Aufmarsch der Kämpfer gegen die GEZ-„Zwangsgebühren“

Mitglieder der marktradikalen und rechtsoffenen „Partei der Vernunft“ haben für Samstag einen bundesweiten Aktionstag gegen den Rundfunkbeitrag initiiert. Mehr als 36.000 Teilnehmer sagten deren FB-Veranstaltung zu. Nachdem bereits das neurechte Magazin „Blaue Narzisse“ und der Hassblog „PI-News“ mit aufriefen und regionale Kameradschaften ihr Kommen ankündigten, folgt nun auch die NPD mit einem Aufruf.

Von Roland Sieber

Die NPD verkündet auf ihrer Website, sie sei die einzige Partei, die sich in den Landtagen immer konsequent gegen die „Gebühren-Abpressung“ für den öffentlich-rechtlichen „Rotfunk“ und für eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems „zur Entlastung der Bürger ausgesprochen“ haben. Sie unterschlägt allerdings dabei, dass die aktuelle Kampagne von Mitgliedern der PdV organisiert wurde. Mangels eigener politischen Handlungsfähigkeit versucht die NPD also einmal mehr auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, nachdem bereits neonazistische Kameradschaften und das „Karlsruher Netzwerk“ gegen die „Zwangs-Rundfunkgebühren“ am Samstag auf die Straße wollen.

Anti GEZ Demo
Screenshot des Demoaufrufs auf Facebook

Laut den Veranstaltern auf Facebook und der WAZ gehören Patrick Samborski aus München und der Dortmunder Igor Ryvkin zu den Aufrufern. Diese haben auch eine Petition an den Bundestag zur Abschaffung der GEZ eingeleitet, die bereits fast 120.000 Mitzeichner hat. Dabei wird die PdV von Kritikern dem verschwörungsideologischen und marktradikalen Spektrum zugeordnet. Ryvkin sorgte bereits durch seine Mitorganisation der Anti-INDECT-Demos bei den Piraten und antifaschistischen Initiativen für Unmut. Er berief sich auf die skurrile kulturrassistische „Weiße Rose“ der Islamhasser um „Die Freiheit“ und Michael Merkle alias Michael Mannheimer. Diese wollen die bekannte christliche Widerstandsgruppe „wiederbeleben“, um mit dieser den Kampf gegen Islamismus und Linke zu führen – oder was sie dafür halten. Die Ansicht, dass der Feind links steht, ist auch bei Anhängern der PdV offenkundig weit verbreitet, während gleichzeitig antisemitische und rassistische Parolen immer wieder als angebliche Meinungsfreiheit verteidigt werden. Dass dies im antimuslimischen und neonazistischen Spektrum auf Applaus stößt, dürfte kaum wundern.

Die Kampagne einiger Zeitungsverlage und privater Fernsehsender gegen die öffentlich-rechtlichen Rundfundanstalten wurde von Verschwörungsideologen und Kultur-Rassisten mit Freude aufgenommen, sind doch die gemeinsamen Feindbilder die angeblichen „Staatsmedien“. Argumentative Kritik wird dabei vielfach durch Parolen und Feindbildpflege ersetzt. Es ist zu erwarten, dass am Samstag in 13 Städten eine Querfront gegen den Rundfunkbeitrag demonstriert. Ein Signal für journalistische Qualität, mehr Bildungs- und Informationsfernsehen und weniger Werbung wird das mit ziemlicher Sicherheit nicht werden. Es geht um die Existenz des  öffentlich-rechtlichen Rundfunks generell.

Siehe auch: Verschwörungsideologen kapern Piraten

18 thoughts on “Aufmarsch der Kämpfer gegen die GEZ-„Zwangsgebühren“

  1. Ich stimme HenningM voll und ganz zu.
    Keine amerikanischen Zustände in Deutschland.

    Das die minderwertige amerikanische Kultur kein so gutes Fernsehen produzieren kann wie deutsche Sender sollte jedem deutsch denkenden und fühlenden Deutschen klar sein.
    Die Überlegenheit der deutschen, gebührenfinanzierten Kulturindustrie gegenüber dem anglo-amerikanischen Kommerz wird durch öffentlich rechtlich Produktionen wie Unsere Mütter – unsere Väter ja eindrücklich beweisen.

    Deswegen kapiere ich nicht, warum die Rechten gegen die Rundfunkgebühren protestieren…

  2. Dass ich das noch erleben darf! Das linke Spektrum, das vom deutschen Fernsehen jahrzehntelang mit Dreck beworfen oder gänzlich ignoriert wurde, kämpft neuerdings für den Erhalt der 100.000-Euro-im-Jahr-verdienenden-Journalisten-Bonzokratie! Ich könnte mich übergeben!

  3. @Eddie: Den Informationsinhalt ihres Kommentars kann ich irgendwie nicht finden, wünsche aber viel Spaß beim Kotzen!

    Mhh, es sein denn, Sie wollten zwischen den Zeilen ausdrücken, dass das „linke Spektrum“ stattdessen vielleicht besser für die Gewinnmaximierung der privaten Sender kämpfen soll? Also irgendwie scheint diese Logik meinen geistigen Horizont zu übersteigen..!

  4. „Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer GUTEN.“ (Hanns Joachim Friedrichs).
    Man kann durchaus das eine lassen und braucht das andere auch nicht zu tun.

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