TV-Tipp: Ein deutscher Boxer

Schwarzer, Boxer, deutscher Meister: Charly Graf wird 1951 im sozialen Brennpunkt Mannheim-Waldhof als unehelicher Sohn einer ungelernten Arbeiterin und eines schwarzen US-Soldaten geboren und wächst in den sogenannten Benz-Baracken auf. Rückblickend wird er sein Leben als ewigen Kampf bezeichnen.

Wegen seiner Hautfarbe wird er immer wieder ausgegrenzt und mit Vorurteilen konfrontiert. Die ersten Trainer erklären dem Nachwuchssportler, dass er einer anderen Rasse angehöre. Trotz früher Erfolge im Boxsport wird er kriminell, denn im Rotlichtviertel von Mannheim, wo er mit dem organisierten Verbrechen in Berührung kommt, fühlt er sich anerkannt. Immer wieder gerät er mit dem Gesetz in Konflikt, landet regelmäßig im Gefängnis, wo er zusammengerechnet rund zehn Jahre seines Lebens verbringt.

Der Boxer und der Terrorist

Inspiriert vom Streik in der Danziger Werft, aus der die Bewegung Solidarnocz hervorgehen wird, zettelt er 1980 spontan und mit dem Schlachtruf „Solidarität“ eine Gefängnismeuterei an, als er seine schwerkranke Mutter nicht besuchen darf. Im politisch noch immer sensiblen Klima der 80er-Jahre wird er daraufhin in die JVA Stammheim verlegt. Hier lernt er den Ex-RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock kennen, mit dem er von nun an seine Hofgänge zu absolvieren hat. Zwei Welten prallen aufeinander – doch die beiden so verschiedenen Männer freunden sich entgegen aller Erwartungen an.

Peter-Jürgen Boock beginnt, Charly Graf für Literatur zu interessieren, was dessen Leben eine völlig neue Wendung gibt. So fängt das Kind aus den Benz-Baracken an, Roman-Klassiker von Hermann Hesse und William Faulkner zu lesen. Worte, so erkennt der ehemalige Zuhälter und Türsteher fasziniert, können über dieselbe Kraft verfügen wie Faustschläge. Boock bringt Graf nicht nur dazu, sein Leben und sich selbst zu hinterfragen, sondern motiviert ihn auch, wieder an seine Profi-Laufbahn als Boxer anzuknüpfen.

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Nach dem aufsehenerregenden Dokumentarfilm „Der Sturz – Honeckers Ende“, den international viel beachteten Dokumentarfilmen „Aghet – Ein Völkermord“ und „Das Schweigen der Quandts“ widmet sich Grimme-Preisträger Eric Friedler mit seinem neuen Film „Ein deutscher Boxer“ einer besonderen Lebensgeschichte und einer außergewöhnlichen Sportler-Karriere. Am Dienstagabend um 23.45 Uhr in der ARD.

One thought on “TV-Tipp: Ein deutscher Boxer

  1. Sehr beeindruckende Doku und ein bezeichnendes Stück Zeitgeschichte. Besser können Portraits filmisch kaum umgesetzt werden. – Hut ab`.

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