Holocaust-Leugnerin in der Heide

Immer wiederkehrende Sprechblasen zum NPD-Verbot, Diskussionen über die Presseplätze beim NSU-Prozess, Debatten über die „Sicherheitsarchitektur“ – da kann das eigentliche Thema leicht aus den Blick geraten. Dabei lohnt sich beispielsweise ein Blick nach Dorfmark, wo sich einmal mehr die „Ludendorffer“ versammeln konnten – mit dabei die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck.

Von Stefan  Schölermann NDR Info 

Ursula Haverbeck-Wetzel in Bad Nenndorf 2011. Foto: Kai Budler.
Ursula Haverbeck-Wetzel in Bad Nenndorf 2011. Foto: Kai Budler.

Von manchen werden ihre alljährlichen Treffen in der Gemeinde Dorfmark im niedersächsischen Dorfmark belächelt – doch auch in diesem Jahr sind rund 100 Mitglieder der als fremdenfeindlich und rechtsextrem eingestuften Gruppierung der „Ludendorffer“ in Hotels, Gaststätten und Privatquartieren zu Gast. Und in jedem Jahr regt sich Widerstand gegen diese braunen Treffen. So machten gestern und heute rund 70 Demonstranten unter anderem mit einer Mahnwache ihrem Unmut gegen den braunen Spuk Luft.

Kritisiert werden von den Gegnern nicht nur die Ludendorffer und ihre finstere Weltanschauung, kritisiert werden auch diejenigen, die den Mitgliedern Jahr für Jahr Obdach gewähren. Denn diese Treffen gelten bei Kritikern auch als Kaderschmiede und Strategietreffen der rechtsextremen Szene. Schon mehrfach sind prominente Alt –und Neonazis Gast der Ludendorffer-Veranstaltungen gewesen.

In diesem  Jahr ist eine der prominentesten Figuren des braunen Milieus nach Dorfmark gekommen: Wie die Polizei NDR Info auf Anfrage bestätigte, ließ sich auch die  prominente Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck bei den Ludendorffern blicken. Die über 80 Jahre alte  Frau gilt nicht  nur als Symbolfigur der rechtsextremem Szene, sie darf auch als deren Vordenkerin und Drahtzieherin betrachtet werden. Sie war mitverantwortlich für die 2008 verbotene „Heimvolkshochschule“  namens „Collegium Humanum“ in Vlotho, einer „Denkfabrik“ der rechtsextremen Szene.

„Licht- und Schachtrassen“

Aktiv war sie außerdem für die 2011 vom Bundesinnenministerium verbotene „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene (HNG)“. Mehrfach war sie schon in Niedersachsen als braune Rednerin aufgetreten, so im vergangenen Jahr beim sogenannten „Trauermarsch“ der braunen Szene in Bad Nenndorf und in der vergangenen Woche in der Gemeinde Weyhe, wo der Neonazi Christian Worch mit seiner Partei „Die Rechte“  zur Demonstration aufgerufen hatte. Die geistige Nähe von Haverbeck zu den als  rassistisch eingestuften „Ludendorffern“ liegt auf der Hand, unterscheiden sie Menschen doch unter anderem nach sogenannten „Licht- und Schachtrassen“.

Die "Ludendorffer" im Internet
Die „Ludendorffer“ im Internet

Angst um den Ruf der Gemeinde

Der Auftritt der prominenten Rechtsextremistin Haverbeck dürfte die Diskussion um die Ostertreffen der Ludendorffer nicht nur im Heidekreis  neu beleben. Kritiker bemängeln vor allem dass auch Kinder und Jugendliche an den Treffen und so das rechtsextreme  Gedankengut von Generation zu Generation weitergegeben werden könne. Auch deshalb hat ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und besorgten Bürgern zu Protesten aufgerufen. Mag das Treffen der Ludendorffer auch für Hotels, Pensionen und private Zimmervermieter in Dorfmark auch ein gutes Geschäft sein – viele fürchten nicht nur um den guten Ruf der  Gemeinde. „Rechtsextremismus ist Gift für unser Land“ sagt deshalb einer der Organisatoren der Gegenveranstaltung, der DGB- Kreisvorsitzende Charly Braun.

Siehe auch: Proteste gegen LudendorfferHolocaust-Relativierung und KindererziehungSchlagfertige Ludendorffer“Ludendorffer”: Prominentester Altnazi in der Heide

6 thoughts on “Holocaust-Leugnerin in der Heide

  1. „deshalb hat ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und besorgten Bürgern zu Protesten aufgerufen.“

    Und 70 Leute kommen? Starke Leistung, Zivilgesellschaft!

  2. Haverbeck als „VorDENKERIN“ zu bezeichnen, also das ist schon sehr, sehr gewagt-geschmeichelt.

    Außerdem noch etwas Grundsätzliches. Es sind mMn NICHT diese Grüppchen mit ihren 50 oder 100 oder 100 (immer denselben!) Kreaturen, welche in absolut spinnerten braunen Soßen köcheln und nie und nimmer irgendwie anschlussfähig zum rechtskonservativen Gesellschaftsmilieu werden . also, diese Zirkel sind es nicht, die so gefährlich sind. Es ist der alltägliche „kleine“, ja fast „selbstverständliche“ Neonazismus, der Antisemitismus, der Antizionismus, der HAss und die Verachtung auf alles Fremde, der sich bis ins linksliberale und linke Lager durchgefressen hat und der die Wurzeln unserer Demrokratie bedroht. Denn es gilt: Wenn der Feind immer dermaßen offensichtlich wäre wie die Spinner vom Ludendorffverein, dann wäre vieles sehr viel einfacher!

  3. Schrecklich. Ich frage mich immer, wie das möglich ist, dass man solche Veranstaltungen nicht unterbinden kann.

  4. @ Elliot

    Ganz einfach – weil das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland das Versammlungsrecht und die Meinungsfreiheit garantiert.

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