Bundestagsausschuss solidarisiert sich endlich mit Najafi

 Die Mitglieder des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe haben sich mit dem vom Tode bedrohten iranischen Musiker Shahin Najafi  nun doch noch solidarisch erklärt. Najafi hatte in einem Lied Kritik an der iranischen Regierung geübt. Das iranische Regime setzte ihn daraufhin auf eine Todesliste.

Dies ist die einstimmig beschlossene Solidaritätserklärung im Wortlaut:

Solidaritätserklärung für den iranischen Musiker Shahin Najafi

Der iranische Musiker Shahin Najafi muss um sein Leben fürchten, weil er in seinem Lied „Naghi“ den verstorbenen zehnten Imam Ali al-Hadi al-Naghi anfleht, in den Iran zurückzukehren, um mit dem heutigen Regime aufzuräumen. Sein Text übt Kritik an dem iranischen Regime und provoziert mit der Anrufung des Imam.

Kunst muss frei sein. Kunst muss sich entfalten können. Und: Kunst muss provozieren dürfen. Radikale schiitische Regimebefürworter sehen das anders. Sie nutzen einen islamischen Erlass des Großajatollah Lotfollah Safi Golpajegani vom 23. April als einen Aufruf zum Mord an Najafi. Nun fürchtet er in Deutschland um sein Leben und muss untertauchen.

 Shain Najafi
Shain Najafi

Die Meinungsfreiheit ist der Gradmesser jeder freien, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft. Mit der Verletzung der Meinungsfreiheit gehen immer andere Menschenrechtsverletzungen einher. Als hohes Gut muss das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit daher geachtet, geschützt und gewährleistet werden.

Wir haben hohen Respekt vor dem Mut von Shahin Najafi. Er hält an seinem Menschenrecht auf Meinungsfreiheit fest – trotz der Morddrohungen. Sein Wille weiter als Künstler zu arbeiten verdient unsere Solidarität. Er muss gegen die Feinde der Meinungsäußerung und Religionsfreiheit geschützt werden, vom Staat, von der deutschen Öffentlichkeit, von den Menschen, von uns allen.

Der Publizist Matthias Küntzel hatte Ende Mai unter anderem auf Publikative.org kritisiert, dass der Mordaufruf gegen den Musiker „seltsam teilnahmslos“ in der deutschen Öffentlichkeit aufgenommen wird. Küntzel schrieb von einem beschämenden Schweigen:

Im Aufruf, Shahin Najafi zu töten, steckt das Ansinnen, die Freiheit allgemein zu töten. Demgegenüber heißt Shahin zu verteidigen, die Freiheit überall zu verteidigen. Oder auch nicht! Ich jedenfalls empfinde es als Schande, dass die Bundesregierung diesen Übergriff der Mullahs bislang stillschweigend schluckt – ohne den iranischen Botschafter einzubestellen, ohne den bedrohten Sänger demonstrativ ins Bundeskanzleramt einzuladen. Ich finde es beschämend, dass ein Bundestagsausschuss letzte Woche die Einladung an eine Delegation oppositioneller Iraner zur Diskussion der Lage der Menschenrechte in letzter Minute und ohne Angabe von Gründen zurückgezogen hat.

Siehe auch: Beschämendes Schweigen

 

3 thoughts on “Bundestagsausschuss solidarisiert sich endlich mit Najafi

  1. Hallo, wo hat sich der Bundestagsausschuss denn dazu geäußert? Der oben zitierte Text ist wörtlich der Aufruf von Wallraff und unter den Pressemeldungen des Ausschusses ist dazu nichts zu finden.

  2. Hab ich was verpasst? Die Fatwa wurde von ein „dahergelaufenen“ Imanen verkündet. Da hat das Regime im Iran überhaupt nichts mit zu tun.

    Diese schlecht recherchierten Artikel hier mit Allgemeiplätzen sind der Grund, warum Publikative nicht an den alten NPD-Blog heranreicht. Schade.

  3. @Ulrike:
    „[..] den Pressemeldungen des Ausschusses ist dazu nichts zu finden.“

    Hier ist es z.B. zu finden:
    http://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2012/pm_1206151.html

    @Mar-52
    Der dahergelaufene Imam ist ein Großajatollah namens „Lotfollah Safi Golpaygani“
    und zusätzlich außerdem heißt es hier:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/rapper-shahin-najafi-eine-fatwa-ist-ja-kein-ratschlag-11761188.html
    „[..] einer Website, die den iranischen Revolutionsgarden nahesteht, ein Kopfgeld von 100000 Dollar auf Sie ausgesetzt. [..] „

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