Zwischen Testosteron und Tradition – Menstruation ist Mensurneid

Der Rechtskurs der „Deutsche Burschenschaft“ (DB) setzt sich fort: In Stuttgart-Untertürkheim fand vom 22. bis zum 24. November 2012 ein außerordentlicher Burschentag des korporationsstudentischen Dachverbands statt. Auf ihm wurde über das weitere Schicksal der DB entschieden. Dabei gewann der radikal-völkische Flügel den internen Machtkampf.

Von Lucius Teidelbaum

Was bisher geschah

Es krachte mächtig im Gebälk des größten burschenschaftlichen Dachverbands „Deutsche Burschenschaft“ (DB). Der Verband kam in letzter Zeit nicht zur Ruhe. Ein Skandal jagte den Nächsten. Vor dem Burschentag 2011 war ein Antrag des Mitgliedsbunds Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn bekannt geworden, in dem eine extrem rassistische Zugangsbeschränkung im Verband durchgesetzt werden sollte. Da war die Rede von einer „nicht-europäische[n] Gesichts- und Körpermorphologie“, die auf eine „nicht-deutsche Abstammung“ hinweise, welche jedoch einer Zugehörigkeit zur „geschichtlichen Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes“ entgegenstehe. Das negative Medien-Echo auf diesen öffentlich bekannt gewordenen Versuch eine Art von „Ariernachweis“ einzuführen, ließ den Antrag erschreckt wieder verschwinden. Trotzdem wurde er auf den Tisch gebracht und sollte von seinen Unterstützern wie Gegnern ernsthaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert werden. Vielerorts in der „Deutschen Burschenschaft“ scheint diese Art von „Ariernachweis“ informell ohnehin in Kraft zu sein. Zugang erhalten hier nur „echte Deutsche“ nach völkischer Interpretation, also weiße Männer mit einer Herkunft im deutschsprachigen Raum. Frauen sind ohnehin per se von einer Mitgliedschaft ausgeschlossen.

Burschenschaftler auf dem Weg zu Ball in Wien
Burschenschaftler auf dem Weg zu Ball in Wien

Vor dem regulären Burschentag dieses Jahr in Eisenach vom 31. Mai bis zum 2. Juni 2012 kam es erneut zum Skandal. Norbert Weidner, seit 2008 Chefredakteur („Schriftleiter“) des Verbandsorgans „Burschenschaftliche Blätter“, hatte im Blatt seiner Burschenschaft den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als „Landesverräter“ und seine Hinrichtung als „juristisch gerechtfertigt“ bezeichnet. Weidner ist nicht nur seit 1999 Mitglied der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks in Bonn, sondern kann auch auf eine respektable Karriere als Neonazi zurückblicken. Der Aktivist der 1994 verbotenen „Wiking-Jugend“ war ehemaliger Landesgeschäftsführer der neonazistischen „Freiheitlichen Arbeiterpartei“ (FAP) in NRW. Weidner reiste auch zu den rassistischen Pogromen 1992 in Rostock-Lichtenhagen an, um mitzumischen. In seiner „Kampfzeit“ war Weidner durchaus auch an rassistischen Angriffen beteiligt. So berichtete das antifaschistische Magazin der „Der Rechte Rand“ Nr. 35 vom Juni/Juli/August 1995:

„In einem Prozeß gegen Weidner wegen mehrerer Körperverletzungen beschrieb ein Zeuge das Verhältnis von Weidner zu den mitangeklagten Skinheads. Während einer UBahnfahrt schlugen mehrere Skinheads über mehrere Stationen auf einen Farbigen ein. Als ein zugestiegener Passant dem Opfer zu Hilfe kommen wollte, stellte sich Weidner diesem in den Weg und begann ihm zu erklären, daß er sich da nicht einzumischen habe, da dies eine Angelegenheit seiner Freunde sei.“

Weidner ist offenbar auch nicht ausgestiegen, sondern nur von einen Teilbereich auf den anderen umgestiegen. Er selbst legte in mehreren Interviews Wert darauf, dass er nicht ausgestiegen sei, sondern sich lediglich zurückgezogen habe. Später trat er in die FDP ein, die zu dieser Zeit in einigen Landesverbänden eine nationalliberale Phase durchlebte.

Trotz dieser Vorgeschichte und der Diffamierung eines Widerstandskämpfers überstand Weidner beim diesjährigen regulären Burschentag in Eisenach den Antrag auf seine Abwahl. Der am Donnerstagnachmittag eingebrachte Antrag auf Abwahl des „Schriftleiters“ scheiterte. 74 Bünde stimmten dafür, 86 dagegen, bei 11 Enthaltungen. Aus Protest verließen fünf Amtsträger der unterlegenen Abstimmungs-Minderheit den Ort und ihre Positionen im Dachverband. Diese fünf sind der eher nationalkonservativen Strömung zuzurechnen. Ihnen steht vor allem mit der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ eine Art „Blut-und-Boden-Fraktion“ gegenüber, die Weidner den Rücken stärkte. Die Situation beim regulären Burschentag dieses Jahr war somit jedenfalls eskaliert und man sah sich dazu veranlasst einen außerordentlichen Burschentag anzuberaumen. In der aktuellen Ausgabe der „Burschenschaftlichen Blätter“ heißt es dazu eher nebenbei:

„Das Plenum kam darüber ein, daß man für eine Aussprache einen außerordentlichen Burschentag einberufen solle und der Burschentag beschloß eine Vertagung.“

„Liberale“ versus „Konservative“?

Dominiert wird die DB mit ihren etwas mehr als 100 verbliebenen Einzelbünden von der 1962 gegründeten extrem rechten Fraktion „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ (BG) mit 42 Mitgliedsbünden innerhalb der DB. Den „Ariernachweis“-Antrag hatte die Burschenschaft der Raczeks als Vorsitzende der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ gestellt. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Andrea Nahles bezeichnete die BG einmal treffend als einen „völkischen Kampfverband“. Die BG schielt bis heute begehrlich auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete und hält sich die Grenzfrage nach Osten hin offen:

„Grundlegend für die Burschenschaftliche Gemeinschaft ist […], daß keine freiwillige Abtretung der Ostgebiete stattgefunden hat und somit eine einseitige Verletzung des Völkerrechts vorliegt. Dennoch respektiert die BG die durch den sogenannten 2+4-Vertrag garantierten Grenzen, wenngleich sich ihrer Ansicht nach ein friedliches Zusammenwachsen der europäischen Völker […] ohne Beseitigung der Beneš-Dekrete nicht entwickeln kann. […] Gerade durch die Wiedervereinigung der „DDR“ mit der Bundesrepublik Deutschland hat das neue Deutschland einen Stellenwert in Europa, der einer deutschen Machtpolitik bedarf. Die Integration der osteuropäischen Staatenwelt […] erfordert, daß Deutschland sich seiner Aufgaben bewußt wird und seine gewachsenen Machtressourcen zum Vorteil des eigenen Volkes einsetzt.“[1]

Dieser Hardliner-Fraktion gehören alle österreichischen Bünde an und auch einige deutsche. In Österreich aber ist die Stellung der Burschenschaften eine andere als in der Bundesrepublik, hier stellen die deutschnationalen Burschenschaften das akademische Rückgrat der rechtspopulistischen FPÖ. Walter Rosenkranz, Mitglied der Burschenschaft Libertas und FPÖ-Parlamentarier, meinte einmal dazu:

„Die FPÖ ist nicht die Partei der Burschenschafter, aber Burschenschafter finden – wie andere Korporierte – meist ihre Heimat in der FPÖ.“

Besonders bei den jüngeren Mitgliedern der BG-Bünde ist der Übergang zu bekennenden Salonfaschisten fließend.

Burschenschafter in der Wartburg im Jahr 2001. (Quelle: DB)
Burschenschafter in der Wartburg im Jahr 2001. (Quelle: DB)

Die DB-Fraktion, die vor dem Treffen in Stuttgart versuchte ein Gegengewicht zur BG zu bilden, nennt sich „Initiative Burschenschaftliche Zukunft“ (IBZ) und vereint in ihren Reihen 25 Mitgliedsbünde. In der Eigendarstellung als auch in den Medienberichten werden die IBZ-Mitglieder als der „liberale Flügel“ innerhalb der DB dargestellt. Aber auch von diesen „liberalen“ Burschenschaften sind durchaus deutlich nationalkonservative Töne zu vernehmen. Im Parteienspektrum sind sie vor allem am rechten Rand der Union zu verorten. Seitdem der Stahlhelm-Flügel der Unions-Parteien in der Mauser ist, verbreitet sich auch die Sehsucht nach einer Alternative. Der Titel der Festkommers-Rede des diesjährigen Burschentags lautete nicht von ungefähr „Brauchen wir eine neue Partei rechts der CDU?“. Gehalten wurde die Rede von Professor Dr. Ralph Weber, einem langjährigen CDU-Mitglied und Ordinarius für bürgerliches Recht an der Universität Greifswald. Der Greifswalder Jura-Professor Weber sorgte mit seinen Plänen für eine Partei rechts von der Union für Aufmerksamkeit. Für diese Pläne hatte er sich laut „Ostsee-Zeitung“ mit Udo Voigt, dem damaligen NPD-Bundesvorsitzenden, getroffen und mit Matthias Faust, damaliger Chef der DVU, Kontakt aufgenommen. An seinem Arbeitsplatz an der Universität sorgte er für einen Eklat durch das Tragen der in Neonazi-Kreisen wegen ihrer völkischen Symbolik beliebten Marke „Thor Steinar“. „Ich trage seit Jahren Thor Steinar“ bekannte Weber freimütig. Die Universität sah sich darauf veranlasst eine Kleiderordnung zu erlassen, die das Tragen der braunen Marke auf dem Campus untersagt[2]. Bei seiner Festrede in Eisenach dürfte Weber allerdings kein „Thor Steinar“ getragen haben. Zusammengefasst beantwortete der Redner die von ihm gestellte Frage nach einer Partei rechts von der CDU mit einem Ja: „Not tut eine konservative Allianz für Deutschland.“ Zur Resonanz dieser Rede heißt es im Verbandsorgan „Burschenschaftliche Blätter“:

„Nahezu jeder Satz wurde mit Beifall bedacht und am Schluß dankten ihm die Burschenschafter stehend mit Beifall.“

Solche standing ovations zeugen davon, dass es bei DB-Burschenschaftern aller Coleur Sehnsüchte nach einer deutschen FPÖ gibt.

So stritten sich in Stuttgart in Wahrheit nicht „liberale“ und „konservative“ Burschenschaften miteinander, sondern eher nationalkonservative und radikal-völkische Burschenschaften. Die eher liberalen und gemäßigt konservativen Burschenschaften dürften den Dachverband bereits vor einiger Zeit verlassen haben. Schon 1996 spaltete sich von der DB die gemäßigt-nationalistische „Neue Deutsche Burschenschaft“ (NDB) ab. Ausgangspunkt dieser Abspaltung waren vermehrt öffentlich bekannt gewordene extrem rechte Umtriebe im Dachverband. Im Angesicht der ständigen Skandale hatte sich so mancher „Alte Herr“ wohl auch Sorgen um sein Ansehen gemacht und mancher Burschenschafter Angst um seine bürgerliche Karriere. Viele Bandträger sind beispielsweise Jura-Studenten, von denen einige auch im Staatsdienst Karriere machen wollen. Erst die Skandalisierung und der Druck von Außen, ließ allerdings viele Burschenschafter auf Abstand zu ihren braunen Bundesbrüdern gehen. Seitdem hält die Abwanderung aus dem Dachverband an. Offiziell waren 2012 noch 105 Einzelbünde in der DB organisiert und die Mitgliederzahl soll auf knapp 10.000 zusammengeschrumpft sein. Zum Vergleich: Anfang 1970er hatte die DB 35.000 Mitglieder.

Auch andere Studentenverbindungen rücken inzwischen von der DB ab. Das ist ein Novum, da im korporierten Milieu bis dato eher eine korporierte Wagenburg-Mentalität vorherrschte. Michael Pollmeier von der KDStV Greiffenstein Breslau wird 2012 von der „Frankfurter Rundschau“ wie folgt zitiert:

„Die Burschenschaften kriegen es einfach nicht hin, ihre braune Suppe auszulöffeln. Ich wäre heilfroh, wenn die DB sich auflösen und splitten würde. Dann könnten wir uns endlich klar gegen die Rechten positionieren.“

Showdown in Stuttgart: Quo vadis Deutsche Burschenschaft? 

Die Rahmen-Bedingungen in Stuttgart waren für die Burschenschafter nicht gerade ideal. Es gab drei angemeldete Gegen-Kundgebungen, so dass die Polizei am Samstag die Burschenschafter teilweise nicht aus dem Haus ließ. Trotz des Protests draußen versuchte man drinnen wieder zueinander zu finden. Doch offenbar gingen die Versöhnungsbemühungen ernsthaft nur vom konservativen Flügel aus.

Das Presse-Echo auf die Ergebnisse des außerordentlichen Burschentags in Stuttgart lautete dementsprechend fast durchgehend, dass sich die Rechten im Verband durchgesetzt haben.

Schreibt Michael Paulwitz auch für „Recht und Wahrheit“?

Der einzige Erfolg, den die konservativen Burschenschaften scheinbar für sich verbuchen konnten, war die Abwahl von Norbert Weidner mit 100 zu 70 Stimmen. Zu Recht wurde diese Entscheidung von Kritikern als Bauernopfer bewertet. Denn Norbert Weidner wurde ersetzt durch Michael Paulwitz. Paulwitz verfügt zwar nicht über eine explizite Neonazi-Karriere, er tummelt sich aber in der extremen Rechten. Michael Paulwitz, Jahrgang 1965, betreibt in Stuttgart ein Büro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Seit 1999 ist Paulwitz Mitglied der Burschenschaft Normannia Heidelberg, die der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ angehört. Paulwitz ist Assistent des Stuttgarter Stadtrats Rolf Schlierer, dem Vorsitzenden der rassistischen Republikaner-Partei. Von 1990 bis 1993 war er Redakteur der „Jungen Freiheit“ und schreibt bis heute für das revanchistische „Ostpreußenblatt“ bzw. die „Preußische Allgemeine Zeitung“, das neurechte Strategieblatt „Sezession“ bzw. dessen Online-Format „Sezession im Netz“, das geschichtsrevisionistische Magazin „Deutschland in Geschichte und Gegenwart“  und die ultrarechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“, wo er fast jede Woche mit mindestens einem Beitrag vertreten ist. Ein Beitrag von ihm erschien offenbar sogar in der Neonazi-Postille „Recht und Wahrheit“ 3-2012. Als Referent war er u.a. angekündigt bei der Jugendorganisation der Landsmannschaft Ostpreußen, dem „Bund Junges Ostpreußen“, der extrem rechten „Gesellschaft für freie Publizistik“ oder diversen Burschenschaften. Kurz zusammengefasst: Raider heißt jetzt Twix und Weidner heißt jetzt Paulwitz. Die Ersetzung von Weidner durch Paulwitz kann kaum  als Sieg der Konservativen gewertet werden. Doch es kam noch schlimmer für sie. Eine Mehrheit des Plenums verhinderte, dass der Dachverband künftig einzelne Burschenschafter direkt bestrafen kann, die das Ansehen des Verbandes beschädigen. Auch der Versuch drei in Deutschland besonders auffällig gewordene Burschenschaften aus München, Gießen und Bonn, auszuschließen, wurde vom Tisch gewischt.

Beschlossen wurde lediglich, dass „eine Mitgliedschaft in der Deutschen Burschenschaft mit solchen Organisationen, die nationalsozialistische Ziele verfolgen unvereinbar ist“. Eingebracht wurde der  Antrag gemeinsam von den Burschenschaften Ghibellinia Stuttgart und Rheinfranken Marburg. Schon dass spricht dem Inhalt einigermaßen Hohn. Die Rheinfranken scheinen über gute Kontakte zur extremen Rechten zu verfügen. So fand sich jedenfalls z.B. auf dem Neonazi-Portal „Volksfront-Medien“ ein Video der Rheinfranken über das „Totengedenken der Deutschen Burschenschaft am Burschenschaftsdenkmal in Eisenach“ 2010.

Video auf dem neonazistischen Portal „Volksfront-Medien“ © Screenshot

Die Niederlage der rechtskonservativen Verbands-Minderheit konnte kaum verheerender ausfallen. Dass gestand auch Michael Schmidt von der „Initiative Burschenschaftliche Zukunft“ (IBZ) ein, als er gegenüber der Presse bekannt, „die anderen sehen sich selbst im Kampf mit der Gesellschaft“.

Zweckoptimismus verbreitet hingegen Walter Tributsch, der Pressereferent der Deutschen Burschenschaft und Mitglied der Vorsitzenden Burschenschaft Teutonia Wien. Unter der Überschrift „Deutsche Burschenschaft beweist Handlungsfähigkeit“ heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der DB:

„Nach nur eineinhalb Verhandlungstagen ist der außerordentliche Burschentag in Stuttgart zu Ende gegangen. Entgegen aller Unkenrufe stellte die Deutsche Burschenschaft ihre Fähigkeit zur Lösung schwieriger Situationen unter Beweis. […]“

Tributsch hat seine Medien-Kompetenz durch seine Tätigkeit als Verlagsleiter des österreichischen Magazins „Zur Zeit“, welches der FPÖ nahe steht, gelernt. Das Blatt entstand aus der Österreich-Ausgabe der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und bezeichnet sich selbst als „Sturmgeschütz der Meinungsfreiheit“.

Auch die neue Vorsitzende Burschenschaft Teutonia Wien ist nicht ohne. Die Wiener Burschenschaft Teutonia beherbergt in ihren Reihen prominente Rechtspopulisten wie Reinhard Bösch, FPÖ-Mitglied im österreichischen Nationalrat seit 2006. Es sollen aber auch mehrere ehemalige Aktivisten der neonazistischen „Aktion Neue Rechte“ (ANR) und der „Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition“ (VAPO) bei ihr Unterschlupf gefunden haben. Das dürfte auch an inhaltlichen Ähnlichkeiten liegen.

„Menstruation ist Mensurneid“, Aufkleber der Burschenschaft Teutonia Wien

Im Jahr 2011 tauchten von der Teutonia in Wien Aufkleber mit der deutlichen Ansage „Aktiv gegen Zecken, linkes Gesocks, Gutmenschen, Egalitarismus, Feminismus und »Antifaschismus«!“ auf. Der Unterschied zu einem Neonazi-Aufkleber ist da nur schwer zu (v)ermitteln.

In Stuttgart hat sich also der ultrarechte Verbandsflügel auf ganzer Linie durchgesetzt. Aber der außerordentliche Burschentag in der Sängerhalle in Stuttgart-Untertürkheim wurde auch (noch) nicht der von Pessimisten prognostizierte „Scheidungsburschentag“.

Eine deutliche Mehrheit von Burschenschaften wird wohl auch in Zukunft im Verband bleiben, eine Minderheit von 20 bis 25 rechtskonservativen Bünden wird hingegen in nächster Zeit ihren Hut nehmen und den Dachverband verlassen. Möglicherweise wird sie einen eigenen Dachverband zwischen DB und „Neuer Deutschen Burschenschaft“ gründen.

Die potenziell Austrittswilligen sind zwar nicht in des Stimm-Mehrheit, aber die 30 rechtskonservativen Burschenschaften im Dachverband erbringen nach Schätzungen etwa 45 Prozent des Gesamt-Etats. Streit-Potenzial birgt auch die Frage über die Zukunft des Verbandsvermögens und der DB-Liegenschaften, wozu ein eigenes Hotel in Eisenach gehört.

Der Zerfall der DB könnte auch dazu führen, dass einzelne Burschenschaften noch offener zu Kaderschmieden der extremen Rechten werden, weil sie nicht mehr Rücksicht auf ihr eigenes Ansehen oder die rechtskonservativen Burschenschaften im Dachverband nehmen müssen. Die NPD verfügt derzeit über keinen eigenen existierenden Akademiker-Verband mehr und würde sich sicher über akademische Verstärkung und Rückendeckung durch Burschenschafter freuen. Die würden dann in der NPD u.a. auf die beiden sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten und Bundesbrüder Arne Schimmer und Jürgen W. Gansel treffen, beide sind Mitglied der Burschenschaft Dresdensia-Rugia in Gießen.

 


[2] Christoph Titz: Bizarre Kleiderordnung Wie die Uni Greifswald Neonazis loswerden will, 11.09.2010, http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/bizarre-kleiderordnung-wie-die-uni-greifswald-neonazis-loswerden-will-a-716862.html

2 thoughts on “Zwischen Testosteron und Tradition – Menstruation ist Mensurneid

  1. Hallo,
    ich habe ein Verständnisproblem. Ist Norbert Weidner nun als Schriftführer abgewählt worden, aber nicht rausgeworfen worden?
    Die Verwirrung kommt daher, dass ja scheinbar Konservative zurückgetreten sind, weil eine Abstimmung von den völkischen gewonnen wurde, aber der einzige „Sieg“ der konservativen eine Abstimmung über Weidner war.
    Viele Grüße und danke für den gut aufgearbeiten Artikel,
    Johannes

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