„Widerstand leisten heißt Neues schaffen“ – zum Tod von Stéphan Hessel

In der Nacht zu Mittwoch starb der Widerstandskämpfer, KZ-Überlebende und Diplomat Stéphan Hessel. Mit seinem Tod verliert die Welt einen großen Menschen, der bis ins hohe Alter unermüdlich für Gerechtigkeit und Menschenrechte kämpfte.

Von Felix M. Steiner

Wenn Stéphan Hessel eine Bühne betrat, konnte er mit seiner sanften, mit seiner charmanten Art das Publikum stets in seinen Bann ziehen. Nichts ging allerdings von seiner Überzeugung verloren, wenn er über Ungerechtigkeit sprach, wenn er Forderungen an sein Publikum richtete. Bis ins hohe Alter engagierte sich der Widerstandskämpfer, der Überlebende der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora und Mitunterzeichner der Menschenrechtserklärung für eine gerechtere Welt. Im Alter von 95 Jahren starb Hessel in der Nacht auf Mittwoch in Paris.

„Neues schaffen heißt

Widerstand leisten.

          Widerstand leisten heißt

Neues schaffen.“

Stéphan Hessel 2005 beim Jahrestag der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora.
Stéphan Hessel 2005 beim Jahrestag der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora.

Stéphan Hessel wurde am 20. Oktober 1917 in Berlin geboren und wuchs in Künstler- und Intellektuellenkreisen auf. Er studierte Politikwissenschaft und Philosophie an der London School of Economics, der Pariser Sorbonne und der École normale supérieure. 1937 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft und wurde 1939 als Offiziersanwärter einberufen. Während des Krieges geriet Hessel in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er nach London fliehen konnte und schloss sich dem Widerstand unter General de Gaulle an. 1944 wurde er verraten und von der Gestapo in Paris verhaftet. Mit mehreren anderen Widerstandskämpfern wurde Hessel nach wochenlangen Verhören in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Hier half ihm der Lagerwiderstand durch Identitätstausch dem sicheren Tod zu entkommen. Er wurde dann in das KZ Mittelbau gebracht, wo er kurz vor den beginnenden Todesmärschen fliehen konnte. Hessel schloss sich auf seiner Flucht amerikanischen Soldaten an, um weiter gegen die Nationalsozialisten zu kämpfen und kehrte im Mai 1945 nach Paris zurück. Bereits ab 1946 war er in New York für die Vereinten Nationen tätig und auch an der Erstellung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beteiligt. Stéphan Hessel war unermüdlich als Zeitzeuge in ganz Europa unterwegs, um Menschen über seine Erfahrungen aus dem Widerstand und den deutschen Konzentrationslagern zu berichten. Noch 2010 veröffentlichte er im Alter von 93 Jahren seine Protestschrift „Empört Euch!“. In die Kritik geriet der ehemalige Diplomat in den letzten Jahren vor allem wegen seiner Israelkritik und seiner Position zur Hamas.

Stéphan Hessels Haltung wird in seinem Apell aus dem Büchlein „Empört Euch!“ treffend zusammengefasst:

„Das Grundmotiv der Résistance war die Empörung. Wir, die Veteranen der Widerstandsbewegung und der Kampfgruppen des Freien Frankreichs, rufen die Jungen auf, das geistige und moralische Erbe der Résistance, ihre Ideale mit neuem Leben zu erfüllen und weiterzugeben. Mischt euch ein, empört euch!“

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