„Die Toten ehren – und sich über das Leben freuen!“

Ein Jahr nach dem Terrorangriff des Rechtsextremisten Anders Breivik hat Norwegen der 77 Opfer gedacht. „Wir lassen uns nicht verändern“, betonte Ministerpräsident Stoltenberg in seiner Rede im Regierungsviertel, wo am 22. Juli 2011 zunächst eine Autobombe  explodierte, bevor der rechtsextreme Attentäter auf Utöya sozialdemokratische Jugendliche erschoss.

Von Patrick Gensing

Breivik habe viele Leben genommen und unfassbares Leid angerichtet, so Stoltenberg. Die Bombe und die Schüsse sollten Norwegen verändern, doch das norwegische Volk antwortete damit, seine Werte zu verteidigen.

„Väter und Mütter haben in den vergangenen zwölf Monaten über ihre geliebten Söhne und Töchter geweint, als sie neben ihren leeren Betten saßen“, sagte Stoltenberg. Auch tausende andere Menschen, Geschwister, Großeltern, Freunde und Kollegen, hätten Verzweiflung gespürt. „Es war ein schweres Jahr“, betonte Stoltenberg.

Doch nun gelte es auch, in eine hellere Zukunft zu schauen. „Lasst uns die Toten ehren – und uns über das Leben freuen!“ Stoltenberg sprach von einer Generation „22. Juli“, welche Norwegens Zukunft sei. Das Verbrechen sei nun ein Teil der norwegischen Identität; die Lehre daraus sei, Hasspropaganda im Netz nicht mehr zu ignorieren. Zuvor habe es zuviel Gleichgültigkeit bei diesem Thema gegeben.

Norwegen trauert um die Opfer des rechtsextremen Doppelanschlags: Blumenmeer vor der Domkirche in Oslo (Foto: Rotes Kreuz Norwegen)
Norwegen trauert um die Opfer des rechtsextremen Doppelanschlags: Blumenmeer vor der Domkirche in Oslo (Foto: Rotes Kreuz Norwegen)

Den ganzen Tag über finden in Norwegen Gedenkveranstaltungen und Gottesdienste zur Erinnerung an die Opfer statt. Auf Utöya fanden sich die Angehörigen von 60 der 69 Opfer ein, um dort um die Toten zu trauern. Die meisten wollten dort alleine umhergehen sagte ein Helfer dem norwegischen Fernsehen NRK. Die Angehörigen hatten Kerzen, Bilder und Freunde oder Verwandte bei sich, um diesen schweren Weg zu gehen.

Das norwegische Fernsehen überträgt die Feierlichkeiten. Hier der Livestream.

Siehe auch: Zwischen Breivik-Schlagzeilen und BlindheitZwischen Ideologie, Todesstrafe und Wahnsinn