Thüringer Paintball-Nazis als „NSU-reloaded“?


Wieder einmal sorgen Neonazis aus Thüringen für Aufsehen. Dieses mal ist es ein Rechtsextremer, der auf Facebook Bilder angeblich von einem Paintball- oder Lasergametreffen veröffentlicht hat. Scherzhaft bezeichnen sich die Männer als „NSU reloaded“. In der Szene sorgt dies offenbar für wenig Freude.

Von Patrick Gensing

Nein, so gehen keine klandestinen Rechtsterroristen in spe vor: Eine Gruppe Männer, darunter mehrere Neonazis, hat sich offenbar vor Kurzem in Thüringen getroffen, um ordentlich zu schießen. Mit Waffen posieren zehn Männer, teilweise vermummt, auf einem Bild des Rechtsextremen Steffen M. aus Thüringen. Angeblich handelt es sich um Paintball- oder Lasergame-Waffen.

In den Kommentaren werden diese zehn Männer als NSU-reloaded bezeichnet. (Screenshot Facebook)
In den Kommentaren werden diese zehn Männer als NSU-reloaded bezeichnet. (Screenshot Facebook)

Was dieses Bild bemerkenswert macht: M. veröffentlicht auf seinem Facebook-Profil nicht nur Bilder von Saufwochenenden mit seinen Kameraden und Bilder von Waffennarren, sondern drückt auch seine Verbundenheit mit dem als NSU-Terrorhelfer angeklagten Ralf Wohlleben aus. „Freiheit für Wolle“, so steht es auf dem Profilbild von M., der offenkundig auch sonst gut in der braunen Szene vernetzt ist: Zu seinen Freunden gehört beispielsweise Sebastian Reiche von der NPD-Thüringen, zudem bezieht sich M. auf die Nazi-Immobilie „Hausgemeinschaft Jonastal“ und ist im „Unsterblich“-Shirt zu sehen. Das Bild mit den bewaffneten Männern kommentiert zudem unter anderem Thomas Gerlach, seit Jahren ein brauner Strippenzieher in Thüringen, unter anderem beim „Freien Netz“ dabei.

Gerlach findet es offenkundig weniger gelungen, dass die Bilder nun von der Linkspartei und Blogs thematisiert werden, er schreibt dazu:

Naja im Grunde ist das ja auch ne persönliche Sache (sehe ich jedenfalls so), allerdings ist das aktuell vielleicht auch nicht gerade „diplomatisch“ im Blick auf Wolle! Der Prozess geht bald los und man sollte bedenken, dass sowas immer auch die Berichterstattung beeinflusst. Er ist zwar medial ehg schon „hingerichtet“, aber trotzdem muss es nicht weiter auf die Spitze getrieben werden … ist aber wie gesagt nur meine persönliche Meinung!

Bemerkenswert an den Bildern und Kommentaren in diesem Wohlleben-Unterstützerumfeld ist aber vor allem, dass die Szene offenkundig kaum eingeschüchtert ist, trotz der staatlichen Repression und des öffentlichen Drucks. Einer der Männer, der mit Waffen posiert, zeigt sich auf seinem eigenen Facebook-Profil einmal mit Kind und einmal mit Adolf-Hitler-Figur. Auf M.s Seite schreibt er zu dem Waffenfoto::

tja früher war münchen die hauptstadt der bewegung heut kommt alles gute aus thüringen:)

Martina Renner, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, kommentierte treffend:

„Diese zur Schau gestellte Solidarisierung mit den Verbrechen des NSU und das demonstrative Zeigen von Waffen sind nicht nur Ausdruck eines Selbstverständnisses und der Kontinuität zwischen menschenverachtender Ideologie und der Bereitschaft zur Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele. Sie zeigen auch, auf welch großes Unterstützerumfeld das neonazistische Terrornetzwerk NSU in der extremen Rechten bauen konnte.“

Siehe auch: NPD-Jena und NSU: Aus einem braunen Ei geschlüpftSchredderei Verfassungsschutz & Freiheit für Wolle

 


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