Burschenschafter hatten Kontakt zu NSU-Umfeld

Die Thüringer Landesregierung hat bestätigt, dass Burschenschafter der Normannia Jena Kontakt zu Ralf Wohlleben und Andre Kapke (mutmaßliche NSU-Unterstützer) hatten.

Auf eine Anfrage der Linksfraktion antwortete die Landesregierung, die Burschenschaft Normannia existiere wohl weiter. Sie bildete sich demnach im Dezember 1999 als Abspaltung aus der Burschenschaft „Jenensia“. Ausschlaggebend für die Abspaltung der „Normannia“ war u. a. die als rechtsextremistisch bewertete Veranstaltung des Publizisten Peter DEHOUST am 1. Dezember 1999. Mitglieder des „Thüringer Heimatschutzes“ (THS) fungierten als Ordner. Unter den Teilnehmern befand sich auch Tino BRANDT.

Ralf Wohlleben (5. von re.) dürfte zurzeit weniger gute Laune haben als auf diesem Bild, das ihn im Braunen Haus zeigt.
Ralf Wohlleben (5. von re.) dürfte zurzeit weniger gute Laune haben als auf diesem Bild, das ihn im Braunen Haus zeigt.

Zudem liegen der Landesregierung nach eigenen Angaben Erkenntnisse vor, dass Ralf Wohlleben und Andre Kapke persönliche Kontakte zu Angehörigen der Burschenschaft „Normannia“ pflegten und in der Vergangenheit an einzelnen Veranstaltungen teilnahmen. Die Burschenschaft „Normannia“ nutzte zudem das „Braune Haus“ in Jena in den Jahren 2006 bis 2009 für verschiedene Veranstaltungen, wie Burschenschafts- und Vortragsabende. Der Landesregierung liegen Erkenntnisse zu sechs Veranstaltungen vor.

Publikative.org hatte im August 2009 berichtet: „In den Räumlichkeiten führte die neonazistische Jenaer Burschenschaft Normannia regelmäßig Veranstaltungen durch, außerdem fanden dort nach Angaben der Betreiber bislang mehr als 100 Konzerte sowie Schulungs- und Vernetzungstreffen von Kameradschaften, der NPD und den JN statt.“

Katharina König von der Linksfraktion betonte, nicht das Innenministerium, sondern das Aktionsbündnis gegen Rechts und antifaschistische Gruppen aus Jena hätten die Verstrickungen der Normannia, die aus der Burschenschaft Jenensia hervorging, bereits vor Jahren aufgedeckt. Weiter sagte König: „Die engen personellen und strukturellen Verbindungen der Burschenschaften Jenensia Jena und der aus ihr hervorgegangenen Burschenschaft Normannia zu Neonazis und zur NPD seien seit Jahren bekannt. Insbesondere die Normannia stelle eine Schnittmenge zwischen rechtskonservativen und militant neonazistischen Personen und Gruppierungen dar.“

In entsprechenden Publikationen hätten örtliche Aktivisten immer wieder thematisiert, in welch braunem Sumpf die Normannia steckt, die sich nicht nur durch das Veranstalten von rechtskonservativen Vorträgen einen Namen machte. „Die Vernetzung zur Szene belegte bereits der Umstand, dass der Jenaer Republikaner Wilhelm Tell ein Haus im Zentrum Jenas kaufte, welches der Normannia vor der Nutzung des ,Braunen Hauses‘ zur Verfügung stand“, informiert Frau König. Neonazistische Zeitungen hätten das Objekt beworben, wie der rechte Verlag „Nation und Europa“ aus Coburg, in dem V-Mann Tino Brandt mitarbeitete oder das „Mitteldeutsche Sprachrohr“ aus Jena, das maßgeblich vom jetzt inhaftierten Ralf Wohlleben herausgegeben wurde. „Auch dass im Jahr 2004 bei einen Neonazi-Aufmarsch in Halbe mit über 900 Anhängern zwei Burschenschafter der Burschenschaft Normannia einen Kranz für gefallene deutsche Soldaten niederlegten, spricht eine eindeutige Sprache“, so König. „Burschenschaften sind nicht nur einfache Studentenverbindungen – auch sie bieten Neonazis Organisations- und Rückzugsräume“, konstatiert die LINKE-Abgeordnete.

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4 thoughts on “Burschenschafter hatten Kontakt zu NSU-Umfeld

  1. Die Erkenntnisse die mittlerweile zu Tage gefördert wurden, in ihrer Gesamtheit, lassen einem schon Übelkeit hochkommen. Dass sich die Lage für deutsche staatliche Strukturen (welche anscheinend Mitglieder die NSU angeleitet haben und seeeehr lange über die NSU Bescheid wussten) zuspitzt, ist unübersehbar.

    Außerdem wird man sicherlich die Frage stellen müssen, wenn Teile der deutschen Behörden eingeweiht waren und das über scheinbar sogar längere Zeit, wieso diese es nicht verhindert haben, dass Menschen getötet wurden, Menschen verletzt wurden, Bomben gezündet wurden, Raubüberfälle begangen wurden usw. – Die rechtliche Konsequenz aus diesem „Wegschauen“ dürfte jetzt schon feststehen, ich denke mal dass der Gesamtfall jetzt erst richtig ins Rollen kommt – und ob die drei Clowns der NSU die einzigen sind, ist noch eine ganz andere Frage.

    Tut mir leid, aber dies erinnert mich stark an Gladio-Netzwerke – dachte eigentlich diese Zeiten des staatlichen Terrors unter falscher Flagge (Strategie der Spannung) wären vorbei, es scheint leider nicht so zu sein.

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