Wegen „Frei.Wild“: „Kraftklub“ boykottieren Echo-Preisverleihung

Zum zweiten Mal ist die Band „Frei.Wild“ für den Echo nominiert. Dass eine deutschsprachige Band aus Südtirol in Italien, die durch völkisch-nationalistische Texte aufgefallen ist, in der Kategorie „Rock/Alternativ National“ eine Plattform geboten bekommt, sorgte gestern bereits kurz nach der Bekanntgabe für viel Unmut. Die ebenfalls nominierte Band „Kraftklub“ will den Echo nun deswegen boykottieren, wie sie heute bekannt gab.

Von Roland Sieber

Seit Dienstag tobt auf der Facebookseite des Echos eine heftige Diskussion zwischen „Frei.Wild“-Anhängern und deren Kritikern. Dirk Stegemann von der Kampagne „Zusammen handeln! Gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung!“ erläuterte dazu auf Anfrage vom publikative.org:

„Für die Nachwuchsgewinnung spielt Musik und deren mediale Verbreitung wegen ihrer Anschluss- und Mobilisierungsfähigkeit in der rechten Szene eine wichtige Rolle. Völkisch-nationalistische sowie „Blut- und Boden-“ Rhetorik ist deshalb auch auf keiner Bühne hinnehmbar. Sie ist der Einstieg in, der Nähr- und Resonanzboden für Ungleichwertigkeitsdenken, Chauvinismus, Hass sowie rechte, rassistische Gewalt.“

Heute zog der Shitstorm der „Frei.Wild“-Fans unter die Stellungnahme von Kraftklub weiter: Mehr als 1.000 Pro- und Contrakommentare sammelten sich innerhalb der ersten zwei Stunden an.

„Wir haben unsere Plattenfirma gebeten, dafür zu sorgen, dass unsere Nominierung für den Echo in der Kategorie „Rock/Alternativ National“ zurückgezogen wird. Wir möchten nicht weiter in einer solchen Reihe genannt werden. Obwohl wir uns gefreut haben zusammen mit Mia, Die Toten Hosen, Unheilig, und Die Ärzte nominiert gewesen zu sein“,

postete die angesagte Band um kurz nach 12 Uhr am heutigen Mittwoch. Die fünfköpfige Musikgruppe spielte damit offensichtlich auf die Südtiroler Rechtsrockband an, die als einzige nicht in der Aufzählung genannt wird. Bereits beim Echo 2012 sangen „Kraftklub“ zusammen mit dem Rapper „Casper“ vor laufenden Kameras:

„Hättest Du mich auch geküsst, Dich einfach auf mich draufgestürzt – die Welt wäre vielleicht besser, ‚Frei.Wild‘ endlich aufgelöst. Immer noch für Nazis kein Go, bitte bitte Gott gib mir nochmal ein Album von Eins Zwo.“

Auch die ebenfalls nominierte Band „Die Ärzte“ positionierten sich mehrfach gegen Frei.Wild.  So tauschten sie bei Live-Konzerten bei ihrem Song „Schrei nach Liebe“ die Textzeile „Zwischen Störkraft und den Onkelz steht ’ne Kuschelrock-LP“ gegen „Zwischen Frei.Wild und den Onkelz …“. Heute gaben „Die Ärzte“ auf ihrer offiziellen Homepage folgendes Statement ab: „Beim ‚Wichtigsten Deutschen Musikpreis’ ist mal wieder eine politisch fragwürdige Band nominiert. Da uns der Echo sowieso nie interessiert hat und unsere politische Einstellung hinreichend bekannt sein sollte, liegt der Rest in den Händen der sicherlich weisen Juroren.“

Die ARD überträgt die Preisverleihung am Donnerstag, den 21. März live aus der Messe Berlin. Bereits jetzt darf das Publikum auf der Videoplattform „MyVideo“ abstimmen. Bei Twitter sorgt die Nominierung der Rechtsrockband ebenfalls für viel Spott, so wurde z.B. Erika Steinbach für die Laudatio für „Frei.Wild“ beim Echo vorgeschlagen.

Siehe auch: egotronic-TV: Die Band der VollidiotenFrei.Wild gegen Extremismus ist wie Kräuterlikör gegen Alkoholismus, Kein Jägermeister für Frei.Wild, Frei.Wild – “unpolitischer” Hass auf “Gutmenschen”, Kein Frei.Wild!, Frei.Wild zwischen Deichkind und Beatsteaks

25 thoughts on “Wegen „Frei.Wild“: „Kraftklub“ boykottieren Echo-Preisverleihung

  1. @ Markus bei deinem Statement über die Situation in Südtirol wäre vielleicht mal ganz interessant welche Faschismus Analyse du hast, wenn du schon so inflationär wie viele andere mit dem Begriff um die wirfst.

    Ja und auch dir will ich nur folgendes zu denken geben. Es gibt auch in Tirol viele Menschen, die Frei Wild schon viel länger kritisch betrachten und über Erfahrungen mit der Band und deren Umfeld berichten können.

    Als Beispiel will ich mal ein Interview zitieren aus der Februar Ausgabe 2012 des Basch Fanzine mit antifaschistischen Fußballfans aus Meran

    http://brigatagiallorossa05.blogspot.de/2012_05_01_archive.html

    Gimp: Viele Leute hier kennen (und hassen) die Band Frei.wild, die aus eurer Gegend kommt. Wie ist das bei euch?
    BGR: 1. Wir hassen Frei.Wild! Eigentlich schon seit wir diese Band kennen. Wir wussten schon lange über die Vergangenheit der Band bescheid, wussten auf welchen Konzerte sie hier spielen bzw. welche Leute da vorwiegend im Publikum sind. Die Band ist hier aber auch erst nach dem großen Erfolg in Deitschland richtig populär geworden, davor hatten die hier kleine und sehr wenige Konzerte.
    Außerdem kotzt uns der Werdegang der Band an, die sich drehen wie eine Fahne im Wind immer auf der Suche nach dem großen Erfolg. Wenn dazu noch Aussagen wie „Frei.Wild gegen Rassismus und Extremismus“ und „wir sind weder Nazis noch Antifanten“ in einem gleichen Atemzug genannt werden, steigert das deren Ansehen nicht unbedingt.

  2. Ich kaufe weiterhin die FreiWild-Alben und gehe auf Ihre Konzerte! Liebe Leute von publikative.de macht euch nicht so nen Kopf! Ich wette das Frei Wild noch viel größer werden als unsere geliebten Böhsen Onkelz! Ich wünsche euch natürlich weiterhin viel Spaß beim interpretieren, nacherzählen, auslegen und verdrehen von angeblichen Tatsachen.
    Auch wenn Casper, Kraftklub oder Mia nun ihre Nominierungen nicht angenommen haben, ändert es garnichts an meiner Einstellung zum Leben und an der Einstellung zu meinen Lieblingsbands. Es liegt mir auch völlig fern Ihnen meinen Standpunkt darzulegen, denn dies würde auch nichts ändern. Ich habe die Berichte über Frei Wild auf NDR, RTL und MDR gesehen, leider war es ein und der selbe Beitrag. Dieser wurde immer leicht verändert und tatsächlich teilweise verdreht. Den Beweis bleib ich schuldig, seht Sie euch an und entscheidet selber. Des Weiteren bin ich begeistert über die ganzen Spezialisten die sich nun zu Wort melden. Auf dem rechten Auge blind und das linke hat einen Tunnelblick.

    Viele Leute, viele Meinungen machen es den meisten Aussenstehenden schwer dieses Thema sachlich zu betrachten. Damit man sich eine objektive Meinung bilden kann, sollte sich ein jeder nicht nur mit einzelnen Aussagen beschäftigen. Öffnet das linke und das rechte Auge und fangt an zu lesen. Die Welt kann man einfach nicht in schwarz und weiss unterteilen.

Comments are closed.