Freiheit oder Ordnung

Der Tod ist uns allen gewiss. Die Frage ist nur, wie wir die Zeit vor ihm verbringen: frei oder in Angst. Und dabei geht es nicht nur um uns, es geht um die Gesellschaft in der wir leben wollen.

Von Stefan Laurin, ruhrbarone.de

Leben verboten (Foto: ZiggyZick/ flickr.com / CC BY-NC 2.0)
Leben verboten (Foto: ZiggyZick/ flickr.com / CC BY-NC 2.0)

München, 20. Juni 1962. Hunderte Jugendliche standen auf dem  Wedekindplatz im damals noch nicht so noblen Schwabing  und hörten ein paar Straßenmusikern zu. Es wurde spät, Anwohner beschwerten sich, die Polizei kam mit dem „kleinen Überfallkommando“ und räumten den Platz. Es kam zu einer Festnahme.

Am nächsten Tag wurden drei Straßenmusiker auf der Leopoldstraße festgenommen. Ihre Zuhörer versuchten sie zu befreien. Die Situation eskalierte, es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen, die mehrere Tage andauerten und zu Demonstrationen mit über 10.000 Teilnehmern. Die Schwabinger Krawalle gelten bis heute als der Auftakt der 68er Bewegung. Sie waren auf den ersten Blick unpolitisch. Es ging nicht um Vietnam, wo zu diesem Zeitpunkt gerade einmal ein paar Hundert US-Soldaten stationiert waren, es ging nicht um die Aufarbeitung der Nazizeit und auch nicht um den Kapitalismus.

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Ein paar Stunden im Sommer mit lauter Musik

Es ging um das Recht, sein Leben zumindest ein paar Stunden lang so zu leben, wie man es sich wünscht. An warmen Sommerabenden Musik zu hören, Spaß zu haben, selbst zu bestimmen. Und es ging um eine Polizei, die genau das verhindern wollte, weil es dem Ordnungsrecht widersprach. Der Oberbürgermeister Münchens war damals ein Sozialdemokrat – Hans-Jochen Vogel. Er ist über jeden Verdacht erhaben, etwas gegen freie Meinungsäußerungen oder das Demonstrationsrecht gehabt zu haben. Aber Ordnung musste sein. Immerhin ging es ja auch darum, die Rechte der Anwohner zu schützen. Um Arbeiter, die morgens früh in die Fabrik mussten, Kinder, die schlafen sollte und Alte, die schlafen wollten.

Es ging um Rücksichtnahme, um die Durchsetzung von geltendem Recht und ein wenig sicherlich auch um Erziehung: Auch die jungen Leute sollten den Respekt vor den Rechten der anderen lernen und war es nicht auch für sie besser, zeitig ins Bett zu gehen? Sie mussten doch sicher auch am nächsten Morgen aufstehen, mussten in die Universität, zu ihren Lehrstellen oder in die Schule.

Bei harten Konflikten bleibt die Ordnung außen vor

Später, als der Jugendrevolte an Fahrt gewann, spielte das Ordnungsrecht kaum noch eine Rolle. Die Auseinandersetzung mit den 68ern, mit der späteren Anti-AKW-Bewegung oder auch den Hausbesetzern wurde politisch und über das Strafrecht geführt. Es waren deutlich härtere Konflikte. Die Linien der Gegner waren klar und sie schenkten sich nichts – weder im politischen Streit, noch in den zum Teil militant geführten Auseinandersetzungen. Ein Konflikt, der über Generationen ging – bis Ende der 80er Jahre. Es war ein Streit um Kernkraft, die Nutzung leerstehender Häuser, den Nato-Doppelbeschluss. Und immer hatte er zwei Komponenten: eine politische und eine strafrechtliche. Beide besaßen ein ungeheures Eskalationspotential – beide Seiten konnten sich beliebig reinsteigern.

So griff der damalige CDU-Generalsekretär Heiner Geissler 1983 die Grünen in einer Debatte um die Nachrüstungspolitik im Bundestag massiv an: “Der Pazifismus der 30er Jahre, der sich in seiner gesinnungsethischen Begründung nur wenig von dem heutigen unterscheidet, was wir in der Begründung des heutigen Pazifismus zur Kenntnis zu nehmen haben, dieser Pazifismus der 30er Jahre hat Auschwitz erst möglich gemacht.“

Willkommen in Hamburg, sogar die Wasserwerfer wurden für den Einsatz am Sonntag in Altona, St. Pauli und angrenzenden Vierteln geputz...
Wasserwerfer werden heute nicht mehr primär eingesetzt, um auf die Eskalation politischer Demonstrationen zu reagieren, sondern um gegen Fußballfans oder Occupy-Aktivisten vorzugehen, die vor allem eines tun: Ruhe und Ordnung stören.

Im Konflikt um die Startbahn-West schwärmte Anfang der 80er Jahre der SPD-Ministerpräsident Holger Börner davon, mit Dachlatten gegen Demonstranten vorzugehen. Die hatten davor wenig Angst und lieferten sich an jedem Wochenende im Frankfurter Stadtwald Scharmützel mit der Polizei. Vorbei! Die offenen Auseinandersetzungen gibt es kaum noch. Sie sind, wenn sie denn überhaupt noch stattfinden, in den meisten Fällen eine Reminiszenz. Ein Zitat von Konflikten vergangener Zeiten, retrohaft wie das Hören von Ton Steine Scherben- oder Abba-Platten.

Inhaltliche Auseinandersetzung findet kaum noch statt

Heute werden Konflikte im Geiste von Hans Jochen Vogel geführt. Niemand hat es mehr nötig, sich inhaltlich mit Protesten oder Subkulturen auseinanderzusetzen. Ob im Stadion, im besetzten Haus oder in der Kneipe: Ein erweitertes Ordnungsrecht ist die Grundlage für staatliches Handeln. Der Staat muss sich nicht mehr politisch rechtfertigen. Es reichen Verweise auf die Ordnung, auf die Ruhe, auf die Sicherheit und auf die Gesundheit.

Zum Beispiel Köln-Kalk. Dort wurde 2010 die Kantine eines alten Fabrikgebäudes besetzt, das im Besitz der Sparkasse war. Die bestand darauf, dass das Haus geräumt werden muss. Das ist nichts ungewöhnliches: Die Begeisterung von Hausbesitzern, deren Haus besetzt wird, hielt sich schon immer in Grenzen. Aber die Sparkasse argumentierte nicht mit ihren Eigentumsrechten. Der Welt am Sonntag sagte Jürgen Lange, Geschäftsführer der sparkasseneigenen RheinEstate GmbH: „Das Gebäude ist aus Sicherheitsgründen nicht als Veranstaltungszentrum zu nutzen. Die Stadt ist nicht bereit für die Umbaukosten aufzukommen, also bleibt uns kein anderer Ausweg als die Räumung – wenn die Besetzer nicht vorher die alte Kantine freiwillig verlassen.“

Das Ordnungsrecht als Repressionsinstrument

Doch das Ordnungsrecht ist nicht nur ein scharfes Schwert, wenn es gegen Hausbesetzer geht: Jugendzentren werden geschlossen, weil sich Anwohner an abendlichen Konzerte stören, Clubs, weil Nachbarn die Gespräche von Besuchern auf der Straße lästig finden. Der Kneipe kommt man mit dem  Rauchverbot bei und wenn das nicht hilft, entspricht die Küche nicht mehr den geforderten Gesundheitsstandards. Früher wurden Ansammlungen von Punks von vielen Stadtväter und besorgten Bürger als Zumutung empfunden. Sie zu vertreiben galt jedoch als unschicklich und Zeichen von Provinzialität. Verbietet die Stadt allerdings Glasbierflaschen auf den Plätzen und wirft einen Blick auf die Steuermarken der Hunde, ist die Lokalpolitik auf der sicheren Seite und die Punks müssen von dannen ziehen.

Das Ordnungsrecht hat sich zum beliebtesten Repressionsinstrument entwickelt. Es war immer da, wurde auch immer zur Unterdrückung genutzt, nur nachdem sich ab den 60er Jahren eine gewisse Laissez-faire-Haltung breit gemacht hatte, trat es vorrübergehend in den Hintergrund. Ein paar Jahrzehnte erwarteten alle für alles politische Rechtfertigungen. Alles war politisch, auf dem Höhepunkt der Entwicklung sogar die Wahl des Geschlechtspartners, auch wenn es nur eine Entscheidung für eine Nacht war. Das ist vorbei. Es ist egal ob man eine Entscheidung politisch begründen kann oder nicht. Es ist egal, wie man sie dann ideologisch einordnet, ob sie als progressiv, reaktionär oder autoritär gilt. All das spielt keine Rolle.

Leben heißt Lebensgefahr

Rauchende Mutter Bad Girl (AnciPerfekt/ flcikr.com/ CC BY-NC-SA 2.0)
|  Feindbild schlechthin: die rauchende            |  Mutter mit Kinderwagen (AnciPerfekt/          |   flickr.com/ CC BY-NC-SA 2.0)

Die neuen Fetische stammen nicht aus dem alten, verstaubten Lexikon der Ideologien. Sie kommen aus dem Psychrembel, dem beliebten klinischen Wörterbuch.  Es geht um Gesundheit, um Schutz, um Sicherheit, um Rücksicht. Sie liefern die Begründung die persönlichen Freiräume immer stärker einzugrenzen und jede Regelverletzung zu überhöhen. Denn gibt es etwas Wichtigeres als die körperliche Unversehrtheit? Ist nicht jeder Verstoß gegen dieses Recht ein heimtückisch daherkommender Anschlag auf das Leben? Und rechtfertig der nicht jede Sanktion? In der „Welt“ wurden in einem Artikel über die restriktive Gesundheitspolitik des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg die Freiheit und die Dummheit als klassisches Liebespaar bezeichnet.

Menschen die frei sind, das stimmt, machen dumme Sachen. Sie suchen sich die falschen Partner, essen das falsche Essen, sie rauchen, trinken, sitzen zu lange am Computer, machen zu wenig Sport, sie lesen die falschen Bücher, Zeitungen und Internetseiten. Sie hören laute Musik, die sie nur aufregt und auf dumme Gedanken bringt. Sie haben zweifelhafte Freunde, schlagen beruflich den falschen Weg ein, sind undankbar und unbeherrscht.  Aber wer die Freiheit und die Dummheit, dieses grandiose Liebespaar, auseinanderreisst, wird die Menschen in ihr Unglück stoßen. Denn die Freiheit und die Dummheit waren es, welche als Paar die Menschen voran trieben. Sie sorgen dafür, dass der Neugierige alle Bedenken über Bord warf und sich auf zu neuen Ufern machte, ahnend, dass er sie vielleicht wird kaum erreichen können.

Es gibt keine Sicherheit außer den Tod

Die Angst ist das graue Tuch, da sich über dieses Paar wirft, ihr Versprechen ist die Sicherheit. Ein Versprechen, dass sie nicht wird halten können. Denn der Tod ist uns allen gewiss. Die Frage ist nur, wie wir die Zeit vor ihm verbringen: frei oder in Angst. Und dabei geht es nicht nur um uns, es geht um die Gesellschaft in der wir leben wollen:

„Leben ist Unruhe, die durch exzentrische Einzelpersonen ausgelöst wird. Um diesem Leben zu entsprechen, muss die Gesellschaft Risiken eingehen, ja sogar ein gewisses Maß an Regelverstößen akzeptieren. Wenn die Gesellschaft leben will, muss sie gefährlich leben.“

Das sagte einmal der britische Anarchist Herbert Read. Und er hatte Recht.

Siehe auch: Alles Chaoten!, Publikative-Spezial: Wie sicher sind unsere Festzelte?, Moralische Diskussionslatte, Frankfurt verbietet Mahnwache für Naziopfer, St. Pauli vs. HRO: Police and Thieves, Die Erziehungsdiktatur

11 thoughts on “Freiheit oder Ordnung

  1. Man merkt, dass der Artikel von einem Raucher geschrieben wurde.
    Bis zum Thema Rauchen war ich geneigt, dem Autor zuzustimmen, dann hat er’s jedoch versaut – durch eine populistische Darstellung von Nichtraucherschutzgesetzen, die keineswegs eine Repression sind, sondern ein überfälliger Schritt für die Freiheit(!) von Nichtrauchern gegenüber Rauchern – u.a. der Freiheit, endlich mal in eine Kneipe zu gehen, ohne danach Halsschmerzen vom Rauch zu haben und wie ein Aschenbecher zu stinken. Noch deutlicher die Freiheit, in einem Restaurant essen zu können, ohne den Geschmack von Zigarettenrauch zu konsumieren (es gab Zeiten, da war selbst das schwer). Noch früher und noch schlimmer: Die Freiheit, in ein öffentliches Gebäude zu gehen (z.B. ein beliebiges Amt) und dort nicht vom Angestellten/Beamten geräuchert zu werden – auch das war nicht immer selbstverständlich.

    Die Interessen der Nichtraucher stumpf zu negieren und ihnen zu unterstellen, sie wollten den Rauchern ja nur verbieten, ihre Freiheit auszuleben, ist an Einseitigkeit der Darstellung kaum zu überbieten.

    Selbst für Anarchisten gilt meist noch die goldene Regel: Die Freiheit des Einen endet dort, wo die Freiheit des nächsten beginnt. Ohne diese Regel ist jeder Anarchismus bereits per Definition zum Scheitern verurteilt – denn ein Anarchismus, der auf Rücksichtslosigkeit aufbaut, kann nicht funktionieren. Anarchismus funktioniert nur, wenn die maßregelnde Funktion von Polizei und Gesellschaft überflüssig wird, weil die beteiligten Personen sich selbst mäßigen. Wie leider auch auf vielen Punk-Konzerten erlebt sind die Menschen, die am lautesten „Anarchismus“ schreien meist auch diejenigen, die einen Anarchismus am maßlosesten ausnutzen würden, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen – und damit diejenigen, die am wenigsten geeignet für jedes anarchistische System wären, dass nicht in kürzester Zeit zum Recht des Stärkeren werden würde.

    In diesem Sinne sollte Herr Laurin mal überlegen, was er nun wirklich will, wenn er gleichzeitig die Interessen einer großen Bevölkerungsgruppe marginalisiert und dabei teils anarchistische Positionen bezieht.

    1. Lieber Dennis K,

      ist das so? Weil im Text zweinmal das Wörtchen „rauchen“ steht, davon einmal in einer Bildunterschrift, handelt es sich um (Zitat) „eine populistische Darstellung von Nichtraucherschutzgesetzen, die keineswegs eine Repression sind, sondern ein überfälliger Schritt für die Freiheit(!) von Nichtrauchern gegenüber Rauchern – u.a. der Freiheit, endlich mal in eine Kneipe zu gehen, ohne danach Halsschmerzen vom Rauch zu haben und wie ein Aschenbecher zu stinken.“ …?!? Ehrlich gesagt: Minichten!

      1.) Es zwingt Sie niemand, in eine Kneipe zu gehen, in der geraucht wird. Genauso wie Sie niemand in eine Opium-Höhle zwingt. Oder in einen Coffee Shop niederländischer Prägung. Oder in einen Darkroom ohne Safer Sex. Es geht darum, Besitzern und Wirten von Eckkneipen die Wahlfreiheit zu lassen. Die Wahrheit ist nämlich leider, dass diese Kneipen bei einem totalen Rauchverbot sterben, weil es offenbar nicht genug Nichtraucher gibt, die dort dann ein gepflegtes Pils trinken wollen.

      2.) Was spricht dagegen, dass die meisten Restaurants wahrscheinlich ohnehin selbst entscheiden würden, Nichtraucher-Etablissements zu sein, weil das unter Punkt 1.) geschilderte Geschäftsmodell hier genau umgekehrt funktioniert? Wir glauben, aufgrund eines gestiegenen Gesundheitsbewusstseins wäre das Rauchen auch ganz ohne staatliche Reglementierung in den meisten Restaurants heute auch so passé. Einfach, weil reinen Raucher-Restaurants die Kunden ausgehen würden, denn selbst Raucher wollen in aller Regel nicht beim Essen zugepafft werden.

      3.) Behörden und öffentliche Gebäude: geschenkt.

      Ganz allgemein gesagt handelt es sich beim sogenannte Nichtraucherschutz geradezu um einen exemplarischen Fall, bei dem vermeintlich vernünftige und das Allgemeinwohl bereichernde Überlegungen zu vollkommen überzogener Gängelei führen. Vom Anarchismus einmal abgesehen: Wie kann es sein, dass der Staat untersagt, was jemand innerhalb seines eigenen Besitzes zu tun und zu lassen hat – einzig und allein mit der Begründung, eines angenommenen gesundheitlichen Schadens in der Zukunft? Das finden Sie – innerhalb eines auf Eigentum fußenden bürgerlichen Rechtsstaats – nicht ein klein wenig sonderbar? Sie können sich nicht vorstellen, dass der nächste Schritt ein allgemeines Alkoholverbot, ein Zu-viel-Fett-Verbot, ein Kaffeekonsumverbot, ein Kohlegrill-Verbot sein könnte(n)?

      Sehen Sie, wir schon. Und genau da unterscheiden wir uns: Wir meinen, einen immer weiter gehenden Zugriff des Staates auf die elementare und intimste Handlungsfreiheit des Einzelnen zu erleben. Das fängt beim Rauchverbot an, geht beim Alkoholverbot in der Bahn weiter und endet bei Frage, welche Webseiten Sie von Ihrem Tablet in Ihrem Schlafzimmer ansteuern. Und dagegen schreiben wir gerne an.

      Mit herzlichen Grüßen
      Die Redaktion, publikative.org

  2. Ist der Artikel bewusst so konzipiert, dass er sich gegen Respekt und Rücksichtnahme im zwischenmenschlichen Umgang richtet? Seit wann haben Negativerscheinungen einer kapitalistischen Gesellschaft (Fastfood, Internet- und Drogensucht, Missstände in der Bildung,…) denn freiheitlichen Charakter? Und warum sollen Freiheit und Dummheit, m.E. eine höchst bedenkliche Mischung, die Triebfeder menschlichen Handelns und Fortschritts sein?
    Eine freiheitliche Gesellschaft muss die berechtigten Interessen aller Menschen berücksichtigen und im Konfliktfall miteinander vergleichen, sich dann für die einen oder anderen entscheiden. Nur so ist gewährleistet, dass sich nicht eine bestimmte Interessensgruppe durchsetzt und über alle anderen herrscht, deren Interessen ignoriert. Aber genau das scheint der Autor/die Autorin zu wollen: Das Recht des Stärkeren. Begründet wird das ganze mit einem vollkommen diffusen, höchst pubertären Freiheitsbegriff, in dem längst überwunden geglaubte Verhaltensweisen wiederbelebt werden.
    Wenn das pöbelnde und zumüllende Rudel Punks, das sich mit seinen vollkommen verwahrlosten Hunden in der Innenstadt mit Oettinger, Sternburg oder Tetrapackwein betrinkt und seinen Aggressionen daraufhin freien Lauf lässt, zur wünschenswerten Zukunftsvision unserer Gesellschaft wird, ist es Zeit, sich lachend in den Dachstuhl zu hängen.
    Ja, die Frage ist, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Aber die Antwort darf doch bitte nicht sein: „In der Gesellschaft, in der ich auf meine Mitmenschen keine Acht geben muss und die Freiheit habe, alles zu tun, auch wenn es mir und meiner Umwelt massivst schadet.“ Ich für meinen Teil finde eine Gesellschaft toleranter und reflektierter Hochgebildeter wesentlich erstrebenswerter, als diese seltsame Ghettoromantik voller „freier“ Elendsgestalten der heutigen Linken.
    Seht Ihr nicht, dass das Eingreifen des Staates gar nicht notwendig sein müsste, wenn Menschen wie Ihr endlich einmal anfangen würdet, nicht mehr ausschließlich um Euch zu kreisen? Ein Rauchverbot tut Not, weil die meisten Raucher sich nicht dafür interessieren, ob Asthmakranke im gleichen öffentlichen Raum sind wie sie. Das gleiche gilt für Straßenmusiker: Wenn ihre Musik die Anwohner belästigt, weil diese am nächsten Morgen um 4 Uhr aufstehen müssen, ist es durchaus wünschenswert, dass sie dann auch aufhören. Wenn sie das nicht tun, müssen die berechtigteren Interessen der Anwohner eben mit Gewalt durchgesetzt werden. Es geht nicht darum, dass irgendwer irgendwem etwas vorschreiben möchte, sondern darum, dass sich die Ignoranz von Menschen Eurer Art nicht durchsetzt. Leider beweist Ihr mit solchen Artikeln immer wieder, dass eine freiheitliche Gesellschaft selbst mit den Menschen, die sie anstreben, bisher nicht möglich ist.
    Ihr fordert keine Freiheit, sondern unreflektiertes Egomanentum!

  3. Ich bin da auch eher bei Kommentator Dennis K. und finde das Recht Party, Musik, sonstige Selbstverwirklichung hört da auf, wo es die Rechte anderer auf Ruhe, Schlaf, und ausgeruht zur Arbeit zu gehen (ich weiß in einem eher linkslastigen Blog vielleicht schwer vermittelbar 😉 ) verletzt werden.

    Ausserdem stören mich so typisch linkslastig, flapsige Bemerkungen wie: „Wasserwerfer werden heute …sondern gegen Occupy-Aktivisten vorzugehen“

    Bis zum Beweis des Gegenteils behaupte ich, dass es genau dieses Vorgehen bisher nicht gegeben hat.

  4. Liebe Leser,

    „die eigene Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.“
    wird Ihnen sicherlich bekannt sein.
    Mit diesem Satz ist es aber nicht möglich in einer gesellschaft – also dem zusammenleben vieler Individuen mit ihren verallgemeinerbaren grundbedürfnissen und ihren nichtverallgemeinerbaren Individualbedürfnissen – eine Lösung zu finden.
    Solche Erwartungen müssen enttäuscht werden, trotz des dem ein oder anderen in der brust schwellenden, berechtigten stolzes über die erkenntnis dieses allgemeinen wahren satzes.

    Kurz: In einem überschaubaren system – zb freundeskreis/familie/verein, können mit unmittelbarer kommunikation probleme gelöst bzw. erleichterung geschaffen werden. Die interessen und vor allem die erfüllung solcher, spielen im diesen gruppen DIE wesentliche rolle. Sie lässt eine Gruppe erst als solche erscheinen und bestimmt die qualität einer solchen.

    Treffen Interessensgruppen ( zb. alle nichtraucher – alle raucher )aufeinander – wie kann ein klares Urteil getroffen werden, das den anspruch von „gerechtigkeit“ erfüllt?

    Hierzu ein Beispiel: Rauchen
    1.Rauchen ist allgemein bekannt als Gesundheitsschädlich.
    2.Passivrauchen erfüllt ebenfalls diesen Anspruch.

    3.Die entscheidung, ob jemand raucht oder nicht, ist frei.

    Da es sich um ein suchtmittel handelt, dass den natürlichen haushalt des belohnungszentrums beeinflusst/stört, ist es ebenfalls indirekt gesundheitsschädlich in bezug auf die entwicklung junger menschen im umgang mit psycho-sozialen belastungen – sprich: das potential, dass nikotin einen elemtaren stellenwert (abhängigkeit) einnimmt ist wesentlich höher als, bei einem erwachsenen, der ohne Nikotin(drogenallg.) ein Verhalten bei (verallgemeinerbar) Belastungen
    erlernt hat.
    Diese tiefe Verankerung des Nikotin im täglichen Handeln, garantiert einen beinahe lebenslangen konsum. wobei wir wieder bei den gesunheitsschäden sind.
    Ergo: für Menschen in entscheidenden entwicklungsphasen darf der gebrauch von Nikotin nicht gefördert werden. (eine förderung wäre z.B: die bereitstellung einer allgemeinen verfügbarkeit von tabakwaren)
    => Verkauf und konsum erst ab 18 Jahre!

    nun steht fest: es ist sinnvoll freiheiten temporär einzuschränken, wenn sie dem selbstschutz dienen. (zb. bei Schutzbefohlenen)

    Meine Meinung dazu: Staatliche Saktionen zur einhaltung sind gegen solche Personen zu richten, die Tabakwaren dennoch anbieten.
    Nicht gegen den Jugendlichen selbst, dessen naturtrieb es ist, grenzen auszuloten. Hierbei bietet Aufklärung über Folgeerkranungen,etc. die Möglichkeit ihm die Konsequenzen bewusst zu machen. Entscheiden muss der jugendliche selbst – bzw die erziehungsberechtigten.

    Nun zu den erwachsenen:
    Wer bekommt recht? ein raucher der nicht rauchen darf, oder ein nichtrauchen der „mitrauchen“ muss?

    Aufgrund der medizinischene erkenntnis ist dem gesünderen Verhalten der vorzug zu lassen.

    Ein raucher der raucht, und ein nichtraucher der nicht will das der raucher raucht?
    Hier sind wir bei der freien entfaltung der Persönlichkeit. Sprich Freiheitsrecht gegen Willensrecht.
    Das Willensrecht ist Teil und ordnet sich dem Freiheitsrecht unter.
    (oder: Das freiheitsrecht kann ohne Willensrecht existieren, aber nicht andersrum)

    Die mutter mit Kinderwagen:
    Stellt sich die frage: raucht das kind passiv mit?
    macht das bild den eindruck, dass die mutter ihr kind gefährdet?

    Antworten Sie selber.

    (nachtrag: die Vorbildrolle spielt in diesem alter kaum eine rolle, da kinder ganz klar unterscheiden können, was sie dürfen und was nicht. kommt später die frage: mama warum rauchst du? warum darf ich nicht rauchen? möchte ich ehrlichgesagt nicht in der rolle sein, meinem eigenen kind erklären zu müssen (ohne es anzulügen oder für dumm zu verkaufen ) warum ich mich selber verletze.

    Anbei: ich bin selber raucher und habe eine tochter. ich rauche wenn sie schläft oder nicht da ist weil ich mir persönlich die von kindern sehr präzise vormulierte Mäeutik ersparen möchte.
    ( eigentlich weiß ich innerlich, dass es ihr nicht fair gegenüber ist, das nichtrauchen nicht wieder anzufangen )

  5. Ich finde es schrecklich wenn Menschen ihre unterschiedlichen Macken zu Weltbildern aufblähen um sie sich dann gegenseitig um die Ohren zu hauen. Diese Sucht sich gegenseitig zu entwerten und zu diffamieren ist zutiefst provinziell, wenn nicht schlimmer.

    Fahrradfahrer gegen Fußgänger
    Raucher gegen Nichtraucher
    Eltern gegen Kinderlose
    Zugezogene gegen Eingesessene
    Reiche gegen Nicht-Reiche

    Der Wille sich über solche Konflikte zu profilieren ist unübersehbar. „Lasst es Leute!“ möchte man rufen.

    Ich selber rauche, versuche Rücksicht zu nehmen, möchte aber nicht in Schein- und Grundsatzdebatten deshalb verwickelt werden. Ich sage es den Leuten nicht persönlich aber hier anonym und ohne jemanden damit zu meinen: Es ist zum Fremdschämen, etwas Dümmeres gibt es nicht!

    Ich meine damit nicht Stadtteilinitiativen, denen es um die Erhaltung von sozialen Strukturen geht. Ich meine Menschen, die andere Menschen mit ihrer mangelnden Gabe zur Differenzierung terrorisieren und doch zu feige sind selbst eine Demonstration anzumelden. Oder denen es zu peinlich ist, weils ja auch peinlich ist. U.s.w.

  6. Nichtraucher, Raucher und Kneipen !

    Mag sein, dass saubere Luft in den Kneipen angenehm ist. Aber der Kneipenbetrieb verursacht auch feste Kosten und das Monat für Monat. Wenn also jeden Abend ca. 10-15 Nichtraucher diese Wirtschaft besuchen und dafür 50-60 Raucher fernbleiben, weil sie nicht rauchen dürfen, dann kann man an seinen 10 Fingern abzählen, wie lange es dauert, bis auch diese Kneipe dicht machen muß, weil der Wirt pleite ist.

    34% aller Wirtshäuser in Deutschland mußten deshalb schon bis Dato wegen Insolvenz schließen.

    Wäre es da nicht besser, Nichtraucher und Raucherkneipen zu ermöglichen. Und zwar außen deutlich erkennbar. Hier darf ich nicht rauchen oder hier darf ich rauchen. So könnte doch jeder seinen Ort aufsuchen, wo er sich für seinen Feierabend-Umtrunk wohl fühlen kann.

    Oder hat man Angst, dass es dadurch mehr Raucher als Nichtraucherkneipen gäbe, weil der Umsatz letztendlich finanziell über Leben und Tod eines Kneipenbesitzers entscheidet.

    Würde jeder Raucher in Deutschland das Rauchen aufgeben, hätte morgen unser Staat ein massives finanzielles Problem.
    Denn an der Tabaksteuer verdient unser Staat nicht schlecht.
    Es sind Milliarden, auf die unsere Bundesregierung sicherlich nicht verzichten möchte, oder ?

    Beste Grüße

  7. In Erfurt wurde vor ca. 3 Jahren das Besetzte Haus geräumt. Das Projekt betrieb unter anderem eine aktive Auseinanderseztung mit dem Täterort Topf & Söhne. Topf & Söhne produzierten zu besonders Deutschen Zeiten Vernichtungsöffen und Zubehörteile für Gaskammern die KZ´s hergestellt wurden.

    Ein kleinen Einblick in die Arbeit der Besetzer_innen:
    http://www.filmpiraten.org/2011/10/topfgang-ein-rundgang-ueber-das-topf-und-soehne-gelaende/

    Die Parlametarische Politik diffarmierte und verarschte die Besetzer_innen nach strich und faden. Es wurde daran gearbeitet ihnen ein ASoziales Image zu geben. Verantwortlich dafür waren damals die SPD und „die Linken“ die die Parlamentarische Mehrheit besassen. Sie lehnten jedoch jegliche Politische Verantwortung ab. Was dann dazu führte das Deutsche Paramilitärische Polizei SEK den Antifaschistischen Geschichtsaufarbeitungsort der sich auch aktiv mit der Gesellschaft auseinandersetzte mit scharfen Waffen stürmten und Platt zogen.

    http://www.youtube.com/watch?v=HYQnotZBpWc

    Ein Punkverbot(Alkoholverbot in der Innenstadt was nicht gegen den Biergarten an der Krämerbrücke sondern gegen die Punks durchgesetzt wurde), ein Baumkletterverbot und noch so einige ander Verordnungen rundeten diese Zeit ab.

    Nun ist alles ruhig und ordenlich, in Erfurt – es könnte auch behauptet werden Erfurt ist tot. Wenn dann noch betrachtet wird was im Thüringer VS läuft weis man ja was von Thüringen aus zu erwarten ist. Das passt dann wiederum zur hoch aktuellen Lage, den das Trink – Wasser in Erfurt ist mit Colibakterien versäucht. Braune Scheise.

    Schönen Dank auch! Zumindest an die Steineschmeiser_innen der Räumung. Die haben es zumindest nicht unwiedersprochen passieren lassen.

  8. „Es geht um Gesundheit, um Schutz, um Sicherheit, um Rücksicht. Sie liefern die Begründung die persönlichen Freiräume immer stärker einzugrenzen und jede Regelverletzung zu überhöhen.“

    Ich stimme vollkommen zu: Das Wort „überhöhen“ ist der Schlüsselbegriff. Natürlich mag man es nicht, wenn unter dem Schlafzimmerfenster jede Nacht rumgegrölt wird und wohl kaum jemand würde ernsthaft vertreten, dass das jemandem zumutbar ist. Doch das die erste Reaktion auf eine Störung der eigenen Ruhe immer der Griff zum Telefon sein muss, der Gang zum Staat, der wie eine Verteidigung der bürgerlichen Grundrechte dargestellt wird: Das ist eine neuere Entwicklung, die – und das ist jetzt nur eine These – wahrscheinlich auch etwas mit der zunehmenden Verrohung des Bürgertums zu tun hat.
    Ich lebe in Freiburg – ein sich wahnsinnig tolerant gebendes – Bürgertum läuft hier Sturm gegen jeden neuen Club, jede Grillwiese am Stadtrand, alles was Geräusche und Gerüche verbreitet und erhält jedes Mal recht. Und immer fallen die gleichen hohlen Phrasen: Ordnung, Rücksicht, Toleranz… Der Kampf um die Nutzung der Stadt, den gewinnen immer die, denen sie gehört. Und wer das ist, das steht im Grundbuch.

  9. @MaterialismusAlter

    Stimmt.

    Ist das nicht auch eine Politisierung der Mehrheitsgesellschafft, wenn sie „Toleranz“ fordert. Für Toleranz haben sich früher eher Anti-Rechts-Initiativen eingesetzt und wurden dafür als linksradikal hingestellt, könnte man sagen. Es scheint so, das mit dem Trend des Wutbürgertums auch diese Begriffe übernommen und benutzt werden. Auch in diesem Sinne „überhöht“?

    Wenn eine Mehrheit Toleranz fordert, bekommt es ein „Geschmäckele“(Dann ist der Vorwurf der „Deutschenfeindlichkeit“ auch nicht mehr weit). Denn Toleranz zu fordern ist doch Aufgabe der Minderheit. Toleranz der Mehrheit der Minderheit gegenüber und nicht umgekehrt. Das würde doch wenig Sinn ergeben.

    Und dann kann ich mir auch vorstellen, das dieser Gedanke mitschwingt: „Wir tolerieren euch Punks(z.B.) ja auch, also müsst ihr uns auch tolerieren und keinen Krach machen“. Das Punks nicht toleriert werden wollen und auch nicht MÜSSEN Fällt dabei unter den Tisch. Noch unappetitlicher wird es, wenn es um grillende türkische Familien geht. „Wir tolerieren euch türkischen Familien ja auch, also benehmt euch gefälligst.“ „Ihr seid Gäste“ schwingt da mit….

    Eine Mehrheit fordert Toleranz. Das ist doch fast chauvinistisch?

  10. senility hats auf den Punkt gebracht:Freiheit hört da auf,wo die Freiheit des anderen beginnt!Freiheit,ja. schön und gut!Aber nicht die Freiheit aus
    (grenzenlosem)Egoismus!Wie wir an der aktuellen Finanzkrise erkennen können:Da bestimmt nämlich die „Freiheit“ der Börsenhändler mittlerweile das Leben und die Existenz von hunderten Millionen Menschen(weil sie aufgrund der Spekulation die gestiegenen Maispreise(für Ihre Tortillas) nicht mehr bezahlen können!Die Einen „machen“ Millionen und die Anderen hungern!!Kant formulierte den „Kategorischen Imperativ“ : jeder hat sich so zu verhalten,das sein Verhalten auch im Sinne der Gemeinschaft richtig sein sollte.Oder,wie wäre es,wenn wir jetzt alle unseren Müll im Wald ablagern würden!!

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