NPD-Maulkorb für Parteifunktionär Thorsten Heise

Ursprünglich sollte der NPD-Funktionär Thorsten Heise am 1. Mai beim Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ (DR) in Dortmund als Redner auftreten. Nun erhielt der Neonazi offenbar einen Maulkorb von der eigenen Partei. Offensichtlich nicht das erste „Nein“ aus der Parteizentrale.

 Von Kai Budler

Der Neonazi-Kader Thorsten Heise (Foto: Kai Budler)
Der Neonazi-Kader Thorsten Heise (Foto: Kai Budler)

Für den ersten Mai dieses Jahres mobilisieren Neonazis bislang zu bundesweit vier Veranstaltungen, darunter befindet sich auch ein Aufmarsch in Dortmund, den die Partei „Die Rechte“ (DR) angemeldet hat. Neben Parteifunktionären der „DR“ wie Christian Worch, Dennis Giemsch und Siegfried („SS-Siggi“) Borchardt waren dort auch die langjährig aktiven Neonazis Dieter Riefling und Thorsten Heise als Redner angekündigt. Das will sich die NPD-Spitze offenbar nicht gefallen lassen und verhängte jetzt für den 43-jährigen Heise ein Redeverbot, meldeten die Organisatoren des Aufmarschs in Dortmund. Dabei sei der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD in Thüringen nicht als Parteifunktionär angefragt worden, sondern als Herausgeber der extrem rechten Zeitschrift „Volk in Bewegung“. Die Bundespartei hingegen habe Heise jetzt den Parteiausschluss angedroht, wenn er bei der „Konkurrenzveranstaltung“ in Dortmund als Redner auftreten oder nur ein Grußwort verlesen lassen sollte. Der Streit in der extrem rechten Szene ist vorprogrammiert, denn der aktuelle Fall ist zwar der erste Maulkorb für einen derart prominenten Parteifunktionär wie Heise, nicht aber der erste, den die NPD-Spitze als Abgrenzung zur „DR“ verhängt. Vor einem Aufmarsch in Stendal mussten die Organisatoren um die NPD Christian Worch wieder ausladen und erst im vergangenen Monat erhielt ein NPD-Mitglied einen Maulkorb aus der Parteizentrale für einen von der „DR“ angemeldeten Aufmarsch in Soest. Der Vorstand des niedersächsischen „DR“-Landesverbandes warf dem NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel daraufhin vor, das „Nationale Lager“ zu spalten. In seinem offenen Brief an Apfel drohte der Landesvorstand Apfel ganz unverhohlen damit, die militante Neonazi-Szene der „freien Kräfte“ nach dem Vorbild in Nordrhein-Westfalen verstärkt ein- und anzubinden. Doch auch von Worch-Gegnern hagelt es Kritik.

Holger Apfel 2011 in Bremen (Foto: Kai Budler)
Holger Apfel 2011 in Bremen (Foto: Kai Budler)

In einem bekannten Internetportal der extremen Rechten wird der Schachzug des Bundesvorstandes eine „Dummheit“ genannt, weil „das Fehlverhalten der NPD-Oberen nun vielleicht dazu führt, dass noch mehr gutgläubige Kameraden in die Klauen Worchs geraten, der sie in seiner bekannten Manier gnadenlos für seine persönliche Selbstdarstellung ausnutzen und verheizen wird“. Ob der NPD-Vorstand das aktuelle Redeverbot für Heise aufrecht erhält, ist auch Thema beim Bundesparteitag der NPD am kommenden Wochenende im fränkischen Rottenbach bei Coburg. Dort nämlich könnte ein Antrag für die Aufhebung des Redeverbotes dafür sorgen, dass der Streit auch den Bundesparteitag erreicht. Es scheint so, als würde die angestrebte Verbürgerlichungsstrategie der NPD diese in der extremen Rechten immer weiter an den Rand drängen. Die Zeiten einer nationalen „Bewegungs-Partei“ wie noch unter Voigt scheinen vorbei.

Siehe auch: V-Mann-Gerüchte: NPD-Chef Apfels letztes Gefecht?Nach NPD-Debakel: “Volksfront wird zu Apfelmus”NP…wer? – Publikative hilft!Niederschmetternde BilanzNPD stoppt Nationalen SozialismusNPD-Strategiedebatte: Zwischen bürgerlicher Fassade und NS-Subkulturen (Teil I)

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