Bad Nenndorf: Erste Blockade – Pyramide 3.0

Am Samstag werden in der kleinen Stadt Bad Nenndorf bis zu 800 Neonazis und tausende Gegendemonstranten erwartet. Ein Vorgeschmack des Protestes gab es bereits am Vorabend. Vier Personen ketteten sich am zentralen Kundgebungsort der Neonazis fest – bislang konnte die Polizei die Pyramide nicht abtransportieren.

von Kai Budler und Benjamin Mayer

Nachdem bereits in den vergangenen Jahren ähnliche Blockadeversuche als Pyramide 1.0 und 2.0 in die Geschichte des Nenndorfer Protestes eingegangen sind, ist es vier Neonazi-Gegnern dieses Jahr bereits am Vorabend gelungen, sich an einer massiven Pyramide anzuketten und damit den Platz vor dem Wincklerbad in der Stadtmitte zu blockieren. „Wir wollen nicht, dass die Nazis hier marschieren“, sagt einer der angeketteten Protestierenden gegenüber Publikative.org. Außerdem spreche die Aktion für sich selbst. Eine Anwohnerin sagte, sie sei zuversichtlich, dass es „verdammt lange dauert, bis die Pyramide abgebaut und weggeschafft ist, damit der Naziaufmarsch nicht durchkommt.“

Bad Nenndorf 2012: Pyramide 3.0, Foto: Kai Budler

Bereits am frühen Abend hatte das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ zu einer Auftaktdemonstration aufgerufen. Rund 300 Demonstranten fanden sich zu einer Menschenkette gegen den rechtsextremen „Marsch der Ehre“ zusammen. Mehr als 2.000 Bad Nenndorfer hatten zuvor geholfen den Nazis einen angemessenen Empfang zu bereiten.

Menschenkette in Bad Nenndorf, Foto: Benjamin Mayer.

Sie schmückten die ganze Stadt mit Bannern und Sprüchen, die klar zeigen, dass die Neonazis in Bad Nenndorf nicht willkommen sind. Die Menschenkette reichte vom Bahnhof bis zum Wincklerbad, dem zentralen Kundgebungsort der Neonazis, über die gesamte Marschstrecke der rechtsextremen Demonstration. Am Auftaktort der Bündnisdemonstration warnte eine Vertreterin der jüdischen Gemeinde vor der gewalttätigen rechtsextremen Szene, die bereits im Vorfeld einen Anschlag auf das Haus der zweiten Vorsitzenden des Bad Nenndorfer Bürgerbündnisses verübt hatte. Weil die Nazigewalt auch direkt vor der Haustür existiere, müsse dem in Bad Nenndorf Einhalt geboten werden. Dies könne auch aufgrund der jüngsten Erfahrungen rund um den „NSU“ nicht allein dem Staat überlassen werden.

Direkt am Bahnhof: Ein Willkommen an die anreisenden Neonazis, Foto: Benjamin Mayer.

Update: Die Pyramide steht weiterhin und konnte bisher nicht geräumt werden. Die Polizei hat entgegen anderer Informationen kein Technik-Team angefordert. Bisher ist eine Auflösung der Blockade somit nicht in Sicht. Betreuer, Sanitäter und Anwälte sind vor Ort.

Siehe auch: Bad Nenndorf: Neonazi-Angriff vor “Marsch der Ehre”Zwischen Bad Nenndorf und Dresden

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