Fischer ausgestiegen? Zweifel an Drygalla-Aussage

Die Ruderin Nadja Drygalla hat nach eigenen Aussagen keine Kontakte in die Neonazi-Szene, zudem habe ihr Freund mit der rechtsextremen Ideologie gebrochen. Eine Aussage, die Fragen aufwirft, denn nach Informationen von Publikative.org scheint Fischer noch sehr wohl in rechtsextremen Kreisen aktiv zu sein, von einem Ausstieg hat hingegen niemand auch nur gehört.

Von Patrick Gensing

Nadja Drygala sucht nach tagelangem Schweigen die Flucht nach vorn: „Ich habe keine Verbindung in diese Szene gehabt und lehne das absolut ab“, sagte die 23-Jährige aus Rostock der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte die „Welt am Sonntag“ berichtet, Drygalla selbst solle eng mit der Szene verbunden gewesen sein; die Zeitung präsentierte als vermeintlichen Beweis ein unscharfes Foto der „Nationalen Sozialisten Rostock“ von einer Neonazi-Aktion in Malchow.

Dieses Bild präsentierte die WamS als vermeintlichen Beweis. Die Domain NSRostock.de ist bis heute auf Michael Fischer zugelassen.
Dieses Bild präsentierte die WamS als vermeintlichen Beweis. Die Domain NSRostock.de ist bis heute auf Michael Fischer zugelassen.

Darauf ist unter anderem eine blonde Frau zu sehen, die in Größe und Statur Drygalla sein könnte – Szenekenner aus Rostock zeigten sich im Gespräch allerdings verwundert über den Zeitungsbericht, auf dem Bild sei auf keinen Fall eindeutig zu erkennen, wer diese Person sei.

Zukünftig wohl ohne Nadja Drygalla: Ruder-Achter der Frauen bei den Olympischen Spielen (Foto: Ben Rodford / flickr.com / CC BY-NC 2.0)
Zukünftig wohl ohne Nadja Drygalla: Ruder-Achter der Frauen bei den Olympischen Spielen (Foto: Ben Rodford / flickr.com / CC BY-NC 2.0)

Rückenwind für die Ruderin also. Im Gespräch mit der dpa behauptet Drygalla zudem, ihr Freund Michael Fischer, im Jahr 2011 Direktkandidat der NPD, sei seit Mai dieses Jahres kein Parteimitglied mehr. Er habe sich von der rechtsradikalen Szene losgesagt, sagt die Ruderin. Fischer habe „persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet“, beteuert Drygalla.

Nichts von einem Ausstieg bekannt

Diese Darstellung erscheint allerdings zweifelhaft. Bei Beobachtern ist nichts bekannt über einen Ausstieg Fischers, der Abschied einer Szene-Größe wäre in Rostock sicherlich aufgefallen und Gesprächsthema gewesen. Zudem veröffentliche Fischer noch am 16. Juni 2012 auf einer NPD-nahen Internet-Seite einen Artikel. Auf dem Portal, das von dem NPD-Abgeordneten David Petereit verantwortet wird, wurde Fischer noch vor wenigen Tagen als „Rostocker Nationalist“ bezeichnet – von einem Bruch mit der Szene ist nichts zu lesen, obgleich Aussteiger zumeist höchst aggressiv attackiert werden. Fraglich auch, ob Fischer noch als Redaktionsmitglied geführt würde, hätte er sich aus der Szene verabschiedet.

Auch sonst deutet nichts auf einen Ausstieg hin: Der Landesverband der NPD bezeichnete Fischer jüngst als „nationalen Aktivisten“, auf der Seite der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ wurde er vor wenigen Tagen sogar als „Mitglied“ geführt. In Szene-Foren sehen die Kommentatoren Fischer offenbar als ihren Kameraden, von einem Ausstieg ist nirgendwo auch nur andeutungsweise die Rede.

Michael Fischer am 1. Mai auf einer Neonazi-Demo (Foto: Hans Schlechtenberg)
Michael Fischer am 1. Mai auf einer Neonazi-Demo (Foto: Hans Schlechtenberg)

Der Ausstieg wäre zudem abrupt gewesen: So war Fischer nach Angaben von Augenzeugen noch im Februar 2012 an einer Aktion von Neonazis gegen eine Gedenkveranstaltung für das NSU-Opfer Mehmet Turgut beteiligt. Fotos sollen das belegen. Zudem wurde er von Beobachtern im Mai noch bei Neonazi-Veranstaltungen gesehen – uns vorliegende Bilder belegen dies.

Identische IP-Adressen

Artikel von Michael Fischer auf dem Neonazi-Portal MUPinfo vom 16. Juni 2012 - also nach seinem "Ausstieg".
Artikel von Michael Fischer auf dem Neonazi-Portal MUPinfo vom 16. Juni 2012 – also nach seinem „Ausstieg“.

Damit nicht genug: Fischer ist bis heute Inhaber der Internet-Domain NSRostock.de, die lange Zeit als Homepage der Kameradschaft „Nationale Sozialisten Rostock“ genutzt wurde. Heute ist die Seite der Kameradschaft über eine Adresse mit der Endung „.org“ zu erreichen, was einen anonymen Betrieb der Hetzseite ermöglicht. Doch eine Recherche im Netz zeigt: Fischers Seite NSRostock.de, die aktuelle Seite der Rostocker Kameradschaft sowie eine NPD-Seite sind unter der gleichen IP-Adresse zu finden.

Fraglich auch, warum Drygalla erst nach mehreren Tagen behauptet, Fischer habe gar nichts mehr mit der Neonazi-Szene zu tun. Die Ruderin betont nun, sie habe ihrem Freund just vor den Olympischen Spielen noch einmal klar gemacht, dass „es so nicht weiter laufen“ könne. Im vergangenen Jahr war sie für ihn noch freiwillig aus dem Polizeidienst ausgetreten. Es habe damals Gespräche mit ihren Vorgesetzten gegeben, „in denen auch die Beziehung thematisiert und an meiner Loyalität gegenüber dem Polizeidienst gezweifelt wurde, sagte Drygalla.

Die NPD bestätigte mittlerweile, dass Fischer kein NPD-Mitglied mehr ist. Dass er aber mit der Neonazi-Szene und der rassistischen Ideologie gebrochen hat, dafür gibt es keine Belege; im Gegenteil, die Indizien lassen eher den Schluss zu, dass Fischer nicht ausgestiegen ist.

Siehe auch: Wer kennt Nadja Drygalla?

37 thoughts on “Fischer ausgestiegen? Zweifel an Drygalla-Aussage

  1. Ich glaube erst an einen Ausstieg Fischers, wenn auf Petereits Internetseite verklausulierte Gewaltdrohungen zu lesen sind.

  2. @Claudia: wisch dir mal den Schaum vom Mund und lies dann meine Posts nochmal!

    zum Thema:
    das Innenministerium aus MV schrieb in einer Pressemeldung am 3.8.2012 (Nr.: 114) unter ‚Inneres und Sport‘, dass ‚…auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechstextremistischen Szene zugehörig sind…‘

    mitnichten geht es hier um eine reine Liebesbeziehung – es geht hier darum, wie sich die BRD in der Welt darstellt / darstellen lässt.

    Faschismus ist und bleibt ein Verbrechen – wer dies unterstützt (egal in welcher Form) hat m.M.n. in oben genannten Spielen nix verloren.

  3. @mjb4

    Klares Zeichen setzen, schon klar…schon mal drüber nachgedacht, dass mit der Art und Weise, wie teilweise gegen die Frau vorgegangen wird, dieses Zeichen von der Wirkung her vielleicht suboptimal ist? Die wird mit diesem aggressiven, mittelalterlichen Verhalten einiger, die sie an den Pranger gestellt haben, doch mehr in die Naziecke gedrängt als ihr lieb sein kann. Sie hat sich distanzier, mehr geht doch wohl nicht. Sie ist freiwillig abgereist um erstmal Ruhe zu finden um das sicherlich danach in Ruhe klären zu können. Was ist daran verkehrt? Wo ist der Fehler?
    Wenn ER wirklich der Szene den Rücken kehren möchte, inklusive Attitüde, wird er wohl Zeit brauchen um reflektieren zu können, was da schief lief. Der muss gerade, wenn er es wiklich ernst meint, seinen ganzen Wertehaushalt neukonfigurieren. Das geht nicht von heute auf morgen. Bei all der kritischen Haltung, die man sicherlich haben muss ihm gegenüber, man sollte doch ein gewisses Maß an Menschlichkeit bewahren. Die Art und Weise, wie die Dame aber an den Pranger gestellt worden ist, war aber ne Nummer zu übel. Man hätte meinen können, Adolf Hitler himself war da im Ruderachter aktiv. Diese Dämonisierung nützt aber niemanden, eher den Nazis. Die freuen sich über diese kostenlose mystifizierende Werbung und können sich nebenbei als Opfer stilisieren und dann noch nebenbei ihren Wankelmütigen sagen „Schaut her, wir hatten immer Recht. Sie wollen euch nicht, bleibt bei uns.“

    Im „Kampf gegen Nazis“ sollte es doch primär darum gehen, den Leuten klarzumachen, warum Nazis scheisse sind und warum es nicht gut für einen ist, Nazi zu werden Vorallem auch den Nazis gegenüber. Zu zeigen „Hey Jungs, ihr müsst nicht so scheisse drauf sein. Es gibt auf der Welt wesentlich angenehmere Lebensmodelle als eures. Vorallem baut eures auf Unwahrheiten und Negativismus auf – wie uncool“ Ich kann auch nachvollziehen, wenn man bei symbolhaften Nazi-Demos dagegenhält und durch Gegenveranstaltungen usw.. Alles gut und richtig, solange es in einem unmilitanten Rahmen bleibt.

    Aber doch bitte nicht mediale mittelalterliche Hexenverbrennungen zu veranstalten, wenn da mal jemand nicht mal auf die schiefe Bahn gekommen scheint, sondern „nur“ der Freund. Vorallem bei einer eher lauen Infolage. Und Du kannst sagen was Du möchtest, es geht dabei doch um die Psyche. Nicht nur der des Mädels, sondern auch um all jene die das Ganze mitbekommen. Die Wirkung des Ganzen. Und ehrlich gesagt, die war echt suboptimal. Da wurde mit Wasserstoffbomben auf Amöben geschossen. Das war nicht sinnvoll. Da wurde mehr Schaden angerichtet als es genützt hat. Das war Bildniveau. Und das brauch man echt nicht. Sowas ist dann als Zeichen unbrauchbar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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