„Döner-Killer“ von der NPD im Oktober vor Gericht

Am 15. Oktober 2012 findet in Meppen der Prozess gegen den Neonazi Daniel Giese statt. Er ist wegen Volksverhetzung angeklagt, da er mit seiner Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ das Lied „Döner-Killer“ veröffentlicht hatte. Ein Prozess, der auch für das NPD-Verbot eine Rolle spielen könnte.

Von Patrick Gensing

Die Rechtsrock-Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ hatten in dem Lied die Mordserie an neun Menschen mit Migrationshintergrund, die später dem NSU zugeordnet wurde, besungen. Als die CD im Jahr 2010 veröffentlicht wurde, war allerdings noch gar nicht bekannt, dass es sich wirklich um eine rassistische Terrorserie handelte. Dennoch besang die Neonazi-Band die Mordserie:

Daniel "Gigi" Giese Stahlgewitter Gigi und die braunen Stadtmusikanten
Daniel „Gigi“ Giese (Foto: aan.blogsport.de)

Am Dönerstand herrschen Angst und Schrecken. Kommt er vorbei, müssen sie verrecken.

Kein Fingerabdruck, keine DNA. Er kommt aus dem Nichts, doch plötzlich ist er da.

Wer stillt seinen Hunger und wann geht er wieder jagen? Wann taucht er wieder auf? Kein Fahnder kann es sagen.

Wer ist der Nächste? Wann ist es so weit? Sie haben ihn längst verloren, den Wettlauf gegen die Zeit

In dem Lied wird eine bemerkenswerte inhaltliche Verknüpfung vorgenommen: „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ sangen von einem „Phantom“, das zuschlage. Genau dieser Begriff wurde von großen Medien nach dem Mord an der Polizistin Michelle Kiesewetter im Jahr 2007 in Heilbronn verwendet. Doch dieser Anschlag wurde erst nach dem Bekanntwerden der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ in einen Zusammenhang mit der rassistischen Mordserie gestellt.

Neunmal hat er es jetzt schon getan. Die SOKO Bosporus, sie schlägt Alarm.

Die Ermittler stehen unter Strom. Eine blutige Spur und keiner stoppt das Phantom.

Nun muss sich der Kopf der Band, Daniel Giese, vor Gericht verantworten. Auf Anfrage des Autors teilte das Amtsgericht Meppen mit, der Prozess finde am 15. Oktober 2012 um 09.00 Uhr vor einer Strafrichterin statt. Zwischenzeitlich hieß es, das Landgericht Osnabrück solle den Fall verhandeln, dieses gab es aber wieder nach Meppen ab.

NPD distanziert sich nicht von Mitglied

Das Buch "Terror von rechts" von Patrick Gensing ist im Rotbuch-Verlag erschienen.
Das Buch „Terror von rechts“ von Patrick Gensing ist im Rotbuch-Verlag erschienen.

In dem Buch „Terror von rechts“ wird zudem berichtet, Giese sei Mitglied der NPD – und zwar bereits seit Jahren. Eine antifaschistische Gruppe aus Nordhorn hatte demnach ein internes Dokument aus der Partei vorliegen, das zeigt, dass Giese Mitglied der NPD war und sogar eine Funktion übernommen hatte.

Auf Anfrage des Autors an die Partei, ob Giese denn weiterhin Mitglied sei und wie die NPD dies bewerte, reagierte die Partei zunächst nicht. Erst auf die Nachfrage, ob die Mitgliedsnummer Gieses bei der Beantwortung der Frage helfen würde, antwortete NPD-Pressesprecher Frank Franz im März 2012: „Herr Giese ist Musiker. Die Mitgliedschaft in der NPD ist nicht von der Berufstätigkeit abhängig. Für das subjektive Empfinden, ob etwas geschmackvoll oder geschmacklos scheint, kann ein Mitglied nicht ausgeschlossen werden.“

Was die NPD mit „subjektivem Empfinden“ meint, wird anhand des Lieds „Döner-Killer“ deutlich:

Bei allen Kebabs herrschen Angst und Schrecken. Der Döner bleibt im Halse stecken,
denn er kommt gerne spontan zu Besuch, am Dönerstand, denn neun sind nicht genug.

Ob Giese weiterhin Mitglied der Partei ist, wollte Franz im August 2012 nicht kommentieren, dementierte es aber nicht. Auch bei dieser Gelegenheit distanzierte sich die Partei nicht von den menschenverachtenden Texten der Band.

Dass ein Parteimitglied rassistische Mordserien offenbar gutheißt und sogar weitere Opfer fordert („denn neun sind nicht genug“) könnte indes auch für ein mögliches NPD-Verbotsverfahren relevant sein.

Siehe auch: Vernichtung als politisches Programm, Wenn der parlamentarische Arm zuschlägt, “Denn neun sind nicht genug …”

9 thoughts on “„Döner-Killer“ von der NPD im Oktober vor Gericht

  1. Ich kannte das Lued bislang nicht. Vielleicht ist es ja auch gut, dass es nicht bekannt ist. Aber einfach gruselig. Offenbar war doch vielen „Eingeweihten“ sehr viel mehr über NSU bekannt. Kann man irgendwie darauf hoffen, dass da mal jemand redet? Aus dem linken Terrorismus sind ja ab und zu ein paar ausgestiegen. Ist das hier vielleicht auch drin? Irgendwie lebt es sich doch sicher schlecht mit der zumindest Beihilfe zu zehn Morden.

  2. Hmm, denke mal nicht, dass er ne Strafe bekommt. Alle Alben werden immer von unabhängigen Rechtsanwälten auf strafrechtliche Relevanz geprüft. Bekommen diese eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, darf er für das Veröffentlichten eigentlich nicht bestraft werden, siehe Verbotsirrtum.

  3. Giese ist schon länger im Visier, aber da wie „ichwersonst“ schon richtig festgestellt hat, nichts davon Hand und Fuß hat, wird es entweder ins Leere laufen oder wenn man es wirklich darauf anlegen sollte, allenfalls auf eine Bewährungsstrafe hinauslaufen.

  4. Das belegt das natürlich nicht, dass Giese mehr wusste als die allgemeine Öffentlichkeit. Gewalt und Mord zu besingen, das ist auch nicht so neu. Das macht jede Metalband, ich möcht da nicht so gern der Spiesser sein. Gleichwohl müssen die Behörden der Sache nachgehen, ob in der rechten Szene mehr gewusst wurde zu den Taten. Ich fürchte das Schlimmste. Der NPD ist wohl nichts zu peinlich.

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