Völkische Deutsche okkupieren identitaire Ideologie

Jung, aktionsorientiert und modern gibt sich die französische „Génération Identitaire“. Mit neuer Fassade wollen sie zur Bewegung werden. In Deutschland haben offensichtlich die „neurechten“ Akteure Götz Kubitschek und Felix Menzel die Zügel in die Hand genommen und schließen damit an die Strategien der „Konservativ-subversiven Aktion“ (ksa) an.

Von Roland Sieber

Der Ansatz scheint vielversprechend: Videoclips, Spaßguerilla und direkte Aktionen. Die Betonung auf das „Eigene“, aber angeblich ohne Rassismus. „Ethnopluralistische Vielfalt“ statt „kultureller Einheitsbrei“ – Mit der Überhöhung des Regionalen durch den französischen „Bloc identitaire“ klingt dies auch nicht sofort nach dem „Volkstod“ und der damit verbundenen altbackenen völkischen „Blut-und-Boden-Ideologie“ wie bei der NPD:

Nur über die Region könne eine „eingewurzelte echte Identität“ definiert werden, denn ein Einwanderer könne nur durch Einbürgerung Franzose werden, aber eben unmöglich „Baske, Bretone oder Elsässer“ (vergl. Schmid, 2012).

Baske oder Pariser, aber dennoch Franzose und als Badner, Pfälzer, Sachse oder Weddinger eben auch Deutscher. So können identitäre Irländer, Briten, Römer und Schwaben auch Europäer sein. Der Widerspruch, an dem eine einheitliche gesamteuropäische rechte Bewegung bisher scheiterte, scheint aufgehoben: „Identitär“ ist, wer sich zu seiner regionalen, nationalen und kulturellen Herkunft bekennt. Die Grenzen zwischen Kulturalismus und Rassismus verschwimmen. Der Begriff „Identität“ wird völkisch besetzt, aber kulturalistisch umschrieben.

Die Homepage der „Identitäre Bewegung“ © Screenshot

Das Konzept ist indes nicht neu, sondern speist sich aus der Ideologie der „Neuen Rechten“ der 70er und 80er Jahre. Ganz nach dem „neurechten“ Vordenker Alain de Benoist erobert die Ideologie scheinbar den vorpolitischen und kulturellen Raum. Vermittelt über Musik, Videos und Ähnliches wird Patriotismus als unpolitisch verkauft, um so mehr Menschen zu erreichen. So kann sich die Deutschrockband Frei.Wild trotz völkischer Songtexte als unpolitisch geben und der Rapper Dissziplin in „Ich bin Deutschland“ reimen:

„Ich bin die Jugend von heute. Es ist schwarz-rot-gold. Ich bin ein Abbild von dem was wir sind […] meine Identität, meine Farben, mein Ich. Ich bin Deutschland […] Ich bin die Jugend von heute. Es ist schwarz-rot-gold. ich bin ein Abbild von dem was wir sind.“

 

Die Ideologie wirkt auf den ersten Blick tolerant, denn die vermeintlichen Einwanderer sollen sich mit ihrer kulturellen und nationalen Herkunft identifizieren. Diese Auslegung des „Ethnopluralismus“ bedient gar den Nationalismus einer Minderheit der Migranten. Unterschlägt dabei aber, dass die Beziehungen der Menschen untereinander auf Sozialisation und sozialen Normen basiert und nicht auf naturalisierter Herkunft, es sei denn, diese wird zur sozialen Norm. So endet die vordergründige „ethnopluralistische Vielfalt“ wieder im stumpfen Rassismus.

In einem Satz distanziert man sich von Rassismus, um wenig später sofort wieder in rassistische Muster zu verfallen. Als Ergebnis bleibt Hetze auf PI-Niveau und das Gejammer vom angeblichen „antideutschen Rassismus“:

„Wir achten und schätzen alle Kulturen. Wir verwehren uns aber gegen eine Ausweitung des Rassismusbegriffs auf die bloße Feststellung unterschiedlicher verwandter Gruppen und Populationen innerhalb der Menschheit. Zudem geht heute der größte Rassismus in unserem Land von migrantischen Banden gegen Deutsche aus, weswegen unser Kampf gegen diesen antideutschen Rassismus für uns auch ein selbstbewusstes und entschlossenes Auftreten in unseren eigenen Städten bedeutet.“ (Quelle: hxxp://identitaere-bewegung.de/?page_id=43)

Hier wird neben Rassismus ein weiteres Kernelement eines rechtsextremes Weltbildes sichtbar: Größen- und Verfolgungswahn. Wie schon die „Neue Rechte“ vor 40 Jahren agitieren auch die „Identitären“ gegen „die 68-er“ als Wurzel allen Übels. Seit Jahren sei man von „den 68ern“ und der „kulturell vermischten Mainstreamgesellschaft“ in einem „islamisierten Europa“ unterdrückt.  Dennoch sehen sich die „Identitären“ als die Zukunft Europas, weil die „ethnische Kontinuität“ sich von den vermeintlichen Fesseln der „Political Correctness“ befreien wird. Die überhöhende Eigenbezeichnung als „Bewegung“ und das identitäre Selbstbewusstsein wurzelt ideologisch in der Naturalisierung der „Identität“. Diese sei „Eigen“ und wohne von daher den Menschen inne. Dieser Konsequenz folgt der Glaube, dass sich Menschenmassen aus eigenem (natürlichen) Antrieb anschließen werden, sobald der Funke gezündet sei. Auch dies predigt nahezu die gesamte extreme Rechte seit Jahrzehnten. Dahinter steckt meist nicht viel mehr als die Motivation der eigenen Anhänger, dass die Revolution bald folgen werde.

Die deutsche Neonaziszene sucht seit Jahren nach Wegen ihre menschenverachtende Ideologie wieder gesellschaftsfähig zu machen. So verwundert es nicht, dass auch der Zug der „Identitären“ bereits von der Szene besprungen wird. Online gab es den „neurechten“ „Block Identität“ (BI) bereits via Facebook und Homepage seit März 2011. Ende Juli desselben Jahres folgte ein erstes BI-Treffen im Ruhrgebiet. Für den August letzten Jahres rief der NPD-Stadtrat und Anführer der „Nationalen Sozialisten Geithain“ (NSG), Manuel Tripp, zum Geithainer „Tag der Identität“ auf. Die sächsische Neonaziszene näherte sich ideologisch den „Neurechten“ an.

„Identitäre Bewegung“ als „ksa reloaded“?

Nachdem der „Funke“ von den vergangenen Aktionen der „Konservativ-subversive Aktion“ (ksa)“ nicht auf weitere Aktivisten überspringen wollte, hielten auch der Chefredakteur der Jugendzeitschrift „Blaue Narzisse“, Felix Menzel, sowie der Verleger und „Junge Freiheit“-Autor Götz Kubitschek Ausschau nach einem neuen Ansatz. Fündig wurden diese beim „Bloc identitaire“, zu dessen Konvent Kubitschek im November diesen Jahres eigens nach Frankreich reiste.

Laut dem „neurechten“ Blog „Projekt Ernstfall“ hat Götz Kubitschek Handlungsempfehlungen für eine deutsche „Identitäre Bewegung“ herausgegeben. So schlug er vor, eine Organisationsgruppe zu bilden, „die den virtuellen Raum und den „Maskentanzball“ verlässt“. Den Aktivisten soll durch verpflichtende Richtlinien vorgeschrieben werden, wie diese sich bei Aktionen zu kleiden haben und welche Symbole verwendet werden. Zudem schlägt er die Formulierung eines „Manifests“ nach dem französischen Vorbild vor, im Bewusstsein der Vorbelastung des Begriffs durch Breivik. Kubitschek bekräftigt die Aktionsorientierung: „Agieren, agieren, agieren: Aktion verbindet, Reden trennt“. Die autoritären Züge werden überdeutlich. So empfiehlt er:

  • Mit der Organisationsgruppe ein Großtreffen organisieren, das als eine Art Gründungsveranstaltung einer deutschen Identitären Bewegung ausgerufen wird. Inhalte: […] Erweiterung der Organisationsgruppe um einige brauchbare regionale Führungsköpfe
  • Für einen extrem raschen Aufwuchs des eigenen Projekts und die damit veerbundene [sic!] Sog-Entwicklung sorgen, die es möglichen identitären Konkurrenten nahelegt, sich einzuordnen oder zu verschwinden. Dies bedeutet, die Zügel in die Hand zu nehmen, nicht auf basisdemokratische Führungsmodelle reinzufallen, sondern andersherum: unterhalb einer straffen Organisation regionale Kreativität zuzulassen und zu fördern, ohne sich in generelle Streitereien zu verwickeln und Runde Tische zu bilden
  • Sich klar darüber sein, daß es schiefgehen kann, daß aber der eigene Name danach so oder so einen Stempel trägt und daß es kein Mitleid für gescheiterte „Nazis“ gibt (zumindest in Deutschland nicht). Über diese möglichen Konsequenzen gründlich nachdenken und lieber gleich sagen: Das ist nichts für mich.

(Quelle: http://ernstfall.org/2012/11/13/identitare-bewegung-gotz-kubitscheks-handlungsempfehlungen/)

Die Homepage der „Identitäre Bewegung“ © Screenshot
Facebookseite der „Identitäre Bewegung Deutschland“ © Screenshot

Das besagte bundesweite Koordinierungstreffen der Gruppenleiter fand nach eigenen Angaben der „Identitären“ am 1. Dezember in Frankfurt am Main statt. Angeblich seien 50 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und Italien angereist. Ob mit einer Mischung aus althergebrachten antimuslimischen und „neurechten“ Parolen unter Ablehnung von Basisdemokratie eine neue Jugendbewegung auf die Beine gestellt werten kann, scheint doch mehr als fraglich. Auch Kubitscheks fast militärisch verfasste Anweisungen werden dies wohl kaum befördern.

An die Agitation und moderne Medienaufbereitung der französischen Vorbilder kommen die deutschen Nachahmer bisher nicht ran. Stattdessen werden hierzulande Aufkleber geklebt und gelbe Lambdas auf Straßen gemalt. Die Waffen der rechtskonservativen Schülerschaft und des Stundendenverbindungsmilieus: Malkreide und Aufkleber. Geht so „Konservative Revolution“?

Die kleinen auf Hardbass tanzenden rassistischen Grüppchen werden wohl nach der ersten Verwunderung über die neue Aktionsform auch eher belächelt als ernst genommen werden. Mit der Unterstützung der Mahnwachen der ansonsten isolierten Sektierer der „German Defence League“ (GDL) wird bestenfalls das Spektrum angesprochen, dass PI in der Vergangenheit auch nicht übermäßig für reale politische Aktionen gewinnen konnte. Der neonazistischen Rechten hingegen geht die oberflächliche Distanzierung von „Rassismus und Extremismus“ oft zu weit. Deren Vorturner schwanken zwischen auslachen, Gewaltandrohungen und Übernahme der identitären Symbolik und versuchen dabei das offensichtlich völkische mehr in den Vordergrund zu drücken.

Auf der zentralen Facebookseite der deutschen Identitären meldeten sich zwar durchaus Personen aus neuen Zielgruppen die gerne mitmachen würden, aber nur wenn dadurch kein Ärger mit dem sozialen und beruflichen Umfeld drohe. So meinte es zu mindest ein User, der sich als Polizeischüler aus Berlin ausgab. Unter den Kommentatoren finden sich auch zahreiche in Bundeswehruniform posierende Facebooknutzer. Wer sich durch die „Liker“, „Teiler“ und „Kommentierer“ der „Identitäre Bewegung Deutschland“ klickt, der landet schnell bei weiteren Facebookgruppen des gesamten radikal-rechten Spektrums, in antimuslimischen Gruppen und bei Fotos von Waffen und brennenden Moscheen. Auch hier hat sich nichts geändert. Die Grenzen zwischen einer sich als „neurechts“ bezeichnenden Szene und dem Rest der extremen Rechten sind auch heute noch ebenso fließend, wie sie dies schon vor 40 Jahren waren. Es bleibt an der Zivilgesellschaft den Rassismus und dessen Gefährlichkeit hinter den modern wirkenden Agitprop zu erkennen und abzulehnen.

Mutmaßlicher Bundeswehrsoldat macht Werbung für die „Identitäre Bewegung“ © Screenshot Facebook
Mutmaßlicher Bundeswehrsoldat macht Werbung für die „Identitäre Bewegung“ © Screenshot Facebook
Einigen „Fans“ der „Identitäre Bewegung Deutschland“ gefallen auch Seiten auf denen Waffen und brennende Moscheen bejubelt werden © Screenshot Facebook
Einigen „Fans“ der „Identitäre Bewegung“ gefallen Seiten auf denen Waffen und brennende Moscheen bejubelt werden © Screenshot Facebook

 

 

 

 

 

 

 

Siehe auch: Identitär – Mehr Rassismus als Bewegung, Der Konvent der identitären Bewegung, Von tanzenden Rassisten und uniformierten Milizen, Neue Rechte formatiert sich neu, JF: Der Kampf gegen Flüchtlinge als Konstante, Zwischen Testosteron und Tradition – Menstruation ist MensurneidAlle Meldungen zur Neuen Rechten

16 thoughts on “Völkische Deutsche okkupieren identitaire Ideologie

  1. Ich jammere schon lange nicht mehr über die „angebliche Unterdrückung der Meinungsfreiheit “
    Zensur und ähnliches lässt sich mit Leichtigkeit durch Veröffentlichung der zensierten Texte auf anderen Plattformen umgehen. Dann wird sich vielleicht auch irgendjemand, irgendwo auf dieser Welt dazu bereit erklären, mir die von Ihnen beanstandeten rassischtischen Parolen und die Art der scheinbar von mir verwendeten Klischees aufzuzeigen……………

    Wenn jemand bei mir nach Musterbeispielen für Klischees anfragt, werde ich Ihren Text, als der engeren Auswahl der Empfehlungen zugehörig, empfehlen.

    In diesem Sinne: Weitermachen, weiterschreiben solange es noch irgendwo Interesse hervorruft.

    So, und nun bin ich raus, es gibt Sinnvolleres für mich als „Altlinker“
    zu tun

  2. „Unterschlägt dabei aber, dass die Beziehungen der Menschen untereinander auf Sozialisation und sozialen Normen basiert und nicht auf naturalisierter Herkunft, es sei denn, diese wird zur sozialen Norm.“

    Beweise?

    Typisches Dogma von links-außen, ähnlich wie die Grundannahme einer Religion, daß es (einen) Gott gibt. Das ist der klassische marxistische Satz. Das ist die Ausgrabung uralter Empirismus-Thesen. Nietzsche hat diesen Ungeist mit seiner Lebensphilosophie, die den individuellen Wert des Menschen endlich wieder in den Vordergrund rückt, restlos zertrümmert. Wer also anderen die moralische Wertigkeit absprechen möchte, basierend auf Thesen, ohne Handfestes parat zu haben, der ist Dogmatiker und belästigt somit andere Menschen. Richtig oder falsch?

    Reicht es heutzutage schon, auch empirischen Wissenschaften Rassismus vorzuwerfen? Also einer mathematischen Gleichung quasi ein rassistisches Ziel unterzujubeln?

    Wäre es richtig, wissenschaftliche Erkenntnisse (z.B. aus der Genetik) zu unterschlagen oder zumindest insoweit sinnzuverkehren, daß sie nicht als „rassistisch“ ausgelegt werden könnten? Bspw. beim Prinzip der Vererbung? (70 Prozent der Intelligenz werden vererbt, so die bisherige Annahme; das hat Sarrazin nicht erfunden, sondern nur übernommen. Solange es keine Gegenbeweise gibt, bleibt die Annahme, die wiederrum auf Beweisen gestützt ist – da kann Karl Marx auch nichts dran ändern)

    Ist Biologie Rassismus? Sind Hundezüchter Rassisten? Sind Menschen Tiere?

    Der Anthroposoph Steiner oder jeder Strenggläubige, der das weltliche Leben verabscheut, würde euren Licht- und Geistwesen-Theorien gewiss zustimmen. Wenn man davon ausgeht, daß der Mensch ein genetisch völlig ungebundenes Geistwesen ist, dann kann man jede Absurdität rechtfertigen und – im eigenen Mikrokosmos – begründen. Obschon also die Eugenik – gemäß des Neumenschen-Fanatismus – eine ursprünglich links-utopische Idee war, so muss der Linke sie heute abwerfen, da biologisches Denken jeder rein erdachten Theorie (bzw. These) im Wege stehen muss. So dogmatisch, wie er damals Menschen züchten wollte, so verabscheut er heute jeden leiblichen Bezug, jedes Hinweisen auf das Antlitz („Lookism“) und jede körperliche Schranke, die sich der Ideologie in den Weg stellen könnte.

    Der Ex-Sozialist Kleine-Hartlage (aber zuvor auch schon Personen wie Nietzsche, aber auch Marcel Reich, etc.) haben die Psychologie hinter der linken Argumentation ja bereits auf den Punkt genau beschrieben. Wer heute den menschlichen Leib in die Argumentation miteinbezieht, gilt für euch als Rassist. Rassist sein, das heißt heute psychologisch, gottlos zu sein, ist also direktes Pendant zum religiösen Dogma. Solange also keinerlei „antirassistische“ Beweise geführt werden können (und das wird langsam immer mehr Leuten klar), ist Antirassismus bis jetzt nur eine Art wahrer Götze, der die moralische Richtung bestimmt (was auch für weitere Linke Zementierungen gilt, wie dem Feminismus/Antisexismus, Kommunismus, usw.) Keiner kann dieser Annahme ohne Polemik und freche Beleidigung bzw. Unterstellung widersprechen – denn daß es keine antirassistischen Beweise gibt (das gilt auch für ALLE weiteren linken Denkdisziplinen, die ihrer Natur nach rein fiktiv und imaginär, dafür umso fanatischer ausgelebt sind), kann niemand von der Hand weisen. Viel mehr begeben sich besonders herzhafte Linke auf das weitgefächerte Feld der Pseudowissenschaft (und selbst da ist kein roter Faden zu erkennen) und beleidigen die (vererbte?) Intelligenz von individuellen Freidenkern mit ihrer konditionierten Naivität.

    So geschehen auch hier. Es steht euch völlig frei, meinen Kommentar zu zerreißen. Ihr könnt die vollsten Kübel über mich ergießen, es interessiert mich ebenso wenig, wie wenn mir Zeugen Jehovas das Höllenfeuer attestieren. Ich habe mich hier bereits ein wenig eingelesen und festgestellt, wie maßlos arrogant, beleidigend und überheblich der Großteil der hier schreibenden Kommentaren sich aufführt. Das sind alles Anzeichen für Realitätsverweigerung und ein überzogenes Verhältnis zu den eigenen Hirngespinsten, die logischerweise krankhaften Narzissmus (den man definitiv benötigt, um einen Blog wie diesen zu betreiben) mit sich bringen.

    Ihr merkt es vielleicht nicht, aber jede gute Psychologe hat helle Freude an politischen Gruppen, egal ob von rechts oder links. Es gibt darüber sehr erhellende Lektüre – vielleicht mal Reflexion betreiben und eine vollwertige, nicht von der politischen Sphäre abhängige, Persönlichkeit schaffen? (erfahrungsgemäß kann Cannabis dabei helfen)

    Verbleibe mit freundlichen Grüßen
    Hase

  3. Lieber Hase,

    ihr Kommentar zu zerreißen ist nicht vonnöten. Es ist köstlich zu lesen, wie Sie sich auf die eugenischen Thesen von Sarrazin berufen, über Hunderassen und Licht- und Geistwesen philosophieren sowie Kleine-Hartlage heranziehen, der schon mal von „Rassen“ und „Neuer Weltordnung“ spricht und vor „Völkervermischung“ warnt.

    Es gab mal eine Zeit, da sah sich die selbsternannte „Neue Rechte“ als geistige Elite. Danke für Ihre praktische Darlegung des geistigen Niveaus, auf den sich die selbsternannten neurechten Vordenker bewegen.

    Herzliche Grüße
    Roland Sieber

  4. Die Argumentationsketten von Leuten wie Hase sind so verworren und sprunghaft, dass man gar nicht weiß, wo man ansetzten soll. Am besten nirgendwo.

    Aber zurück zu den „Identitären“. Habe mich kürzlich mit Ernst Moritz Arndt beschäftig. „Ethno-Pluralistische“-Konzepte sind viel älter als gedacht:

    „Gerade die Vermischung mit dem Ungleichen – das ist der Tod der großen Tugend und die Geburt der Eitelkeit. Auch diejenigen Menschen werden nichtig, schwächlich, und eitel, welche sich nicht aus ihren eigenen Anlagen herausarbeiten wollen, sondern welchen es leichter bräucht, anderen nachzuahmen und sich in fremde Naturen gleichsam hineinzuleben. Ebenso ist es mit den Vökern.“

    Und weil’s so schön ist noch eins:

    „Jedes Volk behalte das Seine und bilde es tüchtig aus, hüte sich aber vor aller Buhlerei mit dem Fremden, weil es die Tugenden der Fremden dadurch nicht gewinnen kann, die eigenen Tugenden aber schwächt und verdunkelt: Nur das Oberflächliche, Alberne und Eitle gewinnt man von dem Fremden.“

    Arndt, Ernst Moritz: Über Volkshaß und über den Gebrauch einer fremden Sprache, o.J., 1814, S. 331.

    Und noch eins:

    „Gerade weil wir in der Mitte (Europas) liegen, strömen alle verschiedenen Völker Europens immer auf uns ein und suchen uns wegzudrängen. (…) Wir haben also mehr als alle anderen Völker Ursache, dass das Eigentümliche und Besondere, was uns als Deutsche auszeichnet, durch die Völkerflut und Geistesflut nicht weggespült und weggewaschen werde.“

    Arndt, zitiert nach: “Weltgeschichte im Aufriß”, Bd. 2, Verlag Diesterweg, Frankfurt/Main 1978, Seite 191.

    Besonders das zweite und dritte Zitat könnten prima von den „Identitären“ stammen. Auch sie sprechen inbrünstig von der „Bewahrung des Eigenen“, das durch eine „Massenzuwanderug“ in einem „grauen Brei“ unterzugehen droht.

    Die seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert entstandene frucht-/ furchtbare Symbiose aus Nationalismus und völkischer Weltsicht in den deutschsprachigen Landen Europas scheint einfach nicht tot zu kriegen zu sein. Und dazu muss man, wie es die „Idetitären“ zeigen, erst gar nicht auf die NPD und Co. verweisen. Doch während die NPD und Co. sich offen zu ihrem rassistischen Weltbild bekennen, veranstalten die „Identitären“ und die Neuen Rechten allerlei eloquente Ränkespielchen, um sich möglichst unangreifbar zu machen. Dabei legt ein Vergleich der Semiotik mit den Frühwerken des völkischen Denkens im deutschsprachigen Raum die Traditionslinie mit den heutigen völkischen Agitatoren offen zu Tage.

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