
    Arme deutsche medienkontrollierte Gesellschaft, komm! Reiß dich los und Wache auf!

    MfG

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