„Die neue Volksmusik…“: vom Nazi-Rap zur Schulhof-CD

Die rechtsextreme Szene hat sich besonders seit dem Auftreten der „Autonomen Nationalisten“ unzähliger Jugendkulturen bedient. Auch HipHop blieb davon nicht verschont. Neben Graffiti nutzen Neonazis auch Rap für sich. Die NPD weiß ebenfalls um die Möglichkeiten mit Musik junge Menschen zu erreichen und stellt ihre „Schulhof-CD 2013“ vor.

von Benjamin Mayer

Die rechtsextreme Szene hat sich in den letzten 10 Jahren stark gewandelt – zumindest in ihrem Auftreten. Besonders die „Autonomen Nationalisten“ haben mir ihrem von den linken

Screenshot des Facebookprofils

Autonomen entnommenen Stil der Szene ein neues, ein modernes Äußeres verpasst. Der springerstiefeltragende Skinhead dürfte mittlerweile selbst unter Kameraden eher belächelt werden. Mit dieser stilistischen Modernisierung bedient sich die Szene bei nahezu allen Subkulturen, die sich zeitgemäß präsentieren. Egal, ob linke Stilelemente oder Hardcore, übernommen wurde alles, was gefiel. Seit einigen Jahren finden sich zunehmend auch immer mehr rechtsextreme Musiker, welche den Rap für die Verbreitung ihrer Ideologie nutzen. Sie nennen sich n’Socialist Soundsystem, Villain051 oder Mic Revolte. Hört man sich den rechtsextremen Rap an, plärrt es einem aus den Boxen entgegen: „Das ist die neue Volksmusik…“. Doch auch der RechtsRap ist mit seinen Aussagen alles andere als subtil. So veröffentlichte der Rapper Villain051 den Track „Rap Holocaust“, der von Gewalt bis hin zum NS-Bezug alles enthält, was die Szene begeistert:

„Wir schreiben ein Buch, wie wir Deutschland befreien und nennen es mein Kampf Teil 2 […] Zusammen stehen wir in der blutigen Schlacht gegen die Migranten und Feinde des Volks“

Die rechtsextreme Szene selbst scheint ein eher gespaltenes Verhältnis zum RechtsRap zu haben. Ein Teil ist begeistert davon, dass nun endlich auch rassistischer und nationalistischer Rap als Wahlmöglichkeit zur Verfügung steht. Ein anderer Teil kann sich damit nicht anfreunden. In einschlägigen Foren spricht man vom „Niggergestammel“ und lehnt die allzu „undeutsche Musik“ für die „nationale Bewegung“ ab. Doch viele denken strategisch und haben ein rein instrumentelles Verhältnis zur Musik: „Es geht dabei nicht um gedanklich/weltanschauliche Anpassung an das BRD-System. Mit dieser Musik können wir unseren Wirkungskreis erweitern und somit nationale Inhalte in sämtlichen Jugendkulturen etablieren.“, schreiben beispielsweise die Nationalen Sozialisten Rostock zum Thema RechtsRap. Die Ideologie wird mit angesagter Musik, gut verpackt und teils kostenlos zum Download unter Jugendliche gebracht. Doch dies ist bereits seit vielen Jahren Strategie der Szene. Schon in den 1980ern stellte Ian Stuart Donaldson, Sänger der Band Skrewdriver, fest:

„Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näher zu bringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden.“

Geändert hat sich an dieser Feststellung wenig. Nur die Vielfalt, die rechtsextreme Musiker heute bedienen, wäre wahrscheinlich noch in den 1990er Jahren undenkbar gewesen. Diesem Trend kann sich auch die NPD nicht verschließen. Ständig ist man hier auf der Suche nach Möglichkeiten vor allem junge Menschen für die menschenverachtende Ideologie zu begeistern. Schon 2004 vor der Landtagswahl in Sachsen verteilte die rechtsextreme Partei Musik-CD’s, um für sich zu werben. Unter dem Namen „Schulhof-CD“ ist dies eine mittlerweile bekannte Strategie der Partei.

„Seid stets Selbstdenker und unbequem…“

Cover der neuen Schulhof-CD

Auch im Januar 2013 wird es wieder eine derartige CD geben, wie die Partei vor kurzem bekannt gab. Eingebettet hatte die NPD ihre „Schulhof-CD“ immer in eine Erzählung von Rebellion und Aufstand. Die aktuelle CD wird von den Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der Partei, herausgegeben. Gezwungen jugendlich präsentiert sich dann auch deren frisch gewählter Vorsitzender in einem ersten Werbevideo. Nach altem Muster will man gegen „System“ und „Politische Korrektheit“ Jugendliche für die CD begeistern. Die auf der CD zusammengestellten Stücke decken daher auch eine breite Palette an Musikrichtungen ab. Vom RechtsRap über Hardcore bis zum klassischen Liedermacher ist alles auf der neuen „Schulhof-CD“ zu finden. Auch das n’Socialist Soundsystem ist auf der neuen Ausgabe der Propaganda-CD vertreten. Außerdem bieten Videos und das ausführliche Booklet ausreichend Möglichkeiten zur Selbstdarstellung der Jungen Nationaldemokraten:

„Ziel unserer Arbeit ist die Bildung einer eingeschworenen Gemeinschaft heimatverbundener Deutscher mit festen Wertvorstellungen. Dafür bieten wir zahlreiche Alternativen zum bestehenden System mitsamt seines tristen Alltags an.“

Damit auch eine Kontaktaufnahme zu den Rechtsextremen erleichtert wird, finden sich von Mail über Homepage bis zu Facebook allerlei Möglichkeiten sich an die Jugendorganisation der NPD zu wenden. Ab Januar 2013 soll die CD dann wieder an Schulen verteilt werden. Dies dürfte vor allem vor den anstehenden Wahlen 2013 von Bedeutung sein und als Vorbereitung dienen.

Siehe auch: RechtsRock boomt in SachsenAls Nazi-Skin bei “Noie Werte” und “Race War”“Döner-Killer” von der NPD im Oktober vor GerichtNazi-Rock vom Schulchor: Und alle singen mit, Flop für Deutschland“Blut muss fließen” – Undercover unter NazisDamage für NS-HipHop“Schulhof-CD”: Behörden und Medien machen NPD-Wahlkampf

8 thoughts on “„Die neue Volksmusik…“: vom Nazi-Rap zur Schulhof-CD

  1. Die Argumentation des Autors ist in einigen wichtigen Punkten falsch. Denn es ist nicht neu, dass Nazis sich linker Kultur bedienen und diese für sich umdeuten. Die gesamte faschistische Kultur ist eine Sammlung von Kopien, nicht nur der Linken.
    Auch die Skinheadszene ist weder von Nazis erfunden, noch von ihr übernommen worden. Diese trugen in England auch keine deutschen Springerstiefel und hörten eher Reggae statt Skrewdriver mit K. Auch der Versuch jetzt Hip Hop und demnächst vielleicht Soul (nach) zu spielen ist nicht neu. Landser versuchten sich schon an Off Beats, es wurde im Punk geklaut, Hardcore imitiert. Mit Klansmen versuchte sich schon Ian Stuart in die Herzen der Rockabillies zu spielen und zeitgleich mit White Diamond die Hadrockermähnen durch zu schütteln.
    Es ist nichts Neues. Sie versuchen es in immer wieder neuen Formen seitdem es sie gibt. Nur Mimikry, nur Nazi. Egal mit welcher Frisur, egal zu welcher Musik, der Inhalt ist entscheidend. Und die Kulturkopie meist unterirdisch.

    Lieber Carsten,

    nirgendwo im Text steht, dass dies neu sei.

    Viele Grüße

    BM

  2. Die neuen Musikformen, denen sich die Nazis bedienen wollen (Rap, Hip Hop etc.) fristen aber noch eher ein Nischendasein. Wie eine Suche auf last.fm beweist, sind die meisten angesprochenen Acts entweder völlig unbekannt oder haben im besten Fall einen Hörerkreis im zweistelligen Bereich.
    Nach wie vor scheint die Szene lediglich auf boneheadrock (Landser, Skrewdriver) oder Black Metal abzufahren. Trotz aller Bemühungen, sich zeitgemäßerer Musikformen zu öffnen, der Durchschnittsnazi kann damit wenig anfangen.

  3. Irgendwie schafft es die rechte Szene immer wieder (vermutlich unfreiwillig) geradezu lächerlich aufzutreten. Das Cover der neuen Schulhof-CD ist dafür ein perfektes Beispiel. Drei stramme Burschen bei der Betrachtung eines verschwommenen, vernebelten Etwas und dazu dann der Titel „die Zukunft im Blick“. Alles klar, Jungs…..

Comments are closed.