Molau aus rechter Bewegung ausgestiegen

Andreas Molau hat lange mit sich gerungen – doch jetzt will er handeln: „Ich habe einen Schlussstrich gezogen unter meine Aktivitäten“, bekennt er im Gespräch mit NDR Info. Es ist ein Schlussstrich unter eine jahrzehntelange Karriere im extrem rechten Lager.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Der 44-Jährige war Bundesvorstandmitglied der NPD, kandidierte für sie im niedersächsischen Landtagswahlkampf, engagierte sich zuletzt bei der PRO- Bewegung in Nordrhein-Westfahlen. All das sei jetzt vorbei, sagt der ehemalige Waldorflehrer aus dem Landkreis Wolfenbüttel. Seine Parteibücher hat er zurückgegeben, Arbeitsverträge gekündigt, Kontakte abgebrochen. “Ich habe eine klare Trennung gezogen in meinem Beruf und in meinem Privatleben“, sagt Molau.

Ex-Kameraden: Andreas Molau zwischen Udo Voigt und Ex-DVU-Chef Faust, heute NPD (rechts)
Ex-Kameraden: Andreas Molau zwischen Udo Voigt und Ex-DVU-Chef Faust, heute NPD (rechts)

Vor allem einer seiner Schritte gilt im rechten Lager als unumkehrbar: Nach eigenen Angaben hat er sich auch an den niedersächsischen Verfassungsschutz gewandt. Der Grund: „Wenn ich wieder einen Weg zurück in die Gesellschaft haben will, dann kann der nicht gerade sein. Ich kann mich nicht morgen vor eine Klasse stellen um zu sagen: Es ist nichts gewesen. Aber es muss eine Chance geben, wenn auch in Etappen.“

Ein Hoffnungsträger

Molaus Schritt ist offenbar eine schwere Niederlage für die rechtsextreme Szene bundesweit. Viele Jahre galt er als Stratege und Vordenker für unterschiedliche Gruppierungen. Vor allem aber verstand er es, seine rechtsextremen und fremdenfeindlichen Botschaften rhetorisch so zu verpacken, dass sie auch bürgerliche Schichten zu erreichen drohten. Manchem szenekundigen Beobachter galt er deshalb auch als eine Art „brauner Wolf im Schafspelz“.

Kommentar: Gib Ex-Nazis eine Chance!

Den Anstoß zum Verlassen der rechten Szene gab Molau ausgerechnet der NPD-Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Udo Pastörs. Pastörs hatte bei einer Faschingsrede im Saarland von „Krummnasen“ und „Samenkanonen“ gesprochen und stand deshalb vor Gericht. Für Molau war das eine entscheidende Rede. Sie rief aus seiner Sicht zu Gewalt auf und habe deutlich gemacht, wie sehr maßgebende Repräsentanten der Partei dem historischen Nationalsozialismus verhaftet seien. Für ihn, so Molau, sei das ein Alarmsignal gewesen.

Voller Einsatz, doch die Resonanz ist überschaubar (Foto: Maik Baumgärtner)

Molau, der selbst Mitarbeiter der Schweriner Landtagsfraktion war, bezeichnet diese Gruppierung heute als „ völkische Taliban“. Der Prozess des Umdenkens habe einige Jahre gedauert, räumt Molau ein. Einer der Gründe: Wer sich, wie er tief in dieser Szene bewege, lebe wie in einer Art Isolation. Kontakte zu „normalen Menschen“ seien die Ausnahme. Erst nach und nach habe er begriffen, in welch absurder Welt er sich bewegt habe: „Da gibt es bei irgendwelchen Treffen in Hinterzimmern Jüngelchen, die kaum gerade stehen können – und die tragen dann ein T-Shirt mit dem Aufdruck „White Power“. Andere bestellten sich Wehrmachtspuppen oder eine Zimmerflak für den weihnachtlichen Gabentisch.

„Es ist einfach nur skurril“

Molaus Fazit: „Es ist einfach nur skurril!“ Nicht weniger zimperlich geht Molau auch mit dem NPD-Parteivorstand um, dem er selber angehört hatte. Die Parteispitze lebe auf einer „Art Raumschiff“ in einem Paralleluniversum. Bezeichnend sei vor allem der Realitätsverlust der führenden Parteikader. Für vieles, was er als Redner in den vergangenen Jahren gesagt habe, fühle er sich verantwortlich: „Es bedrückt mich, dass ich Menschen verletzt und Dingen Vorschub geleistet habe, die nicht zu akzeptieren sind“, sagt er.

Dort, wo er verbrannte Erde hinterlassen habe, möchte er sich jetzt nicht nur entschuldigen. Er möchte Dinge wieder gutmachen, sei es durch Aufklärungsarbeit zum Thema Rechtsextremismus, sei es in sozialen Projekten – um jene in Deutschland zu integrieren, die er früher des Landes verweisen wollte.

Stefan Schölermann bei NDR Info über Molau.

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15 thoughts on “Molau aus rechter Bewegung ausgestiegen

  1. Molau steigt nicht aus, sondern zieht sich aus der rechten Szene zurück und will wieder in das bürgerliche Leben einsteigen. Nicht mehr und nicht weniger.

    Ein Ausstieg aus der Szene wäre es, wenn er sein Wissen um die rechte Szene der Antifa (AIB, Der rechte Rand, Lotta etc.), oder wie es so schön heißt: der Zivilgesellschaft, bekannt macht. Denn dort kann dieses Wissen tatsächlich dazu verwendet werden, die rechte Szene zu bekämpfen. Und die rechte Szene bekämpfen zu wollen ist ja Bedingung eines Ausstiegs im Sinne einer Distanzierung von der rechten Szene – alles andere ist nur das Bedürfnis danach, Abstand von selbiger zu gewinnen, um wieder in der bürgerlichen Gesellschaft tätig werden zu können.

    Molau ist lange genug in der rechten Szene unterwegs gewesen, um die Rolle des VS sehr genau einschätzen zu können. Er weiß auch, dass sein Wissen beim VS in dem Sinne gut aufgehoben ist, das es zur Bekämpfung und Aufklärung über die rechte Szene eben nicht verwendet wird. Und nicht nur, dass er dadurch seinen früheren Kameraden nicht nachhaltig schadet – nein, er kann auch noch die Vorteile des VS abgreifen – Zeugenschutz, Gelder, der offizielle Titel “Aussteiger” etc.. Wahrscheinlich erhofft er sich auch, vom VS als Aussteiger und geläuterter Demokrat auf Schultour geschickt zu werden…da wird dann ein bisschen über die blöden Glatzennazis gelästert, vor der Verführung der Rechtsintellektuellen gewarnt und die demokratische Mitte abgefeiert und das war es dann. Paar Jahre später hat er dann wieder einen bürgerlichen Beruf – vermutlich Lehrer – und kann sein völkisches und anthrosopisches Gedankengut wunderbar weiterverbreiten. Dann tauchen er und seine Schüler/innen höchstensnoch als anonyme Fälle in den Studien von Heitmeyer, Decker & Weißmann u.a. auf, aber nicht mehr im VS-Bericht.Re-Demokratisierung a la VS.

    Das Stefan Laurin Molau direkt zum Verbündeten gegen die Nazis ausruft und ihn gegen Kritik vorauseilend in Schutz nimmt, verwundert mich zwar dann doch ein klein wenig (aber tatsächlich nur ein klein wenig) – noch mehr aber das Patrick Gensing da so unkritisch mitgeht. Seltsame Connection.

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