Alternative für Deutschland: Hier spricht das Volk

Wütend haben viele Anhänger und Funktionäre auf Medienberichte reagiert, wonach die Alternative für Deutschland populistisch sei. Wie könne man nur? Lassen wir also AfD-Kandidaten selbst zu Wort kommen. Ihr Thema ist vor allem der Euro, aber auch die Einwanderung, Islamisierung, Familie – und Identitäten von Völkern und Ethnien werden oft genannt. Bei Publikative spricht jetzt das Volk, bzw. die sprechen, die sich dafür halten.

Die folgenden Personen kandidieren als Beisitzer für den Bundesvorstand der Alternative für Deutschland. Alle Angaben waren auf der Homepage der AfD einzusehen (Stand 07. April 2013, zusammengestellt von Patrick Gensing).

Roland Wark tritt zwar für Freiheit ein, aber offenbar nicht für alle: Jeder Arbeitslose muss, sofern eine schnelle Vermittlung nicht möglich ist, für gemeinnützige/kommunale Arbeiten zur Verfügung stehen.

Die Kandidaten-Profile auf der Seite der AfD lassen interessante Einblicke zu.
Die Kandidaten-Profile auf der Seite der AfD lassen interessante Einblicke zu.

Markus Ungermann will an die Fleischtöpfe: Noch leben wir in einer „offenen Gesellschaft“, aber diese wird zunehmend von den Ideologen auf der rechten wie der linken Seite bedroht. Ein einfaches Beispiel: Es heißt, dass die Leute zu viel Fleisch essen. Um die Menschen umzuerziehen gibt es tatsächlich schon Mensen und Kantinen, die an einem Tag der Woche nur noch vegetarische Gerichte anbieten.

Roman Topp meint: Deutschland braucht keine politische Korrektheit, sondern korrekte Politiker. 1998 ist seine Stimme gegen den Währungskollaps unter der 5%-Hürde verschwunden

Hans Tillschneider will sich behaupten und „sich für eine Politik stark machen, die – bei Wahrung der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit – wieder mehr auf kulturelle Selbstbehauptung als auf Anbiederung bei den Islamverbänden setzt. Die Religionsfreiheit ist in erster Linie eine Freiheit des Bekenntnisses und enthält kein Grundrecht auf eigene Feiertage, staatlich finanzierte Fakultäten, Geschlechtertrennung beim Sportunterricht, Großmoscheen oder weithin hörbare Gebetsrufe.

Martina Friedrichs hat genug von der Landwirtschaft: Deutschland ist nicht die Melkkuh für Europa, wie es uns Brüssel und Berlin weismachen wollen. Die Euro-Politik ist die Quelle fortgesetzter Rechtsbrüche, ausufernder Schulden, sozialer Spannungen und der Sprengsatz für ein friedliches Europa. Wir nehmen den Kampf dagegen auf. Wir handeln in Verantwortung für unser Land, unsere Kinder und unsere Zukunft.

Georg Streicher  will Alles für Deutschlands Wohlstand: Die Zuwanderung sollte nur möglich sein, für Menschen die eine Zusicherung für einen Arbeitsplatz haben und der deutschen Sprache mächtig sind, so wie für politische Flüchtlinge. Alles Weitere würde nur unsere Sozialsysteme belasten. Jetzt und in Zukunft werde ich alles dafür tun, den Wohlstand in Deutschland zu steigern.

Irina Smirnova setzt auf Respekt: Mein Haus ist mein Haus und der Gast muss meine Regeln respektieren und wenn ich Gast woanders bin, muss ich dessen Regeln respektieren. In Deutschland sind Parallel-Kulturen entstanden Ich sehe hier keinen positiven Einfluss.

Hans-Werner Schoutz analysiert, der Euro sei an allem Schuld, auch am „Hass“ auf die Deutschen: Die aufkeimende Hetze und der bereits zur Schau gestellte Hass gegen die „schuldigen“ Deutschen zeigen mir, dass die verfehlte Euro-Politik zum Sprengsatz für Europa wird und den Frieden in Europa mittelfristig bedroht. Das darf so nicht weitergehen! Der Euro als Ursache für die sozialen und ökonomischen Fehlentwicklungen muss weg!

Hans Freiherr von Schenk ist schon länger skeptisch: Ich bin Euroskeptiker der 1. Stunde und war bereits 2001 Mitglied der Partei „Pro D-Mark“. Ich denke, die Menschen in Europa brauchen keine „Gleichschaltung“ durch den Euro, sie wollen mehr Freiraum und Mitspracherecht wegen ihrer eigenen kulturellen und historischen Erfahrungen.

Die AfD hat einen, der Reinsch heißt: ich bin sauer auf die ganze EURO- und Innenpolitik der jetzigen Regierung. Deutschland muss helfen und bezahlen und bei uns wird nur gespart. Meine Beweggründe gehen dahin, dass die jetzige Politik es nicht verstanden hat, den mündigen Bürger mit in sein Boot zu ziehen bzw. mit entscheiden zu lassen. Die Politik ist nicht mehr volksnah und hat auch beim Volk verspielt. Ich habe schon des öfteren Schreiben an Politiker, sowohl Regierung, Land und jetzt beim Bundespräsidenten verfasst, jedoch ein magerer Erfolg.

Stefan Raeppele kämpft gegen Quoten: Für eine positive, leistungsgerechte und wertebewusste Bildung und Erziehung nah am Menschen . Alternative zum Relativismus, zur Gleichmacherei à la Gender-Mainstreaming und zu diskriminierenden Quotenregelungen in allen Bildungseinrichtungen. Nur die Besten in die Schulen ! Zulassung zum Studium nicht nur nach Abiturnoten sondern auch durch persönliche Eignungsfeststellung

Auch Rainer Rahn macht sich Sorgen um die Ausländer: Verbesserung der Kriminalprävention, gesteuerte Zuwanderung nach dem Vorbild von Australien oder Neuseeland, keine Zuwanderung in die Sozialsysteme, Volksabstimmungen über grundlegende Fragen, Rückverlagerung von Kompetenzen von der EU auf die nationale Ebene

 Thomas Flacke leidet ebenfalls unter dem PC-Terror: Wären die von der GEZ finanzierten Medien wirklich unabhängig, könnte man eine solche Gebühr noch irgendwie nachvollziehen, aber leider sind diese Medien alle gleichgeschaltet und werden von der Politik und der Finanzelite im Sinne der “political correctness“ missbraucht.

„Unbefangen die deutsche Geschichte hinterfragen“

 Eberhard Feldhahn lässt sich vom System nichts mehr bieten: Diese dummerhaftige, „rechtsradikal-rechtspopulistische“ Schublade hat ausgedient.Die überwiegende Mehrheit der denkenden Deutschen lässt sich von dieser, über die vergangenen Jahrzehnte ausgelaugten „Argumentationskette“ nicht mehr beeindrucken!Daher sind die anderen, drängenden Themen wie öffentliche Geldverschwendung, überfällige Gesundheits–Föderalismus-Steuerreform, Armutszuwanderung, Islamisierung u.v.m. zügigim Sinne der AfD programmatisch zu behandeln.

Rainer Brünen will die Systemfrage stellen und kritische Fragen zur Geschichte stellen: Wieso ist Deutschland immer noch nicht souverän? Warum darf man immer noch nicht unbefangen die eigene Geschichte hinterfragen? Was heißt eigentlich systemrelevant und warum ist dieses System alternativlos?

Friedrich Osthold rühmt sich mit dem „letzten Hort der Reaktion“: Als Vorsitzender der Fachschaft Jura –damals nach Einschätzung unserer politischen Gegner „letzter Hort der Reaktion“ –habe ich in zum Teil scharfen politischen Auseinandersetzungen mit den Gegnern aus der Juso Hochschulgruppe –u.a. Asta Vorsitzender Thomas Oppermann –den K Gruppen –damals u.a. Jürgen Trittin Kommunistischer Bund Nord –gestanden und das Organ des RCDS „ Rational“ weitgehend mit geprägt.

Dieter Martz sucht Orientierung durch gewachsene Tugenden: Ohne historisch gewachsene Werte, Traditionen, Tugenden und Identität fehlt die Orientierung ; diese Desorientierung zeigt sich in der gegenwärtige Europapolitik genauso wie in der Deutschen Familienpolitik, der Bildungspolitik, der Migrationspolitik

Ulrich Koennings nimmt die Empfänger von Sozialleistungen ins Visier: Auf nationaler Ebene ist unsere Gesellschaft im Laufe der letzten Jahre zu einer Transfergesellschaft entwickelt worden, in der nicht mehr Wohlstand durch Leistung primär politisch gefördert wird, sondern eine Umverteilung von erarbeiteten Kapital zu Empfängern von Sozialleistungen und den davon profitierenden Einrichtungen vorrangig gefördert wird.

Gedanken, die auch auf rechtsextremen Seiten zu finden sind…

Helmut Günter hofft auf Berlusconi gegen die EUdSSR: Die Größe Griechenlands, der Glanz Roms, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation als der Kulturbringer zwischen Antike und Renaissance die Weltgeltung Spaniens, die Entdecker und Missionare Portugals, die Kultur und Lebensart Frankreichs – alles übergossen durch einen Brüsseler Einheitsbrei, getaucht in das Grau einer unerwünschten, zu vergessenden Vergangenheit. Nationen, die Europa in alle Welt getragen haben, wurden durch eine Einheitswährung zu Schuldknechten degradiert, und wenn wir hier in Deutschland von kultureller Bereicherung sprechen, meinen wir nicht Griechenland, Frankreich oder Italien, sondern die Fellachenstaaten, deren einzige Großtat in den letzten achthundert Jahren darin bestanden hat, Öl im eigenen Boden zu finden und dies von Europäern oder europäischstämmigen Amerikanern fördern zu lassen. Ich halte Berlusconi nicht für einen großartigen Staatsmann, ich gehe auch nicht davon aus, daß er Italien in irgendeiner Form rettet oder gar in eine bessere Zukunft führt. Ich kann mir vorstellen, daß er das Land ins Chaos stürzt und damit die EUdSSR in ihren Grundfesten erschüttert. Wenn ihm das gelingt, hätte er den Karlspreis verdient, ja sogar die Anerkennung als Retter Europas. Wenn das Chaos Italiens auf ganz Europa übergreift, wird das zur zweiten Renaissance, zur Rettung Europas. Nur ein Volltrottel kann in eine Rede schreiben, daß Europa zur europäischen Nation zusammenwachsen soll. Europa lebt davon, daß die Italiener italienisch sind, daß die Spanier spanisch bleiben dürfen, Franzosen französich und Deutsche deutsch.

Diese „Gedanken“ in der Bewerbung eines AfD-Kandidaten wurden übrigens auch auf mehreren rechtsradikalen Internet-Seiten veröffentlicht, so beispielsweise auf dem rassistischen Blog „Dolomitengeist“. Urheber dieser Zeilen scheint ein Michael W.  zu sein, der selbst einen Blog betreibt. In der Bewerbung des AfD-Kandidaten ist dies nicht vermerkt.

Wenn alle Männer 1820 schwul werden…

Die AdG kämpft gegen "Multikulti-Umerziehung"
Die AdG kämpft gegen „Multikulti-Umerziehung“

AfD-Kandidat Reimund Guldner und die schwulen Männer: Wer im Gleichstellungswahn die Homoehe fordert, muss auch die Gleichstellung der Lesbenehe zulassen. Dann dürfen auch Geschwister heiraten. Was, wenn dann einer seine Plastik-puppe heiraten oder Sex mit Tieren haben will? […] Vergessen sollte man dabei nicht: 1) Wären ab 01.01.1820 für nur 60 Jahre „alle“ Männer schwul gewesen, gäbe es heute keinen einzigen Menschen auf dieser Erde.

Und wer denkt eigentlich an die Kinder? AfD-Kandidat Guldner noch einmal:

Ich habe Urlaub und möchte mir Nachrichten ansehen. Im RTL -Text am 3. April 2013 um 12:03 Uhr. „Ein 34 Jähriger Berliner bekam 3 Jahre Haft für 440 fachen Missbrauch eines Kindes (beginnend im Altern von 6 Jahren.)“ Das sind 2,48 Tage Gefängnis pro Einzeltat! […] Hinzu kommt der vorauseilende Gehorsam mit Rechtsbeugung durch die Regierung und Opposition beim neuen Beschneidungsgesetz. Das Rechtsempfinden der Bürger ist gestört. Die Körperverletzung durch die Beschneidung von Jungen muss ebenso bestraft werden, wie die Beschneidung von Mädchen oder die Hexenverbrennung.Wir – die AfD – müssen wachrütteln. Kindesmissbrauch oder Vergewaltigung sollen künftig wie Mord bestraft werden.

Wolfgang Pauckert denkt bereits über Widerstandshandlungen nach und meint offenbar, Ethnien und Völker hätten einen einheitlichen Willen: 

Wolfgang Pauckerts Bewerbung bei der AfD

Diese Bewerbung von Pauckert ist bereits eine entschärfte Variante, Publikative.org sicherte die erste Version, darin schrieb er:

Gewachsene europäische Nationen im Gegensatz zur USA: AfD-Kandidat Pauckert

Zudem bekannte sich Pauckert zum Rechtspopulismus, schreibt Zweifelhaftes zum Versailler Vertrag und schwadroniert über den Teufel sowie PC-Ideologen:

AfD-Kandidat Pauckert stellt sich vor.

IF

IF

Abschließend AfD-Kandidat Ralf Maas, der meint: Die Wähler sollen erkennen, dass diese Partei mit der Stimme des Volkes spricht.

Das Volk der weißen, gut ausgebildeten Männer mittleren Alters

Zusammengefasst: Diese Stimmen sollen also die Stimme „des Volkes“ sein. Tatsächlich bilden die AfD-Kandidaten nur einen Teil der Bevölkerung ab: Fast alle sind männlich, die meisten mittleren Alters. Viele haben beruflich einen naturwissenschaftlichen Hintergrund oder kommen aus dem Bereich Finanzen oder Unternehmensberatung, manche sind im Bereich Medien oder Verwaltung tätig. Kurzum: Sie inszenieren sich als Kämpfer gegen das Establishment, gehören aber selbst dazu. Menschen mit Migrationsgrund sind kaum zu finden.

Die EU als totalitäres System.
Die EU als totalitäres System.

Thematisch setzt man vor allem auf Feindbilder: Polemik gegen Gutmenschen, Politicall Correctness usw. gehören zum guten Ton vieler Kandidaten. Das Thema Deutsche als Opfer von Hass oder sogar des Versailler Vertrags kommt mehrmals vor. Ethnien und Völker werden als homogene Einheiten konstruiert. Die „EUdSSR“ will die Völker gängeln und ihre Eigenarten durch „Gleichmacherei“ vernichten. Einwanderer werden als Bedrohung für die deutschen Sozialsysteme dargstellt, Fachkräfte will man „geordnet“ nach Deutschland holen, um den Wohlstand hier zu sichern. Zwar finden sich auch moderatere Stimmen zwischen den Kandidaten, doch die meisten erscheinen wie das geeignete Personal für eine rechtspopulistische Partei – ob Parteichef Lucke dies nicht sehen kann oder möchte, ist nebensächlich.

Zwischen Stimmungen und Wahlverhalten

In mehreren Medien wird über ein beträchtliches Wählerpotential für eine Anti-Euro-Partei spekuliert. Die tatsächlichen Wahlchancen der AfD werden sich einer Untersuchung von Infratestdimap zufolge in erster Linie daran bemessen, inwieweit die Bürger der Regierung bzw. den etablierten Parteien zutrauen, die Eurokrise zu bewältigen.

Die AfD muss also vertrauenswürdiger wirken – mit einem Personal wie dem oben vorgestellten wird die Partei eher am rechten Rand punkten können – im gemäßigt konservativ-liberalen Spektrum eher weniger. Für den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde wird das nicht reichen – trotz freundlicher Unterstützung einiger Journalisten bei größeren Medien.

bobs_logoPublikative.org ist für die Bobs nominiert – hier abstimmen!

Siehe auch: Professoren als Sperrspitze, Partei als SammelbewegungWelche Chancen hat die Alternative für Deutschland?AfD: Professorenpartei als rechtspopulistische Sammelbewegung?

79 thoughts on “Alternative für Deutschland: Hier spricht das Volk

  1. „Daher nochmal meine Frage: Wie können Sie für das Volk sprechen, wenn sämtliche Umfragen, auf die sich sonst gerne berufen, eine klare Mehrheit für den Euro ausweisen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Patrick Gensing“

    Veehrter Herr Gensing,
    dies beantworte ich ihnen gern. Das kommt auf die Fragestellung an.
    Ich bin auch für einen Euro iwe in den Verträgen vereinbart ohne Schuldenhaftungen für andere Länder, Respektierung der Bail-out Lausel.
    Vorschlag: Wir stellen die Frage so:
    Sind sie
    a.) für einen Euro mit einer Haftung Deutschlands für die
    Schulden anderer Länder und mit Transfers deutschen Stuergeldes
    oder
    b.) für einen Euro mit strikter Einhaltung der Vorträge (also ohne das in a. Bewschriebene) andernfalls für einen Austritt Deutschlands aus der Eurozone?

    Ich tippe: eine Mehrheit von 80 % ist für b.

    Man könnte noch die Information hinzufügen, dass unser Land jetzt bereits für insgesamt eine Billion (Rettungschirme, Anleihenkäufe der EZB, ESM, Targetsalden) haftet. Wieviel werden es in 5 Jahren Weitermachen sein, wenn nach Slowenien, Italien, Spanien, evt. Frankreich (daneben neue Zahlungen für Gr, Zypern, Portugal)auch noch kommen?

  2. @ Harald
    „Man könnte noch die Information hinzufügen, dass unser Land jetzt bereits für insgesamt eine Billion (Rettungschirme, Anleihenkäufe der EZB, ESM, Targetsalden) haftet.“
    Mit der „Billion“ verhält es sich ähnlich wie mit der 100% Teuerung über Nacht: http://www.nachdenkseiten.de/?p=14175

  3. Hallo
    alleine an den Berichten sieht man doch schon eine Wende ,wie viele Kommentare hier über die AFD abgegeben werden , ich hoffe das sie noch viel mehr verändern wollen ,als nur den Euro

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