Verschlossene Auster: SVP-Nationalrat hält Laudatio

Das Jahrestreffen des Netzwerks Recherche (NR) in Hamburg stand nach dem Bekanntwerden des NSU-Terrors im Zeichen des Themas Rechtsextremismus. In diversen Workshops und Foren diskutierten Journalisten über hintergründige Recherche zur extremen Rechten. Vor lauter Recherche fiel es da kaum auf, dass ausgerechnet einem Abgeordneten der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei auf dem Treffen ein großes Podium geboten wurde.

Von Patrick Gensing

Nazis im Visier, die NSU-Jäger, Bloggen gegen rechts (übrigens mit Publikative.org) – so lauteten einige Titel der Veranstaltungen beim NR-Jahrestreffen am 1. und 2. Juni 2012 in Hamburg. Zudem verlieh die Journalistenorganisation erneut die „Verschlossene Auster“, die in diesem Jahr an die Fifa ging.

„Passend“ zum Schwerpunkt Rechts hielt der Schweizer Nationalrat Roland Rino Büchel die Laudatio. Der Sportmanager ist nicht nur ein profilierter Kritiker des Fußballverbands, sondern auch Abgeordneter der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei.

Hamburg 01.06.2012, Verleihung der "Verschlossenen Auster" 2012, Laudator: Roland Rino Buchel, Netzwerk Recherche e.V. Jahreskonferenz 2012, 01.-02. Juni 2012, Hamburg, Deutschland, Fotograf: Raphael Hunerfauth
Hamburg 01.06.2012, Verleihung der "Verschlossenen Auster" 2012, Laudator: Roland Rino Buchel, Netzwerk Recherche e.V. Jahreskonferenz 2012, 01.-02. Juni 2012, Hamburg, Deutschland, Fotograf: Raphael Hunerfauth

Für diese engagiert sich Büchel seit Jahren. 2004 zog er in den Kantonsrat von St. Gallen ein. Bei der Nationalratswahl 2007 erreichte er den ersten Ersatzplatz der St. Galler Liste der SVP. Mit dem Rücktritt von Jasmin Hutter konnte er am 1. März 2010 in den Nationalrat einziehen.

Im Wahlkampf 2007 verkündete Büchel unter anderem: Es gibt allen Grund, auf unser Land stolz zu sein. Ich kämpfe dafür, dass das auch so bleibt.“ Daher setze er sich „konsequent für die Bekämpfung der Ausländerkriminalität, für tiefe Steuern und gute Bedingungen für unsere Wirtschaft ein“. Unter dieser Aussage des NR-Gastredners in einer Wahlkampfzeitung prangte eine Zeichnung, die in Deutschland ebenfalls bekannt ist: Eine Kampagne für die „Ausschaffung von kriminellen Ausländern“ wird mit weißen Schafen illustriert, die ein schwarzes Schaf aus dem Land treten. Eine Darstellung, die deutschen Neonazis gefiel, die NPD übernahm das SVP-Motiv für ihren Wahlkampf. Auch die spanische rechtsradikale Gruppe Democracia Nacional benutzte es, diesmal mit der spanischen Flagge als Untergrund für die Schafe. Kopiert wurde das Schäfchenplakat auch von der italienischen Lega Nord und von der Tschechischen Nationalpartei.

SVP-Wahlkampf von Büchel mit weißen und schwarzen Schafen.
SVP-Wahlkampf von Büchel mit weißen und schwarzen Schafen.

Die Ruhrbarone kommentierten: „Journalisten haben sich mit Politikern wie Büchel auseinander zu setzen. Ihm eine Plattform zu geben, sollten sie unterlassen.“

Nun könnte man einwenden, Büchel sei als Fifa-Experte aufgetreten, seine rechtspopulistische Partei spiele keine Rolle. Für Referenten bei dem NR-Treffen, die fehlende Aufmerksamkeit für rassistische Einstellungen in Politik, Medien und Gesellschaft kritisieren, bleibt jedoch ein fader Beigeschmack. Für die Journalistenvereinigung leider ein wenig ruhmreicher Vorgang.

Siehe auch: Hetzen mit Tieren, Menschenfeindliche Einstellungen: Die Mitte am Rand?, Hochrangiger SVP-Funktionär tritt “Pro Köln” bei, SVP bezeichnet Ausländer als Gesindel

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