Damage für NS-HipHop

Der einschlägig vorbestrafte Neonazi Dieter Riefling hatte es via Facebook als erstes gemeldet: „Razzia bei MaKss Damage!“ Zeitgleich wurde die Wohnung des Bielefelder Rappers „King Bock“ durchsucht. Die Polizei beschlagnahmte dabei die Aufnahmetechnik und Computer der braunen Musiker. Ihnen wird Volksverhetzung in dem gemeinsamen Song „Die Faust geht zum Kopf“ vorgeworfen.

Von Roland Sieber

Auf Anfrage der NW bestätigte der zuständige Staatsschutz in Bielefeld die Ermittlungen gegen den antisemitischen Gütersloher Rapper Julian Fritsch (MaKss Damage) und gegen den einschlägig vorbestraften Bielefelder NS-HipHopper „King Bock“. Das Amtsgericht Bielefeld erließ demnach auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen entsprechenden Beschluss. Bei den Razzien wurden diverse Datenträger und Geräte zur Musikproduktion sichergestellt, die jetzt ausgewertet werden müssten.

In dem gemeinsam produzierten Song „Die Faust geht zum Kopf“, der auf YouTube und der Homepage von MaKss Damage veröffentlicht ist, heißt es:

„Setzte mich für mein Blut und unsere Tugenden ein […] Ich steckte sie alle gemeinsam in den nächsten Zug nach *** […] Die Faust geht bis an die Nase […] Die Faust geht zum Kopf, wie der Beat ins Gehirn […] Ich lasse meinen Namen in den Reichstag gravieren […] Ich trage den Hass in meinem Herzen wie das Steinar-Hemd und ich rappe für mein Land bis mich jeder kennt.“

Es geht um Gewalt gegen vermeintliche Linke und Ausländer, über „Deutsche Helden“ die ihre Hoffnung verlieren, in der üblichen rassistischen „Angst vor Überfremdung“- und Volkstod-Manier.

Das Wurstcase-Szenario des deutschen Raps: Makss Damage.
Das Wurstcase-Szenario des deutschen Raps: Makss Damage.

Aufgrund zweier Titel von MaKss Damage wurde im März bereits die Schulhof-CD der Berliner NPD indiziert: Die Texte diskriminiere Ausländer, wirken verrohend und reizen zu Gewalt auf, so die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Schon 2009 war  die CD „Walther – Steinar – Königssee“ von King Bock unter anderem wegen Verherrlichung des Nationalsozialismus indiziert worden.

Fritsch soll auch einer der Urheber der Website der „Kameradschaft Gütersloh“ sein und dort rassistische Texte verbreiten sowie sich an Anti-Antifa-Aktionen beteiligt haben. Nach Eigenbeschreibung ist er ein aus Gütersloh stammender politischer Aktivist und Musiker, der sich ab 2005 bei der „Jugend-Antifa Gütersloh“ engagiert hatte. Nach zwei Jahren begriff er sich zunehmend als „deutscher Kommunist“ und wurde in der „Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend“ (SDAJ), dem inoffiziellen Jugendverband der DKP aktiv und schließlich aufgrund seiner angeblichen marxistisch-leninistische Orientierung in der „Kommunistische Initiative“.

Antisemitischer HipHopper

Bei seinen politischen Aktivitäten will MaKss die Musik als wichtiges Transportmittel zur Vermittlung von politischen „linken“ Inhalten entdeckt haben. So bot er 2008 sein erstes Album „Alarmstufe Rot“ im Internet zum kostenlosen Download an. Wegen seinen antisemitischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Texten war er von Beginn an umstritten, aber von Teilen der antiimperialistischen Linken wurde er begeistert bejubelt.

Im Jahr 2009 erschien „Stalins Way“ und 2010 folgte „MaKssismus“, indem er mit dem Satz „Tötet diese antideutschen Hurensöhne!“ zum Mord aufrief und singt: „Ich würde eher Adolf Hitler, Heinrich Himmler oder Ernst Röhm als euch links nennen“. In dem Lied „Arabisches Geld“ heißt es: „Ich leite Giftgas lyrisch in Siedlungen die jüdisch sind“.

Seitenwechsel

Was Aufgrund seiner Texte vorhersehbar war, vollzog Julian Fritsche im Februar 2011 öffentlich. Er gab Axel Reitz, dem „Hitler von Köln“ (taz) vor laufender Kamera ein Interview, indem er sich zu „seinen nationalen, volkstreuen und sozialrevolutionären Anschauungen“ bekannte und seinen Wechsel in die Reihen des „Nationalen Widerstandes“ begründete. Sein Vorbild sei Horst Mahler, so der Rapper.

Homepage MaKss Damage
Homepage MaKss Damage

MaKss Damage jammerte zur Freude der Nazis in dem vierteiligen YouTube-Video, dass er das militärisch-kämpferische und das Gemeinschaftsgefühl bei den Linken vermisst. Diese unternähmen nichts gegen „die kriminellen Ausländerbanden“, die in „deutschen Städten ihr Unwesen trieben“. Er warnte vor den „Antideutschen“, die den linken Nachwuchs agitieren würden.

Vor gut einem halben Jahr sei er in eine Sinnkrise geraten und hätte hinterfragt, ob das „was ich glaube, mit dem überein [stimmt], was ist“. Dabei hat der selbsternannte Stalinist dann festgestellt, dass es „Widersprüche in Massen“ gebe, was in den Videos aber mehr nach völkischen Sehnsüchten als nach Widersprüchen klingt.

Interview von Axel Reitz (rechts) mit MaKss Damage (mitte) ©Screenshot von YouTube

Über seine erste Demonstration in den rechten Reihen Ende Januar 2011 in Wuppertal gerät er geradezu ins Schwärmen: „Als wir losmarschiert sind. Das war eine Einheit, das war ein Zug. Wie eine Faust, die nach vorne geht.“ Er sei „schon immer für Deutschland“ und „das deutsche Volk“ gewesen, lässt der Rapper wissen, bevor er zum Schluss die Linken aufruft, auch mal die andere Seite kennenzulernen und dabei auf Holocaustleugnung anspielt.

Die Ankündigung mehr „nationale Elemente verwenden“ zu wollen, setzte er 2011 mit seinem ersten Neonazi-Album „Sturmzeichen“ mit sechs Liedern um. In „Höllenmarsch“ singt er von:

„schwarz-weiß-rot […] es geht wieder los [Affenlaute] ab in die Zoos! Ich mache aus schwarzer Mucke weiße, wie Elvis damals. Keiner meiner Helden war schwarz […] den Dreck rauszuschmeißen […] wegen meiner Mucke hauen Ausländer ab und zu meiner Mucke macht man V-Männer platt und, da auch nach dem Völkerrecht der Krieg noch nicht vorbei ist […] ist der blutige Morgen […] das Blei in der Mine zu Kugeln geformt.“

Die Entwicklung des deutschen Rappers war vorhersehbar. Dennoch distanzierte sich die SDAJ erst nach heftiger Kritik im Mai 2010 von dem selbsternannten kommunistischen Rapper. Doch auch danach wurde er weiter aus der antiimperialistischen Szene unterstützt.  Leider kein Einzelfall, hört man sich gewisse Texte von anderen antiimperialstischen Rappern an.

 Siehe auch: Produktion von Populärmythen am laufenden Band,  Ein Nazi namens Makss, NS-HipHop: King Bock, Antisemitischer “Kommunisten-Rap”, Nazi-Rapper zu Bewährungsstrafe verurteilt / Interview mit “Chaoze One”, Vom Rumpel-Rock zum Nazi-ReggaeMutmaßliches Linke-Mitglied posiert mit Waffen und droht gegen Zionisten, Querfront: Rosa Luxemburgs Erben für Rudolf Heß

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