Neuer Hass durch gefälschtes Video?

Nach den schweren Ausschreitungen von Salafisten in Bonn, bei denen mehrere Polizisten schwer verletzt wurden,  versuchen Rechtsextreme offenkundig weiteren Hass zu provozieren. So kursiert in rechtsextremen Kreisen ein Video, das angeblich von radikalen Islamisten erstellt wurde. Eine Fälschung, meint die Expertin Claudia Dantschke.

Von Patrick Gensing

Der Benutzer „Herbert Jäger“ stellte heute unter seinem ganz frischen Profil bei YouTube ein Video ein, welches angeblich von Salafisten produziert wurde. Unter dem Motto „Kommt um den PROPHETEN zu verteidigen“ wird in dem Streifen dazu aufgerufen, am 8. Mai in Köln zur „letzen Schlacht“ aufzulaufen. Am Dienstag will „Pro NRW“ dort vor der einer noch im Bau befindlichen Moschee erneut Mohammed-Karikaturen zeigen.

Das Video wurde in rechtsextremen Kreisen bereits zwei Stunden, nachdem es bei YouTube veröffentlicht worden war, weiter verbreitet, zunächst über Facebook, bald darauf in „islamkritischen“ Blogs. Das ging schnell, vielleicht zu schnell.

Publikative.org bat Claudia Dantschke um eine Einschätzung zu dem Video. Die Leiterin der Arbeitsstelle Islamismus und Ultranationalismus am Zentrum Demokratische Kultur Berlin  hält den Film für eine Fälschung, um weiteren Hass zu provozieren. Das Video sei aus im Netz verfügbaren Bildern zusammen gestückelt worden. Die Kritik an dem Gewaltexzess sei selbst in islamistischen Kreisen viel zu groß, meint Dantschke.

Kritik am Islamismus nicht den Rassisten überlassen

Vermeintliches Hass-Video von Salafisten, offenbar eine Fälschung.
Vermeintliches Hass-Video von Salafisten, offenbar eine Fälschung.

Das sollte angesichts der Bilder aus Bonn eigentlich selbstverständlich sein, denn ein Haufen rechtsextremer Spinner und einige Mohammed-Karikaturen sind keine Rechtfertigung für den Gewaltausbruch, den die Salafisten gezeigt haben. Ein 25-jähriger Islamist sitzt mittlerweile in Haft, er soll versucht haben, drei Polizisten zu töten.

Mit Pro NRW und radikalen Islamisten haben sich zwei Akteure gefunden, die beide darauf aus sind, Gräben aufzureißen und neue Gewalt zu provozieren, um von einer zunehmenden Polarisierung zu profitieren. Gruppen, die sich gegen christliche Fundamentalisten und Rechtsextreme wie Pro NRW engagieren, täten gut daran, sich auch gegen die radikalen Islamisten  zu positionieren.

Deniz Yücel kommentierte in der taz, vielleicht fühlten sich „diese Islamfaschisten demnächst vom Christopher Street Day provoziert. Oder vom Gedenken an den Holocaust, den es gar nicht gegeben hat und der in Wirklichkeit gerade an den Palästinensern verübt wird.“ Kurzum: Progressive Kräfte sollten die Kritik am Islamismus nicht den Rassisten überlassen.

Warum? Deswegen zum Beispiel: Claudia Dantschke schrieb auf Publikative.org über den Salafismus, „bedingungsloser Gehorsam, dem alle eigenen Wünsche unterzuordnen sind, wird hier gepredigt, das Gottesbild der Salafiten ist geprägt von einem “strafenden Gott“ Und: „Kennzeichnend ist eine sehr dichotome Weltsicht, alles wird eingeteilt in “richtig” und “falsch”, “gut” und “böse”, “schwarz” und “weiß” – ohne Grautöne dazwischen. […] Von allem was nicht in Übereinstimmung mit Allahs Geboten stehe (wie Salafiten sie verstehen), müssten gläubige Muslime sich lossagen. In den radikalen Strömungen wird dieses Prinzip nicht nur als Ablehnung und Abgrenzung interpretiert, sondern zum Hass auf alles „nicht-islamische“ zugespitzt.“

Siehe auch: Salafisten und Pro NRW erreichen ihr Ziel: GewaltWas ist “Salafismus”?

8 thoughts on “Neuer Hass durch gefälschtes Video?

  1. Vor allem: Warum sollten Hardcore-Islamisten ihre Videos auf Deutsch veröffentlichen? Das wäre was ganz neues.

  2. „Vor allem: Warum sollten Hardcore-Islamisten ihre Videos auf Deutsch veröffentlichen? Das wäre was ganz neues.“

    Ganz einfach, weil es in Deutschland Muslime verschiedenster Muttersprache gibt: Türken, Araber, Bosnier, Afghanen (Paschtu), Pakistan (Urdu) und viele andere mehr, dazu kommen deutsche Konvertiten. Weil sie hier leben, ist Deutsch die sie verbindende Sprache. Arabisch können beispielsweise die wenigsten Türken und Araber lernen so gut wie nie Türkische, eine Sprache die sie verachten. Das habe ich selbst bei Araber an der Uni erlebt, die Türkische lernen müssen, wenn sie Islamwissenschaft als Hauptfach studieren wollen.

  3. Das Video schien mir auch nicht ganz koscher – i.A. pflegen die Salafisten nämlich die Kommentarfunktion auszuschalten bzw. extrem zu zensieren, wenn Widerpruch kommt.
    Ändert aber nicht daran, dass ganz ähnliche, echte Videos kursieren. Hier ein Beispiel:

    http://www.youtube.com/watch?v=HW1DDHKwp7s&feature=related

    @geheim:
    „Vor allem: Warum sollten Hardcore-Islamisten ihre Videos auf Deutsch veröffentlichen? Das wäre was ganz neues.“

    Da irren Sie sich. es gibt davon Abertausende.

    Meine Vermutung: Islamkritiker haben das Video nur gefälscht (oder eher aus vorhandenem Material zusammengesetzt), um Kommentare dazu posten zu können, was ihnen sonst meist nicht möglich ist. Nicht die feine Art, aber im Inhalt keineswegs übertreibend.

  4. bei sauvra gibt es auch einen Artikel zum gefälschten video. Er listet sieben Fehlerquellen auf.
    http://sauvra.wordpress.com/2012/05/08/zum-gefalschten-salafistenvideo/

    1. Im Jägervideo spricht kein Prediger.

    2. Ab 0:12 erscheint eine rote arabische Schrift. Das ist nur kein Arabisch. In der ersten Zeile ist noch nicht einmal klar, welche arabischen Schriftzeichen gemeint sein können (z.B. l oder d am Wortanfang, der jeweils zweite Buchstabe lässt auch ordentlich Raum für Spekulation offen). Vermutlich hat jemand mittels Wörterbuch oder Übersetzungstool versucht gegen Juden und Christen zu hetzen (das letzte Wort, das einzig richtige, heißt as Salib = Kreuz).

    3. Die Musik ist falsch.

    4. Die Aufmachung und Texte sind zu militaristisch. So schreibt nur jemand, der regelmäßig auf Landserheftchen wichst. Die politische Orientierung von Personen, die sich an “Reihen festgeschlossen” aufgeilen (Horst-Wessels-Lied) und dies überall reininterpretieren (siehe Jägervideo 0:55), ist sehr entlarvend.

    5. Kein einziger Appell richtet sich an die zu verhindernde Tat, nämlich den “Propheten” zu verteidigen. Dabei ist der Prophet noch nicht einmal richtig geschrieben, denn normalerweise würde sav (Friede sei mit ihm) an den Namen angehängt werden.

    6. Die enervierende Wiederholungen “alhamdulah”, “inschaallah”, etc. fehlen.

    7. In 1:02 erscheint mit roter Schrift der Text “haq vs. batil”. Haqq ist falsch geschrieben und Sinn ergibt es auch nicht. Denn Haqq heißt bei den Salafisten (bei Sufis heißt es was ganz anderes) “gemäß der Sharia” und Batil heißt “mit der Sharia unverträglich”. Einige Salafis behaupten auch ihre Madhab (Rechtsschule) sei jene des “haqq”, weswegen sie die vier sunnitischen Rechtsschulen als Tradition ablehnen.

    Ein Salafist hätte in dieser Situation doch eine recht eindeutige Wortwahl gewählt, die die Vokabel Jihad bemüht hätte.

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