CSU-„Tag der Volksmusik“ wird aus Nazi-Erbe finanziert


Die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung finanziert aus dem Erbe zweier Nationalsozialisten der ersten Stunde bis heute den „Tag der Volksmusik“. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe.

In den achtziger Jahren erbte die Seidel-Stiftung das Geldvermögen und das Anwesen am Starnberger See von Max und Maria Wutz. Nach deren Vorgaben und von deren Geld richtet sie die jährliche Musikveranstaltung aus.

Nach Recherchen des SPIEGEL gehörte das Ehepaar zu den ersten Unterstützern Adolf Hitlers. Max Wutz diente den Nationalsozialisten nach eigenen Angaben mit „Gut und Blut“, er sei zeitweise Begleitmann Adolf Hitlers gewesen und habe Geld für das NS-Propagandaorgan „Völkischer Beobachter“ gegeben. Seine Frau Maria nannte „die anmaßende Frechheit der Juden“ als Grund für ihren Parteieintritt. Besucher haben nach dem Tod des Ehepaars einen NSDAP-Blutorden, das Ehrenzeichen für Teilnehmer des Hitler-Putsches, im Haus der beiden gefunden.

Schulungszentrum der Stiftung (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)
Schulungszentrum der Stiftung (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)

Die Hanns-Seidel-Stiftung räumte auf Anfrage ein, 2010 auf die Vita des Ehepaars Wutz aufmerksam gemacht worden zu sein. Im Anschluss daran tilgte sie den Namen des Ehepaars aus ihren Mitteilungen zum „Tag der Volksmusik“, veranlasste aber keine öffentliche Aufarbeitung. Auch intern wurde die Information nicht kommuniziert. Die Mitglieder des erweiterten Vorstands der Hanns-Seidel-Stiftung, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber, teilten dem SPIEGEL mit, von der Seidel-Stiftung keine Informationen über den Vorgang erhalten zu haben.

CSU soll Geld spenden

Volker Beck von den Grünen sagte, „dass die CSU nichts von ihrem Nazivermögen in der Hanns-Seidel-Stiftung wusste, ist kaum zu glauben. Dem Vorstand der Stiftung gehört seit eh und je das who-is-who der CSU an. Statt weiter mit Nazigeld deutsche Volksmusik zu fördern, gehört das Geld an eine Organisation, die unsere Demokratie verteidigt und sich beispielsweise gegen Antisemitismus zur Wehr setzt. Ich schlage deshalb die Amadeu Antonio Stiftung vor, die seit mehr als zehn Jahren in Erinnerung an den von Rassisten ermordeten Amadeu Antonio Kiowa für eine demokratische Zivilgesellschaft, gegen Rassismus und Antisemitismus kämpft. Alternativ käme auch die Bundesstiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft oder im Sinne einer Entschädigungsleistung der Zentralrat der Juden in Frage.“

4 thoughts on “CSU-„Tag der Volksmusik“ wird aus Nazi-Erbe finanziert

  1. Das ist so beknackt, das kann man sich garnicht ausdenken.

    Besonders schön find ich, dass die Stiftung seit 2010 Bescheid wusste und nichts öffentlich macht, oder wenigstens den Preis still in der Versenkung verschwinden lässt – nein, kurze Vertuschungs-Aktion und gut ist. Merken die nie !!!1!

  2. „Statt weiter mit Nazigeld deutsche Volksmusik zu fördern, gehört das Geld an eine Organisation (…)“

    Besser diese Zombiemusik mit Nazigeld fördern, als mit GEZ-Zwangsgebühren künstlich am Leben zu erhalten.

  3. Der Tagungsort der Hans Seidel Stiftung – „Kloster Benz“ dient der Region Oberfranken als Veranstaltungsort für alle möglichen Themen. Die Hans-Seidel-Stiftung gibt auch Informationen über Rechtsextremismus herraus und es finden Tagungen über dieses Thema statt.

    Als ich einmal auf einer Handwerkstagung vorort war, lag im Foyer neben unzähligen Publikationen zu verschiedenen Themen auch Informationen über die Rechte Gefahr in Bayern. Das fehlt leider im Artikel, ansonsten volle zustimmung, da fehlt Aufklärungsarbeit zur Familiengeschicht der Eheleute Wutz.

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