Die Rechte: Post in den Knast

„Die Rechte“ sammelt weiterhin ultraradikale Kräfte ein. So soll ein derzeit in Untersuchungshaft sitzender Neonazi offenbar Spitzenkandidat bei der Europawahl werden. Und in Niedersachsen will „Die Rechte“ einen Landesverband gründen – möglicherweise, um die Reste von „Besseres Hannover“ einzusammeln.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Nordrhein-Westfalens Innenminister Jäger zeigt sich unerbittlich im Kampf gegen die im Frühjahr gegründete Partei „Die Rechte“. Er will alle Möglichkeiten ausschöpfen, der Gruppierung um den aus Hamburg stammenden Neonazi Christian Worch juristische Fesseln anzulegen.

Dabei tut die zurzeit gerade einmal 288 Mitglieder zählende Gruppierung von sich aus alles, den eigenen schlechten Ruf zu bekräftigen. Jüngstes Beispiel: Der derzeit in Untersuchungshaft sitzende und bundesweit aktive Neonazi Sven Skoda soll in den kommenden Tagen wohl Post von Christian Worch erhalten: Skoda, so wünscht es sich Parteigründer Worch, soll im kommenden Jahr Spitzenkandidat der Partei „Die Rechte“ bei der Europawahl werden.

Skoda sitzt seit dem 13. März vergangenen Jahres auf Beschluss des Landgerichtes Koblenz in Untersuchungshaft. Ihm wird Unterstützung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Er soll verantwortlich sein für eine unangemeldete Demonstration der rechtsextremen Gruppierung „Die Unsterblichen“.

Christian Worch organisierte den Abmarsch der Neonazis mit. (F: Kai Budler)
Christian Worch bei einer Demo der Kameradschaftsszene Anfang Juni in Hamburg (F: Kai Budler)

Skodas Hetzreden, von denen er auch im niedersächsischen Bad Nenndorf ein Beispiel gab, sind berüchtigt. Er gilt als ausgebuffter Neonaziredner, der sich darauf versteht, seinem Fanatismus freien Lauf zu lassen ohne die Grenzen des Rechts zu überschreiten.
In Expertenkreisen ist die Bedeutung der Gruppierung „Die Rechte“ umstritten. Manche erblicken in ihr ein mögliches Auffangbecken der rechtsextremen Szene für den Fall eines erfolgreichen NPD- Verbotsverfahrens. Andere sehen die Partei eher als eine Randerscheinung, da Parteigründer Worch vor allem Gesinnungsgenossen aus dem extrem rechten Neonazi-Spektrum um sich versammle. Für weite Teile des extrem rechten Lagers sei dieser Personenkreis deshalb nicht „anschlussfähig“. Die Personalie Skoda gilt als Beispiel dafür.

Zurzeit unterhält „Die Rechte“ Landesverbände in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Brandenburg. Ein weiterer Landesverband soll nach den Worten von Parteigründer Worch am kommenden Wochenende in Niedersachsen gegründet werden. Auch hier setzt die Partei auf zum Teil langjährig bekannte Aktivisten aus der Neonaziszene.

So sei als stellvertretender Landesvorsitzender und künftiger Schatzmeister der Ex-NPD- Mann Stefan Klingbeil vorgesehen. Klingbeil stammt aus dem Heidekreis, und war in ähnlicher Funktion zuvor für die NPD tätig. Außerdem unterhielt er offenbar enge Kontakte zu der vor einigen Jahren in Niedersachsen besonders aktiven Neonazikameradschaft „Snevern Jungs“. Fotos zeigen ihn hinter einem Transparent dieser Gruppierung. Außerdem trägt er ein T-Shirt mit deren Emblem.

Bei der Gründung eines niedersächsischen Landesverbandes dürfte es Worch vor allem darauf abgesehen haben, frühere Mitglieder der im September vergangenen Jahres verbotenen Gruppierung „Besseres Hannover“ für sich zu gewinnen, die seitdem als in der Szene politisch als „heimatlos“ gelten – für überzeugte Rechtsextremisten ein kaum zu ertragender Zustand.

Siehe auch: Die Rechte: Kaum Mitglieder und ein digitaler Totalausfall

2 thoughts on “Die Rechte: Post in den Knast

  1. „Die Rechte“ ist ein das Lieblingsspielzeug von Worch. Und Worch ist GANZ BESTIMMT NICHT irgendein geborener Führer. Ein Glück nicht! Hätte die rechte Szene einen Charismatiker wie Haider oder auch nur Kühnen, dann sähen wir uns nicht nur einer regelrechten Bewegung von Reps über NPD bis hin zu den „FReien Kameraden“ gegenüber, sondern diese Ekelversammlung würde auch noch im Osten bei Wahlen 10, 15 % bekommen.

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