Kein Jägermeister für Frei.Wild

Rock band "Frei.Wild" from South Tyrol giving a concert in Switzerland, 26. April 2008, Urheber: Pakeha
Rock band „Frei.Wild“ from South Tyrol giving a concert in Switzerland, 26. April 2008, Urheber: Pakeha

Gestern stieg das Dortmunder Musikmagazin Visions wegen der Teilnahme der  Band Frei.Wild aus der Präsentation des Festivals With Full Force aus. Jägermeister und Festivalguide.de haben nun nachgezogen. Mittlerweile hat die Band den Auftritt abgesagt.

Von Stefan Laurin, Ruhrbarone

Visions machte wegen der völkischen Töne von Frei.Wild den Anfang, Jägermeister und Festivalguide.de folgten heute. Jägermeister will mit dem  Festival With Full Force nichts zu tun haben, solange Frei.Wild dort auftritt. Auf Facebook kursiert eine Meldung, die uns von Jägermeister bestätigt wurde:

Die Mast-Jägermeister SE hat in ihrem Leitbild Werte wie Weltoffenheit, Toleranz und Respekt fest verankert. Zu diesen Werten stehen wir. Diese Werte leben wir. Jägermeister wird heute in rund 90 Ländern weltweit konsumiert und ist damit nicht nur im niedersächsischen Wolfenbüttel, sondern auf der ganzen Welt in vielfältigen Kulturen zu Hause.

Vor dem Hintergrund unserer Werte werden wir das geplante Sponsoring des Festivals „With Full Force“ zunächst stoppen. Wir erwarten vom Veranstalter zum geplanten Auftritt der umstrittenen Band Frei.Wild auf dem Festival eine klare Stellungnahme. Sollte der Veranstalter weiterhin das Booking der Band bestätigen, werden wir unsere Sponsoring-Aktivitäten einstellen.

festivalguide.de mag so weit noch nicht gehen:

Da wir nicht gezwungen werden möchten, eine Entscheidung der Veranstalter zu erklären, vor der wir selber mit Fassungslosigkeit stehen, haben wir ihnen vier Fragen gestellt, die wir uns selber stellen. Da sich die Veranstalter selber im Moment allerdings nicht in der Lage sehen, unsere Fragen zu beantworten, werden wir ihnen noch Zeit bis Montag geben, um sich zu erklären. Abhängend davon und den weiteren Schritten der Veranstalter werden wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen. Das With Full Force und der Festivalguide haben eine gemeinsame Geschichte und das Schicksal und der Charakter der Veranstaltung liegen uns am Herzen. Wir möchten das With Full Force auf gar keinen Fall als Tummelplatz rechtspopulistischen Gedankenguts sehen und bleiben daher bis auf weiteres im Dialog. Bis auf weiteres wird unsere Präsentation allerdings ruhen. Wir stehen zum With Full Force – allerdings nur ohne Frei.Wild.

Vom Veranstalter gibt es bislang keine Reaktion. Mal schauen wir ander Sponsoren und Unterstützer von With Full Force auf die Entscheidung von Visions und Jägermeister reagieren.

Publikative.org fragt sich zudem, wann Napalm Death absagen…?!?

Nachtrag: Mittlerweile hat Frei.Wild den Auftritt bei dem Festival abgesagt. Im gewohnt selbstmitleidigen Ton heißt es:

„Wir haben uns wirklich ganz besonders auf den Auftritt und auf eine erneute Begegnung mit den Festivalbesuchern des With Full Force gefreut. Wir erinnern uns mit Freude an den WFF – Auftritt 2010. Dieser gehörte ohne Zweifel zu den Jahreshöhepunkten, aber wir wollen und werden keinesfalls die Existenz des Veranstalters und somit des Festivals aufs Spiel setzen.

Einer kleinen, aber effizienten Gruppe von Internet-Freaks ist es gelungen, einen sogenannten „Shitstorm“, ein Phänomen im Rahmen von sozialen Netzwerken, bei dem Emotionalisierung zu Massenentrüstungen führt, zu starten, der eine hektische Medienberichterstattung zur Folge hatte. Die Veranstalter des Festivals sind hierdurch dermaßen unter Druck geraten, dass sich Frei.Wild gezwungen sehen, ihren Auftritt aus freien Stücken abzusagen. Philipp Burger dazu: „Wir spielen dort, wo man sich ungetrübt auf uns freut. Wir suchen nicht die Auseinandersetzung mit unseren Gegnern auf Gedeih und Verderben. Am meisten tut es uns für unsere Fans leid. Unser Publikum ist großartig und kennt unsere Positionen, teilt sie und fällt nicht auf die Stimmungsmache einiger Medien herein. Die Vorwürfe sind alte Hüte mit faulen Löchern, die aber scheinbar bis heute nicht an medialer Brisanz verloren haben, leider.“

Torsun Burkhardt von Egotronic kommentierte treffend:

Siehe auch: Frei.Wild – “unpolitischer” Hass auf “Gutmenschen”, Kein Frei.Wild!,  Frei.Wild zwischen Deichkind und Beatsteaks,


24 thoughts on “Kein Jägermeister für Frei.Wild

  1. als Vater von 2 Kindern 15 und 18 hätte ich gerne mehr Sachinfo als nur das bischen was im Frühstücksradio zum Besten gegeben wird. Mich würde zum Beispiel interessieren: ist Frei Wild jetzt „rechts“ ja oder nein? Um eine Entscheidung zu treffen muß man sich doch an nachweisbarer Sachinfo orientieren und nicht nur an Interpretaionen. Meine Recherchen im Internet haben nur dazu geführt, daß 1. Frei Wild eine Süd Tiroler Band ist und keine deutsche. Warum wird sie dann in der Kategorie „national“ nominiert? und die meisten Kommentare so teilweise unter der Gürtellinie aber keiner sagt echt ist das jetzt gefährlich oder nicht! Wie soll man sich da als Elternteil verhalten ? Die Musik ist ja das eine – die Texte das andere! Die Texte beziehen sich doch auf die Heimat der Band also auf Süd Tirol oder? Also sind für unsereins noch einiges an Fragen offen, die ich doch noch gerne beantwortet hätte um mich mit den Jugendlichen zu unterhalten und nicht nur über „heiße Luft“ die ein Reporter bei Herrn Jauch los läßt. Ich hätte gerne neutrale, sachliche Informationen!
    Abgesehen davon jemand muß doch die CDs gekauft haben und das sind doch gewiss nicht alles Nazis!

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