Fußball und Diskriminierung: „Tatort Stadion“ in Hamburg

Vom 3. bis 10. Mai ist die Wanderausstellung „Tatort Stadion 2. Fußball und Diskriminierung“ in Hamburg zu sehen. Rund um die vom Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF) entwickelte Ausstellung haben die Veranstalter vom HSV-Fanprojekt und der Antidiskriminierungs-AG der HSV-Fans ein Rahmenprogramm organisiert. Den Auftakt bildet eine Diskussionsrunde zur Politik in den Fanszenen.

Von Redaktion publikative

Vor zwei Jahren wurde die Ausstellung „Tatort Stadion 2. Fußball und Diskriminierung“ erstmals präsentiert. Seit der Eröffnung in Bremen im April 2011 hat die Wanderausstellung mit zahlreichen Schautafeln, Medien und Exponaten zum Anfassen an fast 40 Orten in Deutschland und Österreich Station gemacht.

„Tatort Stadion 2“ – der Name lässt es erahnen – hat eine Vorgängerversion: 2001 entwickelte das Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) die Ausstellung „Tatort Stadion“ und zeigte diese in den folgenden Jahren an fast zweihundert Orten. Mit der Ausstellung wurde Pionierarbeit bei der Aufklärung zu Diskriminierung im Fußball geleistet – und nebenbei ein heftiger Streit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) hervorgerufen, da auch rassistische Äußerungen des damaligen DFB-Präsidenten thematisiert wurden.

 

Alte Themen, neue Entwicklungen

Rechtsextremismus und Rassismus sind weiterhin ein Thema im Fußball, auf dem Platz, auf den Rängen und bei Funktionären. Seit der ersten Fassung der Ausstellung hat sich dennoch viel getan. Diskriminierung wird von vielen Vereinen und Fans mittlerweile als Problem wahrgenommen und angegangen. Dennoch werden in deutschen Stadien nach wie vor allwöchentlich antisemitische und antiziganistische Gesänge angestimmt oder Homosexuelle verunglimpft. Frauen haben es im Männersport Fußball weiterhin schwer, akzeptiert zu werden.

Die von BAFF komplett überarbeitete Ausstellung Tatort Stadion 2 beschreibt diese alltägliche Diskriminierung ebenso wie organisierte Aktivitäten von Neonazis oder die Rolle von rechter Musik und Codes im Fußball. Ein großer Teil der Ausstellung ist jedoch auch den Aktivitäten von Fans und Vereinen gegen Diskriminierung im Fußball gewidmet.

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Eröffnung mit Podiumsdiskussion

Die Ausstellung wird in Hamburg vom sozialpädagogisch arbeitenden HSV-Fanprojekt gemeinsam mit der aus Fans bestehenden „Antidiskriminierungs-AG“ gezeigt. Sie ist vom 3. bis 10. Mai im Haus des Sports, Schäferkampsallee 1, zu bestimmten Öffnungszeiten zu sehen. Genaue Infos dazu auf der Website des HSV-Fanprojekts. Auch Führungen für Schulklassen sind nach Anmeldung möglich.

Zum Rahmenprogramm während und nach der Ausstellungswoche gehört die Eröffnungsdiskussion zur politischen Situation in den Fanszenen mit Fanforscher Jonas Gabler, dem HSV-Fanbeauftragten Joachim Ranau und Fanvertretern aus verschiedenen Orten am 3. Mai um 20 Uhr im Haus des Sports. Moderieren wird publikative-Autorin Nicole Selmer. In den kommenden Tagen stehen unter anderem die Themen Fußball und Nationalismus mit einem Vortrag von Fanforscher Gerd Dembowski sowie Männlichkeit und Weiblichkeit in der Fankultur mit einer Lesung der Kulturwissenschaftlerin Almut Sülzle auf dem Programm.

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3 thoughts on “Fußball und Diskriminierung: „Tatort Stadion“ in Hamburg

  1. Kleine Korrektur: Die Austellungseröffnung in Bremen war im April 2010, nicht 2011.

  2. Und noch etwas zum Thema Fußball:
    Der Journalist Martin Krauss hat mal wieder einen wertvollen Beitrag geschrieben, diesmal über Fußball – jüdische Biografie – Erinnerungskultur, in der neuen Jüdischen Allgemeinen:
    „GEDENKEN: Johan Cruyffs jüdische Verwandtschaft. Früherer Fußballstar ehrt in Yad Vashem Familienangehörige, die während der Schoa ermordet wurden:
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15958

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