Greifbare Perspektiven für eine bessere Welt

In seinem Buch “Sapere aude! Warum wir eine neue Aufklärung brauchen“ äußert sich Heiner Geißler sehr kritisch zur Lage der Menschheit. Das attac-Mitglied prangert an, dass die Mehrzahl der Menschen in Unfreiheit lebt. Um die Befreiung der Unterdrückten voranzutreiben, plädiert Geißler für die universelle Gültigkeit der Demokratie und der Menschenrechte. Bei seinem leidenschaftlichen Appell legt er sich vor allem mit dem Kapitalismus, dem religiösen Fundamentalismus und den autoritären Strukturen der Politik an.

Von Stefan Kubon

Gleich zu Beginn seiner Schrift lässt Geißler an den Herrschaftseliten dieser Welt kein gutes Haar. Denn er stellt klar, dass es selbstverständlich diese Eliten sind, die für den folgenden Skandal verantwortlich sind: Während der materielle Reichtum der Mächtigen immer mehr zunimmt, müssen nach wie vor mehrere hundert Millionen Menschen ihr Dasein in jämmerlicher Armut fristen. In diesem Kontext wirft Geißler der herrschenden Politik vor, diese habe es bislang versäumt, das internationale Wirtschaft- und Finanzsystem zu zivilisieren. Der Autor nennt auch ein besonders krasses Beispiel: Noch immer konnten sich die politisch Verantwortlichen nicht darauf einigen, die Spekulationsgeschäfte, die an den Börsen mit Grundnahrungsmitteln stattfinden, in ausreichendem Umfang zugunsten der Hungernden dieser Welt zu regulieren.

Befreiung durch Aufklärung

Neben dem Absolutismus der Ökonomie und dem politischen Autoritarismus ist es vor allem der religiöse Fundamentalismus des Katholizismus und des Islam, der das CDU-Mitglied in Rage bringt. Geißler veranschaulicht, dass all diese repressiven Phänomene schuld daran sind, dass die Menschheit mehrheitlich unterdrückt und ausgebeutet wird. Zur Überwindung dieses unakzeptablen Zustands mahnt Geißler eine Revitalisierung des historischen Aufklärungsgedankens an. Folgerichtig erinnert er an den von Immanuel Kant (1724-1804) im Jahr 1784 formulierten Leitgedanken der Aufklärung: “Sapere aude! – zu Deutsch: Wage zu denken! – ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Und das, was Geißler in Anlehnung an Kant denkt, kann man durchaus als wagemutig bezeichnen, denn es kommt unverhohlen aufrührerisch daher: “Was wir dringend brauchen, ist eine neue Aufklärung, eine Revolution im Denken und Handeln. Benötigt wird die Überzeugung, dass diese menschenunwürdigen Verhältnisse und Strukturen nicht natürlich oder gottgegeben, sondern von Menschen gemacht und veränderbar sind.“

Frauen als Opfer des religiösen Fundamentalismus

Bei seiner Kritik des Katholizismus und des Islam macht Geißler insbesondere deutlich, wie stark die Frauen unter diesen Religionen zu leiden haben. Geißler legt dar, dass die katholische Kirche ihre Geringschätzung des weiblichen Geschlechts auch dadurch zum Ausdruck bringt, dass sie es bis heute nicht für nötig befunden hat, das UN-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (kurz: “Frauenkonvention“ oder CEDAW) aus dem Jahr 1979 zu unterzeichnen.

Zudem weist Geißler darauf hin, dass der Vatikan auf den Weltfrauenkonferenzen von Nairobi (1985) und Peking (1995) gemeinsam mit islamischen Fundamentalisten die Resolutionen zur sexuellen Selbstbestimmung der Frau abgelehnt hat. Geißlers Kommentar zu diesem frauenfeindlichen Verhalten der mächtigsten Kirche des Christentums: “Das wird den Papst wahrscheinlich beim Jüngsten Gericht in Schwierigkeiten bringen. Für Millionen von Frauen hat die katholische Kirche dadurch ihren Kredit verspielt.“

Herrschaftspolitik gegen die Mehrheit: die Agenda 2010

Nicht zuletzt bei seinem Blick auf Deutschland stellt Geißler einen massiven Vertrauensverlust der Menschen in die herrschende Politik fest. Zu Recht kritisiert er, dass die herrschenden Parteien häufig eine Politik betreiben, durch die der Wille der Wähler auf autoritäre Weise ignoriert wird. Dies verdeutlicht Geißler insbesondere im Zusammenhang mit der Agenda 2010 und den dazugehörigen Hartz-Gesetzen. Es wird an Folgendes erinnert: Der Abbau des Sozialstaats, wie er durch die reaktionären Politikkonzepte der Agenda 2010 vorangetrieben wurde, wurde von der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Doch die politisch Verantwortlichen kümmerte dies wenig. Letztlich begrüßten fast alle herrschenden Parteien die repressiven Hartz-Gesetze.

Das dekadente Unterdrückungssystem der Hartz-Gesetze verurteilt Geißler mit den passenden Worten: “Heute badet die High Society in ihrem Überfluss, während die sechs Millionen Minijobber als moderne Lohnsklaven auf verfassungswidrige Hartz-IV-Leistungen gesetzt werden.“ Auch bezüglich einer besonders zynischen Phrase der Agenda 2010 wird Tacheles geredet: “Die Parole ‘fordern und fördern‘ ist die Überschrift für eine bisher in der bundesdeutschen Sozialgeschichte nicht gekannte Schikaniererei der Elendsten in unserer Gesellschaft.“

Die Alternativen: NGOs und mehr direkte Demokratie

Obgleich Geißler die derzeitige politische Lage der Welt als ziemlich verheerend einschätzt, verliert er sich erfreulicherweise nicht im Pessimismus. Tatsächlich entwickelt der Autor auch eine optimistische Perspektive für eine bessere Zukunft, indem er etwa auf die emanzipatorische Arbeit vieler global agierender Nichtregierungsorganisationen (NGOs) hinweist. Gelobt wird beispielsweise das Engagement von Organisationen wie Amnestie International, Ärzte ohne Grenzen, attac, Greenpeace und Terre des Femmes. Schließlich führt Geißler auch die Occupy-Bewegung als Beispiel dafür an, dass die Menschen ihre von den Regierungen verschuldete Unmündigkeit im Sinne einer aufgeklärten Zivilgesellschaft überwinden können.

Die Weltlage ist düster. Mehr Aufklärung wäre nötig! (Foto: Stefan Kubon)
Die Weltlage ist düster. Mehr Aufklärung wäre nötig! (Foto: Stefan Kubon)

Der Autor spricht sich auch für eine Weiterentwicklung der Demokratie in Deutschland aus. Weil die herrschenden Parteien allzu oft den Willen der Bevölkerung missachten, plädiert Geißler für mehr plebiszitäre Elemente bei der Entscheidungsfindung. Geißler stützt sich bei seiner Argumentation auf seine Erfahrungen, die er als Schlichter beim Streit um Stuttgart 21 gemacht hat. Konkret schlägt er das folgende Modell für mehr direkte Bürgerbeteiligung vor: “In Umkehrung der bisherigen Verfahren steht am Anfang eines Vorhabens die Formulierung des Zieles eines Projektes, also einer Brücke, eines Flughafens, eines Bahnhofs. Der Plan bzw. die Idee ist Gegenstand einer allgemeinen öffentlichen Erörterung einschließlich der Diskussion von Alternativen, vor allem durch Faktenchecks, Mediation und andere Formen informativer Bürgerbeteiligung. Danach erfolgt die Grundsatzentscheidung: Das Projekt und seine Alternativen werden zur Abstimmung gestellt.“

Ganzheitliches Denken

Auf den letzten beiden Seiten seiner Schrift fasst der Autor seine Hauptanliegen besonders prägnant zusammen. Auch hier integriert Geißler ökologische Aspekte in seine Überlegungen, wodurch er abermals als ganzheitlicher Denker in Erscheinung tritt: “Noch nie in der Weltgeschichte stand die Menschheit vor einer radikaleren Alternative: Entweder wir ändern uns und unsere Zivilisation, oder wir sterben. Die endzeitlichen Absolutismen der Gegenwart stehen vor dem Richterstuhl der Vernunft. Die Ziele des Kapitalismus – die ständige Steigerung der Produktion und des Wachstums, die einseitige Vermehrung des Konsums und die Akkumulation des Kapitals – können nur durch die fortschreitende Ausbeutung der Menschen, der Erde, ihrer Bodenschätze, ihrer Ackerflächen, ihrer Wälder, ihres Wassers, die Zerstörung der Artenvielfalt und der Ökosysteme erreicht werden. ‘Auf Vernichtung läuft´s hinaus‘, sagt Mephisto, und der Kapitalismus ist die Vernichtungsmachine. Dieses Urteil zu fällen ist die Aufgabe der modernen Aufklärung, müsste die Predigt der Weltreligionen sein, wenn sie denn endlich aufgeklärt wären, und der Inhalt einer aufgeklärten Bürgerdemokratie. Wir Menschen müssen uns befreien von unseren selbsternannten Vormündern, und unsere Augen, den Verstand und die Herzen öffnen für ein anderes Leben, nicht ein immer besseres, aber ein gutes Leben, das für alle möglich ist auf einer erneuerten Erde.“

Fazit

Geißler bringt die Dinge auf den Punkt. Die wirklichen Missstände auf unserem Planeten werden anschaulich beschrieben und zugleich präzise zusammengefasst. Außerdem präsentiert das Buch greifbare Perspektiven und nachvollziehbare Vorschläge für eine bessere Welt. Es muss aber auch festgestellt werden: Wer sich regelmäßig mit (progressiver) Politik beschäftigt, wird höchstwahrscheinlich nicht viel Neues erfahren. In jedem Fall liefert die Schrift dank ihrer bewegenden Sprache viel emotionales Kraftfutter für den Kampf für die gute Sache. Und mit immerhin 48 Anmerkungen im Anhang weist der ehemalige Jesuitenschüler Geißler sogar detailliert nach, dass er nicht nur unter moralischen, sondern auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten Recht hat.

Heiner Geißler: Sapere aude! Warum wir eine neue Aufklärung brauchen. Ullstein Verlag, Berlin 2012, 160 Seiten, 16,99 Euro.

9 thoughts on “Greifbare Perspektiven für eine bessere Welt

  1. Sehr geehrter Herr Stefan Kubon,

    von mir vorab ein dickes Lob für diesen wunderbaren Bericht. Danke !

    Heiner Geißler hat recht mit dem was er sagt und schreibt !

    Zitat aus Ihrem Bericht: „Die Ziele des Kapitalismus-die ständige steigerung der Produktion und des Wachstums….“
    Diese Ziele, das habe ich schon vor 30 Jahren bei einer Verkaufsleiterbesprechung bekundet, sind nicht machbar, weil unser Planet nicht expandieren kann. Seit 4,6 Milliarden Jahre hat die Erde einen Durchmesser von knapp 13 000 Km und einen Umfang am Äquator gemessen von rund 40 000 Km. Folgedessen sind die natürlichen Ressourcen wie Eisen, Kupfer, Erdöl ect.pp. nicht unbegrenzt vorhanden.
    Nachwachsende Rohstoffe werden schneller verbraucht, als sie nachwachsen können. Dafür wurde ich liebevoll belächelt um es noch gelinde auszudrücken.

    Und was haben wir heute ? Ein beschädigtes Ökosystem. Die Zerstörung der Artenvielfalt, eine Überfischung der Weltmeere und ein Klimawandel, der sich mit all seinen Konsequenzen nicht mehr aufhalten lässt.
    Von der beginnende Rohstoffknappheit ganz abgesehen.

    Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich habe nichts gegen einen verantwortungsbewußten und sozialen Kapitalismus. Wohl aber etwas gegen den zunehmenden Heuschrecken-Kapitalismus von Leuten, die die Börse mit einem Spielcasino verwechseln.
    Milliarden werden verzockt ! Und wer finanziert am Ende die Rettungsschirme ?

    Um es astronomisch auszudrücken nähern wir uns einem Gravitationsfeld, dass uns in einen finanziellen Supergau führen wird.

    Perspektiven und Lösungen sind bereits vorhanden. Wir müßen sie nur vernünftig umsetzen.

    Beste Grüße

  2. @Ghostrider: Ich halte das „gegen einen so genannten Heuschrecken-Kapitalismus“ bezüglich der völkisch-rassistischen Anknüpfungspunkte für gefährlich, wenn dies nicht durch ein „Wofür“ ergänzt wird, dass sich nicht auf die „Nation“ oder das „Volk“ bezieht. An diesem Punkt setzen nämlich zuletzt auch einige der an Samstag in Hamburg aufmarschierten Nazis an: „Volk, Heimat (Natur & Mensch) und Nation“ gegen das antisemitisch umschriebene globale Finanzkapital. Zumal „Heuschrecken“ in der völkischen Rechten auch für die „Heerscharen“ an „Fremden“ stehen, die angeblich kommen „ein Land aussaugen (leerfressen)“ um danach weiterzuziehen und das nächste „Volk“ auszunehmen. Ich schätze Heiner Geißler dafür, dass er einer der wenigen Querdenker ist der nicht in eine gefährliche Querfront abgleitet.

    Nach wie vor ist er ein „Bürgerlicher“ bzw. „Konservativer“, aber eben auch mit sozialem Gewissen. Dies sollte aber nicht mit politisch links verwechselt werden. Heiner Geißler als politisch Linken zu sehen und ihn gleichseitig dafür zu kritisieren, dass er noch in der CDU ist fasst ihn nicht richtig. Ihn dafür zu kritisieren dass er immer noch aus einer bürgerlichen Sicht spricht, ihn aber gleichseitig als sozialen Konservativen zu loben erscheint mir greifbarer und angemessener. Geißler macht anerkennenswert vor, dass auch Querdenken funktioniert ohne gleich in der Querfront zu landen, wo unter anderem als negative Gegenbeispiele die Totalabstürze von Jürgen Elsässer und Jürgen Todenhöfer genannt werden müssten.

  3. @Roland Sieber

    Leider ist es so, dass Rechtspopulisten und Rechtsextremisten auf solche Themen abfahren um a) Mitglieder für ihre bräunlich gefärbten Ideologien zu werben b) und um damit bein verunsicherten Bürger auf Stimmenfang zu gehen.
    Im Internet gibt es zahlreiche Seiten, Portale und Foren, die sich mit dieser Thematik befassen. Es gibt einen gut fundierten Journalismus und Beiträge von Wirtschaftswissenschaftlern ect.pp. und es gibt sehr viele rechtspopulistische Unterwanderungen, die erst auf den 2. Blick erkennbar werden.

    Bei meinem zitierten Heuschrecken-Kapitalismus beziehe ich mich nicht auf Deutschland alleine sondern auf die globale Finanzmärkte und die weltweite rücksichtslose Ausbeutung der immer knapper werdenden Ressourcen unserer Erde.

    Das hat in keinster Weise etwas mit Antisemitismus zu tun, da die Israelis selbst auf die Strasse sind um auf den globalen Raubzug-Kapitalismus aufmerksam zu machen.

    Ich persönlich kann auch gar nicht antisemitisch orientiert sein, da ich selbst jüdische Wurzeln habe. 😉

    Beste Grüße

  4. Sehr geehrter Herr Ghostrider,

    danke für Ihr Kompliment.

    Hinsichtlich der Querverbindungen zwischen dem bürgerlichen und
    und dem linken Spektrum ist ja auch das folgende Gespräch zwischen
    Sahra Wagenknecht und Heiner Geißler recht interessant:

    http://www.zeit.de/2011/51/Streitgespraech-Wagenknecht-Geissler/seite-1

    Wobei die Idee einer Koalition zwischen der Linkspartei und der Union
    natürlich ein veritables Traumgebilde ist. Geißler ist ja (inzwischen) in der Union ein echter Exot ohne spürbaren Einfluss.

    Falls noch jemand Interesse an einem gepflegten Kamingespräch zum Thema hat:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1639552/nachtstudio-vom-20.-Mai-2012#/beitrag/video/1639552/nachtstudio-vom-20.-Mai-2012

    Mit freundlichen Grüßen
    Stefan Kubon

  5. Lieber Herr Ghostrider,

    Ich wäre an ihrer Stelle durchaus etwas vorsichtiger mit den Formulierungen.
    Sie setzen durchaus das nationale und soziale Kapital gegen das internationale Heuschreckenkapital. Diese Unterscheidung ist eine aus dem NS, der unterschieden hat zwischen schaffenden und raffenden Kapital.
    In diesem Sinne sitzen sie dem Mythos auf, die Banken hätten die Krise verursacht, was einfach nicht stimmt.
    Der Kapitalismus als Vergesellschaftungssystem ist auf verschiedene Art und Weise krisenhaft, und fetischisierte Kritik führt dort nicht weiter. Nicht-fetischisierte Kritik, also solche ohne Sündenböcke, würde jedoch das ganze System in Frage stellen, was ja explizit weder ihr Anliegen noch das der bürgerlichen Medien ist. Deswegen bleibt, ohne das Kind beim Namen zu nennen, nur „der Sozialismus der dummen Kerls.“ (Engels)

    Ihr letzter Kommentar legt nahe, die Juden wären diejenigen, die darüber bestimmen würden, ob sie Opfer von Antisemismus würden oder nicht. Das ist nicht mitnichten der Fall, denn Antisemitismus hat vielmehr mit Antisemiten als mit Juden zu tun.

    Beste Grüße

  6. Sehr geehrter Herr Stefan Kubon,

    besten Dank, für die interessanten Links !

    Na ja, die Idee einer Koalition zwischen der Linkspartei und der Union wird wohl noch lange ein Traumgebilde bleiben 😉 Obwohl man eigentlich sagt, dass Gegensätze sich anziehen. Doch in diesem Fall wäre es wahrscheinlich wie Feuer und Wasser 😉

    Was ich an Heiner Geißler mag ist sein ganzheitliches Denken. Dieser Mann lässt sich in keine Schublade stecken. Recht hat er !

    Mit den besten Grüßen

    Ghostrider

  7. @Taxi Driver

    Sie müssen mir nicht die Worte im Mund umdrehen !
    Von schaffenden und raffenden Kapital war hier keine Rede. In der Tat gingen die Nazis soweit, dass sie das jüdische Kapital als raffendes Kapital bezeichneten. Da wären wir wieder beim Thema Antisemitismus gelandet. Dazu später mehr.

    Wenn ich schreibe, dass Leute Börsen und Investmentgeschäfte mit einem Spielcasino verwechseln, dann meine ich damit Manager von Banken -und Versicherungen, die verantwortungslos mit dem Kapital ihrer Kunden umgehen. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe !

    Mehr dazu hier:

    http://www.badische-zeitung.de/…/us-bank-verzockt-milliarden-x1x-5934

    http://www.spiegel.de/…/jp-morgan-meldet-2-milliarden-dollar-einbusse-d...

    Kapital birgt immer ein gewisses Restrisiko. Ein erfahrener Banker sollte das aber wissen. Natürlich gibt es Leute, die mit Aktien wenn sie Glück haben innerhalb von 14 Tagen ihr Aktienkapital verdoppeln, aber diese Papiere sind u.U. sehr risikoreich. Genau so gut können sie auch 50% verlieren. Für solche Geschäfte braucht man schon eine Menge Insiderwissen. Geht aber auch in unseren schweren Zeiten.

    Es ist aber erstaunlich, dass wenn man Kritik am Kapitalismus ausübt, man sofort in eine linke Schublade gesteckt wird.
    Als nächstes werde ich Frau Merkel kritisiern und bin dann sofort Staatsfeind Nr.1 😉

    Dabei bin ich pensioniert und könnte mir den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, sofern die Sonne auch da ist 😉 mit dem Zusatz „geht mich nix an“

    Aber wenn man sieht das 1% der Weltbevölkerung über 34% der gesamten Geldmenge dieser Erde verfügt und 50% der Weltbevölkerung in bitterster Armut lebt und das im 21. Jahrhundert, dann stimmt irgendetwas nicht mehr.

    Schlimmer noch ! Nur in Deutschland, also das restliche Europa nicht mit eingerechnet, werden pro Jahr soviel Lebensmitteln weggeworfen (genaue Tonnage müßte ich recherchieren, es sind aber Millionen von Tonnen), dass man damit jedem hungernden Menschen in der Welt 2 Mahlzeiten pro Tag bescheren könnte !!

    Ich könnte die Liste mit Agenda 2010, Mindestlöhne, Leiharbeit, abgestufte Kreditwürdigkeit bei Leiharbeitern ect.pp. fortsetzen.

    Tut mir leid, wenn sich der Rechtspopulismus solcher Themen aus den o.g. Gründen bedient. Ich habe mit dieser Liga nichts am Hut. Ich will weder den Kapitalismus noch unsere Demokratie abschaffen. Außerdem passe ich in keiner Schublade.
    Ich wünsche mir nur einen in jeglicher Form verantwortungvollen und sozialen Kapitalismus. Also leben und leben lassen !

    Sie schreiben: „Ihr letzter Kommentar legt nahe, die Juden wären diejenigen, die darüber bestimmen würden, ob sie Opfer von Antisemitismus würden. Das ist mitnichten der Fall, denn Antisemitismus hat viel mehr mit Antisemiten als mit Juden zu tun.“

    (…)

    Wo habe ich das geschrieben ? Außerdem ergibt dieser Absatz absolut keinen Sinn.

    Als Antisemitismus wird der Judenhass oder auch Judenfendlichkeit bezeichnet und Antisemiten sind eben Leute, die Juden hassen bzw. ihnen feindlich gesinnt sind.

    Hier der Link:

    http://www.antisemitismus.net/theorie/kritische-theorie/antisemitismus.htm

    Beste Grüße

  8. Sehr geehrter Herr Kubon!
    Immer wieder verblüfft es mich, wenn Menschen wie Heiner Geissler an ihren Worten und nicht an ihren Taten gemessen werden.
    Geissler war in den Achtziger Jahren einer der ausfürenden Protagonisten von Kohls „geistig-moralischer Wende“. Als „Wadlbeisser“ der CDU kämpfte er damals für Aufrüstung in Deutschland, zu einem Zeitpunkt als Gorbatschow längst Abrüstungsgespräche vorschlug, verhöhnte „Linke“ wie Marcuse und Wallraff als „Terrorsympatisanten“, schlug vor Kriegsdienstverweigerer zum Minenräumen einzusetzen und wurde von Willy Brandt zu Recht als „schlimmster Volksverhetzer seit Göbbels“ bezeichnet.
    Heute, längst aus allen Ämtern geschieden, versucht er den Konservativen ein menschliches Gesicht zu geben, indem er die Entwicklungen (Globalisierung, Turbokapitalismus) kritisiert, die er selbst mit angestossen hat. Eine selbstkritische Reflexion Geisslers seiner eigenen Rolle innerhalb dieser Prozesse, ist mir unter seinen zahllosen Publikationen nicht bekannt.
    Seine Taten sprechen aber auch heute noch eine deutliche Sprache, wenn er als „Schlichter“ verhindert, dass Lokführer leistungsgerecht bezahlt werden und eine Lohnzurückhaltung predigt, die nur der Umverteilung von unten nach oben dient, oder er den Bürgerprotest von „Stuttgart 21“ zerredet. Ist es nicht vielsagend genug, wenn ein Stefan Mappus sich Geissler als „neutralen“ Schlichter wünscht. Das Ergebnis sagt alles. Geisslers globalisierungs- und kapitalismuskritisches Wortgeklingel dient den turbokapitalistischen Kräften als moralisches Feigenblättchen. Seine Rolle spielt er bis heute.
    Geissler ist das Paradebeispiel eines heteronomen Intellektuellen.

    Mit besten Grüßen Hans Sottmaier

  9. Sehr geehrter Herr Kubon!
    Hier noch ein kleiner Nachtrag. Unter:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=3725
    findet sich der Beitrag „Heiner Geißler: Rattenfänger für die CDU im linken und ökologischen Spektrum“. Sicher nicht weniger empfehlenswert als ein gepflegtes Kamingespräch.
    Mit besten Grüßen Hans Sottmaier

Comments are closed.