Die NPD und die Angst vor dem braunen Mann

Darf er, oder darf er nicht? Der Gründer der Mini-Partei Die Rechte, Christian Worch, bekannt aus Funk und Fernsehen, sollte bei einem NPD-Aufmarsch in Stendal sprechen. Das sorgte beim Parteivorstand offenbar für Bauchschmerzen – und so wurde ein Beschluss gefällt, der der NPD noch auf die Füße fallen könnte.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Christian Worch organisierte den Abmarsch der Neonazis mit. (F: Kai Budler)
Christian Worch bei einer Demo der Kameradschaftsszene Anfang Juni in Hamburg (F: Kai Budler)

Als der Neonazi Christian Worch im Mai dieses Jahres mit ein paar Abtrünnigen aus der untergegangenen DVU seine neue Partei „Die Rechte“ gründete, dürfte er kaum mit einem derart großen medialen Echo gerechnet haben: Mittlerweile sind über dieses Grüppchen gewiss mehr Zeilen geschrieben worden, als die Partei jemals Mitglieder haben wird. Dennoch scheint man in NPD-Kreisen vor dem Worch´schen Papiertiger schon jetzt mehr Angst als die vielgepriesene „Vaterlandsliebe“ zu haben.

Sichtbarer Ausdruck dafür ist das drohende Debakel um eine rechtsextreme Demonstration in Stendal, die für Ende September geplant ist. Das Motto der eigentlich strikt braunen Veranstaltung kann man getrost als „ein Kessel Buntes“ rechtsextremer Themen betrachten – die geplante Rednerliste aber ist laut Ankündigungen vergleichsweise prominent besetzt: Sprechen sollten der NPD-Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, und eben Christian Worch.

Doch die Anwesenheit von Worch ist im NPD-Bundesvorstand in Berlin offenbar mehr als sauer aufgestoßen – und so reagierte dieser prompt mit einem Beschluss: „Mitglieder von politischen Parteien, die mit der NPD konkurrieren, und die sich öffentlich gegen die NPD positionieren, dürfen bei Veranstaltungen der NPD nicht als Redner eingesetzt werden“ – so lautet das Vorstandsvotum.

Fazit: Ein glatter Rausschmiss für Worch, den dieser aber eher als eine Art Ritterschlag empfunden haben dürfte. Denn soviel Bedrohungspotential hatte er seiner kleinen Truppe wohl selbst nicht zugetraut. Zugleich ist dieser Beschluss ein offenkundiger Hinweis auf das schwindende Selbstvertrauen der NPD in die eigene Kraft und das Wissen um die zunehmende politische Bedeutungslosigkeit. Zumindest in diesem Sinne ist der NPD-Parteiführung eine gewisse Nähe zur Realität nicht abzusprechen.

Dennoch könnte der Beschluss des NPD-Vorstands zugleich die Lunte an ein Fass gelegt haben, das für die Partei auf Sicht bald von erheblicher Sprengkraft sein könnte. Denn noch ist offenbar nicht ausgemacht, ob die NPD vor Ort vor diesem Diktum des Bundesvorstandes kuschen wird, oder ob sie – nicht zuletzt mit Rücksicht auf die „freien Kameraden“ – gegen die Berliner Knute Widerstand leisten wird. Bislang hat sich der Bundesvorstand offenbar durchgesetzt, auf der Seite der NPD in Sachsen-Anhalt fehlt der Name Worch in der Rednerliste.

Ein interner Machtkampf droht – um eine Rede des „Rechten“-Gründers Christian Worch; mehr Aufmerksamkeit für eine Mini-Partei im „nationalen“ Lager geht nicht.

Lesetipp: Medienhype um Die Rechte – Ein guter Tag für Christian Worch

4 thoughts on “Die NPD und die Angst vor dem braunen Mann

  1. Mit diesem Beschluss fällt die NPD noch mehr ins Nichts. Es muss doch möglich sein 3 Landesverbände zu finden die dem Trauerspiel ein Ende machen und dafür sorgen einen Bundesparteitag einzuberufen um die Spitze abzuwählen, bevor die Partei ganz am Boden liegt.Hier muss doch jeder sehen das der Staat die Finger im Spiel hat.
    NPD Mitglieder wacht endlich auf.

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