Nazi ruft öffentlich zu Terroranschlägen auf

Im Netz ist er längst kein Unbekannter mehr. Watchblogs nahmen den teilweise verwirrt wirkenden Nazi wegen Holocaustleugnung und Gewaltaufrufen bereits 2011 ins Visier. Diese Woche stellte „Volksfunk“ Terroraufrufe samt Anleitung zum Bombenbau und Adressen seiner politischen Gegner online. Während der Nazi  öffentlich zum Terror aufruft, warnen Sicherheitsbehörden ausschließlich vor islamistischen Einzeltätern.

Von Roland Sieber

In Onlineforen tobt seit Tagen die Debatte, ob dieser vermeintliche Terroraufruf von „Volksfunk“ samt Bombenbauanleitung verlinkt werden sollte:

TruTube Revolution Volksfunk Hakenkreuz Hitlergruss
Screenshot von hXXp://trutube.tv/video/6012/Revolution-Volksfunk

Das Video ist schwer in Worte  zu fassen. Aber es ist schon eine beachtliche Ignoranz staatlicher Stellen, wenn ein Nazi Privatadressen von politischen Gegnern samt Fotos neben Gewaltaufrufen und Anweisungen zum Bau von Splitterbomben öffentlich verbreitet. Soll man diesen braunen Wahnsinn zeigen? „Volksfunks“ Videos sind ohnehin über Google leicht zu finden, warum also nicht direkt verlinken? Diese Frage wurde in Blogs, in Facebook, auf Twitter diskutiert; Publikative.org bettete bereits Videos ein. Im Internet lässt sich Nazipropaganda nicht unterbinden, aber erschweren, satirisch begleiten oder kritisch beleuchten.

So löschte Facebook nach zahlreichen Meldungen und Beschwerden zunächst zögerlich einige Bilder und Videos von „Volksfunk“, später auch einige Profile, die er oft wenige Stunden nach Löschung unter neuen Pseudonymen anlegte, nennen wir ihn hier Christian X. Dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen „Volksfunk“ und seinen Gegnern läuft seit drei Jahren auch auf YouTube. Sollte man dem Nazi besser keine Aufmerksamkeit schenken – oder die Sache aktiv aufklären?

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Diese Frage beantwortet der Blogger Reichling mit Aufklären. Reichling wurde auf Christian X. alias „Josef“, „gegenBRD“, „VideosPeters“ und „Volksfunk“ wegen dessen Holocaustleugnung im Forum von Volksbetrug.net aufmerksam. In diesem Onlinetreffpunkt von Verschwörungsideologen und Reichsbürgern wurde Christian X. vermutlich wegen seiner strafrechtlich relevanten Aussagen gesperrt. Er radikalisierte sich zunehmend und fing mutmaßlich an, erste Gewalt- und Terroraufrufe als „Volksfunk“ und „Zionistenfeind“ zu verbreiten. Unter dem Pseudonym „Offensiv Videos“ stellte er am 25. September 2011 auf YouTube ein weiteres Video online, in dessen Beschreibung er auf Roland Ionas Bialkes „Das Lehrbuch der Sprengmeister“ verlinkte. Der Autor ist ein selbsternannter „Anarchist“ und „Hobby-Sprengmeister“, wird in Foren und Kommentaren auch als psychisch wirr beschrieben und veröffentlichte sein Schriftstück trotz aller Warnungen und legte sich so mit Ermittlungsbehörden und Justiz an.

volksfunk
Screenshot von YouTube, 2011. Quelle: Reichling’s Blog

Während der Bundesinnenminister die Videoüberwachung öffentlicher Plätze fordert und vor vermeintlichen islamistischen Einzeltätern warnt, sind seine Beamten augenscheinlich nicht in der Lage, Anleitungen zum Splitterbombenbau, die innerhalb weniger Minuten zu ergoogeln sind, zu finden. Auf YouTube und Facebook sowie auf einschlägigen Websites kursieren zahlreichen Gewaltaufrufe aus der rechten Szene, die ohne Überwachungssoftware und Staatstrojaner aufzurufen sind.

Ungeliebter Freund der NPD

Als „Fans von NPD“ auf Facebook und „NPD Angriffs TV“ machte „Volksfunk“ Werbung für die NPD, die wie überspitzte Satire auf die NPD-Ideologie wirkte; so erklärte er in einem YouTube-Video sehr verständlich deren Rassentheorie (wie es die NPD in dieser Klarheit als nicht verbotene Partei selbstverständlich nicht offiziell ausdrückten würde). Unter Antifaschisten hatte Christian X. so schnell einige „Fans“, die NPD schien weniger begeistert. So baten nicht nur Parteifunktionäre den Unterstützer mehr oder weniger höflich darum, seine Aktivitäten einzustellen, sondern auch einige Sympathisanten drohten mit einem „persönlichen Gespräch“, sollte er die Szene weiterhin lächerlich machen. Sichtlich getroffen erklärte Christian X. daraufhin, seine politischen Aktivitäten einzustellen. Zwischenzeitlich verkündete er jedoch auch, bei der NPD eintreten zu wollen. Dass er davon nichts mehr online verbreitet, könnte daran liegen, dass er seinen Mitgliedsantrag mit Realnamen und Adresse einsendete – und seine „Kameraden“ wohl immer noch schlecht auf ihn zu sprechen sind.

So tauchte „Volksfunk“ wieder auf Facebook auf. Als er dort dank seiner vielen antifaschistischen Fans rasch gefunden und gemeldet wurde, verkürzte sich die Halbwertszeit seiner neuen Profile drastisch. Auch auf YouTube wurden seine Gewaltaufrufe und das Verbreiten persönlicher Daten von vermeintlichen „Nazijägern“ gemeldet und gelöscht, seine antisemitische Hetze und Holocaustleugnungen aber nur für Deutschland gesperrt, sodass diese über ausländische Proxys weiterhin auch aus Deutschland problemlos aufzurufen ist. „Volksfunk“ verlagerte seine Aktivitäten dennoch auf das rechtsextreme Wikiprojekt „Metapedia“ sowie auf die Naziplattform „TruTube“, deren Macher laut Polizeiermittlern im Umfeld des Holocaustleugners Ernst Zündel vermutet werden.

Was macht die Polizei?

Da davon ausgegangen wird, dass sein Klarname und seine Adresse der NPD bekannt und somit auch für die Strafverfolgungsbehörden zu ermitteln sein müssten, stellten Personen in mindestens vier Bundesländern Strafanzeigen gegen „Volksfunk“, die wohl an das LKA Saarland weitergeleitet werden. Polizeibeamte waren offenbar sehr höflich zu den Anzeigenden, auch wenn diese sich trotzdem nicht immer wirklich in allen Punkten ernst genommen fühlten. Beamte des LKAs Saarland sollen gegenüber betroffenen Personen, die sich durch die Veröffentlichung ihrer Adressen bedroht fühlten, hingegen geäußert haben, dass dies nur zusätzliche Arbeit verursache und die Polizei nicht jedem Hakenkreuz im Internet nachgehen könne.

Also können betroffene und bedrohte Personen weiterhin online live verfolgen, wie ihre Adressen samt Fotos und detaillierten Bombenbauanleitungen von „Volksfunk“ verbreitet werden. Mittlerweile wird im Internet zur zivilgesellschaftlichen Fahndung nach „Volksfunk“ aufgerufen, mit dem Hinweis, sofort die Polizei zu informieren.

Siehe auch: NPD stoppt Nationalen Sozialismus, Alle Meldungen zum Rechtsterrorismus

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29 thoughts on “Nazi ruft öffentlich zu Terroranschlägen auf

  1. aktuell:
    „Die saarländische Polizei hat die Wohnung eines rechtsextremen Internet-Propagandisten durchsucht. Er ruft im Internet unter dem Namen “Volksfunk” zum Terror auf. Die Polizisten beschlagnahmten am Dienstag neben einem Computer eine nicht scharfe Handgranate, eine brennbare Substanz und mehrere Butterflymesser. (…) Der Verdächtige ist nach Polizeiangaben nicht vorbestraft. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt nun gegen den Mann, weil er Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet hat. Er sei wieder auf freien Fuß gesetzt worden, so der Sprecher“

    http://dokmz.wordpress.com/2013/04/30/eil-razzia-im-saarland-polizei-findet-waffen-bei-hitler-fan/

  2. Auch wenn mir der Artikel einen enormen Erkenntnisgewinn gebracht hat, wäre es der Sache dienlicher, demnächst als sich selbst ernst nehmender Politblog nicht auf solch unseriöse, manipulative und einfach dilettantische Videos zurückzugreifen. Das wäre doch dem allgemeinen journalistischen Niveau der publikative.org angemessener!

  3. Also wenn ich mir den Kerl ansehe,denk ich mir das der zuviel Guido Knopp geguckt hat, wie er da rum zittert, die Betonung etc.

  4. Ich vermute das ist Ken Jebsen, der in der Arbeitslosigkeit komplett wahnsinnig geworden ist.

  5. Übrigens ist der Typ schon allein durch seinen Sprachfehler („Andifachistiches Plud“) irgendwo im östlichen Westerwald zu verorten.

  6. also wer auch immer dieses „aufklärungsvideo“ über ihn veröffentlicht hat war aber auch irgendwie neben der spur…

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