Marsch der Antisemiten

Etwa 600 Anti­se­mi­ten haben sich in die­sem Jahr am „Al Quds”–Marsch in Ber­lin beteiligt. Es han­delt sich um eine jähr­li­che Pro­pa­gan­da­ver­st­an­stal­tung für das ira­ni­schen Regimes und seine Apo­lo­ge­ten, die Israel mit Ver­nich­tung bedro­hen. Da dürfen deutsche Nazis nicht fehlen.

Von Martin Wassermann, Reflexion

Im Auf­ruf zum größ­ten isla­mis­ti­schen Auf­marsch, an dem sich aller­dings auch andere Israel-Hasser betei­li­gen, wurde zum „Wider­stand der Völ­ker” auf­ge­ru­fen. Auch in die­sem Jahrwur­den zahl­rei­che Fah­nen ver­schie­de­ner isla­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen, wie die der anti­se­mi­ti­schen His­bol­lah, geschwenkt.

Auf Bil­dern waren die Por­traits des syri­schen Des­po­ten Assad oder des ira­ni­schen Vor­den­kers Aya­tolla Kho­meini zu sehen. Ergänzt wurde das ganze durch die deut­sche Fahne, wäh­rend in Sprech­chö­ren die anti­se­mi­ti­sche Ritu­al­mord­le­gende von den ermor­de­ten Kin­dern eine neue Wie­der­kehr erfuhr, als die mar­schie­ren­den Anti­se­mi­ten Israel als „Kin­der­mör­der” ver­un­glimpf­ten Andere Sprech­chöre rich­ten sich gegen „die Zio­nis­ten”. Es han­delt sich dabei um einen rhe­to­ri­schen Trick, mit dem Jüdin­nen und Juden ver­un­glimpft wer­den sol­len. Wenn Anti­se­mi­ten gegen „Zio­nis­ten” anbrül­len, mei­nen sie Jüdin­nen und Juden. Zu den ekel­haf­ten Sprech­chö­ren pass­ten anti­se­mi­ti­sche Kari­ka­tu­ren, auf denen etwa ein haken­na­si­ger Jude zu sehen war, der die Welt mit Atom­waf­fen bedroht. Außer­dem rie­fen die Demonstrant_innen die übli­chen Sprech­chöre, die aus der Mot­ten­kiste des Anti-Imperialismus stam­men. Auf Papp­schil­dern wur­den die USA als „Welt­brand­stif­ter” bezeich­net und für acht Mil­lio­nen Tote ver­ant­wort­lich gemacht, wäh­rend zur glei­chen Zeit ver­schie­dene Regime, deren mör­de­ri­sche Potenz keine Rolle spielte, in den Him­mel gelobt wurden.

Kein Wun­der, dass sich auch Nazis und andere Feinde der USA und Isra­els am anti­se­mi­ti­schen Auf­marsch betei­lig­ten. Da wäre zum Bei­spiel die Nazi-Rapperin „Dee EX”, die mit mit einem selbst­ge­bas­tel­ten Trans­pa­rent teil­nahm, um für „Freie Völ­ker” ein­zu­tre­ten. Die­ser völ­ki­sche Jar­gon der rei­men­den Nazi-Aktivistin passte zu den anti­se­mi­ti­schen Paro­len des Auf­mar­sches, in dem die „Völ­ker” des Öfte­ren bemüht wur­den. „Deut­sche Patrio­ten wol­len keine Kriege”, hieß es auf dem Trans­pa­rent der Nazi-Rapperin, die noch vor eini­ger Zeit in der ras­sis­ti­schen Kleinst-Partei „Die Frei­heit” aktiv war und die sich guter Kon­takte zu rech­ten Ver­schwö­rungs­ak­tivs­ten und deutsch­na­tio­na­len Zei­tungs­her­aus­ge­bern erfreut. Besag­ter Zei­tungs­her­aus­ge­ber, der schon mal den ein oder ande­ren Holo­caust­leug­ner zum Kaf­fee­kränz­chen trifft, hatte im Vor­feld zur Teil­nahme gegen „die Kriegs­bes­tie” auf­ge­ru­fen. Der Auf­ruf wurde prompt von der IRIB — einer Rund­funk­ge­sell­schaft des ira­ni­schen Regimes — über­nom­men, die den Auf­ruf zum Auf­marsch auf ihrer Inter­net­seite veröffentlichte.

Dort hielt der rechte Ver­schwö­rungs­ak­ti­vist Chris­toph R. Hörs­tel auch in die­sem Jahr eine rund zehn­mi­nü­tige Rede, bei der er zahl­rei­che anti­se­mi­ti­sche Kli­schees bemühte. Hörs­tel gilt als Ikone der „Trut­her” und „Info­krie­ger”, die die Ereig­nisse des 11. Sep­tem­ber 2001 umdeu­ten und zu einem „Inside Job”der angeb­li­chen Ver­schwö­rung machen, hin­ter der oft­mals gehein­mni­volle ame­ri­ka­ni­sche Insti­tu­tio­nen oder gar der israe­li­sche Geheim­dienst Mossad ver­or­tet wird. Hörs­tel ist ein ideo­lo­gi­scher Vor­den­ker der selbst­er­nann­ten „Wahr­heits­be­we­gung”. Er pro­pa­giert außer­dem zahl­rei­che wei­tere Ver­schwö­rungs­my­then, bei denen er sich auch auf die „Freunde von ganz Rechts” beruft, was die natio­nal­bol­sche­wis­ti­sche Tages­zei­tung „Junge Welt” nicht davon abhielt, den Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen zu inter­viewen.

Im Mai 2012 war Hörs­tel auf einem Auf­marsch von Anhän­gern des syri­schen Regimes auf­ge­tre­ten, dort hatte er am Holocaust-Mahnmal ein Deutsch­land für Deut­sche gefor­dert und aller­lei anti-amerikanische Ver­bal­in­ju­rien von sich gege­ben. Mit sei­ner neu­es­ten Brand­rede auf der Al-Quds-Demonstration sprach der völ­ki­sche Ver­schwö­rungs­ideo­loge Israel das Exis­tenz­recht ab. „Ich bin mir ganz sicher, wenn die Juden in Israel sich wie­der, wie in den frü­he­ren Jahr­hun­der­ten, in den Schutz der Mus­lime stel­len, dann wird es ihnen bes­ser gehen als heute”, hetzte Hörs­tel unter ande­rem. Kurze Zeit spä­ter bedankte er sich bei der Poli­zei, die den Auf­marsch beglei­tete. Der natio­na­lis­ti­sche Ver­schwör­rungs­ideo­loge machte danach „die Zio­nis­ten” und die „Bän­ker in New York” für alle Übel ver­ant­wort­lich, die er aus­ge­macht haben möchte. „Als Deut­scher” for­derte Hörs­tel „wahre Ver­ant­wor­tung” für„ganz Paläs­tina” ein. Dabei ver­zich­tete der Het­zer in sei­nem auf­ge­reg­ten Rede­schwall zeit­wei­lig auf die Chiffe von den „Zio­nis­ten” und sprach von den „Juden”, was die ver­sam­mel­ten Anti­se­mi­ten mit Bei­fall bedach­ten. „Ich sehe nur, dass die Juden die Mus­lime mit dem Tod bedro­hen”, brüllte Hörs­tel zur Freude der anti­se­mi­ti­schen Quer­front aus Nazis, Anti-Imperialisten, Ver­schwö­rungs­gläu­bi­gen und Isla­mis­ten. Gegen diese anti­se­mi­ti­sche Mani­fes­ta­tion pro­tes­tier­ten etwa 250 Antifaschist_innen.

Siehe auch: Beschneidung der VernunftPinkwashing – Israels “schwuler Propagandakrieg”Michael Lüders und “die reichen New Yorker Juden”

14 thoughts on “Marsch der Antisemiten

  1. Wenn die „Junge Welt“ nicht nationalbolschewistisch ist, wer denn? Am besten bei „Niekisch, Radek, Strasser und der Nationalbolschewismus“ nachlesen was Sache ist.

    Die „Junge Welt“ wie auch die Wochenzeitung „DerFreitag“ verteidigen auf der einen Seite Ahmadinejad, Ali Chamenei und die angeschlossenen Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah und hetzten auf der anderen Seite gegen den Judenstaat Israel in so gut wie allen Artikeln zu diesem Thema. Wer die Querfront dieser Zeitungen zur NPD in der „Nahostfrage“ nicht sieht ist meiner Ansicht auf beiden Augen blind. Es ist kein Zufall, dass diese antizionistischen Zeitungen nicht kritisch über den „Marsch der Antisemiten“ , über diesem Al-Quds-Tag berichtet haben. Vermutlich waren die Vernichtungsphantasien gegen Israel von Hörstel und Co. nur „Übersetzungsfehler“ und deshalb nicht der Rede wert.

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