Der Fall der Eiche

Ein Baum ist ohne Genehmigung gefällt worden – und nun rauscht der Sturm der Empörung durch den Blätterwald, bzw. als Shitstorm durchs Netz. Denn die „Arbeitsgruppe antifaschistischer Fuchsschwanz“ hat nicht weniger gewagt, als das offizielle Gedenken an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen in Frage zu stellen. Das reicht, um mit rassistischen Gewalttätern auf eine Stufe gestellt zu werden. Ein Streifzug.

Zusammengestellt von Patrick Gensing

Feiger Mord an Friedenseiche in Lichtenhagen! (Storch Heinar) So richtig Wurzeln geschlagen hatte die Friedenseiche vor dem „Sonnenblumenhaus“ wohl noch nicht. Nun ist die Friedenseiche tot – linke Aktivisten haben sich zur Tat bekannt. (Endstation Rechts).

Ein Sprecher der Stadt Rostock bedauerte den Vorfall. „Das Pflanzen der Friedenseiche war einer der Höhepunkte rund um die Aktivitäten zum 20-jährigen Gedenktag.“ (Spiegel Online) 

In Zwickau haben in der Nacht zum Sonntag mehrere Männer vor einer Diskothek eine Gruppe Ausländer angegriffen. Dabei wurden ein 26-jähriger Türke und ein 46 Jahre alter Iraner schwer verletzt. Wie die Polizei mitteilte, befindet sich der 26-Jährige noch in stationärer Behandlung. Am Dienstag hat das Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernommen.  (MDR vom 29. August 2012)

Gewalt, egal ob gegen Personen oder gegen Sachen, ist durch nichts und keinen zu rechtfertigen! Ich kann weder die rechte noch die linke Kinderkacke mehr sehen und hören! (Uwe Martens auf Storch Heinar) Die sind keinen Deut besser als die Rechtsfaschisten…. (Schlechtmensch auf Focus.de)

Gewalt gegen Ausländer - und Friedenseichen.
Gewalt gegen Ausländer – und Friedenseichen.

 „Die sich der Sachbeschädigung selbst bezichtigenden Extremisten aus dem offensichtlich linksautonomen Spektrum beweisen damit, dass sie selbst nicht demokratiefähig sind“, betonte Innenminister Caffier. (Tagesspiegel) Das Verhalten dieser Linksextremisten ist nicht besser als das der Leute die sie zu bekämpfen behaupten. Einfach beschämend! (georg3 auf Focus.de) 

Die offensichtlich antisemitische Tat geschah gegen 18.20 Uhr. Der 53-jährige Rabbiner war mit seiner sechsjährigen Tochter in der Beckerstraße in Friedenau unterwegs. Dort versperrte ein Jugendlicher – laut Polizei „vermutlich arabischer Herkunft“ – dem Mann mit der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung den Weg. Dabei fragte er, ob der Mann Jude sei. „Drei weitere Jugendliche, vermutlich Landsleute des ersten, kamen hinzu und stellten sich hinter Vater und Tochter“, hieß es bei der Polizei. Der Jugendliche, der vor ihm stand, schlug anschließend unvermittelt mehrmals zu und verletzte den 53-Jährigen im Gesicht. Danach hagelte es Beleidigungen. (Tagesspiegel vom 29. August 2012)

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Die Grünen im Land verurteilten das Fällen des Baumes, der erst am Sonntag gepflanzt worden war. (Die Welt) Idioten…Bäume haben keine Nationalitat,da muß man sich als linksorientierter Mensch schämen, bei dieser begründung (diesen geistigen Tiefstflug )die sie da abgegeben haben da gehören sie in die psychiatrie um wieder ein wenig realitätssinn zu lernen (Torsten Rempt bei Storch Heinar) armes Deutschland in dem man sich unter dem Deckmantel politischer Meinungsäußerung an Bäumen vergeht……..da ist nur noch ein kleiner Schritt bis zur Bücherverbrennung  (Frank Peter bei Storch Heinar)

Um den Baum ist es nicht schade, er sollte ein ewiges Schandmal sein – dafür dass sich die Lichtenhäger Bürger damals gegen die Zigeuner und die mit ihnen eingezogene Kriminalität wehrten. Die Randalierer kamen erst später. (Daniel Frey aus Rostock bei der Jungen Freiheit)

 Doch die Polizei, so der Vorwurf des Bruders des Vaters, habe an dem Abend alles falsch gemacht. Nach dem Notruf habe es zehn Minuten gedauert, bis die Polizei da war. Die fand die beiden Täter vor, erzählt der Frankfurter, der an der Uniklinik als Radiologe arbeitet, und seinen Bruder mit einem Messer in der Hand. Für die Polizei sei wohl sofort klar gewesen: ein Streit in einer türkischen Familie. Der Arzt nennt so etwas „institutionalisierten Rassismus“. So wurde sein Bruder in Handschellen zur Wache gebracht. Das Opfer sei zum vermeintlichen Täter geworden. Und in dem Ausnahmezustand, in dem sich der Bruder befand, hätte er auch nicht befragt werden dürfen. (Rhein-Zeitung, 29. August 2012)

Man hätte als stiller Beobachter im Dämmerlicht vor dem „Sonnenblumenhaus“ Zeuge der szenischen Darstellung eines unauflösbaren Konfliktes werden können: „Der Feind (Baum) meines Feindes (Neonazis) ist mein Freund“. Und umgekehrt!  (Endstation Rechts) Noch schlimmer als das ganze rechte Gesindel sind die rotgefärbten Faschisten im linken Spektrum, die in allem den Beleg für Deutschtümmelei sehen. Was soll man denn pflanzen? Eine Palme? (Pussycat auf Welt-Online) 

Allerdings ist die Eiche schon vor und nach dem Hitler-Regime als Symbol in Deutschland verwendet worden, nicht zuletzt auf den D-Mark-Münzen. (Rostocker Journal) Die Initiative „Bunt statt braun“ hat für Mittwochabend zu einer Mahnwache an den Stumpf aufgerufen. (Ostseezeitung)

«Kanaken», brüllt er, «geht in Euer Land zurück … mit Eurem Scheißkopftuch». Aicha trägt einen Seidenschal über dem Haar, die fremde junge Frau zeigt mit dem Finger auf sie, fängt ebenfalls an zu brüllen. «Wenn ihr jetzt noch anfangt, Türkisch zu reden, schlagen wir euch zusammen und polieren Euch die Fresse», droht der Mann lautstark. […] Doch das bringt das Duo erst richtig auf, beide stürmen auf die wehrlosen Frauen zu, Selma verspürt einen schweren Schlag an der Schläfe: «Ich bin nur so herumgewirbelt, dann lag ich auf dem Boden, hörte Schreie und sah, wie sie auf meine Schwester einschlugen …» (Aachener Zeitung vom 27. August 2012).

Rostocks Senatorin für Soziales, Liane Melzer, sagte: „Die Hansestadt Rostock wird einen neuen Baum pflanzen. Wir werden weiter an Lichtenhagen 1992 erinnern und auch in Zukunft damit leben müssen, dass Lichtenhagen auch als Plattform für Diskussionen um Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Asylpolitik dient. Das Absägen der Eiche ist ein Zeichen, dass der Aufarbeitungsprozess noch längst nicht beendet ist.“ (Mitteilung der Stadt Rostock)

Bei der Stadt gehen seit der Baumfällung übrigens reihenweise Solidaritätsbekundungen ein, eine Baumfirma aus Nordrhein-Westfalen hat bereits angeboten, sofort eine neue Eiche zu spenden. „Noch sind wir alle ein wenig ratlos und entsetzt“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze, „aber eines Tages werden wir bestimmt eine neue Eiche pflanzen“. (Zeit Online)

Hier alle Nachrichtenmeldungen zu dem gefällten Baum in Lichtenhagen.

Siehe auch: Das Problem heißt RassismusDie konformistische Revolte

20 thoughts on “Der Fall der Eiche

  1. Die Eiche, das wissen alle Nationalisten, vor allem die germanischen, ist dem „Gott“ Thor geweiht.
    Eine richtige Aktion!
    Denn welcher Gesinnung war der, der empfahl ausgerechnet dort eine Eiche zu pflanzen?
    Wem dient dann solch eine Gedenkstätte?

  2. Wer Bäume absägt, frisst auch kleine Kinder. Dabei war das so ein schönes gemütliches Zeichen dafür, dass wir ja in Wirklichkeit gegen all den bösen Rostocker Rassismus sind. Heute jedenfalls. Reuig und aufgearbeitet.

    Btw: In Deutschland wachsen vor allem Buchen. Für Frankreich ist die Eiche viel typischer.

  3. Hoffentlich fällen die Dummen jetzt nicht gleich sämtliche (Deutschen) Eichenwälder oder töten alle (Deutschen) Schäferhunde. Hoffentlich kriegt man solche Störer mal an ihrem „roten Fuchsschwanz“…!

  4. Die heimische Eiche will besonders geschützt sein. Unter der redete der Präsident der Deutschen: „Doch heute und hier versprechen wir: Allen Rechtsextremisten und Nationalisten, all jenen, die unsere Demokratie verachten und bekämpfen, sagen wir: Wir fürchten euch nicht – wo ihr auftretet, werden wir euch im Wege stehen: In jedem Ort, in jedem Land, im ganzen Staat.“
    Er der Pfaffe aus dem Osten, mit genug Moral für die ganze Republik. Während er an seine Kanzlerin denkt und ihre Kumpane:
    http://sphotos-b.xx.fbcdn.net/hphotos-ash3/s480x480/562709_423915637654100_1755324420_n.jpg
    hat er Recht. Sie müssen sie nicht fürchten und man erkennt: sie stehen ihren Feinden, mit einem christlichem Lächeln im Gesicht, im Wege nicht.
    Und schon am Anfang seiner Rede stand die Wahrheit Pate: „Es ist Vergangenheit, was uns heute hier in Lichtenhagen zusammenführt – was wir erinnern, was wir beklagen, was uns beschämt: Alles war vor zwanzig Jahren. Es ist Vergangenheit – das war mein erster Satz.“
    Herr Gauck und Frau Merkel ihr Wort ist weniger Wert als der nun gefällte Baum, von dem schon Brecht wusste: „Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist – Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt?“
    Es ist die Vergangenheit, die nicht vergehen wird.
    Danke Patrick für notwendige und gute Arbeit.
    Ich hoffe das Bild lässt sich im Kommentar einfügen.

  5. Hey Maik Berg, ich denke, bevor du dir über diese „Störer“ das Maul zerreisst, solltest du erstmal noch ein bisschen die Schulbank drücken.

    Daß nun jedes Schmierplatt wie die getroffenen Hunde beteuert, die deutsche Eiche sei unpolitisch und die Aktion eine Schande, ist doch pervers. Dabei setzt der Umstand, dass das Ganze auf einer Veranstaltung mit einem rechtsaffinen Bundespräsidenten gepflanzt wurde, der ganzen Gedenk-Show noch die Krone auf. Das offizielle Gedenken war, ist und bleibt leider eine Farce! Tut nicht so scheinheilig, als ob es nach dem Showwochenende von letzter Woche überhaupt noch irgendeine Form der Auseinandersetzung gegeben hätte. Mit den rassistischen Pogromen und dem Fortwähren ihrer Ursachen möchte man sich hier einfach nicht beschäftigen.

    Ihr wollt doch alle nur zur Tagesordnung übergehen! Wär der Baum nicht gefällt, wäre das wohl auch gelungen…!

  6. Weshalb veröffentlicht Ihr die Kommentare Rechtsextremer und kommentiert sie nicht einmal. Man könnte meinen, Ihr ginget mit den publizierten Ansichten/Hetzen konform. Ich finde das gilt es mindestens zu überdenken. Auch ich war zunächst skeptisch ob Eurer Gesinnung, obwohl Euer Dachverband die A.A.-Stiftung ist.

  7. Ein Baum wurde zur Erinnerung an das Pogrom in Rostock gepflanzt.
    Und Linke sägen ihn um, weil ihnen die Nationalität des Baumes nicht passt ?

    Hier geht es nicht darum das Eiche doitsch war, hier geht es darum das man dem faschistischen Schweinestaat BRD und seinen Repräsentanten – Gauck – nicht die Deutungshoheit über die Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen überlassen will.

    Natürlich macht das nur Sinn wenn man daran festhält das der Staat BRD ein faschistisches Schweinesystem ist, und seine Repräsentanten Heuchler, verkappte Nazis, Faschisten ect…

    Was genau dieser Faschismus sein soll – außer der politischen Bewegung in Italien die sich selber so bezeichnet hat – bleibt jedem selbst überlassen.
    Wie heist es so schön ? „Alles Faschos ausser Mutti“

Comments are closed.