Flop für Deutschland

In Gera versammelten sich am Samstag rund 700 Neonazis, um die rechtsextreme Festivalsaison in Thüringen mit ihrem vermeintlichen Highlight – dem „Rock für Deutschland“ ausklingen zu lassen. 

Von Martina Schmitt, Gera

Die Anzahl der Besucher auf dem Bahnhofsvorplatz in der *südostthüringischen Stadt war im immerhin zehnten Jahr des Festivals allerdings weit vom Besucherrekord von 2009 mit über 3.000 Neonazis entfernt. Dies dürfte vor allem auch am Fehlen echter Größen der Szene sowohl in musikalischer als auch rednerischer Sicht gelegen haben. Selbst die zuvor angekündigte Hauptband „Max Resist“ aus den USA konnte nicht teilnehmen, denn laut den Veranstaltern wurde dem Sänger kurzerhand die Einreise nach Deutschland verweigert.

Als Redner traten eine bunte Mischung extrem rechter Führungskader auf: Unter anderem war auch die alte und im neuen NPD-Bundesvorstand ungewollte Garde mit Udo Voigt und Matthias Faust vertreten. Voigt war erst im November 2011 von Apfel an der Spitze der Partei gestürzt wurden und Faust, der als DVU-Vorsitzender die Fusion mit voran getrieben hatte, stand nie auf Apfels Wunschliste als Vorstandsmitglied. Etwas fremd wirkten beide dann auch im typischen Szenepublikum zwischen extrem rechten Tätowierungen und den einschlägigen Modemarken.

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Trotz der „NSU“-Morde: Klares Bekenntnis zum „Thüringer Heimatschutz“

In Gera hatte sich gegen die Veranstaltung ein breiter Protest organisiert. Mehr als 2.000 Menschen gingen gegen die Veranstaltung auf die Straße und zeigten, dass die Rechtsextremen auch in Thüringen alles andere als willkommen sind. Sogar Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) nahm an den Gegenprotesten teil. Neben Lieberknecht waren auch Innenminister Jörg Geibert (CDU) und Sozialministerin Heike Taubert (SPD) als Gäste bei der Gegenveranstaltung anwesend. Besonders Geibert steht derzeit unter erheblichem politischen Druck und entließ erst vor wenigen Tagen den Chef des Thüringer Verfassungsschutzes.

"Rock für Deutschland 2012": Bühnen-Deko mit klarer Botschaft (Foto: M.S.)
„Rock für Deutschland 2012“: Bühnen-Deko mit klarer Botschaft (Foto: M.S.)

Und auch die Bühnendekoration erinnerte auf ihre Weise an die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“: Dort hing nämlich das einschlägig bekannte Banner des „Thüringer Heimatschutzes“, eben jener Organisation, aus deren Umfeld auch die Rechtsterroristen des „NSU“ kamen. Die Botschaft ist dieselbe: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wolle keine Knechte.“ Dieses Bekenntnis der Veranstalter zu jener Organisation, die mit einer großen Anzahl von V-Leuten durchsetzt war, muss angesichts der „seriösen Radikalität“, für die der NPD-Bundesvorstand neuerdings eintreten möchte, fast etwas überraschen.

Es dürfte sich dabei allerdings um ein klares Zeichen an die freien und militanten Neonazistrukturen handeln: Gerade in Zeiten der „seriösen Radikalität“ ist man bei der NPD auf derartige Veranstaltungen angewiesen, um die schlechte Stimmung zwischen den „freien Kräften“ und der Partei wieder etwas aufzubessern. Nur Ralf Wohlleben, früherer NPD-Kader und Organisator ähnlicher Veranstaltungen (wie zum Beispiel „Fest der Völker“ in Jena), war diesmal nicht dabei: Er sitzt seit November 2011 in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm aufgrund seiner vermuteten Unterstützung des „NSU“ Beihilfe zum Mord in sechs Fällen vor.

Siehe auch:

„Rock für Deutschland“ – hunderte Neonazis feiern für ihr DeutschlandNPD floppt mit “Thüringentag”Die Steigerung von fassungslosBfV, MAD, VS: Zehn V-Leute beim THS?Terror-Zentrale Braunes Haus?“Blut muss fließen” – Undercover unter NazisHeise will Rechtsrockfestival etablieren,

*Siehe Hinweis in den Kommentaren

9 thoughts on “Flop für Deutschland

    1. @LaHaine: Tja, die Regel, wonach man an den Gegner verlorene Materialen nicht neu anfertigt, gilt offenbar nur in Ultra-Kreisen … 😉

  1. „in der südthüringischen Stadt“ – wohl eher ostthüringischen Stadt 😉

    Anm. d. Redaktion:
    Schon näher an Sonneberg als an Nordhausen, aber von uns aus … auch das.

  2. @LaHaine, @Publikative

    Das ist denen alles Banane. Zeigt ja schon die Schrift: „Arial – The perfect way to show that you just don’t care.“ 😀

  3. @4 (anne):

    ich weiß zwar nicht genau, wen sie meinen, aber ich für meinen teil fürchte sie etwa nicht.

    was auch immer das heißen soll.

    .~.

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