„Herrenmenschen-Fantasien“ an Berliner Unis

Deutschland 2013: Mitten in Berlin werden „minderwertige Meinungen“ durch „Blockwarte“ „verhindert“. „Autoritäre Irre“ leben ihre „Herrenmenschen-Fantasien“ aus, um eine „Meinungsdiktatur“ durchzusetzen. Das Opfer: der Verteidigungsminister.

Von Patrick Gensing

Allein die Kategorisierung radikal, fanatisch oder undemokratisch reicht offenbar nicht. Es müssen Nazi-Vergleiche her! Möglichst viele, in möglichst wenigen Zeilen:

Keine Frage, es ist natürlich immer wieder ein Triumph des totalitären Denkens, wenn die Verbreitung minderwertiger Meinungen von ideologiebewussten Blockwarten verhindert werden kann.

Totalitär, minderwertig, Blockwarte – Sie haben es noch nicht erkannt, worauf Welt-Blogger Gideon Böss hinaus will? Noch ein Tipp:

Autoritäre Irre, die ihre Herrenmenschen-Fantasien an der Universität ausleben, anderen ihre Weltsicht aufdrücken wollen und darum versuchen, eine Meinungsdiktatur durchzusetzen.

Jetzt sollte es aber klar sein! Es geht natürlich um Linke.

Linke, die laut Böss die Junge Welt lesen, später in Jugendzentren arbeiten und Israel hassen. Dass sich die Junge Welt mittlerweile praktisch in die Pleite sektiert hat, zahlreiche Jugendzentren geschlossen und viele Linke israelsolidarisch sind – geschenkt. Denn Böss kennt sich aus, er musste zwar nicht wie sein Bruder im Geiste, Fleischhauer, unter Linken aufwachsen, doch er hat immerhin Soziologie studiert, hatte Feindkontakt und „die Revolutionäre aus der Nähe kennenlernen dürfen“.

Kennst Du einen, kennst Du alle! Wie sonst hätte Böss so genau die Protestler analysieren können, die gegen den Auftritt von Verteidigungsminister de Maiziere an der Humboldt-Universität in Berlin demonstrierten – und zwar so laut, dass der Minister seinen Auftritt abbrach. „Thomas, wir lieben Dich!“, „Krieg dem Krieg! Nie wieder Deutschland!“ skandierten die Studenten bzw. Herrenmenschen. Ein Hauch von Weimar: Erst protestieren Studenten gegen einen Minister, dann brennen die Bücher und Synagogen, Sie kennen das. Wehret den Anfängen usw.

Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig

Nie wieder Deutschland-"Herrenmenschen" in Berlin
Nie wieder Deutschland-„Herrenmenschen“ in Berlin

Es ist ein absurdes Phänomen: Publizisten wie Gideon Böss operieren gegen politische Gegner wie selbstverständlich mit Begriffen wie Herrenmenschen und anderen Nazi-Begriffen. In den dazugehörigen Foren wird dies sogar noch als mutige bis gewitzte Sprache gelobt. Und als wären diese Nazi-Vergleich nicht schon an sich genug, wirft man den so titulierten „Linksfaschisten“ auch noch vor, sie würden bei jeder Gelegenheit die Nazi-Keule schwingen.

Man ist außerdem zu Recht empört, wenn linke oder rechte Israel-Hasser mit Nazi-Vergleichen gegen den jüdischen Staat hetzen. Selbst bedient man sich aber ähnlicher Sprache und lässt keinen noch zu blödsinnigen Vergleich aus, wie die Achse des Guten, die eine brutale Gewalttat mit einem Genozid in Verbindung brachte – oder, wie Böss jetzt, der bei einer Protestaktion gegen einen Minister Herrenmenschentum entdeckt. Es ist demokratisch nicht in Ordnung, den Auftritt eines gewählten Ministers zu verhindern, das macht die Protestler aber nicht zu Herrenmenschen, die Millionen von Menschen vernichten wollen. Wer so mit Nazi-Vergleichen um sich wirft, sollte sich auch nicht über Tierschützer beschweren, die vom „Hühnerholocaust“ und anderen Unsinn schwadronieren.

Und aus noch einem Grund enttäuscht Böss‘ Artikel: Obgleich es sich im Zusammenhang mit linksradikalen Studenten und dem deutschen Verteidigungsminister geradezu angeboten hätte, ließ Böss einen zentralen Begriff aus. Dabei wäre „Roter Vernichtungskrieg gegen Deutschland“ so eine hübsche Überschrift gewesen.

Appell an die Vernunft

Böss und seine Mitstreiter radikalisieren die Sprache, verrohen als Multiplikatoren ebenfalls die politische Kultur. Das Resultat lässt sich derzeit in den Foren der Alternative für Deutschland nachlesen, wo Kampfbegriffe wie Blockparteien, Multikulti-Umerziehung und gleichgeschaltete Systemmedien zum guten Ton gehören.  Wer dies rechtspopulistisch nennt, schwingt natürlich wiederum die Nazi-Keule

Und abseits aller Polemik: Vielleicht könnten die werten Kollegen ernsthaft darüber nachdenken, ob solche NS-Vergleiche tatsächlich angebracht sind. Denn eine solche Provokation ist keineswegs scharf, sondern einfach nur stumpf.

„Provokation allein ist nichts wert. Das ist vielleicht ein gutes Mittel, um ab und zu ein paar Idioten zu beeindrucken.“

Siehe auch: Alternative für Deutschland: Hier spricht das VolkDie Mehrheit als Opfer

22 thoughts on “„Herrenmenschen-Fantasien“ an Berliner Unis

  1. Es ist irgendwie schon lustig, wenn ein „Meinungsfuehrer“, der schon sowieso das Mikrophon gepachtet hat, von „antidemokratischen“ Verhalten od. ae. plaerrt, wenn man ihm sein Mikro ausschaltet und zeugt eigentlich auch nur von seinem Demokratieverstaendnis.
    Mit dem Demokratiegefasel verhaelt es sich wie mit der Integration, die Leute die diese Begriffe am inflationaersten Benutzen meinen in der Regel das Gegenteil.

  2. „Genau dies, die Integrationskraft des Systems, neben dem linke Revolutionsmarotten zwingend lächerlich erscheinen, nicht zu erwähnen, sondern eine Bedrohung zu erfinden, obwohl jeder weiß, dass linke Studenten zwar nervig, aber doch vom Errichten der Meinungsdiktatur so weit entfernt sind wie Boess vom gelungen Sprachwitz, macht ihn zu einem Ideologen, der im Stile der antifaschistischen Berufsjugend kräftig skandalisiert, um seiner Empörung die Wichtigkeit anzudichten, die sie in Wahrheit nicht hat.“

    Lesen:

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