Der AStA, Schleyer und die RAF

Der AStA der Universität Hamburg macht sich in einem von ihm herausgegebenen Kalender über verstorbene Politiker aus dem liberalen, konservativen und rechtspopulistischen Spektrum lustig. Empörung löste dabei der Eintrag zum Todestag des von der RAF ermordeten, ehemaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer aus.

Von Redaktion publikative.org

Logo des AStA dert Uni Hamburg

Rund 15.000 Exemplare des Hamburger „KalendAStA“ wurden durch den Allgemeinen Studentenausschuss der Uni Hamburg gedruckt. Finanziert durch Semesterbeiträge der Studierenden. An einigen Daten gibt es Voreintragungen. Zitate von Audrey Hepburn oder John Lennon. An anderen Tagen finden sich – laut AStA satirisch gemeinte – Bemerkungen zu toten Politikern und Funktionären wie Jürgen Möllemann, Jörg Haider oder eben Hanns Martin Schleyer.

Am 18. Oktober, dem Tag, an dem Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF) ermordet wurde, kann man lesen: „Mit seinem Tod schafft Hanns Martin Schleyer die Voraussetzung für die nach ihm benannte Mehrzweckhalle in Stuttgart.“ Dieser zweifellos geschmacklose Witz auf Pennäler-Niveau könnte für den AStA nun ein juristisches Nachspiel haben: Denn der Hamburger Rechtsanwalt Walter Scheuerl, bekannt durch seine erfolgreiche Kampagne und Bürgerinitiative gegen die Schulreform in der Hansestadt und parteiloses Mitglied der CDU-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft, stellte Strafanzeige gegen den AStA.

Scheuerl glaubt, dass die Hamburger Studentenvertreter gegen das Verbot eines allgemeinpolitischen Mandats verstoßen haben und somit die Gelder für die Kalender veruntreut worden seien. Auch die Junge Union, der RCDS an der Uni Hamburg und die Hamburger FDP bliesen in Presseerklärungen ins gleiche Horn. Der AStA hätte mit dieser „Verharmlosung des Terrors den Boden unserer freiheitlichen Demokratie“ verlassen und verstoße gegen „unsere zivilisatorische Norm, dass politische Konflikte niemals mit Gewalt ausgetragen werden dürfen“, verkündeten JU und RCDS beispielweise pathetisch in einer gemeinsamen Stellungnahme.

BILD schreit „Skandal“

Die mediale Skandalisierung des Kalenders besorgte die BILD-Zeitung: Unter der Überschrift „Studenten verhöhnen Schleyer“ unterstellte BILD dem AStA die Verharmlosung der RAF und die Verunglimpfung ihres Opfers. Zu Wort kommen in dem Artikel auch die Schleyer-Söhne Jörg und Hanns-Eberhard. Jörg Schleyer soll demnach gesagt haben, der AStA-Spruch sei „abartig“, eine „Verunglimpfung eines Mordopfers“ und „einfach nur irre“.

Der AStA hingegen behauptet, er habe mit dem „satirischen“ Satz auf eine „Erinnerungskultur in Deutschland“ aufmerksam machen wollen, die es zulasse, dass eine bekannte, riesige Mehrzweckhalle kritiklos den Namen eines SS-Offiziers trage. Die AStA-Kritiker glauben, dass diese Argumentation nur eine nachgeschobene Ausrede ist, um den Imageschaden zu begrenzen. Zudem soll in einer Sitzung des Studierenden-Parlaments zum Thema seitens eines AStA-Angehörigen ein Satz gefallen sein, in dem die Ermordung Schleyers gerechtfertigt worden sei, weil dieser „ein Nazi gewesen“ sei.

Was hat die RAF damit zu tun?

Das Logo der RAF
Selbsternannte Revolutionäre: Das Logo der „Roten Armee Fraktion“  (RAF).

Auch wenn Schleyer allerdings „Nazi“ war, rechtfertigt das nicht seine Ermordung durch eine linksextreme Mörderbande* (siehe Anmerkung unten), die im Laufe ihrer Existenz außerdem zunehmend antisemitischer wurde und mit den palästinensischen Judenmördern vom „Schwarzen September“ gemeinsame Sache machte. Der Hamburger AStA wird sich schon fragen (lassen) müssen, was er nun will: Mit „Satire“ auf eine fragwürdige Gedenkkultur aufmerksam machen oder die Ermordung Schleyers durch selbsternannte Revolutionäre abfeiern, die ihre politischen Gegner gerne samt und sonders als „Schweine“ bezeichneten.

Sollte das eigentliche Anliegen nicht nur vorgeschoben sein, hat der AStA mit dieser Form der Auseinandersetzung weder sich selbst, noch der Debatte einen Gefallen getan. Zu leicht macht man es so den ihrerseits geschichtsvergessenen Gegnern wie dem auf Medienaufmerksamkeit geradezu versessenen Hamburger Populisten Scheuerl. Denn BILD, Scheuerl & Co. haben ebenfalls einen Tonfall am Leib, der einen glauben machen könnte, sie müssten den Kalten Krieg noch einmal gewinnen.

Tatsächlich waren Karrieren wie die des Hanns Martin Schleyer ein typischer Teil der westdeutschen Nachkriegsrealität. Belastete NS-Größen machten ungestört Karriere und waren ein anerkannter Teil der Gesellschaft, während gleichzeitig den meisten Opfern der deutschen Politik im Zweiten Weltkrieg jede individuelle Entschädigung verweigert wurde. Franz Josef Strauß brachte die herrschende Haltung seinerzeit auf den Punkt: „Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen.“

„Ich bin ein alter Nationalsozialist und SS-Führer“

Auch Hanns Martin Schleyer wollte davon nach 1945 zeitlebens nichts hören oder wissen. Dabei war er bereits 1931 im Alter von 15 Jahren in die Hitlerjugend eingetreten – also noch vor der Machtübernahme durch die Nazis und daher wohl kaum aus opportunistischen Gründen. Nachdem er am 1. Mai 1933 gerade volljährig geworden war, folgte am 1. Juli 1933 bereits der Eintritt in die SS. Als Nationalsozialist und Corps-Student an der Universität Heidelberg trat er öffentlich aus seiner schlagenden Verbindung aus, als diese sich zunächst weigerte, jüdische „Alte Herren“ auszuschließen. In der HJ-Zeitung „Macht und Wille“ schrieb er dazu 1935: „Ich muß es allerdings ablehnen, daß man den Begriff der Treue, der uns Deutschen heilig ist, in irgendeiner Weise mit Juden in Verbindung bringt, und ich werde es nie verstehen können, daß ein Corps aus der Auflage, zwei Juden aus einer Gemeinschaft zu entfernen, eine Existenzfrage macht.“

Im Mai 1937 trat Schleyer der NSDAP bei, kurz darauf – noch vor Abschluss seines Studiums – wurde er Leiter des Studentenwerks in Heidelberg, protegiert von seinem Mentor, dem SS-Offizier und Studentenfunktionär Gustav Adolf Scheel. Dieser sorgte auch dafür, dass Schleyer nach der Annexion Österreichs in Innsbruck das Studentenwerk leiten konnte. Schleyer gehörte damit zu den zuverlässigen Nationalsozialisten, die mit der Gleichschaltung in Österreich betraut waren.

Im Zweiten Weltkrieg verletzte er sich 1940 so schwer an der Schulter, dass er aus der Armee entlassen wurde. Nahtlos setzte er seine Karriere als NS-Studentenfunktionär fort und ging im Juli 1941 ins besetzte Prag, um das Studentenwerk der Karls-Universität zu leiten – eines der größten der damaligen Zeit. Doch Schleyer reichte das nicht: „Ich bin ein alter Nationalsozialist und SS-Führer“ führte er in einem Schreiben an das Innenministerium aus, das ihn zuvor wiederholt aufgefordert hatte, sein Referendariat anzutreten, was er jedoch ablehnte, da es seinen Karrieredrang nicht erfüllte.

Eine typische NS- und BRD-Karriere

Hanns Martin Schleyer
Hanns Martin Schleyer (November 1973) (Foto: Engelbert Reineke)

1943 wurde Schleyer dann die rechte Hand von Bernhard Adolf, dem Präsidenten des „Zentralverbandes der Industrie für Böhmen und Mähren“, mit dem er auch nach dem Krieg ein gutes Verhältnis pflegte. Eine der wichtigsten Aufgaben des Zentralverbandes war die „Arisierung“ der Kriegswirtschaft sowie die zu deren reibungslosem Funktionieren organisierte Verschleppung von Zwangsarbeitern. Schleyer knüpfte hier die Kontakte, die ihm nach dem Krieg dabei halfen, eine Karriere als Wirtschaftsfunktionär in der Bundesrepublik zu machen.

Schleyer blieb bis zu seiner Flucht vor der Roten Armee in Prag, wurde aber im Januar 1944 aus verwaltungstechnischen Gründen zum SS-Führer im Reichssicherheitshauptamt – der Zentrale des Völkermords – ernannt. Auch auf persönlicher Ebene profitierte Schleyer vom Mord an den europäischen Juden: 1944 zog er mit seiner Familie in die Villa Waigner im vornehmen Prager Diplomatenviertel Bubentsch. Die rechtmäßigen Besitzer Emil Waigner und Marie Waignerová waren bereits lange zuvor von Schleyers SS-Kameraden nach Mauthausen bzw. Auschwitz deportiert worden, wo sie 1942 bestialisch ermordet wurden.

Schleyers Rolle als Beschaffer und Verwalter „arisierter“ Wohnungen und anderer Besitztümer war offenbar so bekannt, dass sogar die damals berühmte Schauspielern Margot Hielscher ihm einmal etwas vorgesungen haben soll, um an eine Wohnung in Prag zu gelangen. Diese Anekdote spielte später sogar während Schleyers Entführung durch die RAF eine Rolle: Um die Entführer zu überprüfen, stellte das BKA ihnen Fragen, die nur Schleyer beantworten konnte. Unter anderem wollten die Fahnder wissen, wer die Sängerin in Prag gewesen sei.

Nach Kriegsende geriet Schleyer aufgrund seiner SS-Zugehörigkeit in französische Gefangenschaft, fälschte seinen Dienstgrad jedoch um drei Ränge nach unten, womit er kein Offizier mehr war, was ihm schließlich zur Entlassung und Einstufung als Mitläufer verhalf. Seine Vergangenheit war für Schleyer keine Hypothek in der westlichen Nachkriegsrepublik – im Gegenteil: Laut Aussage seiner Weggefährten nutzte er seine Erfahrungen während seiner Zeit im Besatzungsapparat in Prag so sehr, dass er sie für einen maßgeblichen Grund seiner Nachkriegskarriere hielt. Am 6. Mai 1975 feiert Schleyer auf Einladung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände seinen 60. Geburtstag im Kölner Hotel Inter-Continental aus. Ein dort entstandenes Foto zeigt Schleyer vergnügt lachend mit seinem ehemaligen Prager Chef Bernhard Adolf.

Von Tätern und Opfern

Noch einmal: Das alles rechtfertigt in keiner Weise die Entführung und den Mord Schleyers durch die RAF – und schon gar nicht die Ermordung von vier weiteren Menschen in diesem Zusammenhang. Der wenig kluge Kalender des AStA illustriert besipielhaft, wie unreflektiert der Umgang mit der RAF innerhalb von Teilen der Linken heute noch aussieht. Sich über RAF-Opfer lustig zu machen, weil sie „Nazis“ gewesen seien, ist politisch und moralisch nicht zu rechtfertigen. Stattdessen würde es sich lohnen, darüber nachzudenken, zu welchen Methoden die RAF in ihrem Furor griff – und warum auch sie den Feind vor allem in den USA und später auch in Israel erblickte.

Die hysterischen Reaktionen von BILD und Scheuerl auf der anderen Seite zeigen jedoch auch, wie man in Deutschland welchen Opfern gedenkt. Im selben Atemzug, in dem man in eine moralisch empörte Verurteilung des AStA verfällt, die man mit strafrechtlichen Konsequenzen zu ahnden sucht, wird Schleyers niemals gesühnte NS-Vergangenheit einfach verschwiegen.

Zu fragen wäre stattdessen, welche Zeichen gesetzt werden, wenn Straßen, Sporthallen und Wirtschaftspreise nach ehemaligen SS-Offizieren benannt werden, die nie die geringste Reue im Hinblick auf ihre Vergangenheit gezeigt haben? Vor allem aber wäre es an der Zeit zu überlegen, welche Hypothek die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik und die damals weitgehend unaufgearbeitete NS-Vergangenheit bis heute darstellen. Angesichts des totalen Versagens des Staates im Hinblick auf den NSU-Terror stellt sich diese Frage nach der Blindheit auf dem rechten Auge täglich dringender und drängender.

*Anm. d. Red.:
Man muss kein Anhänger der Extremismustheorie sein, um die RAF eine „linksextreme Mörderbande“ zu nennen. Einen angemessenen Begriff für eine klandestine Kleingruppe zu finden, die bereit war, ein Fahrer einfach abzuknallen, wenn diese ihren hehren revolutionären Plänen gerade im Weg waren, fällt auch dann schwer genug, wenn man sich nicht einer Sprache bedienen wollte, die von einigen Leser/innen als „VS-Jargon“ kritisiert wurde. „Links“ oder „linksradikal“ träfe es jedenfalls noch weniger, bzw. würde die Rest-Linke noch mehr diskreditieren. Es handelt sich hier um jenes Spektrum einer „extremen“ oder „radikalen“ (aber „radikal“ dann eben als deutlich abwertender Begriff, der nichts mit radikalem Denken zu tun hat, sondern mit den mörderischen Konsequenzen der eigenen Hybris) Linken, die von sich selbst glaubt(e), man könne, dürfe und müsse sich einfach mal das Recht nehmen,  Menschen im Namen der „guten Sache“ zu töten.

Nahezu alle Gruppierungen dieses Spektrums begingen früher oder später nicht zu rechtfertigende Verbrechen oder halfen bei diesen mit. Dazu gehören insbesondere die Taten der antisemitisch-antiimperialistischen Internationalen, wie wir sie hier einmal nennen wollen, denjenigen also, die Bomben im jüdischen Gemeindehaus Berlin platzierten, die israelische Sportler in München wie Vieh abschlachteten und am selben Ort (vermutlich) ein jüdisches Altenheim mit Shoah-Überlebenden in Brand steckten, die in Entebbe Juden und Nicht-Juden selektierte, die in Damaskus Gerd Albartus hinrichteten und den einfachen US-Soldaten Edward Pimental erschossen, um an dessen Papiere zu gelangen. Diese „Mörderbanden“ sind für uns keine „Linken“. Oder jedenfalls gehören sie nicht zu einer „Linken“, mit der wir noch etwas zu tun haben wollten.

Siehe auch: Die “RAF-Fahne” von Mainz: Ein Witz, der keiner ist, Nichtaufklärung ist systemimmanent, Schuldumkehr auf Österreichisch, Vernichtung als politisches Programm, Komplett im Visier des Verfassungsschutzes, Die Hundertschaft des NSU, Der Zeitgeist und Helmut Kohls geistig-moralische Wende, Der tiefe Staat, Lehrreiche Provokation, Im Zweifel gegen Israel, Neues von der Waffen-SS.

16 thoughts on “Der AStA, Schleyer und die RAF

  1. lächerliche debatte, das ganze. der „jahrestag“ wird im AStA-kalender in der für solche publikationen üblichen satirisch-respektlosen weise abgehandelt, ähnlich wie im „streßfaktor“ oder dem buch „autonome in bewegung“, wobei letzteres gerichtsfest von jedem vorwurf der gewaltverherrlichung, anstiftung oder billigung von straftaten freigesprochen wurde. inhaltlich gibt es an der formulierung ebenfalls nichts auszusetzen: weder wird die ermordung schleyers begrüßt noch die RAF glorifiziert. der zitierte spruch beschränkt sich ausschließlich auf die berechtigte kritik an der heuchelei, mit der eine unterm strich eindeutig widerliche und in das größte verbrecherregime aller zeiten verstrickte person geehrt wird, weil deren mörder_innen aus der „richtigen“ politischen ecke kamen.

    @dennis k.: der ausgang der klage gegen den AStA ist leider viel offener, als du vermuten magst. jedenfalls, wenn hamburger gerichte auch nur ansatzweise der in solchen fällen üblichen rechtsprechung folgen. der AStA FU beispielsweise wurde schon wegen verstoß gegen das „allgemeinpolitische mandat“ verurteilt, weil er eine veranstaltungsreihe zu eben diesem organisiert hatte. die kritik am politischen mandat, so das gericht, sei nicht hochschulbezogen und deshalb nicht im „zuständigkeitsbereich“ einer studierendenvertretung. wundern tut mich eher, dass ein nicht-mitglied der universität klagen kann: soweit ich weiß, steht die klage nur denjenigen offen, die einen „schaden“ erleiden, weil sie teil der zwangskörperschaft „studierendenschaft“ sind und einen semesterbeitrag für den AStA zahlen müssen. wobei sich irgendein RCDS-jura-fuzzi an eigentlich jeder uni finden lässt, der so eine klage einreicht.

  2. @berlinerjung: Ein Kalender der mit einer Auflage von 15.000 Stück kostenlos an die gesamte politische Bandbreite der Studierenden der Universität Hamburg verteilt wird, erreicht ein anderes Publikum als Publikationen aus der Szene für die Szene.

    Eine Formulierung wie z.B. „1933 tritt der spätere Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und späteres Mordopfer der RAF, der SS bei und engagiert sich in den Folgejahren im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund. Als Studentenführer ordnete er zahlreiche Willkürmaßnahmen gegen jüdische Studierende und Lehrende zur „Arisierung“ der Universitäten an“, am 1. Juli in Kalender hätte eine andere Wirkung gehabt und keine Steilvorlage für die Skandalisierung geliefert, wie sie dem vielleicht ursprünglichen Ansinnen des AStAs jetzt zuwider läuft und der Diskussion insgesamt schadet.

    Soweit ich das überblicken kann, sind wir das erste Medium, dass das mutmaßliche ursprüngliche Anliegen aus dem AStA aufnahm und die Funktionen von Schleyer bei der „Arisierung“ von Studierendenschaft, Lehrerschaft sowie den Universitäten und dessen Rolle im NS-Deutschland beleuchtet sowie die unkritische Erinnerungskultur wie die Benennung der Stuttgarter Mehrzweckhalle kritisieren.

  3. Ich sehe nicht wo der Asta die RAF abfeiert. Der Satz „Mit seinem Tod schafft Hanns Martin Schleyer die Voraussetzung für die nach ihm benannte Mehrzweckhalle in Stuttgart.“ muss nicht einmal Satire sein, um verantwortbar zu sein. Der Satz sagt doch – hoffentlich – nichts als die Wahrheit.

    Warum wurde denn die Halle nach Schleyer benannt? Weil er so ein toller Nazi war? Weil er so eine Bilderbuch No-NS-Remorse Karriere gemacht hat? Weil er so ein toller Arbeitgeberpräsident war? Nein, weil die RAF ihn abgeknallt hat. Warum wurde die Halle nicht nach seinem Fahrer benannt? Der wurde auch abgeknallt, und der hatte es im Gegensatz zu Schleyer sicherlich nicht verdient abgeknallt zu werden.

    Diese Gedenkkultur ist widerlich und gehört kritisiert. Das die BILD as usual darauf anspringt, ist Beweis genug.

  4. …vielleicht beim nächsten mal ein paar erbauliche Propaganda-Bilder von Ersatzfrau Leni Riefenstahl verwenden. Dann gibts auch keinen Ärger. (Ironie)

  5. Vielleicht kommt ja noch einer unserer „Volksvertreter“ auf die Idee vor der Schleyer Halle einen Filbinger Park anzulegen, in dem dann ein Buback Denkmal errichtet wird, in dessen Sockel gemeißelt steht „gefallen im Kampf für die Demokratie“, dann hätten nachfolgende Generationen, in einer hoffentlich gerechteren Gesellschaft, immerhin einen in Stein gehauenen blöden Witz, über den sie sich totlachen können.

    „Das sichtbare Leiden des gefangenen Arbeitgeberpräsidenten war für sich schon ergreifend. Irritierender noch war die Ahnung, daß die Polaroidphotos doppelt belichtet schienen. Das zweite Bild dahinter, über das nicht gesprochen wurde, war das heimliche, vielleicht das eigentliche Skandalon des Jahres 1977: Nie zuvor hatte man in Deutschland einen SS-Mann leiden sehen.“
    Friedrich Christian Delius

Comments are closed.