Die Linke und das „Verbrechen im Namen des Holocaust“

Antisemitismus bei der Linkspartei zu vermuten ist auf den ersten Blick so, als würde man der NPD Menschenfreundlichkeit unterstellen. Es klingt paradox, sieht man aber näher hin, so ist eine antisemitische Grundhaltung bei manchen Mitgliedern der Partei DIE LINKE gar nicht so abwegig.

Von Tobias Raff

"Israel-Kritik" an der Kölner Klagemauer
„Israel-Kritik“ an der Kölner Klagemauer

Die Diskussion, ob es bei “den Linken” Antisemitismus gibt, schwelt schon lange. Ein kristallklares Beispiel dafür ist zum Beispiel der Duisburger Kommunal-Politiker Hermann Dierkes, der kaum eine Gelegenheit ungenutzt lässt, um zum Boykott israelischer Waren aufzurufen. Dierkes, der auch schon mal Oberbürgermeister-Kandidat für DIE LINKE in Duisburg war, hält das alles für eine infame Rufmord-Kampagne und verbittet sich jegliche Titulierungen als Antisemit, hält jedoch weiter an seiner Meinung fest und unterstellte der Kanzlerin Angela Merkel in einem offenen Schreiben gar eine Mitschuld “an neuen Verbrechen im Namen des Holocaust”, weil sie die Aktionen der israelischen Armee gegen die Hamas nicht verurteile.

Das muss man erst einmal verdauen. Der Vergleich der israelischen Politik mit dem Holocaust ist seit geraumer Zeit schon ein Merkmal antisemitischer Strömungen, der einzig und allein dazu dient den Holocaust zu relativieren, was dadurch dessen Opfer verhöhnt und vor allem die Nachkommen der Opfer zu angeblichen Tätern gleichen Ranges macht. Dierkes lehnt jedoch jegliche “rassistische oder antisemitische Prägung” seiner Haltung ab:

Auf welchen Nährboden solche Haltungen in unserem Land treffen, zeigt das Beispiel Dierkes, gegen den immerhin ein Parteiausschlussverfahren lief, welches jetzt aber vor der Bundesschiedskommission seiner Partei DIE LINKE scheiterte. Mit vier zu vier Stimmen, einem trotz Patt-Situation deutlichen Votum also zugunsten Dierkes, darf er weiterhin Mitglied bleiben. Eine schriftliche Begründung der Kommission gibt es derzeit nicht, jedoch zumindest eine erste Stellungnahme, in der das Schiedsgericht auf die Unterscheidung zwischen “legitimer, von der Meinungsfreiheit gedeckter, Kritik an der Politik Israels und nicht tolerierbaren klar antisemitischen Äußerungen” hinweist. Sicher ist: die Entscheidung der Bundesschiedskommission ist faktisch und rechtlich wohl sogar richtig. Das heißt aber nicht, dass sie auch ethisch richtig ist.

Der Antragssteller des Parteiausschlussverfahrens Mark Seibert, ebenfalls Parteimitglied in Berlin, ist verständlicherweise tief enttäuscht. Wahrscheinlich ahnt er bereits, welchen Auftrieb das Dierkes und anderen, ähnlich denkenden Mitgliedern in- und außerhalb der Partei gibt. Das Simon Wiesenthal Center zählte Dierkes in 2011 übrigens zu den “zehn wichtigsten Antisemiten der Welt”. (die Liste trifft keine Aussage darüber, was jemand möglicherweise ist, sondern bewertet gemachte Äußerungen) zählte Dierkes‘ Äußerungen 2011 übrigens zu den „Top Ten“ der antisemitischen und/oder anti-israelischen Beschimpfungen.

Anmerkung Publikative.org: Dass Dierkes kein Einzelfall ist, zeigt derweil der Landesverband Bremen der Linken. Dort wurde eine Buchbesprechung veröffentlicht, in der es hieß: „Seine Analyse ist aber auch streitbar und beherzt, weil damit das Licht auf ein anderes Herrenmenschentum geworfen wird, welches ohne arisches Vorzeichen gleichfalls die Menschen- und Lebensrechte anderer negiert. Der militante Judaismus der zionistischen Bewegung trägt jedenfalls Herrenmenschenzüge, die – ohne sie denen der Nationalsozialisten gleichsetzen zu wollen – ebenfalls menschenverachtend und gefährlich sind.“ Mittlerweile wurde der Text gelöscht, hier der Cache.

Siehe auch: An all die Mahner, Kopfschuettler, Abwiegler, Augstein, Pirker und die “Cui bono?”-Frage, Die Kehrwoche, die nicht stattfand, Beschneidung der Vernunft, Michael Lüders und “die reichen New Yorker Juden”, SPD: Antisemitismuskeule, Gutmenschen, Schuldstolz

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