Optimale Besetzung: Neonazis marschieren in SS-Uniform durch Löcknitz

Bloß keinen Ärger riskieren, so lautete offenbar die Strategie der Veranstalter des Festumzugs in Löcknitz. Und so konnten Neonazis in Wehrmachts- und SS-Uniformen zum 800-jährigen Bestehen der Gemeinde durch die Straßen marschieren. Publikative.org meint: Wer könnte besser die Zeit zwischen 1933 und 1945 repräsentieren?

Von Jesper Olsen

Auf der NPD-nahen Internet-Seite MUPinfo hieß es zu dem Aufzug der Ewiggestrigen: „Neben alten Burgherren und Persönlichkeiten waren auch Schulen, Vereine und (ehemalige) Betriebe im festlich geschmückten Aufzug am Sonnabend, 2. Juni, vertreten. Und nicht nur das, auch die NPD und örtliche Kameraden hatten sich ordnungsgemäß eingereiht. Der volkstreue Landtagsabgeordnete Tino Müller und seine Männer schritten publikumswirksam durch die Straßen; standesgemäß mit Transparent und schwarzen Fahnen ausgestattet.“

800 Jahre Löcknitz
800 Jahre Löcknitz

Die meisten Bürger störten die Neonazis offenbar nicht, sie zeigten sich begeistert von dem Aufzug, Rechtsextreme gehören wohl einfach dazu. Ein älterer Herr sagte im NDR, wenn die Neonazis friedlich blieben, sei dies doch kein Problem. Einer der Organisatoren betonte, man habe keinen Ärger mit den Rechtsextremen riskieren wollen. Deutlicher kann die Normalität und die Sanktionsfähigkeit der Neonazis in Teilen des Nordostens kaum auf den Punkt gebracht werden.

Auswärtige Besucher zeigten sich weniger begeistert. „Hätten wir gewusst, dass Rechtsextreme so ungehindert in einem Festumzug marschieren, wir wären alle nicht nach Löcknitz gefahren“, sagte ein Besucher aus Hamburg dem Nordkurier.

Für die „seriöse Radikalität“ der NPD könnte der Aufmarsch in Nazi-Uniformen indes noch zum Bumerang werden, denn Aufmärsche in SS- und Wehrmachtsuniformen lassen Distanzierungen von der NS-Zeit noch unglaubwürdiger erscheinen. Udo Pastörs, Fraktionschef der Neonazis im Landtag, sagte im NDR, die NPD lehne den Aufzug weder ab, noch unterstütze sie diesen ausdrücklich. Wie hieß es in einem ARD-Interview mit Pastörs noch gleich? “Er ist ja ein Phänomen gewesen dieser Mann, militärisch, sozial, ökonomisch – er hat ja wahnsinnige Pflöcke eingerammt auf fast allen Gebieten.” Diese Ansicht sei “wertfrei geäußert” worden, so Pastörs – und bezog sich damit auf Adolf Hitler.

Hier ein Fernsehbericht des NDR zu Löcknitz.

Siehe auch: Aufmarsch der Waffen-SS beim Landesfest in Sachsen-Anhalt

4 thoughts on “Optimale Besetzung: Neonazis marschieren in SS-Uniform durch Löcknitz

  1. selbst wenn ich gewusst hätte das es löcknicz überhaupt gibt wäre ich doch im leben nie mal dort hingefahren….

  2. So ich mich recht erinnere sind die ‚Kameraden‘ in Uniform schon vor einiger Zeit(2009) so aufmarschiert, mit ähnlichem Medienecho….ihre un-uniformierten Kameraden von der NPD waren damals allerdings nicht von der Partie…sicher kann man sich allerdings sein, dass sie diesmal mit Absicht gleich hinter diesem ‚Geschichtssverein‘ marschierten…
    Das Festkomitee hätte angesichts dessen jedoch eindeutig handeln müssen.

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