Das Buch „Terror von rechts“: Wohltuend besserwisserisch

Im September ist das Buch „Terror von rechts“ von Patrick Gensing erschienen. Die Rezensionen fallen unterschiedlich aus, das Deutschlandradio stört sich  beispielsweise am „besserwisserischen Ton“ des Autors, das apabiz oder Politikwissenschaftler loben das Buch hingegen.

Screenshot aus dem Bekennervideo des NSU (Publikative.org)
Screenshot aus dem Bekennervideo des NSU (Publikative.org)

Die SPD-Zeitung Vorwärts schreibt:  „Der Autor Patrick Gensing setzt damit schon auf den ersten paar Seiten des 230 starken Buchs Akzente, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Akribisch analysiert der fachkundige Journalist den NSU-Komplex und das gesellschaftliche Klima, in dem die rechtsterroristische Zelle entstehen – und später auch morden konnte. Doch Gensing bleibt nicht nur bei der Analyse, er blickt tiefer, geht ins Detail – und zeigt Alternativen auf.“

Das Online-Magazin Readers Edition meint:  „Ganz wesentlich begreift der Autor zudem, dass die NSU-Morde nur Teil eines braunen Netzes sind, ein Netz, das “keinen Wandel der etablieren Strukturen (anstrebt), sondern deren komplette Vernichtung.”“ Aber auch: „Neben einer Fülle von Informationen und soliden Recherchen unterlaufen Gensing in der Debatte gegen Rechts zwei typische Fehler.“

Die Jüdische Allgemeine zu dem Buch: „Gensing, dessen vorzügliches Buch ebenfalls erst im Oktober erschienen ist, plädiert für die Stärkung zivilgesellschaftlicher Initiativen, die Anerkennung der Sachkompetenz antifaschistischer Gruppen und die Abschaffung von Kristina Schröders »Extremismus-Klausel«.“

Der Politikwissenschaftler Martin Jander schreibt auf Hagalil: „Wer sich mit dem Terror der NSU und ihrem breiten Feld von Unterstützern beschäftigt, muss dieses Buch haben. Es ist von dem vielleicht kundigsten Journalisten zu diesem Thema geschrieben, den die Bundesrepublik Deutschland gegenwärtig aufzuweisen hat.“

Claudia van Laak urteilt im Deutschlandradio: „Das ansonsten lesenswerte Buch ist leider durchzogen von einem besserwisserischen Ton. „Alle sind Rassisten, nur ich nicht“ – und -„Anders als die Mehrheitsgesellschaft habe ich die Gefahr des Rechtsextremismus schon immer richtig eingeschätzt“ – diese Haltung klingt zwischen den Zeilen durch und macht die Lektüre des Textes stellenweise schwer erträglich.“

Das Parlament schreibt: „Der Journalist Patrick Gensing verzichtet in seinem exzellenten Buch über den „Terror von rechts“ darauf, apokalyptische Zustände wie den Untergang der Demokratie oder eine Machtübernahme der Neonazis herbei zu schreiben. Aber er beschreibt, wie in den ländlichen Regionen Ostdeutschland der Rechtsextremismus Rückhalt und Anhänger findet. Dort existiere eine ganz reale Bedrohung: Denn die politische Erfolg- und Perspektivlosigkeit radikalisiere vor allem junge Männer und treibe sie dem Nazi-Terrorismus in die Arme.“

Der Politikwissenschaftler Hajo Funke meint, Patrick Gensing sei zurecht wütend und „legt mit seinem neuen Buch “Terror von Rechts- Die Nazi-Morde und das Versagen der Politik” eine gute und sachliche, aber schonungslose Untersuchung über die Mordserie des neonazistischen NSU vor.“

Das apabiz lobt: „Das „Buch »Terror von rechts« ist eines der zur Zeit zahlreich erscheinenden Werke rund um den NSU-Komplex. Dabei hebt es sich wohltuend von den Meisten ab. Statt sich an den Details aus den Ermittlungsakten und Recherche-Schnipseln rund um das Zwickauer Trio abzuarbeiten, ordnet der Autor die Terror-Serie des NSU in die Aktivitäten der extremen Rechten ein, ohne dabei den gesellschaftlichen Rahmen zu vernachlässigen.“

Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Gensing schlägt einen Bogen bis zu einer Rede Heinrich Himmlers, in der dieser 1943 sagte, Mord sei eine Notwendigkeit, die nicht in der Öffentlichkeit verhandelt werden sollte. Gensing, der seit Jahren über Rechtsextremisten schreibt, zitiert aus den Songs von Neonazi-Bands und erinnert an die vielen Gewalttäter, deren Überfälle auf Einwanderer seit Jahrzehnten Alltag sind in Deutschland. Der Autor versteht den Rechtsextremismus als eine „soziale Bewegung“, wobei nicht ganz klar wird, was damit analytisch gewonnen ist.“

Der MDR meint zu dem Buch Terror von rechts von Patrick Gensing: „Der Journalist analysiert die rechtsextreme Szene in ihrer Gesamtheit. Die Thesen, die er aufstellt, sind dabei das Spannende.“

Der Störungsmelder von Zeit Online schreibt: „Patrick Gensing gelingt auf knapp 230 Seiten das, was vielen NSU-Büchern fehlt: er beschreibt nicht zum zehnten Mal, wann Zschäpe welche Katze zum Tierarzt gebracht hat, sondern nimmt die brutale Mordserie des NSU zum Anlass Rassismus und Rechtsextremismus als gesamtgesellschaftliches Problem zu beleuchten.“

Prof. Dr. Wolfgang Frindte von der Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut urteilt auf socialnet: „Wer sich für die Geschichte des NSU interessiert, und das sollten nicht nur Jenaer oder Zwickauer Leserinnen und Leser sein, wer sich angesichts des Versagens von Politik und Sicherheitsbehörden empört und wer sich schließlich im Kampf gegen Rechtsextremismus engagiert und engagieren will, dem sei das Buch von Patrick Gensing sehr empfohlen.“

Patrick Gensing
Patrick Gensing

Patrick Gensing, Nachrichten-Redakteur und Blogger, Mitherausgeber von Publikative.org, zuvor initiierte und betrieb er das NPD-Watchblog. Gensing wurde mit dem 3. Axel-Springer-Preis für junge Journalisten ausgezeichnet und als Autor des Störungsmelder mit dem Grimme-Online-Award geehrt. Im April 2013 wurde er für Publikative.org mit dem Alternativen Medienpreis ausgezeichnet. Im September 2012 erschien sein zweites Buch „Terror von rechts – die Nazi-Morde und das Versagen der Politik“ im Rotbuch-Verlag. Im Jahr 2009 veröffentlichte Gensing beim dtv das Buch „Angriff von rechts – die Strategien der Neonazis„. Er schreibt unter anderem für die taz und die Jüdische Allgemeine. Patrick Gensing bei Facebook.

Interviews mit dem Autor: Bayerischer Rundfunk on3, Dradio KulturFreie Radios

4 thoughts on “Das Buch „Terror von rechts“: Wohltuend besserwisserisch

  1. das sind schon ganze drei monate.

    als die co-autoren cypherpunks „befreit“ haben, gab es verwunderung, weil das lief doch ziemlich schnell. ( http://tinyurl.com/chf9bdg
    – die seite braucht ein paar sekunden, um beim bookmark aufzugehen, also kommen lassen ) – det war dann doch etwas verwunderlich früh,

    aber nach drei monaten – bei der medialen berichterstattung… da müssten doch genügend krötchen zusammengekommen sein. oder?
    weil wenn ja -> http://pastebin.com/

    da hat auch DDB seine besten rezensionen her :-]

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