Familie von NSU-Opfer kritisiert „Hürriyet“

Die Angehörigen des NSU-Opfers Süleyman Tasköprü haben die türkische Zeitung „Hürriyet“ kritisiert. Grund: Das türkische Blatt veröffentlichte Bilder der Familie – ohne deren Zustimmung.

Gebäude der Hürriyet in Istanbul (RaBoe/Wikipedia)
Gebäude der Hürriyet in Istanbul (RaBoe/Wikipedia)

Die Nebenklagevertreter der Familie Tasköprü, Angela Wierig und Philipp Götze, beklagten fehlende Solidarität der „Hürriyet“ mit der Familie. Der Chefredakteur habe sich im Zuge des umstrittenen Akkreditierungsverfahrens kürzlich dahingehend geäußert, dass die Anwesenheit in dem Gerichtssaal über den journalistischen Aspekt hinaus gehe. Wörtlich habe er gesagt: „Es gibt Wichtigeres, als im Saal zu sitzen. Es geht darum, Solidarität mit den Opfern zu zeigen.“

Diese Solidarität fehle nun, beklagen die Rechtsanwälte. Die „Hürriyet“ habe in einem Artikel nicht nur falsche Behauptungen über Süleyman Tasköprü gedruckt, sondern auch noch ein Bild der Familie veröffentlicht – ohne die Angehörigen zu fragen. Dieses Foto sei auch nicht von der Familie Tasköprü an die Zeitung gegeben worden, stellen die Angehörigen klar.

Wunsch respektiert

Die Familie Tasköprü habe seit Beginn der Berichterstattung über den NSU alle Interviewanfragen abgelehnt, weil sie nicht in der Öffentlichkeit auftreten möchte. Diesen Wunsch hätten bisher alle Medien respektiert. „Dass nun ausgerechnet die „Hürriyet“ mit ihrem Solidaritätsanspruch den erklärten Willen der Hinterbliebenen nicht respektiert, ist für die Familie ein harter Schlag“, schreiben die Nebenklägervertreter.

Bei allem Verständnis für das Berichterstattungsinteresse der Medien müsse „klar festgestellt werden, dass Leidtragende des nun erneut stattfindenden Akkreditierungsverfahrens und der damit verbundenen Verzögerung in erster Linie die Geschädigten sind“.

Siehe auch: “NSU-Prozess ist kein Untersuchungsausschuss”, “Diese rassistischen Ermittlungen fanden nicht im luftleeren Raum statt…”NSU-Liste als Richterskala für das VersagenAysen Tasköprü weist Gauck-Einladung zurück