CSU-Hete klagt über trommelnde Schwulen-Lobby

Schwarze, die sich rassistische Begriffe verbitten, Frauen, die sich nicht von angetrunkenen Männern Anzüglichkeiten gefallen lassen und nun auch noch schwule Paare, die Ehe spielen wollen –  quo vadis, Deutschland? Politiker wie Norbert Geis von der CSU warnen vor der Lobby-Arbeit der Minderheiten.

Von Redaktion Publikative.org

Norbert Geis (Foto: cducsu.de / Uli Schwab)
Norbert Geis (Foto: cducsu.de / Uli Schwab)

Im Streit um die Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften mit der Ehe sieht der CSU-Rechtspolitiker und Konservative Norbert Geis großen Einfluss einer „Homosexuellen-Lobby“ im Bundestag. Geis sagte der Saarbrücker Zeitung: „Es gibt im Bundestag eine sehr starke Lobby für Homosexuelle. Die trommelt auch viel kräftiger als diejenigen, die anders denken.“ Mit der CSU werde es „keine volle Gleichstellung geben“, betonte Geis.

Kommentar in der Jungen Freiheit

Geis hatte sich bereits mehrfach über die „Schwulen-Lobby“ ausgelassen, so beispielsweise im August 2012 in der rechtsradikalen „Jungen Freiheit“. Dort schrieb der CSU-Hardliner, die Angriffe auf Gegner der Homo-Ehe zeigten einmal mehr, „daß gerade diejenigen, die am lautesten nach Toleranz schreien, andere Meinungen als ihre eigene nicht ertragen können“. Eine sachliche Diskussion sei daher nicht möglich.

Die „kleine, aber lautstarke Homo-Lobby lässt keine Gelegenheit aus, die Gleichstellung mit Ehe und Familie zu erzwingen“, kritisierte Geis in der JF. Diese „Tendenz der Gleichmacherei“ werde durch verschiedene Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts „leider noch verstärkt“.

Norbert Geis ist seit 1987 Mitglied des Bundestages. Bei der Debatte um die Einführung von eingetragenen Partnerschaften 2001 behauptete er laut Queer.de auf seiner Bundestagswebsite, Homosexualität sei eine „Perversion“. Der damalige rechtspolitische Sprecher von CDU und CSU erklärte, das Gesetz stünde im Widerspruch zu den „Prinzipien der drei großen Religionen“. Offenbar wünscht sich Geis eine Art Gottesstaat, dafür spricht auch, dass er in den 1990er-Jahren ein Auftrittsverbot für Madonna gefordert hatte, weil deren Show zu obszön sei. Zu seinen Vorstellungen von Recht und Ordnung gehört auch, dass er die „gezielte Tötung von potenziellen Aggressoren“ als Präventivmaßnahme sowie die Sicherungsverwahrung von „Gefährdern“ ohne Prozess befürwortet.

Niederlage gegen eine Frau

Der deutsche Konservatismus driftet weiter in die Radikalität ab, seine Vertreter versammeln sich im Dunstkreis der Neurechten, erheben rechtsstaatlich fragwürdige Forderungen und verunglimpfen gleiche Rechte für alle Menschen als angebliche „Gleichmacherei“. Möglicherweise kann sich Geis bald ganz dem Schreiben von Kolumnen in rechtsgerichteten Blättern widmen, denn im Oktober 2012 verlor er seinen Wahlkreis in Aschaffenburg gegen – Ironie des Schicksals – die Kreisvorsitzende der Frauen-Union.

Siehe auch: Die Welt zu Gast bei Philipp, Hans-Peter und Dirk, “Made in Papa + Maman”: Frankreichs Kämpfer gegen die Ehe für alle, Weiße Zeitungen, buntes Netz – Definitionsmacht adé , Ernst Nolte: Ein deutscher Konservativer , CDU-Grußwort für neurechtes Institut, JF: Der Kampf gegen Flüchtlinge als Konstante, Der Zeitgeist und Helmut Kohls geistig-moralische Wende, “Dem Konservatismus fehlt es an klugen Denkern”Fleischgewordene geistig-moralische WendeHistorikerstreit 2.0: Wiederaufführung ohne neue ArgumenteKonservatismus – ein ideologischer PhantomschmerzMoin, moin, Konservatismus!Utopien des PrivatenKonservative in der Union: Auf zum letzen Gefecht!

5 thoughts on “CSU-Hete klagt über trommelnde Schwulen-Lobby

  1. Wenn man das liest, müsste doch eigentlich jeder CDU-Wähler bei dem Artikel Schmerzen verspüren, dass er diese Partei gewählt hat. Die Einstellung ist menschenverachtend. Aber die CDU wird nicht müde, den Leuten diktieren zu wollen, wie diese zu leben haben; Heteronormativ und bitte christlich. Unfassbar, dass der Schwachsinn nie aufhört.

  2. wer nimmt Herrn Geist noch wahr UND ernst, das ist wohl sebst in Bayern inzwischen eine Minderheit. Wenn er sich dann im Ruhestand von den Neurechten instrumentalisieren lassen wird sagt das mehr über sein „demokratisches Selbstverständnis“ als ihm wohl lieb sein dürfte, oder es interessiert ihn wie den Rest der Welt nicht, dann erledigt sich das Thema in überschauberer Zeit biologisch. Ich kann und werde es jedenfalls nicht bedauern.

  3. Wenn Norbert Geis auf seiner Bundestagswebsite behauptet, Homosexualität sei eine „Perversion“, als was würde Herr Geis den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche denn bezeichnen ?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch_in_der_r%C3%B6misch-katholischen_Kirche

    Ich respektiere den Menschen als das, was er/sie ist. Dabei spielt für mich weder die Hautfarbe noch die Sexualität eine Rolle !
    Vielleicht liegt es daran, dass ich kein Christ bin ;-))

    Beste Grüße

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