So lustig feiert die NPD!

Die NPD ist in der Krise – in der Dauerkrise. Die jüngsten Nachrichten aus der Partei: Die großmäulig angekündigte Sommertour ist ein Fiasko, die Frau von Parteichef Apfel legt ihre RNF-Ämter nieder – und die Partei schweigt, was weitere Spekulationen befeuert. Und beim Pressefest der „Deutschen Stimme“ dürfte es auch eher weniger lustig werden.

Von Patrick Gensing

Als Holger Apfel dem „Flaggschiff“ der NPD – einem handelsüblichen Lkw, bei der „Schiffstaufe“ „stets genügend Halt auf dem Asphalt!“ wünschte, bewies er einmal mehr die Seeuntauglichkeit seiner Partei. Die Sommertour der NPD entpuppte sich zum Spießroutenlaufen, die Partei wollte Aufmerksamkeit provozieren – und erntete Spott; nicht nur in der interessierten Öffentlichkeit, sondern auch in der Szene.

"Seriöse Radikaltät": Angriff eines Neonazis auf Gegendemonstranten in Delmenhorst bei der Deutschlandtour der NPD.
„Seriöse Radikaltät“: Angriff eines Neonazis auf Gegendemonstranten in Delmenhorst bei der Deutschlandtour der NPD.

Parteichef Holger Apfel, in seiner bisherigen Amtszeit zumeist glücklos, wird in Szenekreisen ohnehin bereits seit Längerem angefeindet. Die einen werfen ihm eine „Verbonzung“ der NPD vor, andere erwarten öffentliche Impulse und Wahlerfolge. Apfel droht, zwischen den Flügeln der brüchigen Mini-„Volksfront“ zerrieben zu werden. Für weitere Spekulationen sorgte der Rückzug seiner Frau Jasmin Apfel aus dem RNF. In Szene-Foren wird einmal mehr gezeigt, wie „Kameradschaft“ in der Bewegung definiert wird – nämlich durch das öffentliche Verbreiten von Gerüchten über persönliche Verfehlungen und Probleme. Gleichzeitig wird Apfel vorgeworfen, er habe seine Familie selbst in die Öffentlichkeit „gezerrt“, daher müsse er sich zu dem Rückzug äußern – und tatsächlich posierte Apfel auf Fotos mit Frau und Kindern. Nun schweigt er als Parteichef zu dieser Causa. Auch auf Anfragen reagierte die NPD nicht.

Neue Extremsportart: Wie viele Nazis passen in einen PKW?

Dafür verbreitete unter anderem Apfel die Auflagen und Hinweise zum „Pressefest“ der „Deutschen Stimme“ bei Pasewalk. Diese sorgten bereits zuvor für weiteren Unmut in der Szene. Für ein ausgelassenes Festival erscheinen die Rahmenbedingungen denkbar ungeeignet, da die NPD ihr „Pressefest“ an einem Ort durchführt, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen ist – und zelten dürfen die Besucher nicht. Für „Kameraden“, die keine Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe haben, ein wirklich attraktives Angebot!

Dazu kommt noch, dass laut NPD nur begrenzt Parkmöglichkeiten vorhanden sind und „die Autos mit möglichst vielen Mitreisenden voll zu machen“ sind. Wenn Sie also heute in der Region Pasewalk Pkw beobachten, in denen sich neun Personen quetschen, nicht wundern: Das sind nur die Besucher des NPD-Pressefests.

Das Pressefest der Deutschen Stimme im Jahr 2006 (Foto: Kai Budler)
Das Pressefest der Deutschen Stimme im Jahr 2006 (Foto: Kai Budler)

Weiterhin betont die NPD, es dürfe bei der Veranstaltung „natürlich weder zur Gewalt noch zu Haß aufgerufen werden, noch dürfen Personen oder ethnische Gruppen verächtlich gemacht, verleumdet oder beschimpft werden oder zum Haß gegen diese aufgerufen werden und so weiter und so fort“. Gleichzeitig bietet die Partei als Bands „Faust“ und „Die Lunikoffverschwörung“ auf. Werden die Organisatoren einschreiten, sollte Lunikoff womöglich hasserfüllte Texte zur Aufführung bringen?

Der Strategie der „seriösen Radikalität“ wäre dies zuträglich, ist offenbar aber nicht geplant, denn weiterhin betonen die Veranstalter, Fotoaufnahmen der Künstler und Musikgruppen seien zwar erlaubt, „Filmaufnahmen (auch mit der Handykamera) sind wie auch im letzten Jahr aus Gründen des Urheberschutzes untersagt“. Die NPD kündigt bereits Kontrollen an – „und wer erwischt wird, hat auch in diesem Jahr mit Konsequenzen zu rechnen“.

„Zu Hause bleiben und in der Nase bohren“

Für diese ganze Show verlangt die NPD an der Tageskasse satte 23,50 Euro pro Person – dazu kommen Kosten für Getränke und Essen. Wer das alles nicht aushält, hat kaum eine Chance, denn „wer meint, zwischendurch zu seinem Pkw zu müssen, um dort ordentlich zu „tanken“, wird des Festes verwiesen“, warnen die Veranstalter. Beim „Nationalen Widerstand“ läuft zwar vieles ziemlich chaotisch, aber wenigstens der Suff will ordentlich organisiert sein.

Bessere Stimmung herrscht hingegen bei dem Bündnis „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!„, das mit einer Menschenkette gegen das „Pressefest“ demonstrieren wird.

In Netzforen hagelte es nach den Ankündigen Kritik – bis NPDler Eckart Bräuniger der Stahlhelm hochging und er zurückpampte:

wer sich über unsere Regeln ärgert, die wir als Veranstalter aufstellen, sollte wissen, daß es gerade bei solchen Veranstaltungen unter den Augen der Polizei, vor einer Gegendemo und dem ganzen Kram immer auch vernünftiger Regeln bedarf, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Wer damit nicht umgehen kann, wem das zu teuer ist oder wer seine Bedenken gegenüber einzelnen Programminhalten hat, bleibt eben zu Hause und bohrt in der Nase.

Dieser kostengünstigere Freizeittipp scheint in der Szene anzukommen, einer schreibt: „Kein Zug, keine Busse, Auflagen, Verhaltensmaßregeln, Repressionen ohne Ende und gepfefferte Preise. Dann noch Rennicke, Hähnel, das Gesülze von Apfel und Pastörs, usw. und usf. Was für ein „Fest“! Wer sich das antut, ist selber schuld!“

Siehe auch: Ein Flaggschiff geht unter, Pressefest am Schweinestall

8 thoughts on “So lustig feiert die NPD!

  1. Sorry, aber ich versteh die Intention des Textes nicht. Anscheinend hat die NPD bei ihren Festivitäten diverse Probleme. Jeder, der halbwegs klar in der Birne ist freut sich natürlich, dass Nazis ziemlich schlechte Partymacher sind. Aber anstatt sich mit der menschenfeindlichen Ideologie dieser Gruppierung auseinanderzusetzen labt sich der Text an dem amateurhaften Vorgehen der Veranstalter. Der Zweck und Informationsgehalt wird mir dabei nicht richtig klar. Was wäre, wenn die NPD Partys zu günstigen Preisen, mit Zeltplatz sowie Anbindung an den ÖPNV, mit geringen Auflagen und wenig Repression für ihre Gesinnungsgenossen veranstalten würde? Würde dies etwas an dem Urteil über ihre Gesinnung ändern? Würde dies etwas an der Gefahr ihrer Propaganda und gewaltätigem Vorgehen ändern? Nein? Menschen ohne Ausgrenzungsfetisch und Mordlust sind doch nicht besser, weil ihre Partys toller sind…

    Genauso ist der Antagonismus zur Gegendemo “Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!“ ziemlich oberflächlich. MeckPomm ist in weiten Teilen eben nicht weltoffen sondern zu Teilen national befreit. Naives Standortmarketing, was diesen Fakt nicht zur Kenntnis nehmen und bekämpfen will, sondern nur den Ruf der Region im Sinn hat, kann darauf nicht die Antwort sein. Dies lässt nur die Alltagsrassisten der politischen Mitte in ihrem selbstgerechten Glauben, sie seien ja gar nicht so schlimm, solange man nur „gegen Nazis“ ist.

    Von der publikative-Redaktion hätte ich mir ein reflektierteres und kritischeres Herangehen erwartet. Nur das Auskosten von nicht ausgelassenen Fettnäppfchen der NPD halte ich für verkürzt und verharmlosend. Denn wenn es darum geht, Menschen, die nicht in deren Weltbild passen zu terrorisieren, sind sie dabei ziemlich professionell.

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