SPD: Mit Stammtisch-Parolen gegen Populismus

Mit Hochdruck arbeitet SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück weiter an einem Rekordergebnis für die deutsche Sozialdemokratie. 23 Prozent bei der Bundestagswahl 2009 gilt es zu unterbieten: x = 23 – Steinbrück-Faktor, so die Gleichung. Beeindruckend: Der bisherige Problempeer verwandelte sich vor einem Millionenpublikum in den Peerlusconi, der in Italien nun sogar noch unbeliebter sein dürfte als Angela Merkel.

Von Robert von Seeve

Peer Steinbrück in Aktion (securityconference.de)
Peer Steinbrück in Aktion (securityconference.de)

Wenn man in der Disziplin Wählergunst schon keine Chance gegen die Kanzlerin hat, dann wenigstens bei der deutschen Paradedisziplin „Unbeliebtester Politiker Europas“ – dieses Motto scheint SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück zu verfolgen. Nachdem er Zypern bei einem Spiegel-Gespräch mit einem neuen Störtebeker drohte und laut überlegte, der Schweiz im Steuerstreit Reiterstaffeln zu schicken, hat sich der preußische Feldmarschall im Dienste der SPD nun die Italiener vorgeknöpft: Clowns seien die Spitzenkandidaten Berlusconi und Grillo, polterte Steinbrück.

Eine Bezeichnung, die man sicherlich auch auf Steinbrück anwenden könnte, doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Grillo und Berlusconi sind erfolgreich.

„Boykott deutscher Waren“

Steinbrück versucht indes, arrogante Kommentare als erfrischende Ehrlichkeit zu verkaufen. In Italien kann man darauf offenkundig gut verzichten. Der italienische Staatspräsident Napolitano verzichtete anlässlich seines Deutschland-Besuches denn auch auf ein gemeinsames Abendessen mit dem SPD-Kandidaten. Paolo Romani, Abgeordneter von Berlusconis PDL-Partei, kommentierte die Absage bei Twitter so: „Bene #Napolitano! Via #Steinbruck o boicottiamo i prodotti tedeschi!!“ (Gut Napolitano! Steinbrück muss weg – oder wir boykottieren Produkte aus Deutschland!“) Doch nicht nur rechte Politiker reagierten entsetzt auf Steinbrücks Clown-Beleidigung, auch andere Zeitungen lobten den Präsidenten für die Absage des Abendessens.

In Deutschland feixen derweil politische Gegner über Steinbrücks nächsten verbalen Querschläger, die FDP prägte den Begriff des Peerlusconis. Auch aus der SPD kam Kritik, wenn auch verhalten. Die Notbremse will hier aber offenbar niemand ziehen, trotzig halten die Sozialdemokraten an ihrem Kandidaten Steinbrück aus der Troika der Verlierer fest, wollen offenbar gemeinsam in den Abgrund marschieren. Ein Trauerspiel – und die Partei und ihre Mitglieder spielen artig mit. In Deutschland dürfte es im Gegensatz zu Italien also weiterhin klare Mehrheiten geben: Sollte die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, werden die Sozialdemokraten sicherlich ihrer „Verantwortung“ gerecht und Merkel eine weitere Amtszeit verschaffen.

Als Finanzminister in einer großen Koalition war Steinbrück schon einmal mit von der Partie – und niemand musste die FDP vermissen, da Steinbrück beispielsweise in der Debatte um ein erhöhtes Kindergeld verkündete: „Eine Erhöhung um acht oder zehn Euro hat den Gegenwert von zwei Schachteln Zigaretten oder zwei großen Pils. Ich fürchte, das Geld kommt bei den Kindern in vielen Fällen nicht an.“ Stammtisch-Parolen, die auch von Steinbrücks Genossen Sarrazin stammen könnten. Gute Nacht, SPD.

Siehe auch: Bunga-Bunga-Republik statt deutscher Euro-Vernunft, Glückwunsch, Mutti!, Die Wahl der Qual, Opposition dringend gesucht!

3 thoughts on “SPD: Mit Stammtisch-Parolen gegen Populismus

  1. Na ja, Fakt ist in diesem Fall: P.S. hat recht. In gewissem Sinne. Nach allem, was in den Medien rüberkommt, ist Grillo ein populistischer Clown und dieser Berlusconi macht den dumm-dreist-nassforschen August, weil … weil das italienische Wahlvolk die Schnauze voll hat von Monti und Co. und genau das haben will IN PERSONAM, was das pol. System ist, nämlich UNSINN. Ungerechter, himmelschreiend kindischer, dabei hinter den Kullissen knallhart kapitalistisch dirigierter UNSINN.
    Übrigens sollte P.S. nicht immer auf andere zeigen. Er selbst ist auch ein Clown, und schlimmer noch: ein Clown, der nicht mal merkt, dass er einer ist. Also ein unfreiwillig komischer Trottel. Aber gefährlich, weil es andere Trottel gibt, die ihm Macht zubilligen.

  2. Ich erachte Steinbrücks Äusserungen bezüglich Clowns nicht wirklich als anstössig. Sie mögen vielen als ungebührlich erscheinen, doch Berlusconis Umtriebigkeit der letzten Jahre mag gerade in Wahlkampfzeiten zu solcherart Possen einladen.

    Es muß bedacht werden, das überspitzte „populistische“ Äusserungen nun mal zum Geschäft gehören. Hiermit mag ich nicht die Empörung herabspielen,die viele Menschen empfinden mögen. Diplomatisch feinfühlig ist dies gewiß nicht.

    Mich hingegen tangieren z.B solcherlei Äusserungen über deutsche Politiker nicht. Wie z.B eine Steinbach in polnischen Medien dargestellt wurde, hatte mich nicht getroffen.

    Gegen HartzIV können kann Steinbrücks clowneske Äusserung wirklich nicht anstinken. Zu einem wesentlich grösseren Unsympath machen sie Steinbrück für mich auch nicht.

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