Meinolf Schönborn bittet zum Nazi-Palaver nach Thüringen

Der rechtskräftig verurteilte und mehrfach vorbestrafte Neonazi Meinolf Schönborn aus der Nähe von Gütersloh lädt am kommenden Wochenende zum zweiten Teil seiner „Seminarreihe Weltanschauung“ ein. Bei der konspirativ geplanten Veranstaltung handelt es sich um die Fortsetzung der „Lesertreffen“ aus dem Umfeld der extrem rechten Zeitschrift „Recht und Wahrheit“, die seit rund 15 Jahren überwiegend bei Ilfeld in Nordthüringen stattfinden.

Von Kai Budler

Bei der zweitägigen Veranstaltung setzt Schönborn offenbar auf die Verschwiegenheit der Teilnehmer: „Handys und jegliche Art von Aufnahmegeräte sind strengstens verboten“ (Fehler im Original), heißt es in der Anmeldung, das Thema der Veranstaltung lautet: „Was können wir (noch), was müssen wir tun!“. Nach dem Willen des ehemaligen Vorsitzenden der verbotenen Organisation „Nationalistische Front“ (NF) soll „dringlich über eine neue Methodik des nationalen Widerstandes nachgedacht werden“, denn das rechte Lager habe seit 1945 nichts erreicht, es bliebe „totale Erfolgslosigkeit“. Die Diskussion solle zum Nachdenken über „neue Wege und realistische Ziele“ anregen, denn in „den letzten 66 Jahren haben wir nichts Großartiges erreichen können“, schreibt Schönborn in der Einladung. Das Thema „Was können, was müssen wir tun?“ stand bereits auf der Tagesordnung des letzten Treffens im November 2012, dort referierte u.a. die rechtskräftig verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. War in der entsprechenden Einladung noch konsequent von einer „Seminarreihe“ die Rede, spricht Schönborn jetzt vom zweiten „Lesertreffen“, darüber prangt der Kopf des von ihm heraus gegebenen zweimonatlich erscheinenden Blatts „Recht und Wahrheit“. Dessen „Lesertreffen“ finden unter dem Titel „Tage deutscher Gemeinschaft“ seit 1997 meist in Nordthüringen statt, die bis zu 120 Teilnehmer aus dem extrem rechten Spektrum treffen sich dazu im „Hufhaus Hotel“ in einem weiträumigen Naturschutzgebiet bei Ilfeld im Südharz. Die Neonazis schätzen die Abgeschiedenheit und Ungestörtheit der Einrichtung, auch das Betreiber-Ehepaar hat offensichtlich keine Bedenken bei der Vermietung an extrem rechtes Kundenklientel.

Die seit 1984 erscheinende Zeitschrift „Recht und Wahrheit“ wurde anfangs von der „Deutschen Freiheitsbewegung“ (DDF) herausgegeben, fünf Jahre später begründete unter anderem der wegen Volksverhetzung verurteilte Holocaustleugner und ehemalige NPD-Chef Günter Deckert die Tradition der sogenannten Lesertreffen. Nach Einschätzung des „antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums Berlin“ sind sie „bundesweite Treffpunkte für neofaschistische Führungspersonen und gelten als Schnittstelle der verschiedenen Generationen“. 2009 übernahm Schönborn die Herausgeberschaft des Blattes, das mittlerweile zur Zeitschrift der Neonazi-Organisation „Neue Ordnung“ avanciert ist. Auch der langjährig aktive Neonazi organisiert in Thüringen schon seit längerem Treffen für Teilnehmer aus der extrem rechten Szene. Bei dem zweiten Teil seiner „Seminarreihe Weltanschauung“ muss der heute 57-Jährige sinkende Teilnehmerzahlen befürchten, denn er selbst befindet sich im Visier der Staatsanwaltschaft.

neue ordnung 2

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen „Neue Ordnung“

neue ordnung 01
Klare Aussage an die Demokratie

Gemeinsam mit vier weiteren Personen steht Schönborn im Zentrum der Ermittlungen gegen die in mehreren Bundesländern aktive „Neue Ordnung“, der Neonazi aus Nordrhein-Westfalen gilt hier als Führungsperson. Die Strafverfolgungsbehörde ermittelt wegen „Bildung einer bewaffneten Gruppe“ und „Verstoß gegen das Waffengesetz“. Im März 2012 waren Pläne für ein geheimes Schulungszentrum in Brandenburg aufgeflogen, als die Polizei in einer Pension in Herzberg auf die Leiche des Neonazis und ehemaligen Kroatien-Söldners Jörg Lange gestoßen war. Auf Hetzschriften der „Neue Ordnung“ war er mehrfach als „Verantwortlicher im Sinne des Presserechtes“ genannt worden. Neben „Recht und Wahrheit“-Ausgaben und anderen Hetzschriften stellten die Beamten in Langes Rucksack scharfe Waffen und rund 300 Schuss Munition sicher. Angemietet worden war das rund 4.000 Quadratmeter große Anwesen mit Büros, Tagungsräumen und Gästezimmern von Schönborns Lebensgefährtin Brigitte Hell, auf deren Konto auch die Tagungsbeiträge für das Treffen im Harz überwiesen werden sollen. Schönborn wollte in der Pension nach eigenen Angaben Neonazis schulen: Lange war für den Bereich Computer und Netzwerke vorgesehen, Schönborns Zuständigkeitsbereiche sollten Politik und Organisation sein. Gegenüber der Presse bestritt er jedoch, mit dem Waffenfund etwas zu tun zu haben: „Ich habe mit scharfen Waffen noch nie etwas am Hut gehabt. Wehrsportgruppen und so was waren nie mein Ding“. Dabei heißt es in einem Schreiben der „Neuen Ordnung“: „Wirklich kämpfen, statt immer nur über die Heldentaten unserer Soldaten zu schwärmen, es ihnen nachahmen – das ist das Gebot der Stunde!“. Gegenüber dem Magazin „Report Mainz“ kommentierte der Obmann des NSU Untersuchungsausschusses des Bundes, Wolfgang Wieland: „Die ‚Neue Ordnung‘ ist hoch gefährlich, wir haben alle Bestandteile, die zum Rechtsterrorismus führen können.“

Die SS als Vorbild

Der Aufbau von militanten Strukturen ist für Schönborn nichts Neues, schon vor rund 20 Jahren war gegen die NF und ihrem damaligen Vorsitzenden wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt worden. Der

Hufhaus
Das Hufhaus bei Ilfeld diente in den letzten Jahren häufig als Tagungsort für extrem rechte Veranstaltungen.

gelernte Maschinenschlosser hatte dazu aufgerufen, „Nationale Einsatzkommandos“ (NEK) zu bilden. Nach der Vorgehensweise der SS in ihren Gründungstagen sollten die „kadermäßig gegliederten hochmobilen Verbände“ der „Sicherung von Großveranstaltungen“ dienen und die „Planung und Durchführung von überraschenden Aktivitäten“ übernehmen. In seiner Rede für ein erstes Treffen stellte Schönborn das paramilitärische NEK in eine Reihe mit der SS: „Jetzt sind wir junge Nationalisten, die nicht nur reden, sondern auch handeln werden, in der Pflicht, wie sie heldenhaft für Deutschland zu kämpfen“. In die Praxis setzte er das Konzept gemeinsam mit Bernd Schmitt aus Solingen um, in dessen Kampfsportschule Schönborn einen Vortrag zum NEK hielt. Daraufhin gründete Schmitt den „Deutschen Hochleistungs-Kampfkunstverband“ mit bis zu etwa 400 Mitgliedern, der Neonazis ausbildete und bundesweit einen Ordnerdienst anbot. Schmitt selbst übernahm das Training der NEK-Anwärter im Nahkampf. Zu den Jugendlichen, die in seiner Kampfsporthalle trainierten, gehörten auch drei der Täter, die im Mai 1993 einen Brandanschlag auf das Haus einer türkischen Familie in Solingen verübten. Dabei starben fünf Menschen, weitere Bewohner erlitten teils lebensgefährliche Verletzungen. In den folgenden Ermittlungen stellte sich heraus, dass Schmitt seit April 1992 „Gelegenheitsinformant“ und später V-Mann des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Verfassungsschutz war. Der damalige Innenminister beharrte jedoch darauf, die Kampfsportschule und der Verband hätten „zu keiner Zeit zum organisierten Rechtsextremismus gehört“.


3 thoughts on “Meinolf Schönborn bittet zum Nazi-Palaver nach Thüringen

  1. Die Zahl von 400 DHKKV-Mitgliedern scheint mir etwas hoch,
    die NF soll ja gerade mal 800 Mitglieder gehabt haben,
    davon wird ja nicht die Hälfte in Solingen trainiert haben.
    Vielleicht ist 400 die Gesamtzahl der Mitglieder der Sportschule wo der DHKKV trainierte, oder die der NEK-Mitglieder ?

    Die „Kherusker“, die im Doppelpack mit der „neuen Ordnung“ kommen,
    wollen im ehemaligen Gau Westfalen-Nord aktiv sein,
    wo auch Schönborn herkommt.
    9 der 14 Städte mit NSU-Anschlagszielen bilden ein zusammenhängendes Gebiet.
    6 dieser 9 befinden in dem ehemaligen Gau( oder direkt an der Grenze ).
    Fehlen noch Braunschweig, Göttingen und Kassel östlich davon.
    In Braunschweig wohnt der „Wolle“-Unterstützer Gerd-Oliver R.,
    der Kontakt zur NF von Schönborn hatte.
    Der NSU-Unterstützer Oliver G. war in die Nähe des benachbarten Hannover gezogen.
    In Dortmund( Gaugebiet )gab es wohl einen NSU-Nachahmungstäter,
    der Mitglied einer gerade erloschen C-18-Zelle war,
    die sich um ein Mitglied der Band „Weisse Wölfe“ gebildet hatte.
    Vielleicht liegt es ja an den teuteburger-Erdstrahlen,
    das die Zellenbildungen und so begünstigen…

    Ausserdem : Carsten „Piato“ Szczepanski, verschleierhafter NSU-Informant und
    vormaliger Klavernengründer, war ein NF-Führungskader.

Comments are closed.