Glückwunsch, Mutti!
In diesem Jahr steht die Bundestagswahl an: Nach derzeitigem Stand eine klare Angelegenheit für die Union, die in der Wählergunst weiterhin deutlich vor der SPD liegt. Angesichts der desolaten Lage der Sozialdemokratie und erst recht der FDP könnten die Grünen zu Muttis neuer Lieblingsschwiegertochter avancieren.
Von Patrick Gensing
Im präsidialen Stil thront Angela Merkel im Kanzleramt und wenn sie sich zu Wort meldet, schweigen Opposition und Medien ehrfürchtig. Die Kanzlerin spricht – und selbst wenn sie nichts sagt, taugt es zum Aufmacher in den Leitmedien, denn: Die Kanzlerin hat gesprochen. Freund und Feind zollen ihr Respekt – wofür genau, das ist frei wählbar: Dafür, dass sie eine ostdeutsche und/oder Frau ist beispielsweise, dass sie die Mächtigste der Welt sei, dass sie die Regionalfürsten in der CDU weggebürstet habe, oder dass sie die Partei mit vermeintlich sozialdemokratischen Inhalten versehen habe.
Dass sie außerdem das Amt bereits länger innehat als Gerhard Schröder (das war der, der seinen letzten großen Auftritt in der Elefantenrunde 2005 hatte und seitdem mit lupenreinen Demokraten astreine Geschäfte macht) fällt da kaum noch auf.
Wahlverlierer und “Versager”
Die Bundespolitik ist so auf Merkel zugeschnitten und so von ihr dominiert, von der Sehnsucht nach der starken Frau, die den Weg durch die Euro-Krise weist, dass die Opposition offenbar gar nicht auf die Idee kommt, man könne groß etwas anders machen – nur irgendwie besser will man es machen. Und wer könnte diese Position besser verkörpern als Peer Steinbrück? Die Hoffnung der Sozialdemokratie ruht auf einem Rekordwahlverlierer (SPD in NRW im Jahr 2005: 37,1 Prozent), der im Jahr 2009 auch noch als SPD-Direktkandidat im Wahlkreis Mettmann I gegen die CDU-Politikerin Michaela Noll unterlag. Da war Steinbrück noch Finanzminister der großen Koalition – unter Angela Merkel. Genau in diesen Jahren war Steinbrück für die Deregulierung der Finanzmärkte mitverantwortlich – die Finanzkrise sah er offenbar nicht kommen, hielt deutsche Banken für stabil.
Albrecht Müller, sozialdemokratisches Urgestein, Planungschef im Bundeskanzleramt unter den Bundeskanzlern Brandt und Schmidt und Herausgeber der Nachdenkseiten, lässt kein gutes Haar an Steinbrücks Leistungen als Finanzminister und seiner neuen Rolle als vermeintlicher Retter, bezeichnet ihn als “Versager”. Steinbrück habe “federführend für die sozialdemokratische Seite – im Koalitionsvertrag die Finanzmarktaufsicht zu einer laschen Kontrolle ermuntert. Sie solle „mit Augenmaß“ vorgehen. Und heute spielt sich Brandstifter Steinbrück als Feuerwehrmann und Retter auf.”
Schwarz-grüner Gottesstaat?
Zudem könnte der SPD noch der Titel als Muttis Lieblingsschwiegertochter verloren gehen (zumindest war die Zusammenarbeit zwischen Union und SPD weit harmonischer als bei Schwarz-Gelb): Die Grünen wissen vor lauter Begeisterung über ihre eigene Bürgerlichkeit kaum noch ein noch aus. Um auch noch dem letzten Scharfmacher aus der sächsischen CDU zu demonstrieren, wie zuverlässig, fleißig und wertkonservativ man wirklich ist, wählten die Grünen auch noch Katrin Göring-Eckardt an ihre Spitze. Schwarz-Grün wird damit wahrscheinlicher.
Ist Deutschland also auf den Weg in den Gottesstaat? Nein, es geht nicht um die angeblich drohende Islamisierung, sondern dieses Szenario dreht sich um einen ostdeutschen Pastor als Präsidenten, eine ostdeutsche Pfarrerstochter als Kanzlerin – und möglicherweise eine hochrangige Kirchenvertreterin (übrigens aus Ostdeutschland) als Vizekanzlerin. Für den Wahlkampf will KG-E sogar ihr Amt bei der EKD ruhen lassen – die Trennung von Staat und Kirche ist also garantiert – und die Basis für weitere moralisch-ökologisch und höchst unsoziale Maßnahmen optimal.
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