Sexismus: Fernsehkritik mit Bauchweh

Sexismus, was war das noch mal? Das Phänomen, das im Alltag, in Büchern oder auch im Internet kaum je anzutreffen ist oder thematisiert wird, gibt vielen Menschen noch immer Rätsel auf. Eine neue Sendung verspricht jetzt Abhilfe: Sie enttarnt Sexismus. „Das könnte einen Grimme-Preis geben!“, ruft der Freitag.

Von Nicole Selmer

Foto: CC-Lizenz, capl@washjeff.edu
Foto: CC-Lizenz, capl@washjeff.edu

Es gibt ein neues TV-Format beim Privatsender Tele 5: „Who wants to fuck my girlfriend?“ Dahinter steht, wie der Freitag in seiner Besprechung schreibt, der „Fernsehliebhaber“ Christian Ulmen. Ich habe die Show nicht gesehen. Es gäbe Gründe für eine Grimme-Preis-Nominierung, sagt der Freitag. Die Sendung habe die Titelmelodie einer alten Gottschalk-Show übernommen, in der auch sprechende Hunde einen Platz hatten: „Wahnsinn des Alltags“. Bei Ulmen jedoch sind es keine Hunde, sondern Frauen, die „im Zentrum“ stehen. Die Beschreibung des Konzepts – zwei echte Kandidaten wetteifern bei Ulmens gespielter Moderatorenfigur darum, welche ihrer beiden Frauen häufiger angemacht wird oder einen besseren Preis als Prostituierte erzielt – klingt nicht danach, als ob es um Frauen ginge. Es klingt danach, als ginge es um Sexismus.

Findet auch der Freitag. Ja, da wird Sexismus gezeigt. Aber auf gute Art. Nicht wie der „Bachelor“-Sexismus, der alles so mit Rosen zukleistert, dass er außer für sehr pfiffige und kritische Zuschauer wie den Freitag-Autor gar nicht mehr zu erkennen ist. Sondern einen Sexismus, der der Realität abgeschaut ist. Ulmens Show nämlich „enttarnt“ ein weit verbreitetes Frauenbild, sie beleuchtet Sexismus so, dass man beim Zusehen Bauchweh bekommt. Sie ist also, genau genommen, Kritik am Sexismus. Nur verstehen das manche Kritikerinnen nicht, obwohl Ulmens Show doch das gleiche Anliegen hat wie sie. Wer genau Bauchweh bekommt, schreibt der Freitag-Autor nicht. Er hat offenbar keins. In der Kommentarspalte wird die Erwartung formuliert, die Sendung sei zum „Brüllen“, allerdings auch nicht vor Schmerzen, wie es scheint.

Es gibt in der Besprechung einen klugen Satz: „Sexismus ist auch nicht gut, wenn er am Ende enttarnt wird“. Der stammt aus der Vorabkritik der Mädchenmannschaft an Ulmens Show und er hätte auch im Nachhinein gereicht.

Siehe auch: Die FDP und der Sexismus gegen MännerBrüderle & Co.: Kein Kompliment, sondern eine Demütigung!Der “Focus” und die Frauenquote: F… und an die eigenen Privilegien denkenDoppelmoral statt Doppelpass: Der Fall van der Vaart,  In einem fernen Land …Quo vadis Piraten?Zwischen Testosteron und Tradition – Menstruation ist MensurneidPutzgutschein über 350 Millionen EuroNicht die Verantwortung der Opfer: Kampagne gegen sexualisierte Gewalt

7 thoughts on “Sexismus: Fernsehkritik mit Bauchweh

  1. Ich habe die Show auch nicht gesehen und kann sie deshalb nicht beurteilen. Hälst du deine Nacherzählung eines Artikels über eine Fernsehsendung für eine fundierte Kritik? Ich finde das, entschuldige das harte Wort, armselig. Zumindest ein paar einige Gedanken hätten nicht geschadet und sind in einem Forum wie diesem eigentlich auch zu erwarten.

  2. Och nö………………… :( :( .Publikative… Wirklich??? Auch nicht gecheckt? Ist das frustrierend…

    Ihr habt Ulmen einfach nicht verdient. Also Schwamm drüber. Nun denn: Weiter viel Spaß mit Marco Schreyl und Peter Hahne…

  3. Hier gehts um eine Kritik an der in der TV-Kritik vorgetragenen Meinung, die Darstellung von Sexismus sei eine – notwendige – „Enttarnung“. Sexismus, Erniedrigung von Frauen und Reduzierung auf einen frei verfügbaren Geschlechtskörper sind alltägliche Phänomene, die u.a. von feministischer Seite und in sehr verschiedenen Formen analysiert und kritisiert werden. So viel zur idee einer notwendigen Enttarnung, die ohne diese Sendung womöglich undenkbar wäre.

    Diese Dinge in einem TV-Format zu reproduzieren, ist eben erst einmal genau das: eine Wiederholung von realem Sexismus. Hier in den Kommentaren und im Freitag-Text ist einerseits von einem angeblich aufklärerischen Bauchweh und andererseits von einem angeblich unverkrampften Humor als reaktionen die rede. Das zeigt eben auch das Problem: Wer kann hier wie und über wen lachen?

  4. prob scheint hier wohl eher die doch sehr einschneidende tagtägl sexismus konfrontation unkommentiert (denk ich,weil noch net gesehn)als absolut normal und nicht ändernswert (nötig !) sprich falsch so stehen zu laßen…

  5. die sendung ist genial! ich liebe solche arten von humor und ich liebe satire. klar gibt es einige, die die “doppelbödigkeit“, wie es einige gazetten schreiben, zwar verstanden haben, aber nicht lustig finden. und da gibt es noch diejenigen, die das ganze überhaupt ned verstanden haben. ich war anfangs auch sehr skeptisch. hab auch zuerst nur die zweite folge gesehen. wenn man den “ulmen“-humor annehmen kann, dann merkt man schnell, dass diese sendung in ihrer ganzen machart mit den billigen cliparts und einblendungen, der musik, dem völlig blöden studio, den 20 menschen im publikum etc. einfach nur eine comedysendung ist, die kritik an formaten wie bachelor etc übt. die kandidaten sind sich übrigens dem satireformat bewusst. und uwe wöllner spielt das ganze wunderbar. ich werde mir alle folgen reinziehen und feiern.

  6. Es hat mich schon häufig gerade im Fernsehen gestört, dass Satire die Rassismus und Sexismus verarscht und offenlegt, eigentlich eher dazu beiträgt.
    Mit dieser typischen Denke „die Welt ist halt schlecht, aber wenigstens kann man drüber lachen!“.
    Im Prinzip ein pointenloser Witz, über den nur lacht, wer nicht betroffen ist.

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